Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 185 (1.4.1931)
- Date
- 1931-04-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 0 DIE NEUE WELT Nr. m ^timiHiimtm'MiimMtüiiiimn:m:tipttn;imsmkmnrjiitjtuniMinninsirnun(mi:imrrt:?:tniiin;u; 1 DIE BR NNENDSTE FRAGE...11 |? Wo verbringe Ich heuer meine Sederebende? | i _ Im bestbekannten orift. ygs _____ 1 1 ■■■ Rattaurant A. Barichak ■■■ | | Wien II, Or. Schiff«. 3, Tel. R-4U-1-39, wo, wie alljährlich I SEDERABENDE 1 j§ in traditioneller u. feierlicher Weise abgehalten werden § H Einen wahren Pessachgenuß für den verwöhnten Feinschmecker fä bedeuten A. Bai schal« Weln-Spezlal täten. Eine wirkliche Auslese; g h Palästina, Karrnd, Muskat, Malaga, Met. la SUbowl« und Kograk §| Das Restaurant steht unter A"fsicht des etuw. Rabb der Kultusgem. § i t**»^ iNDKs nov n on a^n i Delegierter Dr. E1 k e I e s, Mitglied des Vorstandes des R. J. F., führte aus, der Reichsbttnd jüdischer Frontsoldaten sei vollkommen unparteiisch und zähle Personen aller Richtungen zu seinen Mitgliedern. Die Herausgabe des Gedenkbuches sei beschlossen worden, nachdem reaktionäre und antisemitische Kreise behauptet hätten, es seien höchstens 4400 Juden im Kriege gefallen. Dag Gedenkbuch soll — schon heute ist festzustellen, dal! die jüdische Gefallenenzifer 12.000 übersteigt — antisemitische Verleumdungen abwehren. Als dann der Redner, sich gegen Kareski wendend, die Bemerkung machte, man möge nicht Deutschtum mit nationalsozialistischer.Richtung identifizieren, erhob sich 'auf den Bänken der Volkspartei schärfster Widerspruch, mehrere Delegierte stürmten zur Tribüne und forderten, daß der Redner seine Worte in aller Form zuttcknehmen solle. Als dann ein Antrag Dr. Werth^ims auf Schluß der Debatte mit den Stimmen der Liberalen angenommen wurde, verließen die Abgeordneten der Volkspartei demonstrativ den Saal. Hans Goslar (Volkspartei) und Horovitz (Kons.) appellerten an die Mehrheit, diese Debatte nicht so unschön ausklingen zu lassen. Nachdem auch Dr. Seligsohn (üb.) den Antrag auf Wiederaufnahme der Debatte gestellt hatte, wurde dieser Antrag angenommen. Die Volksparteifraktion kehrte in den Saal zurück. Delegierter Hans Goslar (Volksp.) führte aus, Kareski habe nichts gesagt, was das Andenken der Gefallenen auch nur im geringsten angreifen würde. Als Anhänger von Herzls Wort „Aus armen Judenjungen sollen stolze junge Juden werden!" sei er durch die Verkennung der Bedeutung des Sports erregt gewesen, und seine Äußerung sei darum mißverstanden worden. Er wollte sagen, wir seien erstens gegen die Ideologie, daß man durch die Höhe der Gefallenen-Opfer die Treue erweisen müsse — dies haben wir nicht nötig — zweitens gegen jene schon in der Schule g ezüchtete Ideologie, daß nur derjenige ein Held ist, der auf dem Schlachtfelde sein 'Leben läßt. Für uns, ist jeder ein Held, der irgendwie auf dem Felde der Ehre, z. B. auf dem Felde der Wissenschaft sein Leben opfert. Auch die Vorkämpfer für die Friedensidee sind Helden. Die Abstimmung ergab einen „Sieg" der Liberalen. Die für das Gedenkbuch bestimmten 5000 Mark wurden den jüdischen Sportlern entzogen. Der Vermittlungsvorschlag, die Sportsubvention in der Höhe von 6000 Mark zu belassen und separat 3000 Mark für das Gedenkbuch zu bestimmen, wurde abgelehnt Lebendiges Judentum ist den Assimilationsjuden unbequem, totes Judentum ist ihnen bedeutend sympathischer. So haben sie den lebenden Juden weggenommen und den toten Juden gegeben . . . Ablehnung jüdischer Richter. Berlin, 30. März. Die „C. V.