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Die neue Welt · 1931-04-01 · Heft 185 (1.4.1931) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 185 (1.4.1931)
Date
1931-04-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 185 DIE NEU2 WELT Seite f Der Sendbote der Leitung. Das Mitglied der zionistischen Exekutive Dr. Felix Rosenblüth in Wien. Eine Rundreise durch Ost- und Mitteleuropa brachte das Mitglied der zionistischen Exekutive Herrn Dr. Felix Rosenblüth nach Wien. Zweck des Besuches war: Stärkung der zionistischen Organisation; ob er erreicht wurde, ist fraglich. Was Herr Dr. Rosenblüth d«n Wiener Vertrauensmännern sagte, entzieht ©ich der Besprechung, weil die Sitzung für geheim erklärt wurde. Was er aber in öffentlicher Versammlung sagte, war nicht geeignet, die wirklich schwache Organisation zu stärken. Neben der Unterstreichung der Verdienste Weizmanns und der zionistischen Leitung, zu welcher er von seinem Standpunkte aus gewiß berechtigt ist, war der öffentliche Vortrag Dr. Rosenblüthß zwei Hauptgegenständen gewidmet, und zwar der schweren Beleidigung der Opposition, insbesondere der revisionistischen, und der Verherrlichung der zionistischen Bürokratie, verbunden mit strengster Zurechtweisung aller jener, die an ihr Kritik zu üben wagen. Dr. Rosenblüth beklagte vorerst die unziemliche, giftige, maßlose Tonart, in welcher die Leitung angegriffen wird. Nun, Herr Dr. Rosenblüth, die Opposition hat die Mitglieder der Leitung noch nie „schmutzige Tiere" geheißen, die dem Gegner „ihren Kot in den Mund werfen". Hingegen stammen diese und ähnliche Ergüsse dem Organ der Exekutive „Haolam", welches die revisionistische Opposition mit diesen Worten apostrophierte. Die Revisionisten haben, die „Neue Welt" hat davon berichtet, Genugtuung verlangt. Die Exekutive, welcher Dr. Rosenblüth angehört, hat eine offizielle Entschuldigung verweigert. Aber Herr Doktor Rosenblüth klagte in Wien über die rüden Angriffsformen der Opposition. Dann ging er von der Klage zum Angriff über und belegte die Zionisten-Revisionisten mit Bezeichnungen, wie „aufgeblasene Revolutionäre", „Mundhelden" usw. Die beste Art, die Organisation zu stärken und zu pazifizieren. Daß es trotz dieser Taktik Dr. Rosenblüths zu keinem Lärm kam, ist gewiß nicht seine Schuld. Eher die der rüden Opposition. Hierauf hob Dr. . Rosenblüth die Vortrefflichkeit und Opferfreudigkeit der z d ö n i s t i s c h en Beamten hervor, denen Palästina und der Zionismus alles zu danken haben, und verurteilte die Kritik an den Beamten. Er fügte mißbilligend hinzu, daß diese tadelns- INDANTHREN HAUS VI., Mariahllfferstrasse 71 Nervenleidenden und Gemütskranken schafft das überaus milde, natürliche „Franz* Josef"»Bitterwasser regelmäßigen Stuhlgang, gute Verdauung und erhöhte Eßlust. Es ist in Apotheken und Drogerien erhältlich. werte Kritik von Wien ausgehe. Er meinte, und jeder verstand ihn, die „Neue Wert" und den Kreis um sie. Das ist eine Finte und keine gute. Nicht die Beamten wurden angegriffen und herabgesetzt, sondern das System, für welches die Leitung verantwortlich ist, das System der Vergeudung zionistischer Gelder durch Schaffung einer überzähligen und teilweise kraß überzahlten Bürokratie. An der Hand von Ziffern und Fakten hat die „Neue Welt" nachgewiesen, daß einerseits Gehälter gezahlt werden, höher als Ministergehälter in manchen Ländern, daß andererseits Lehrer monatelang auf ihren kleinen Lohn warten müssen, daß nichts für Kolonisation und Aufbau übrigbleibt. Das stand nicht, nur