Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 185 (1.4.1931)
- Date
- 1931-04-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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rteffel DIE NEUE WELT Nr. 10 di« jungen Theologen mit freigeistigen Ideen bekannt mächen. Der Vatikan wandte sich daher mit seinem Anliegen an die altberühmte konservative Itebbbincrsdvule in Trankf AM tu M. Dr Kmatttttl FriednDöM»» derzeitiger Ltft& der Rabbinorsdiilte, fand Nai&tU Kriwl fflr den g«öelgneteten Mann und empfahl '4mmbcn. Demi Dr. FrÄdmann fitand mit ihm in stäötl^sf Korrespondenz nnd kannte seine großen KenirrnUä© itthd hervorragenden Föwtherfähigtosaten. . \i ÜÄfteli Fried hatte sich vot dein Kriege dnd'ie Rafcbiöertehüle in Frankfurt «. M. ttdt dein Ersuchen gewandt, ihm durch Unterstützung da« Stod.ium an diesem Institut zu ermöglichen. Doch keine Bitte wurde abgelehnt und er mußte — da ihm die Subvention versagt worden und er selbst mittellos war» seinen Plan aufgeben, heiratete ein armes Mädchen and eröffnete ein H e r i n gjt es c h ä f 4, -das seine Familie nur kärglich nährte Trotz materieller Dürftigkeit oblag Fried in seinen Mußestunden dem Talmudstudium und sandte häufig die Ergebnisse seiner Forschungen dem Frankfurter Leiter D.r. Friedmann, der ihn immer zu neuen Arbeiten ermunterte und ihn auf eine große Zukunft vertröstete. Nach jahrelangem Warten ging seine Hoffnung in Erfüllung und der Postbote brachte den Brief, der ihm die Lehrkanzel in der Ewigen Stadt antrug. Brief berief sich zunächst mit Rabbinern. Auf deren Rai hin erklärte er sich bereit, die Berufung anzunehmen, und zwar unter folgenden Bedingungen: Sabbatruhe, koschere Küche, Uebersiedilunig seiner Familie und Ansiedlung von noch neun Juden zwecke Gründung einer Betgem einde auf Kosten des Vatikans. Diese Bestimungen imponierten dem Papste sehr und er bewilligte sie in einem direkten, in hebräischer Sprache gehaltenen Schreiben an Fried. Revisionistensturm bei einem Vortrag Dr. Magnes. New York, 28. März. (J, T. A.) Anlaßlich eines von der Histadrurth Iwrith, dem Verband der Hebräischsprechenden in Amerika, veranstalteten Vortrages des Kanalers der Hebräischen Universität in Jerusalem, Dr. J. L. Magnes, kam es zu stürmischen Kundgebungen der in großer Zähl erschienen Revisionisten. Einige Tage vor dem Eintreffen Dr. Magnes* in Amerika hatte die Organisation der Zi o niste n- Revisionisten Amerikas eine Resolutdon gefaßt, in der der Council der,; Hebräischen Universität: aufgefordert wurde, Dr. Magnes" wegen seiner „gegen den Zionismus gerichteten Tätigkeit seit den Unruhen von 1 92 9" seines Postens als Kanzler der Universität zu entheben. In der Versammlung setzten sofort, nadidem der Vorsitzende Goldberg den Redner vorgestellt hatte, lärmende, Kundgebungen der .Revisionisten ,ein. Stinkbomben wurden geworfen und es kam au einem Handgemenge zwischen den Revisionisten und den Allgemeinen Zionismen, die Dr. Magnes zu schützen versuchten. Nachdem der Tumult etwa eine halbe Stunde gedauert hatte, erschien Polizei, die mit großer Nicht nur elegant, § sondern auc i leicht § und angenehm § passen unsere Hüta § $9.—, 12.-. 16.— I 23.— und 30.