-Zeitung" berichtet: Kürzlich stand der nationalsozialistische Agitator Fritz Waldmann als Verbreiter eines antisemitischen Hetz* flugblattes vor der Berufungskammer des Land« gerichts Breslau. Den Vorsitz in der Verhandlung führte ein getaufter Landgerichtsdirektor, ein beisitzender Assessor war jüdischen Glaubens, Der Angeklagte lehnte beide Richter wegen Befangenheit ab. Diese erklärten sich je«f»ch nicht für befangen. Trotzdem hielt die zur Ent* Scheidung über das Ablehnungsgesuch gebildete Kammer, bestehend aus den Landgerichtsräten Dobrzynski, Franz und Zahn, die Ablehnung für berechtigt. Diese Ent» Scheidung steht in Widerspruch zu dem von uns in Nr. 34 der „,C. V.»Zeitung" vom 22. August 1930 veröffentlichten Reichsgerichtsurteil sowie zu der Verfügung des Preußischen Justizministeriums, die wir in Nr. 42 der „C. V.=Zeitung" vom 17. Oktober 1930 bekanntgegeben haben. Wir fragen: Was gedenkt der Herr Justizminister gegen eine derartige Sabotage seiner Verfügungen und gegen eine^ derartige Atomisierung der Rechtspflege zu unternehmen? Nächstens werden Angeklagte nur noch von ihren nächsten Freunden abgeurteilt werden dürfen. | Verband demokratischer Zionisten In Wien, Giuppe Vi—VIII | | Sonntag, den \ April 1931 I Im Verbandvshelm, Ii., Untere g I Hugartcnstrasse 35 m AKADEMIE (Cinahter.Tantdartiletunflen, 1 Gesangscnoi) § | Beginn '/,9 Uhi abends. Cntre'e 5 ».- per Person 1 "HP Belgien jeder Fremdeneinwaitdernng verschlossen. Berlin, 26. März. Die jüdische Wohlfahrt•« stelle in Antwerpen benachrichtigte die Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge, daß laut Verfügung des bei-: gischen Jutizminiterium vom 15. März ab kein Frem» der das belgische Gebiet betreten darf, um dort Arbeit zu suchen oder zu verrichten, ohne vorher* gehende Erlaubnis der Oeffentlichen Sicherheitsbehörde. Jeder Fremde, der ohne Erlaubnis dieser Behörde das Land betritt, hat es sofort ohneweit er s zu verlassen. Das Dokument der Eintragung ins Fremdenregister, abgegeben an Personen, die keine besoldete Stelle annehmen, muß deutlich den Passus enthalten: „Inhaber dieses verpflichtet eich, in Belgien keine Stellung anzunehmen, widrigenfalls er sofort des Landes verwiesen wird." Budapesfer Brief« Von unserem Korrespondenten. Kultuswahlkomödie. — Traurige Haltung der Zionisten. Wochenlang hat die Kultuswahl das hiesige jüdische Leben in Atem gehalten. So war es zumindest in den jüdischen Blättern der ungarischen Hauptstadt zu lesen. Man darf sich jedoch durch diese Zeitungen, die sich nicht genugtun konnten in der Wiedergabe von Reden der Wahlwerber und ihre Spalten kaum noch für andere jüdische Ereignisse offen hatten, nicht irreleiten lassen: nur eine verschwindend geringe An« zahl von Juden war an dieser Wahl unmittelbar interessiert. In Budapest leben etwa 210,000 Juden, von denen auf die große Pester jüdische Gemeinde — es gibt außer ihr noch vier andere, gesetzlich anerkannte Gemeinden im Gebiete der Stadt — etwa 180.000 Seelen entfallen. Eine der zahlreichsten jüdischen Gemeinden der Welt, die aber einen wesentlich kleineren Umfang darstellt, wenn wir verraten, daß von diesen 180.000 Juden und Jüdinnen nur 15.000 das Wahl« recht besitze n, und dies auch nur auf Grund der - v r d n Wahlen durchgeführten „Wahl- Radio - Grammophone SchallpSatien Neueste Marken, auch Umtausch älterer Apparate, Zahlungsetleichtf-rung Rodlonaus „ELP/iflRA", 1. DominiKanerbastei 22 Ecke Franz-Josef-Ka« 7/9, Tel. R-2M-16 Der vor