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Die neue Welt · 1931-04-01 · Heft 185 (1.4.1931) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 185 (1.4.1931)
Date
1931-04-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 185 DIE NEUE WELT Seit« $ ff Der Tonfilm »Wellerfolg ff Die Privatsekretärin mit Renate Müller, Hermann Thimlg, Felix Bressart Regie: Wilhelm Thiele Musik: Paul Abrahams Uraufführung ab 4. April Lustspieltheater-Kino II." Elite-Kino I. Flotten-Kino VI. Monopol Koppelmann A Co. Die Erklärung Prof. Balthazards hat in den jüdi* sehen Kreisen von Paris, deren sich nach Bekanntwerden des Briefes Professor Balthazards in der rumänischen Pi*sse heftige Erregung bemächtigte, beruhigend gew?*kt. Prof. Balthazard soll selbst jüdischer Abstammung sein, allerdings fehlt diesbezüglich ein zuverlässiger Nachweis. Jedenfalls gilt er als ein Mann von äußerst liberaler Ge* sinnung und hat bisher "idische Interessen weitgehend gefördert. Um so mehr waren die Pariser jüdischen Kreise erstaunt über die Bemerkungen, die ihm in den Publika* tionen der rumänischen Presse zugeschrieben worden waren. Die r um änische'Gesandtschaft in Paris erklärt offiziell, es sei ihr nichts darüber bekannt, daß eine Anfrage an sie bezüglich der Zahl rumänischer Studierender jüdischer Abstammung in Paris gerichtet wurde. Auch von dem Schreiben Professor Balthazards besitzt sie keine Kenntnis. Die jiddische Tageszeitung „Pariser H a j n t" «anreibt, es sei nicht zu glauben, daß die als gastfreund* lieh und tolerant bekannte Pariser Universität eine der* artige Frage aufgeworfen und eine Untersuchung über die Vorfahren ihrer rumänischen Hörer angestellt haben sollte, um herauszufinden, weicht von ihnen Juden und welche C u z i s t e n seien. Es sei unwahrscheinlich, daß irgendein Beamter der französisrh«r Republik in einem •offiziellen Brief die Frage „J v d * oder N i c h t j u d e?" gestellt haben sollte. Es könne unmöglich angenommen werden daß in dem freien, großmütigen Frankreich die NumerussclausussFrage offiziell habe aufgeworfen werden können und daß an rumänische Professoren, Kollegen Cuzas. die Aufforderung ergangen sein sollte, nach Paris zu kommen, um an einer gemischten Kommis* sion teilzunehmen, die zu bestimmen hätte, welche rumänischen Studenten zur Pariser Uni* versität zugelassen werden sollen. In den jüdischen Kreisen Rumäniens sieht man der Aufklärung der Frage, wie es zu der sinnwidrigen Entstellung des Briefes Prof. Balthazards gekommen ist, mit Spannung entgegen. Die Verlautbarungen der rumänischen Presse stammen aus Kreisen des rumä* nischen Unterrichtsministeriums, wo, wie man weiß, eine antisemitische Atmosphäre herrscht. Man er* wartet, daß die rumänische Regierung der Sache nach* gehen und feststellen wird, von welcher Seite dieser An* schlag gegen die in Paris studierenden jüdischen Stu* denten ausgeht. Warum der Studentenkongreß der „Kleinen Entente" abgesagt wurde. Bukarest, 28. März. Es hat hier großes Aufsehen erregt, daß der Studentenkongreß, welcher hier stattfinden sollte, am Letzten abgesagt wurde. Erst jetzt werden die Gründe bekannt. Es stellt sich heraus, daß der Kon* greß an der Haltung der rumänischen Studentenvertretung gescheitert ist. Die ausländischen Studentendelegationen fanden in Bukarest eine Aufnahme, welche bei ihnen von vornherein eine abweisende Stimmung erzeugte. Die jugoslawische Delegation war überhaupt nicht ein« getroffen, weil sie im Bahnhof Belgrad einen Konflikt mit den Behörden