in der „Neuen Welt". Das war auch in Blättern der zionistischen' Regierungsparteien zu lesen. Nach jahrelangem, hochmütigem Schweigen hat die Exekutive Abstellung, „Sparmaßnahme" in Aussicht gesteilt. Was hat sie bis jetzt getan? Dar überhätte Dr. Rosenblüth sprechen müssen. Wenn er in dieser Hinsicht beruhigende Aufklärungen hätte geben können, so hätte das zur Hebung des gesunkenen Vertrauens und zur Stärkung der Organisation beigetragen. Der Umstand, daß er vor einem kaum halbvollen Saale zu sprechen genötigt war, hätte Herr Dr. Rosenblüth überzeugen müssen; daß die Wege der von ihm vertretenen zionistischen Leitung nicht zur Stärkung der Organisation führen. Zur Sammlung der Kräfte und Steigerung des Vertrauens sind Beleidigung der Opposition und Loblieder auf Bürokratismus wenig geeignet Es war wieder ein vergeblicher Aufwand von Mühe und Kosten. Man nimmt den Lebenden und gibt den Toten« Auf der in der Vorwoche abgehaltenen Sitzung des Landesverbandes der Juden in Preußen ereignete sich ein für die Denkart des assimilatorischen Judentums charakteristischer Zwischenfall. Im vorigjährigen Budget waren 6000 Mark für Subventionierung der jüdischen Sportvereine eingestellt. Diesmal beantragte der „liberale" Referent, den jüdischen Sportvereinen nur 3000 Mark zukommen zu lassen, und schlug vor, die auf solche Weise ersparten 3000 Mark dem „R e i c h s b u n d jüdischer Frontsoldaten" (R. J. F.) als Beihilfe zur Herausgabe seines „Gedenkbuches für die im Kriege g e f a 1lenen Juden" zu geben. Den Hauptinhalt dieses Buches bildet die Aufzählung der 12.000 gefallenen jüdischen Soldaten. Die Liberalen, denen die offen als jüdisch erklärten Sportvereine seit jeher zuwider sind, benützten die Gelegenheit, um gegen den j üd isichnut ibn a 1 en Sp o r t vor zu gehen. Es ging ihnen nicht darum, 3000 Mark „ zu "ersparen (bei einem Gesamtbudget von zirka 1;200.000 Mark ein wenig bedeutender Posten), es ging ihnen; darum, dem jüdischen Sport 3000 Mark wegzunehmen und so seine Be- . deutung herabzusetzen. •;' ' Der zionistische Delegierte und ' derzeitige Präsident der Berliner Judengemeinde, Direktor. Kareski' (Volkspartei), wandte sich seh r s c h a r f gegen die Halbierung der Ziffer „Sportbewegung". Unter dem Widerspruch der Liberalen wandte er sich gegen die j Form der Propaganda für das R.-J.-F.-Gedenkbuch j und meinte, 'es' entspräche nicht der jüdischen Würde, durch die 12.0 0 0 oder mei-r. Kriegs-! opfer die Staatstreue erst beweisen und 1 daraus die Gleichberechtigung ableiten j zu w o 11 e n.. Wir . haben einen anderen Begriff vom, I Heldentum. Uns sind alle Toten gleich teuer. *»>fr^%Z^%&^*&s^^^ 5 Die Lese- und Redehalle jüdischer Studenten f a? gratuliert herzlichst ihrem Bb. Bb. $ f A. H. Rabbiner Dr. Sigmund Robibers I 8 Rabbiner in Rybnik, Poln.-Oberschlesien, an- | läßlich seiner Verlobung mit Fräulein & Sirene HOnlsteifl (Kaiusz) I und wünscht ihm * Wien, März 1931 f * 9&^?<&^^^V&^%&^9<&^*4^^ Edirne auf (96,3 Prozent), dann folgt die Stadt Smyrna. mit 94,1 Prozent; in Konstantinopel fällt dieser Prozentsatz amf 83,3 Prozent, den geringsten Prozentsatz weist der Wilajet Canakkale auf (70,6 Prozent). Jüdisch-polnischer Zwischenfall in New York. New York, 28. März. In der ganzen jüdischen und polnischen Gesellschaft Amerikas hat eine Rede des bekannten jüdischen Führers und Vorsitzenden des amc» rikanisch»jüdischen Kongresses, Mr. Deutsch, auf einem Bankett zu Ehren des polnischen Konsuls Bischefsky. ungewöhnlichen Eindruck gemacht. Mr. Deutsch