zwei Jahren {stählte neue Präsident der Kultusgemeinde, Hofrat Samuel Stern, versprach in seiner Antrittsrede, die jjD'rdiokratisierunjjf" des Wahlrechtes durchzuführen, tuni einer modernen Ver* waltung der Gemeinde die Wege zu ebnen. Was geschah? Es blieb — abgesehen von ganz geringen, unwesentlichen Aenderungen — alles beim Alten, die Herrschaft eines Klüngels, die Freunderlwirtschaft, ist also wieder auf unabsehbare Zeit gesichert. Die Beherrscher der PeS'ter Kultusgemeinde, die im magyarischen öffentlichen Leben als was c h echte Demokraten auftreten und allerhand radikale Re* formen fordern, lassen es in der jüdischen Gemeinschaft bei einem Wahlrecht bewenden, das wohl das allerreaktio* närste darstellt, was das jüdische Volk auf diesem Gebiete besitzt. Man kann zwanzig Jahre die Kultussteuer pünkt» lieh entrichten, ohne auch nur den geringsten Anspruch auf das Wahlrecht zu haben. Die Bedingung für die Erlangung des Wahlrechtes ist: eine Mindeststeuer von 10 Pengö (= 12.50 Schilling) und eine Immatrikulations* gebühr, deren Höhe von der Kultusgemeinde nach B e* lieben bemessen wird. Es ist klar, daß durch diese Bestimmung das alte, rückschrittliche Wahlrecht, durch das die Massen aus der Verwaltung der jüdischen Gemeinde vollständig ausgeschaltet werden, in seiner vollen Härte aufrechtbleibt. Diese den jüdischen Massen gegenüber geübte Vor* enthaltung des Wahlrechtes in der Kultüsstube schien aber die Herren Gewalthaber noch immer nicht darüber zu beruhigen, daß die Herrschaft in der Gemeinde auch weiterhin ihren bewährten Händen anvertraut bleiben würde, Sie brachten es über sich — sicher ist sicher —• alle Anträge (sie waren ja nur sehr zahm und zaghaft) auf Einführung des Proportionalwahlrechtes auf das entschiedenste mit der in anderen Ländern etwas seltsam klingenden, aber vom Herzen kommenden auf* richtigen Erklärung abzulehnen, daß die Verhältniswahl insofern gefährlich «ei, ais darch sie „•tnerwüns :.i»t«: und unberufene Elemente" in die Kultusstube gelangen könnten. Und so blieb es beim Alten. Es ent« scheidet die nackte Mehrheit, und mag die Minderheit auch 49 Prgzent der Stimmeo gewinnen, sie erhält auch nicht ein Mandat. Wie sieht es nun um die Vertretung der jüdischen Gemeinde aus? Es werden vorerst 350 Repräsentanten gewählt, diese setzen dann einen achtzehngliedrigen Kultusvorstand und einen Ausschuß von hunder t Mitgliedern ein. Es ist klar, daß die Repräsentanz und der Ausschuß rein repräsentative Körperschaften sind, die äußerst selten einberufen werden und jeglichen Einflusses auf die Fuhrung der Geschäfte entbehren. Nachdem dieses neue, vom alten übrigens kaum abweichende „Wahlrecht" geschaffen war, ging man an r>D nne» ^kibp mannt) » *na^a yöbnyDiyo die Wahlen heran. Wochenlang zogen Kandidaten der offiziellen Liste von Lokal zu Lokal, um die ihres Wahl* rechtes beraubte jüdische Bevölkerung durch phrasenhafte Wahlreden zu entschädigen. Denn die Phrase war auch diesmal Trumpf. Jeglichen jüdischen Pro« gramms bar, mußte die Religion herhalten, und die verschiedenen Redner, unter ihnen viele, die mit ihr gar nichts zu tun haben, forderten im Brusttone der Ueberzeugung die — so heißt die neueste Phrase — „V e r* tiefung der Religiositä t". Aber all das zog nicht und am Wahltage — am 8. März — zeigten sich die Inter* esselosigkeit der jüdischen Bevölkerung und der Wahlrechtsraub in ihrer erschütternden Nacktheit: Von den fast zweihunderttausend jüdischen Seelen erschienen 4570 an der Urne, um die Schicksale