— I Wien, II Wien, XIV. Wl80.IL. ..iahe 40 bis 50 ÜiMbeMifier aiw dem Saale entfernte. Nunmohr konnte Dr. Magnes seinen in hebräischer Spradie gehaltenen Vortrag über die Arbeiten der Universität beginnen, wurde jedoch in seinen Ausführungen häufig von den im Saale verbliebenen Revisionisten durch Zwischenrufe unterbrochen. Doktor Magnes ließ sich durdi die Stürungsversudie nidnt beirren. Er erklärte, er sei schon daran, gewöhnt, ein Verrater genannt zu werden. Dieses Wort, sagte Dr. Magnes, auf die Kriegigszeit anspielend, in der er wegen seiner pazifistischen Gesinnung als Verräter bezeichnet worden war, haibc ich schon vor langer Zeit gehört. Nach Versammlungssdiluß wurde Dr. Magnes von einer großen Menge von Revisionisten, die sich inzwischen in den umliegenden Straßen gesammelt hatten, beschimpft und bedroht Trotzdem lehnte Dr. Magnes polizeilidven Schutz ab und erklarte, sidi allein nach Hause begeben zu wollen.,, Dr. Magnes ist Initiator der Brith-Sehalom-Bewegung in Palästina, welche sich Friedensstiftung zwischen Arabern und Juden wohl zum Ziele gesetzt hat, in Wirklichkeit aber gegen den Zionismus arbeitet Während der Hinmetzelung von Juden Palästinas durch Araber im August 1929 haben Vertreter des Britb Schalom in der jüdischen und europäischen Presse die »jiationalistischen Juden" als Schuld tragende bezeichnet. In der vorigen Nummer der „Neuen Welt" wurde berichtet daß die hebräische Universität in den, Klagemauerstreit so eingreift, daß sie den Juden. Material verweigert, den Arabern aber Material liefert. Möglich, daß die amerikanischen Zionisten-Revisionisten eine ungeeignete Form des Protests gewählt haben. Aber in der Sa.che haben sie durchaus recht. Es ist eine Schande* daß dieser Geist die „nationale" Universität beherrschen darf. Daß Dr. Magnes sich daran „gewöhnt" hat, Verräter genannt zu werden, beweist noch nicht, daß er kein Schädling der jüdischen Sache ist Zeichnungen für die neue 8eterreichische s*aat$garantierte WOHNBAU-AKLEE HE weraen bereits entgegen enommen DR.THAUSING & SCHLESINGER Wien, I.. Tegetihdffstraße 4 ' *;••>*•.;.. , ... Ein Dizenlc6ff>IUrk,,in Tel-Awiwv Jerusalem, 27. Marz.*T5as Komitees zui Feier des 70. Geburtstages . v'on MäyeF' D i z e n g o f f, /Bürgermeister von Tel-Awnw, hat beschloissehV zu /Jähren des Jubilars einen neuen 5.0 Dunam B od eh umf assenden Stadt park l'n T el - A w i w, anzulegen und ahn „Gan Mayer" zu;bjeflennen. Die Ritualmordpropögnnda der arabischen Zeitniig »Falasiin**. Warschau, 3ft März. Der PalastinasKorrespondent . des'',;Hajnt" meldet aüs Jerusalem: Nöben der B'öyk'ot t* Propaganda hält die vom „Fälastin" propagierte Blutbeschuldigung die Gemüter yin Erregung. Reisende, 4ie; geschäf^Hch; i|- arabischen Dörfern] zu tun haben, erzählen, daß überall'; von'der Jaffacr Ritualmord« beschuldigung die Rede ist. Es wird davon gesprochen, daß der j Gd'is'c K e *K 6 n'i ||: (gemeint ist Weizmann) ge* kommen sei, um Jerusalem "shi erobern;—Wer hat jetzt ein Interesse an solch einer .JJetzc bei den phantastischen Kundmachung Die Wiener Molkerei bringt auch heuer Pesiacft-KOSChermlZch in allen ihren Filialen zum Verkauf. Ole Peisach Koscnerfltiich wird in» ihren Meiereien in Niederösterreich unter streng ritueller Aufsicht der von Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. W. Rosemann bestellten religiös verläßlichen Organen dttcvd erzeugt. Jede Kanne und jede Flasche ist mit einer Plombe, respektive einer Schleife versehen mit dem Aufdruck nee t»p ivd Vom 1. April bis 9. April in allen Verkaufsstellen erhältlich