Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 186 (10.4.1931)
- Date
- 1931-04-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 3 DIE NEUE WELT Nr. 186 Cesefeag IjC^ # $20.- Vil., Rolsersfrafie 123 IX., Alserstnlie I ■ t ■ . ■ ' i frdem arabischen böxf äbgQscl;lps5eiipn Vertrages auäftvon der Anklage, gegen die. übrigen Teilnehmer an dem Ueberfall auf Moza zurücktreten wird. , , - , , 'v. s \ t n.« -.^äva - - * - <• . Die neue revisionistische •^|%ii2i^iil]l^^H[''i,«'lll?'; verurteilt in ihrer soeben erschienenen ersten Nummer aufs schärfste den Abschluß des Friedenspaktes zwischen der jüdischen Kolonie Moza und dein arabischen Nachbardorf Colonia. Dieser Pakt, schreibt „Haam", ist eine unerhörte Sehmach. Selbst jüdk sehe Assimilanten haben niemals Friedenspakte mit Pogromhelden abgeschlossen. * Kaum daß der gute Hammel yerspeist ist, kommt die Nachricht von der Niedermetzelung der Juden Bei Haifa. Ein Schaf wurde geschlachtet... Hbdifte deuffdie Juftix* Billigung eines Mordes erlaubt. Die liberalen und sozialistischen Zeitungen Deutschlands — ganz besonders die jüdischen — verzeichnen jubelnd die Schlappen, welche die Partei der Hakenkreuzler in letzter Zeit zu erleiden hatte. Ausschaltung aus dem Reichstag, Notverordnung, Waffenverbot, innere Kämpfe usw. Auf den Straßen wird es ruhiger! Ja, wenn die Entscheidung Über das Schicksal der deutschen Juden nur auf der Straße läge., Sie liegt Vanderswö. Was sich auf der Straße zuträgt, ist harmlos im Vergleich zu dem, was sich in den Herzen und Köpfen deutscher Menschen abspielt^ Bis an die höchsten Stellen ist die,, ätitisemitisdie Verwilderung gedrungen, an Stelteii^fe wef&e :keihe Psfizei und keine Notverord* ggUt$>heranreicht Das deutsche Reichsgericht, die oberste MÄörde, hat dieser Tage ein Urteil gefällt, das en Optimisten zu denke/1 gibt. In rf&mbiftg hatte äer^olizeioffizie*- Pohl seinen Vorgesetzten Regierungsröt^l* a s s a 1 y, einen getauften 'Juden, im Dienste angeschossen. Pohl gestand ein, daß er Lassaly umbringen; wollte, weiUetres für unerträglich fand.jd aß ein J u d e Vor gehetzter eines D e u t- •5cfien'sciri so'II."Bas Organ der sächsischen Nationalsozialisten, der Dresdner „Freiheitskampf", hatte die Tat gebilligt. Es sdirieb, daß nur ein Mensdi, der nicht die allergeringste Einfühlung sfähigkeit in die Seelenregung eines anderen habe, sidi darüber wundern könne, daß bei Pohl p 1 &t&j 1 ith die Pistole geknackt habe. Der Dresdener Polizeipräsident hatte daraufhin.*' das Blatt wegen Billigung des Mordes eingestellt. Die Nationalsozialisten legten beim Reichsgericht Berufung ein. Das Reichsgericht hat ihrer Berufung stattgegeben. Das Reichsgericht hat das Verbot, das der Dresdener Polizeipräsident über den „Freiheitskampf" verhängt hatte, aufgehoben und die Beschwerde der Nationalsozialisten als bereditigt erklärt. Im Gegensatz zum Dresdener Polizeipräsidenten* vermag das Reichsgericht in diesen Worten keine Billigung zu ersehen und begründet seine Haltung damit, daß „d e r Tatbestand des ausdrücklichen Billigens nie Ii t gegeben is t." Die vom „Freiheitskampf" gebrauchte Wendung enthalte nur „eine psychologische Erklärung der Tat". Moskaus Kampf gegen das Judentum Der Prozeß gegen die Menschewiken mit seinen jüdischen Angeklagten hat seinen Zweck erfüllt. Die Sowjetregierung hat demonstriert, daß sie nicht ver« j u det ist und nicht unter jüdischem Ein« f 1 u s s e steht. Der Prozeß war ständig von Ausfällen der Parteipresse gegen die „jüdischen Verräter" begleitet.1 Besonders die jüdischskommunistischen Führer und Zeitungen haben sich in perverser Art bemüht, die jüdi* sehe Note hervorzukehren. Das jüdische Regierungsorgan: „Emess" hat die Angeklagten und ihre angeblichen Helfer in Karikaturen abgebildet, welcher sich keine antisemi* tische Zeitung zu schämen brauchte. So stellt ein Bild jien Menschewiken Abramowitsch' als Pinkeljuden dar, der, in einen Tallis eingehüllt, falsch schwört. Der im Prozeß oft als Helfer der Konterrevolution genannte Herausgeber des jüdischen „Vorwärts" in New York, Kahn, steht als dicke Judenvettel neben ihm und ruft .