hatte. Hingegen war die tschecho* slowakische Delegation von einem Studenten namens Fischer geführt, der jüdischer Natio» n a 1 i t ä t ist. Da selbstverständlich eine Verschiedenheit zwischen den Auffassungen der tschechischen und der rumänischen Studentenvertretung bestand, kam es gleich bei der Ankunft der tschechischen Delegation und bei ihrem Empfang am Nordbahnhof zu einem Zu* sammenstoß zwischen zwei in ihren Ansichten ent* gegcnge?etzten Gruppen. Die tschechischen Gäste wurden von vielen Rednern, darunter auch vom Studenten Trajan C o t i g a, dem Präsidenten des Studentenzentrums und Leiter der Eisernen Garde, begrüßt. Cotiga fand es nun für gut, in seiner Begrüßungsrede seine Rassen» anschaitungen darzulegen und zu antisemitein Der Stu* dent Fischer, der Führer der tschechischen Delegation, weigert* sich nun, diesem Redner die Hand zur Begrüßung, zu reichen, und die ganze tschechische Delegation erklärte sich mit ihrem Führer solidarisch. Die rumänischen Delegierten nahmen ihrerseits für Cotiga geschlossen Stellung, und der Konflikt war geschaffen. Man konnte nicht mehr an die Kongreßarbeiten schreiten. Dazu kam noch die Abwesenheit der jugoslawischen Studenten* delegation, und so mußte der Kongreß verschoben und das Programm geändert werden. Bei Erkältungskrankheiten, rheumatischen, gichtischen und nei vösen Schmerzen sind Togal- Tabletten unübertroffen. Togal scheidet die Harnsäure aus und geht daher direkt zur Wurzel des Uebels. — Ftagen Sie ihren Arzt. — In allen Apotheken. Preis S £40. Geschäft um Chaplin* „Ich habe nicht die geringste V e r b i ii d u n gm i t d,e m Jude ri tuim. Meine Eltern wären keine Juden. Wenn die Juden mich trotzdem als den Ihren betrachten, kann ich nichts tun", sagte Chaplin in Berlin. Der Rummel um Chaplins Abstammung ist noch immer nicht zu Ende. Verstärkt wird er durch die Neu* gierde der Presse, die ihn auf Herz und Nieren prüft, und durch einzelne Persönlichkeiten^ die rings um ihn ins Reklamehorn blasen. ' 1 Die hier tind .dort aus^sprochehen Vermutungen, Chaplin sei Jude, haben ganz seltsame.Reflexe hervor* gerufen. In Wien soll er sich mit 50 Prozent für seine jüdische Abstammung ausgesprochen haben, vielleicht mit Rücksicht auf die korrespondierende Presse, deren Or* ganisation „Concordia" sein letztes Filmwerk „City ligths" aus der — Taufe hebt. In Berlin, wo Einstein ihn für das Judentum reklamierte, mußte er sich, wie er resignierend bemerkte, damit abfinden, daß man ihn zu den Kindern Israels zähle. Da kann man halt nichts , machen, bedauerte er achselzuckend, mit einer leichten Verbeugung vor den ....... wir zeigen Ihnen gerne moderne Bettwäsche....... Wäschehaus Feld XVJ, Neu erchenteiiclerstr.28 Daunendichle Inlette in jeder Breite und Fa be. Federnre nigung zu jeder Tageszeit ..ohne die zwei keine Wifche Hakenkreuzlern, die bereits Lärm schlagen und sich einen unarischen Künstler nicht einmal auf der Leinwand gefallen lassen wollen. Es ist dasselbe Spiel, das Chaplin schon vor Jahren aufführte, als Israel Zangwill den plötzlich berühmt Gewordenen als Sohn des Whitechapler Judenghettos an* sprach. Damals wollte es sich Chaplin nicht mit der angels sächsischen, heute will er sich's nicht mit der germani* s«i<en Welt verderben. So schwankt der arme Charlie zwischen zwei Polen und kann es keinem recht tun. Für den Warschauer „Hajnt" ist er ein geborener Kaplan, für die „Jüdische Enzyklopädie" ein geborener Thonstein, für die liberale Presse ein Whitechapler Jude, für die deutschen Haken« kreuzler