WIENER MOLKEREI | Geschichten zugänglichen arabischen Massen? Tatsache ist,! daß die Regierung, wenn sie nicht will, dergleichen Dingen nicht aufkommen lassen muß. Die Juden in der Türkei. Die türkische Regierung in Angara veröffentlichte vor einiger Zeit die Endergebnisse der im Oktober 1927 in der Türkei stattgefundenen Volkszählung. Auf Grund dieser Veröffentlichung hat die Sektion für Wirtschaft und Statistik des Jiddischen Wiissei.iichafitlidien Instituts das Material über die jüdische Bevölkerung bearbeitet. Die Ergebnisse sind folgende: Es sind in der gesamten Türkei 13,648.270 Seelen gewählt worden, darunter 81.872 (0,6 Prozent) jüdischen Religionsbekenntnisses. Die 81.872 Juden setzen sich aus 58.103 Männern und 43.769 Frauen zusammen. Bei der jüdischen Bevölkerung sind die Frauen prozentual in höherem Maße vertreten als bei der Gesamibevölkerung: auf 100 Männer fallen 107,9 Frauen bei der Gesa-mtbevölkerunig, 114,9 Frauen bei der jüdischen Bevölkerung. Drei Viertel der jüdischen Bevölkerumg dar Türkei leben in Kons t a n t i n o p e 1 (46.698) und S m y r n a (16.215). Ueberhaupt sind.die Juden der Türkei nur in sechs 1 Wala jets (Stambul; Smyrina, Edinne, Brousse, Canakkale, Tekirdag) konzentriert; in diesen Wilajets leben fast 94 Prozent der gesamten jüdischen Bevölkerung der Türkei, sie machen hier 3,5 Prozent der Gesamtbevölkerun.g aus. Im Wilajet Stambul (mdt der Stadt Konstantinopel) hst der Prozentsatz der Juden noch höher: 5,9 Prozent der Gesamitbevölkerung; dort lebt über die Hälfte der gesamten jüdischen Bevölkerung der Türkei. Der Smyrnaer Wilajet beherbergt fast ein Viertel sämtlicher türkischer Juden. Ueber die Sprache der türkisdien Juden ist zw berichten: Von den. 81.872 Juden haben 68.900 (84,2 Prozent) Jüdisch (d. h. Spaniolisch) als ihre Mutterspradie angegeben. Die Juden der Türkei sind sprachlich nur wenig assimiliert: nur etwa ein Siebentel der türkisdien Juden bedienem sich einer ni chtsp a n i o Iis dh en Sprache/, haupfcsächllieh natürlich des Französischen und des Türkische -n. Den größten Prozentsatz spandolisch Sprechender unter den Juden der Türkei weisrt der Wilajet Leute kommen,, von einer Feier, aus dem.Theater, von,f einem Maskenball, nach Mitternacht, so machen sie einen Sprung 'zu mir, um ein Radiokonzert als Draufgabe zu genießen. Da neulich klopft's gegen Mitternacht an der Tür. IcW erwache in Todesängsten. „Wer ist's?' „Ich, Ihr Nachbar, Nachmen Lejser, der Schuster!" — „Was wollen Sie?" — „Nehmen Sie mir's nicht übel, ich habe sagen gehört, daß bei Ihnen so eine Maschine ist, wo man reden kann nach Amerika, ich will mit meinem Sohn Joe in Chi« kago sprechen!" — „Was mir geträumt hat", sag' ich, „mitten in der Nacht gar?" — „Verstehen Sie mich doch", sagt er, „wenn bei uns Nacht ist, ist bei denen dort Tag. Ich werde doch nicht meinen Sohn um Mitternacht wecken!" Verstehen Sie die Gelüste eines Menschen? Er will seinen Sohn nicht wecken, so kommt er mich wecken. Und ich mach ihm War, daß sein Sohn, wenn er mit ihm durch Radio sprechen will, auch bei einem Radio stehen muß. „Na, werd ich ihm halt sagen", sagt er, „durch das Radio, er soll sich hinstellen neben ein Radio." — „Er muß doch", sag' ich, „neben einem Radio stehen, wenn er hören soll, daß Sie ihn durch das Radio bitten, er soll sich zu^einem Radio hinstellen." Mein Schuster gerät in Wut, spuckt