„Amen". Der Prozeß hat eine antisemitische Welle hinter sich gelassen. Die Juden der Regierung haben reichlich dazu beigetragen. * Auf den Menschewikenprozeß folgte der B e* schneidungsprozeß gegen den Schächter und Mohel Radunski, welchem zur Last gelegt wurde, daß der von ihm beschnittene Knabe Tscherrok an den Folgen der Operation gestorben ist. Radunski wurde wegen „fahrlässiger" Tötung und Vollzug des „barbarischen Ritus der Beschneidung'* ■ angeklagt» Als Staatsanwälte fungierten die Juden Adl'erstein, Rosenhaus und «Dunets. Der Staatsanwalt Rosen haus hielt eine Rede, in der er offen zugab, daß der Prozeß nicht gegen Radunski, sondern gegen die jüdische Religion und den „jüdischen Klerikaüsmus" geführt werde. Die jüdische Religion, erklärte Rosenhaus, sei nicht weniger gefährlich als andere Religionen. Es sei kein Zufall, daß der Papst gemeinsam mit ausländischen Rabbi« das Sowjet« regime denunziere. Es sei kein Zufall, daß die amerikanischen Rabbiner und die Rabbiner anderer bürgerlicher Länder zu den Führern der gegen die Sowjets gerichteten Kampagne gehören. Der Staatsanwalt Adlerstein erhob in seinem Plädoyer gegen Radunski den Vorwurf, während des Prozesses konterrevoutionäres Verhalten an den Tag gelegt zu haben. Daß er sich als deklas* sierten Juden bezeichnet habe, sei darauf berechnet gewesen, den Eindruck zu erwecken, daß ihm seitens der Sowjetregierung schweres Unrecht geschehen sei. Der Staatsanwalt erging sich sodann in einer weit* sohweifigen Philippika gegen die Be* schneidung. Der Talmud lehre zwar, daß die Be* schneidung ein dem jüdischen Volke eigentümlicher Ritus sei, in Wirklichkeit sei sie.,aber nichts als ein „primi« tiver und b a r b a r i s che r Braue h", den die Juden von den Acgyptern übernommen hätten. Er vertrat den Standpunkt, daß Radunski an dem Tode des Knaben Tschertok schuldig sei, und plädierte für die Ver* hängung der Höchstera fe über den Angeklagt ten. Trotzdem der einvernommene Sachverständige, der Minsker Arzt Dr. Chrudin — selbst ein Gegner der Beschneidung —. erklärt hatte, daß die von Radunski angewandten Maßregeln den sanitären Vorschriften ent« sprochen haben. Während der Strafsatz für „fahrlässige" Tötung sonst ein *bis zwei Monate beträgt, wurde Radunski zu drei Jahren Kerker verurteilt. * Die jiddisch«kommunistische Zeitung „Emess" ver« öffentlicht eine Reihe von „T h e s e n" für die Anti« Pessachkampagne. In diesen Thesen wird erklärt. Z i o« nisten und Orthodoxe seien d i« offenen Verbündeten der Henker der r c v o 1 u t i o* nären Arbeiterklasse. Jüdische Rabbiner nehmen gemeinsam mit dem römischen Papst an Kreuzzügen gegen die Sowjetunion teil. Der hebräische Satz „Kol Jisroel Chawerim" (Alle Juden sind Brüder) sei die „chauvi« nistische Losung der jüdischen Ausbeute r". Das Pessachfest sei nicht eine Feier zur Erinnerung an Be« freiung aus Sklaverei, wie man die Juden habe glauben Wie die Maschine den Dampf so braucht der Körper ständige rationelle Pflege. Aber ständig, denn sonst kann die erwünschte Wirkung nicht erzielt werden. DIANA FRANZBRANNTWEIN mit H«nthol ist das geeignetste Mittel zur rationellen Körperpflege, und deshalb soll jeder DIANA-Franzbranntwein ständig benutzen. ÜBERALL ERHÄLTLICH! machen wollen, sondern stärke vielmehr den Sklavensinn im Volke. Die alte Hagadah der jüdischen Rabbiner und die neue Hagadah der modernen jüdischen Natio* nalisten zeigen dieselbe Tendenz, sie predigen Klassen« eintracht innerhalb der jüdischen Rasse und tragen daher dazu bei, die jüdischen Arbeiter ihren Aus« beutern auszuliefern und den Geist der Rebellion gegen die Bourgeoisie zu schwächen, Die Losung der jüdi« sehen Arbeiterschaft müsse lauten: „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!" Eine zweite Losung müsse lauten: „Kampf gegen die Religion istKampf für den Sozialismus." Cheder und Jeschiwah, heißt es in dem Artikel weiter, sind Brutnester zur Aufzucht von Sklaven für den Kapitalismus. Wir wollen diese Nester zerstören, wir treten ein für