erklärte, daß er nicht gekommen sei, dem polnischen Konsul eine' Lobrede zu halten, sondern um zu. erklären, daß die Juden in Polen ökonomisch unterdrückt werden u n d i h r e La g e ka t a s t r o p h a 1 s e i. Bei diesen Worten entstand großer Lärm. Die polnischen Gäste begannen zu protestieren. Mr. Deutsch erhob sich und verließ den Saal. Am nächsten Tag fielen die pol» nischen Zeitungen über Mr. Deutsch her und bemühten sich, nachzuweisen, daß die Juden Polens die gleichen Rechte genießen wie die andere Bevölkerung des Landes. Beleidigende Ausfälle der Dresdner Handelskammer gegen die Ostjuden. Dresden, 29. März. (J. T. A.) Den Mitteilungen der Industrie» und Handelskammer Dresden (Nr. 5, Jahrgang 1930) ist zu entnehmen: Aus Anlaß eines Einzelfalles hatten sich die sächsischen Industrie* und Handelkam* mern darüber zu verständigen, unter welchen Voraus* Setzungen die Genehmigung von Anträgen auf Namensänderung von Ausländern gebilligt werden soll. Die Kammer (gemeint ist wohl nur die Dresdner. D. Red.) vertrat zu dieser Frage eine strenge Auffassung. Gerade die.zugezogenen Ostjuden hätten sich so häufig als Wirtschaftsschädlinge erwiesen, daß kein Anlaß bestehe, sie in ihren Geschäften durch besonderes Entgegenkommen der Behörden zu unterstützen. Im Interesse des deutschen Kauf» mannes und Lieferers dürfe zugewanderten z w ei f e 1» haften Gestalten nicht die Möglichkeit gegeben werden, ihre H e r ku n f t zu verschleiern. Im all» gemeinen möchte eine Namensänderung nur dann zu» gelassen werden, wenn der bisherige Name anstößig oder lächerlich.wirkt. In allen anderen Fällen sei die Kammer für grundsätzliche Ablehnung von Aenderungsanträgen. Antisemitisches aus Sowjetrufiland. Riga, 29. März. Die in Minsk erscheinende jiddischkommunistische Tageszeitung „Oktiabr" meldet einen krassen Fall von Mißhandlung eines jüdischen Ar» Deiters durch seine nichtjüdischen Arbeitsgenossen. In der Homeler Schuhfabrik „Trud" überfielen mehrere Arbeiter, darunter der organisierte Kommunist Gawri* low, den jüdischen Arbeiter W a i n a i s k i, fesselten ihn an, Händen und Füßen, entkleideten ihn völlig und über» schütteten ihn mit Zement, so daß er schwere Verletzungen erlitt. Auf die Hilferufe des Opfers kamen andere Arbeiter herbei und befreiten Wainaiski aus der Hand seiner Peiniger. Die an dem Ueberfall beteiligten Arbeiter wurden aus der Gewerkschaft ausgeschlossen und werden sich vor Gericht zu verantworten. haben. fend, war es dem lyrischen Zuge in Engels Wesen gegeben, eine Reihe sehr schöner Lieder zu schaffen. Denn in der ungezwungenen Form des Liedes findet seine Begabung ihre stärksten Impulse, erreicht sie den Kontakt mit dem Volke. Engel ist bis jetzt der einzige Komponist, dessen Lieder in . Palästina größte Popularität erlangten und bereits „Volksgut" geworden sind. Noch eine kurze Zeitspanne, und diese Gesänge werden im Volke als „Volkslieder" fortwirken, ohne daß man an den Namen des Autors denken wird. Verdanken nicht zahl« reiche Volkslieder aller Nationen diesem Vorgang ihre Existenz? An unserem Einzelfalle erleben wir eine histo* risch wichtige Tatsache, wie das komponier te Lied «um Volkslied wird. Diese Erfahrung darf man viel« leicht als Beleg werten, daß wohl viele Volkslieder Schöpfungen einzelner Musiker waren, die, wenn Text und Melodie dem allgemeinen Empfinden und dem Rhythmus dew Blutes verwand; sind, im Volke lebendig werden, oft sicherlich in einer Neugestaltung, die vom authentischen Text weit entfernt ist, aber hinter der die Seele