aus, schimpft und haut die Tür zu. „Ich werde schon dran glauben müssen", sagt er, „ich werde ihn schon brauchen, zum Schuhflicken." Wenn Ihnen das nicht genügt, so hab' ich noch eine schönere Geschichte für Sie. Vor einigen Tagen kommt meine» Bruders Schwägerin aus Praga, eine Frau, schon fällig. Sie will auch Radio hören. Sie nimmt den Hörer,;und ob der. großen Ueberra,schung kommt sie zu Kind, und es beginnt ein Tanz mit Aerzten, mit Hebammen, bis sie mit Glück einen Knaben bekommt, und just in meinem Bett. Ich hab' also nicht mehr wo zu schlafen. Sitz' ich so die ganze Nacht und wiege die Neugeburt und sie liegt im Bett und hört Radio. Sie will's nicht anders, ich muß ihr das Radio zum Bett hinstellen. Wenn sie Radio hört, sagte sie, ist es ihr leichter um die Seele. Und wenn eine Wöchnerin will, kann man nichts machen. Aber den echten Leckerbissen bekomme ich von meiner Frau Gnessje und meiner Schwiegermutter, sie soll leben. Ich habe ihnen das Zimmer zu der Hölle gemacht, die ich verdiene. Das Leben hab' ich ihnen zerstört. Na, wenn sie schreien, schimpfen — daran bin ich gewöhnt. Eine Frau ist eine Frau und eine Schwiegermutter ist eine Schwiegermutter. Aber wozu brauch' ich's, daß das Radio dabei sei? Daß die ganze Welt meinetwegen auf den Beinen sei, Amerika und Washington und Australien und Kanada und Berlin und Königsberg und — die Haupt* sache — Argentinien? Denn in Argentinien hab* ich Verwandte. Hab' ich das nötig, daß die in Argentinien hören, wie meine Frau schimpft und meine Schwiegermutter über mich herfällt, daß die dort wissen', was für Leben ich bei meinem Weib und bei meiner Schwiegermutter habe? Pfui Teufel! Was wird geschehen, wenn ich den Apparat packe mitsamt dem Radio und in Stücke haue, daß von ihnen keine Spur zurückbleibt? Ich brauche kein Radio, Schluß. \ i Trotzdem, wenn Sie Zeit haben, machen Sie einmal einen Sprung zu mir und hören Sie eich ein Radiokonaert an. Eine interessante Sache ist es doch. Aus dem Nachlaß Joel Engels« Von Joachim Stutschewsky (Wien). Am 13. Februar waren es drei Jahre, daß Joel Engel gestorben ist. Ein Führer und Weg« bahner der jüdischen Musik, ist und bleibt er uns lebendig durch sein Lebenswerk, sein Menschentum und seine hingebungsvolle Liebe zum Judentum. Bei Engel gab es keinen Trennungsstrich zwischen „Leben" und „Schaffen". In jeder Handlung, in jeder Aeußerung vibrierte stets die jüdische Seele, der jüdische Geist mit. Aus tiefer Verbundenheit mit den Schicksalen seines Volkes erkannte er rechtzeitig seine innere Berufung und wußte ihr mit Konsequenz, unter größten persönlichen Opfern, zu folgen. Nicht so sehr durch seine Werke, sondern durch sein ganzes Wesen war sein Leben Dienst an der Wiedererweckung und Neugestaltung einer jüdischen Musik. Engel hat eine große Anzahl von Manuskripten hinterlassen, die zum Teil jetzt von seiner Frau im Rus* sischen Staatsverlag — leider wenig sorgfältig, mit vielen Druckfehlern und ohne Angabe der Ent» stehungszeit — herausgegeben werden. Die meisten dieser Arbeiten entstanden in den paar Jahren seines Aufenthaltes in Palästina, in befruchtendem Zusammen* wirken mit der dortigen Landschaft, dem neuen Menschen und der befreienden Atmosphäre des heimatlichen Bodens. Dort, wo die Menschen singend zur Arbeit, tanzend von der Arbeit gehen, aus dem leben« digen Geiste dieser völlig gewandelten Gegenwart schöp«