ein Artist, gegen den, sollte er sich zu jüdischer Abstammung bekennen, man krawallieren muß. Armer Chaplin! Solange er seine Werke schafft, ist er sein eigener Herr, unumschränkter Herrscher im Reich des Films. Geht aber der Film in die Welt hinaus, dann muß Chaplin den Wünschen seiner Manager parieren. Er muß plaudern, Geständnisse machen, und bringt sich selbst in Verlegenheiten, wie er sie sonst nur für seine Filme dichtet — er wird im Leben zum Schlemihl, der ihn auf der Leinwand unsterblich gemacht hat. Humoreske vom Tunkeier. Nicht gedächt soll werden all dieser neuen Kunst* stücke und Erfindungen und ausgeklügelten Dinge der heutigen Zeit! Denn sie sind nur dazu da, dem Menschen Jammer und schweres Leid zu bringen. Seit ich auf der Welt bin, habe ich noch nie etwas gewonnen und noch nie etwas gefunden. Leute gehen spazieren und finden etwas, der eine einen Brillantring, der andere eine Brieftasche mit Banknoten, einen goldenen Hemdknopf und ich — mehr als zu einem Hosenknopf häb* ich's nicht gebracht. Einmal hab' ich zwar auf der Franziskanergasse ein Paket gefunden — war dies aber von jener Sorte Pakete, die die Bande von Taschelziehern als Köder hinwerfen. Na, na, der Gewinst hat mir gut an* geschlagen. Kaum daß ich mit dem Leben davongekommen bin. Ein Leben! Ich kauf Lose, Lotteriezetteln, Spielscheine und Preisrätselbons und sonst welche Zetteln und gewinn* nichts. Und auch nicht so viel! Ein Leben! Schneide Coupons aus Zeitungen und Journalen mit der Aussicht auf allerlei Prämien, Reisen, Bücher, Staubsauger, Schlafzimmer, Schiffskarten, goldene Uhren, Bibeln, Talmudausgaben, Siedlungshaus mit Garten, Grammophone — und nichts! Alle gewinnen, nur ich nicht. Und plötzlich, auf einmal gewonnen — einen Radio* apparatt Da denk' ich mir: Du, Schlojme Chajim, wenn du schon Pech gehabt hast und einen Schatz gewonnen ha«c, so wirst du bestimmt zu singen und zu sagen haben, wirst Kot fressen müssen, na — und, wie gesagt, richtig vermutet! Eigentlich, wenn man's so nimmt, eine schöne Sache, so ein Apparat! Bei dir auf dem Tisch steht ein Maschinchen, du sitzest wie ein Herr mit ein paar Tefillin auf den Ohren, und hörst eine Kapelle mit einer Jazzband, sogar von London, das in England ist. Und just ohne ein Stückchen Draht, nur mit Luft. Zittert die Luft, hört man. Zittert die Luft nicht, hört man nicht. Derselbe Witz: Wirft man einen Stein ins Wasser, kräuselt es sich zu Ringen, wirft man keinen Stein ins Wasser, gibt es keine Ringe. Und wenn man noch die Strecke bedenkt, und was man alles ausstehen muß, bis man einen Paß kriegt und Visa und Legitimationen, wie lange man sich mit der Bahn herumschleppen muß, und wie lange mit dem Schiff, und die Plage und das Laufen, die Träger, die verschiedenen Sprachen, die Grenzen, die Zollämter, die Revisionen, die Angst, die Katastrophen, die Seekrankheiten — und hier, du sitzest bei dir im Zimmer und sprichst mit der ganzen Welt. Drehst du so, bist du in Wien. Drehst du wieder, bist du bereits in London. Drehst du noch einmal, bist du in Erez Israel. Kurz, durch alle Wüsten und Meere. Gut, nicht wahr? Stellt sich aber heraus, daß das eine Gottesplage ist wie keine sonst. Sofort, als man mir diese Erfindung ins ZimmeV brachte, begann die Familie mit Besuch. Na, ein Verwandter will Radio hören, warum nicht, keine Sünde! Es kommt die Tante Resel, die Schwiegermutter Sore Dvojre mit ihrem Eidam Josef Salmen mit seiner Bartbürste und seinen zwei Töchtern, und der Schwager meiner Frau Lebe Fitus