einer der größten jüdischen Gemeinden der Welt zu entscheiden. Auf die offizielle Liste wurden 3594 und auf verschiedene oppo* sitionelle Listen insgesamt 923 Stimmen abgegeben. Wie« wohl die Oppostion also 21 Prozent der Stimmen erhielt, ging sie selbstverständlich vollständig leer aus. Wie verhielten sich nun die Zionisten? Zuerst versuchten sie, Hofrat Stern zur Einführung des Verhältniswahlrechtes zu bewegen. Als dieser entschieden ab« lehnte, gaben sie sich zufrieden und stießen ins Horn der Offiziellen, womit sie sich des Wahlrechtsraubes m i t* schuldig machten. Wie wurden sie nun entlohnt? Geradezu fürstlich: Im Kultusvorstand haben sie kein einziges Mandat erhalten, ja nicht einmal im hundertgliedrigen Ausschuß. Gnadenweise wies man ihnen unter den 350 Sitzen der Repräsentanz vier Mandate zu (Dr. Izsak, Dr. Osztern, Dr. Schönfeld und Dr. Patai), dagegen strich man im letzten Augenblick den Namen des Zionisten Dr. Nison Kahan, um irgend* einem Freunderl Platz zu machen. Dieses Ergebnis ist überaus traurig für die unga* rischen Zionisten, denn es zeigt ihren vollständigen Mangel an Einfluß auf das jüdische Leben. Der Eindruck wird noch dadurch verschärft, daß das zionistische Organ mit dem Wahlausgang sehr zufrieden ist. „Zsido Szemle" deutet wohl darauf hin, daß bei den letzten Kultuswahlen in Berlin 78.000 Wähler an der Urne erschienen sind und in Wien 30.000 ihr Wahlrecht ausgeübt haben, und weist etwas schüchtern auf die Notwen» digkeit einer wirklichen Wahlreförm hin, aber im großen ganzen blickt sie „hoffnungsvoll" der Zukunft entgegen und kann sich nicht genugtun in der Anstrudelung des Präsidenten Stern, des geistigen Urhebers der Entrech* tung der jüdischen Massen. Das Erschlaffen des zionistischen Geistes, das sich in vielen Ländern bemerkbar macht, geht in Ungarn so weit, daß man selbst auf die For* derung nach Eroberung der Kultusstube Verzicht leistet, die zum ältesten Bestandteil des zionistischen Programms gehört. Der ganze Zionismus in Ungarn erschöpft sich, zumindest soweit es die offiziellen Kreise in Budapest betrifft, auf eine reine Kolonisationssache, wobei auf eine Bekämpfung derAssimilation überhaupt Ver* zieht geleistet wird. Im übrigen werden von zionistischer Seite die Führer der Assimilanten fortwährend bejubelt, so daß der Fernstehende sich des Eindruckes nicht erwehren kann, daß es nach Ansicht der ungarischen Zio« nisten durchaus nicht erforderlich ist, sich zum Zio» nismus zu bekennen. Es liegt in der Natur der Sache, daß in Kreise von Zionisten, die so wenig von der Ideologie des Zionismus durchdrungen sind, auch die Opferfreudigkeit für Palästina eine. sehr, bescheidene ist. Nach einem großzügigen Versuche, die ungarische Judenheit gewissermaßen zu überrumpeln, hat sich nun der Keren Hajessod entschlossen, grundlegende, organische Arbeit zu leisten, deren Leitung dem Herrn Dr. Otto Abel es aus Wien anvertraut ist, der bereits seit Wochen in Ungarn weilt und bestrebt ist, diesen jungfräulichen Boden für Erez Israel urbar zu machen. Dies ist um so schwieriger,, als man hier unter wirtschaftlich sehr ungünstigen Verhältnissen zu arbeiten hat und überdies eine Aufklärungsarbeit zu leisten, wie sie in anderen Ländern Mitteleuropas vor dreißig Jahren besorgt wurde. . J. L. Erttff nungsanzeige! 1W)1 Selen oarenrestaurant I mf ABF «ißener Erzeugung, beste Qualitäten II., GLOCKE NQASS111 M. BRUfCNER & Co. Unsere Fabrik steht unter der rituellen Aufsicht des arm W2 omnn nen «na KB^ty *|or *n . mm m