eine allgemeine sozialistische Erziehung. Wir wollen der jüdischen Jugend technische Ausbildung geben. Wir wollen ebensowenig am Sabbat einen Ruhetag haben, wie der nichtjüdische Arbeiter ihn am Sonntag hat. Wir haben die Fünftage-Arbeitswoche eingeführt, weil wir das Joch des Kapitalismus abgeworfen haben und am Sozialismus bauen. „Emess" stellt fest, daß die jüdisehen Frauen nicht so fortschrittlich gesinnt sind wie die nichtjüdischen und daß sie mit der Tradition noch nicht in dem Ausmaß gebrochen haben wie die jüdischen Man« ner. Die jüdischen Frauen müssen jede Erinnerung an Mazzoth, Kerzenzünden und andere Gebräuche, die die Orthodoxie ihnen speziell vorbehalten hat, auslöschen. Die jüdische arbeitende Frau gehöre in die Fabrik, sie müsse Mitglied der Kollektive und der Sowjets werden. Am Schluß der „AntipessachnThesen" wird ah die jüdi« sehen Arbeiter der Appell gerichtet, in Massen dem Apikorsimverband beizutreten. * Soeben ist die erste Nummer der jiddisch« atheistischen Zeitung „Apikoires" als Antipessach« Nummer erschienen. Das Blatt meldet, daß die Synagoge in Koidanow in einen Handwerkerklub, die Synagoge in L i n e t z in eine Schule, die in Mona« stirschtschin in ein Kulturhaus umgewandelt wurde. Das jüdische Dorf „R o i t e Feld" im jüdisch«autonomen Rayon Stalindorf hat den kostbaren Schmuck der Thqra« rollen des dortigen Bethauses dem lokalen Verteidigungs« fonds gespendet. Die jüdische Siedlung Bragin hat be« schlössen, das Beth Midrasch aufzulassen und die Räume für Kulturzwecke zur Verfügung zu stellen. Aus Hornel wird berichtet, daß dort eine antireli* giöse Universität mit einer Hörerzahl von 20 Stu« denten organisiert wurde. Die Nummer enthält außerdem einen Artikel der bekannten jüdischen Kommunistin „Esther" (Esther Frumkin), der sich mit der Parole „Nieder mit Töpfen und Pfannen, auf in die Fabrik!" speziell an die Frauen wendet. * * ' In Moskau wurde unÄr Beteiligung von 70 Dele« gierten aus allen Schichten der jüdischen Bevölkerung Sowjetrußlands der jüdisch*aritireligiöse Kon« g r e ß eröffnet. Juden aus Georgien, Tadjistan, Uzbekistan und anderen Gebieten haben einen Plan zur Durchführung einer antireligiösen Kampagne entworfen, die die völlige Vernichtung der jüdischen Religion in diesen Provinzen zum Ziele hat. Große Ueberraschung rief ein Bericht eines Delegierten aus Leningrad her» vor, wonach in der ehemaligen Hauptstadt Rußlands zahlreiche geheime Chedarim und Jeschiwoth bestehen. Der Delegierte aus Leningrad erklärte,' es gebe in Leningrad, das noch immer das Zentrum des „j ü d i* sehen Nationalismus" sei, zahlreiche „Nester" der früheren Bourgeoisie. Die Delegierten aus der Krim und anderen Gerieten Rußlands teilten' mit, daß die anti* religiöse Kampagne unter den Juden ihrer Heimat nur geringe Fortschritte macht. ♦ ♦ ♦ Osterglocken Rittialmordaffüren in Litauen. Kowno, 4. April. (J. T. A.) Eine Ritualmordaffäre am Voraben d des Pessachfestes hat unter den Juden des litauischen Distrikts Keidan Panik hervorgerufen. Ein einjähriger Säugling, der von einer Bäuerin nach Keidan aus einem der umliegenden Dörfer gebracht wurde, ist auf der Fahrt erfroren. Die Mutter des Kindes hat nunmehr gegen die Bäuerin die Beschuldigung erhoben, daß sie das Kind um den Preis von 500 Lit den Juden zur Blutentziehung ausgeliefert habe. Diese Legende findet unter der bäuerlichen Bevölkerung des Bezirkes Keidan Glauben. Die jüdische Bevölkerung sieht mit begreiflicher Spannung dem Ergebnis der Obduktion entgegen, die feststellen soll, ob das Kind erfroren oder eines gewaltsamen Todes gestorben ist. Ein ähnlicher Vorfall spielte sich in dem im gleichen Bezirk gelegenen Dorf Airogolo ab; wo ein Mädchen, das ihr uneheliches Kind getötet hatte, die Schuld an dem Mord den Juden in die Schuhe schieben wollte. Glücklicherweise konnte der wahre Sachverhalt bald festgestellt werden, so daß ernste Folgen vermieden wurden, Die jüdische Tageszeitung „Folksblatt" in Kaunas gibt der Vermutung Ausdruck, daß die beiden im gleichen Distrikt gegen die Juden erhobeueu Blut-