mit den Kin« Ein jüdfediet Heringhändler - Bibliothekar des Papstes* Prag, 50. März. Der Papst hart den jüdischen Gelehrten NaftaLi Fried aus Poljana in Karpathorußland (Tschechoslowakei) zum Direktor der hebräi- «srhen Abteilung der vatikanischen Bibliothek ernannt. Au« einem Briefe Naftali Frieds #oht hervor, dal? das Bibtiothoksdiroktarat sich verpflichtet hat, für ritueile Kost und Ermöglichung täglichen jüdischen Gottesdienstes im Vatikan zu (sorgen. * Im „Czernowitzer Morgenblatt" berichtet Dr. S. J. Schulsohn: In Karpathorußland in der Tschechoslowakei, bildet dieses Ereignis das Tagesgespräch. Naftali Fried, der armselige Heringihäindler, der nur miüih'sam Weib und Kind cnhalten konnte, der nie eine Volksschule besuchte, außer Hebräisch und Jiddisch gar keine Sprache b e h e r r 6 ci\ i, ist zur Leitung der hebräischen Abteilung an der vatikanischen Bibliothek in Rom und zur Ueibernaihme der Kanzel für Hebräisch berufen worden. Unter der großen Za.hl jüdischer Gelehrter und Wissenschaftler fiel die WaM gerade auf diesen Mann aus dem verschlagenen -Winkel der Slowakei. Dieser ungewöhnliche Aufstieg trug sich unter folgenden ainiteressanten Begleit umständen zu: Vor ungefähr acht Monaten wurde im Vatikan .der Beschluß gefaßt: die hebräische Abteilung der Bibliothek 211 reorganisieren, zu vervollständigen, sdwie eine Anzahl religiöser und rabibinischier Werke, zahlreiche Bücher alt- und neuiheibräischer Literatur anzuschaffen und einen hebräischen Lehrer für die Ausbildung der jungen Theologen zju berufen unter der Bedingung, dieser solle auch die Bibliothekarleitung innehaben. Auf der Suche nach einem würdigen Gelehnten und Kenner auf diesem Gebiete ginig man von dem Grundsatze aus. einem Juden at;ten Schlages und konservativer Welta«schauung diesen Posten anzuvertrauen. Beifürchtete man doch bei modernen jüdischen Gelehrten, diese könnten dem, nicht zu versündigen, eine Familie. Und diese Familie bringt jeden Tag Verwandte mit und jeder Verwandte wieder Verwandte, und diese Verwandten wieder An« gehörige — und auch sonst Gäste von der Nachbarschaft: Brejne, die Milchfrau, Zelik, der Kohlenmann, Agenten, Angestellte, man kommt und man geht in Gruppen und einzeln, man klopft und man fährt vor, und wenn Gäste kommen, muß man sie doch empfangen und mit etwas aufwarten, man ist doch kein Schwein. Ein Glas Tee, Gebäck, dies und jenes! Und wenn ein Gast etwas länger bleibt, muß man ihn zum Nachtmahl einladen, man kann ihn doch nicht verschmachten lassen und nur mit Radio nähren, so daß man mir die Haut wegfrißt. Und bei Gästen ist es so, daß man auf sie achtgeben muß, auf die Finger gucken. Ich bin einfach bettelarm geworden. Und dann die Tänzer! Tänzer .haben mir noch gefehlt. Im Zimmer bei mir herrscht eine Enge, wie .am Jörn Kippur zu Kol Nidre in der Weiberschul, aber man tanzt. Gut, wenn das Radio eine Tanzweise spielt! Wenn man aber den türkischen Minister eine türkische Rede halten hört, bin ich dafür verantwortlich, ich muß d,ann singen. Ich bin doch kein Schwein! Wenn ich gebeten werde, zu singen, so muß ich doch singen. Ich singe und sie tanzen — Shimmy, Foxtrott — eine Tanzschule bei mir. Und wenn Sie noch in Betracht ziehen, daß ich alles in allem ein Zimmer und eine Küche bewohne und ein Weib habe mit sieben Kindern und eine Schwiegermutter obendrein, so werden Sie einen Begriff haben von meinem Paradies auf dieser Welt. | Ich kenne keinen Tag und kenne keine Nacht. Wenn

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