des ganzen Volkes als Einheit steht. Für Engel ist es jedenfalls die Erfüllung seines höchsten Traumes, als Vermehrer und Bereicher der jüdischen Volksmusik zu gelten. Die aus dem Nachlaß veröffentlichten Werke zeigen uns die entscheidenden und vertrauten Züge Engetsche$ Schreibweise. Die Singstimme ist melodisch dominierend, das Klavier spielt eine untergeordnete Rolle. Auch an den Stellen, wo d«r Klavierpart intensiver in eine Wechsel- 1: ' ' . ■ Wirkung mit der Singstimme tritt, behält letztere die Führung. Die Schlichtheit bei Eng^l ist mehr wert, weil sie, vp.n fremden Elementen unbelastet, echt un.d' unmittelbar wirkt. Wo er jedoch von den amiers. beanlagten Musikern, wie Krein, Achron, Mtllner, , angesteckt, harmonisch und kompositionstechnisch den . neu» zeitlichen Strömungen zu folgen versuchte, versagte er; es fehlte, ihm das. Organ für das neue Hören, für die künst» . reicheren Gestaltungsformen...,Am eindrucksvollsten sind diejenigen Werke, in denen er sich keine Fesseln auf» erlegte, um zeitgemäßer zu erscheinen, sondern in welchen der klangliche Ausdruck die volkstümliche Linie nicht durchbricht. . Wie entzückend in ihrer Primitivität sind die „S e c h s leichte Chöre", darunter die von der Habimah* Aufführung des „Hadibuk" bekannten eindrucksvollsten: „Lied der Chassidim" und die Melodie der „Bettlertänze". Für gemischten Chor gedacht, sind die Stimmen meist unisono und nur an einzelnen Stellen zueU oder mehrstimmig geführt. Größten Wert scheint Engel, auf leichte Ausführbarkeit gelegt zu haben. Die „F.'ü nf Kinderliede r", . sowie das Einzellied „R egendel" (Singstimme und Klavier) wirken — von einigen Schwächen der harmonischen Struktur ab* gesehen — durch ihre Unproblematik, die melodische Er* findung und die gefühlsbeseelte Auffassung des Textes überzeugend und stimmungsvoll. Weniger das groß an» gelegte, mit Tonleiter«Koloraturen aufgeputzte, banale Lied „Frühlingsklänge", eine Veröffentlichung, die keines» wegs gerechtfertigt erscheint. Dem Komponisten Engel ist damit ein schlechter Dienst erwiesen. Zwei Duette für Singstimmen und Klavier („Kling»Klang", „Etele und Motele") bewiesen, daß Engel die jüdische Volksmusik nie Materie, sondern stets Substanz war. Unkompliziert in der Melodik und harmonischen Fundierung, wird hier der naive musikalische Einfall zu intensivem Ausdruck verdichtet. Zwei „Jü d i s c h e B a 11 e 11 ä n z e" für Klavier, für den bekannten Tänzer A g a d at i bestimmt, sind geschlossene Stücke von einprägsamer gefälliger Motivik, jedoch in der Konstruktion des Baues und im Klaviersatz wenig befriedigend. Ein guter Einfall war es, die Engeischen Bearbeitungen von einigen Volksstücken nunmehr in einer Instrumentierung für Klarinette und Streich* quintett (S. Bejleson) herauszugeben. Die tiefen und be» zwingenden Volksmelodien („Chassidisches Motiv", „Wiegenlied", „Zockl" usw.) verbinden sich hier'zwanglos zu einer kleinen Suite von starker Eindringlichkeit. Die neue Fassung trifft durchaus den Sinn und das Wesenhafte dieser Musik und darf ohne Zweifel als eine Bereicherung der Volksmusikliteratur betrachtet werden. Es ist heute — angesichts der großen Entwicklung, die die jüdische Musik inzwischen genommen hat — nicht mehr wichtig, über den künstlerischen W«rt einzelner Kompositionen Engels zu urteilen; seine Bedeutung für die jüdische Musik liegt vor allem in der anregenden Kraft seiner Ideen und weist ihm seine historische Stellung innerhalb derselben zu..

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