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Die neue Welt · 1931-03-27 · Heft 184 (27.3.1931) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 184 (27.3.1931)
Date
1931-03-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite« DIE NEUE WELT Nr. 184 :nmi h tm mumm rittmtttt"u*"*A«.............*****...........**...........*......................*r Di« weltberühmten amerikanischen Manischevife-Matzos ÖriSTmS^SötS^Sm sind bereits efn0etrotten und In alten bimnii Lebensmittelgeschalten ertiattlkh Manischewitz Matzos-Vertrleb ro^ijttf^Kö tnma Wien Iii Rembrandtstraße 11 Yelefthon A*4M4B und R-4*0*2 Filiale! H> ff• •UH, HaldgaSM 9, Telephon A-45-8-64 fD^I^KÄ flttÖ : MM.....................MMMM»......<.......W»M......MMMM»>........»♦♦»♦»»»»♦»»»♦♦♦♦♦♦«♦♦»«♦♦♦♦♦<♦»♦»♦»»♦> Der frühere Bürgermeister von Czernowitz Senator Dr. Salo von Weisselberger gestorben. In einem Wiener Sanatorium starb im Alter von 64 Jahren Dr. Salo von Weisselberger, der frühere Bürgermeister von Czernowitz, der Landeshauptstadt der Bukowina, und früheres Mitglied des rumänischen Senats. Dr. von Weisselberger war als Sohn einer angesehenen Bukowinaer jüdischen Guts* besitzersfamilie in Dracynetz geboren und erbte von seinem Vater eine Anzahl Großgüter. Er selbst widmete sich der richterlichen Laufbahn und brachte es bis zum Oberlandesgerichtsrat. Nachdem er mehrere Jahre lang Vizebürgermeister von Czernowitz war, wurde er 1913 einstimmig zum Bürgermeister gewählt. Unter seiner Verwaltung nahm die Stadt eine große Entwick* hing. Von der j ü d i s c h * n a t i ö n a 1 e n Vo 1 k s p a r t e i wurde er in den Landtag entsandt. Kaiser Franz Josef erhob ihn in den erblichen Adelsstand. Nach der Be* Setzung von Czernowitz durch die Russen wurde Dr. von Weisselberger als Geisel nach Sibirien ver» schleppt, von wo er 1016 zurückkehrte und sich bis Ende des Krieges der Flüchtlingsfürsorge widmete. 1920 kehrte er nach Czernowitz zurück und wurde von der Bevölkerung in den rumänischen Senat gewählt, wo er wiederholt Gelegenheit hatte, den jüdischen Standpunkt darzulegen. Aus der Tarnover Kultusgemeiide. — Das Chajes- BUd muß weg. Das Tarnower Blatt i,Tigodnik Zidowsky" teilt mit, daß der Regierungskommissär der dortigen Gemeinde Dr. Silbiger die Beseitigung des Porträts des verstorbenen Wiener Oberrabbiners und Zionistenführers Prof. Chajes aus den Gemeindelokalen angeordnet habe, Außerdem verfügte Dr. Silbiger die Beseitigung zweier Diplome des Judischen Nationalfonds, welche die Tarnower Kultudgemeinde von Jerusalem für die Eintragung ins Goldene Buch dös Jüdischen Nationalfond« erhalten hat Das Vorgehen des Gemeindekommissäre hat in allen jüdischen Kreisen gewaltige Aufregung hervorgerufen. Austrittsbewegung auch im Osten. Czernowitz, 23. März, In der letzten Sitzung der Judengemeinde teilte Präsident Dr. Gutherz mit, daß in letzter Zeit die Zahl der A u s t r i 11 e a u s dem Juden* tum sehr gestiegen ist. In früheren Jahren gehörten Austritte zu den Seltenhelten. Die Austrittsbewegung erstreckt sich vornehmlich auf Aerzte, Advokaten und Studenten. Der zionistische Kultusrat Geiger stellte den Antrag, die Namen der Austretenden in den Zeitungen zu veröffentlichen. Der sozialdemokratische Kultusrat Dr. KiSmann trat dem Antrage entgegen. Der Antrag Geiger wurde dann mit allen gegen vier Stimmen a n« genommen. Auch in Australien . .. Melbourne (Australien),?S- März. Die Weltkrise, verschärft durch eine verschwenderische Gebarung der Regierung mit den Mitteln des Landes hat hier zu schweren Komplikationen wirtschaftlicher und politischer Natur geführt.. Die australische Judenschaft leidet doppelt. Nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesellschaf t« Hr~ f1ft**-fli»—1 •©»/■* II TaborstraBe 38 lieh und politisch. In ihrer Verlegenheit hat die sozialistische australische Regierung zu einem Mittel gegriffen, dessen sich schon die r u s« sischen Zaren bedienten. Der Jud ist an allem s c h u 1 d 1 Während der letzten Wahlen traf hier eine Mission der Bank von England ein, welche die ökonomische Lage des Landes zu prüfen hatte. Ihr Führer war Sir Otto Neumayer. Die Zeitung „New South Wales Labor Daily", das sozialistische Regierungs« organschrieb über ihn: „Dieser Jude repräsen* tiert eine Gruppe jüdischer Kapitalisten, welche die Notlage des Landes ausbeuten wo 11 e n I" Im Parlament des Staates Victoria pro«* testierte ein Mitglied der Regierungspartei heftig dagegen, „daß man Australien an die Juden yer» kaufet" Als er aufgefordert wurde, seine,Aeußerung zu begründen, sagte er, er glaube, daß die europäische Judenschaft ihr Auge auf die junge australische Nation geworfen habe, um sie auszusaugen..... In Australien herrschen nicht etwa Hakenkreuzler, sondern, sozialistische organisierte Arbeitervertreter; m ö WD SMUMSCHMNS TO) P F LANZEN-MAR GARINE TER NO Unerreicht In Qualität und Preis! Erzeugt unter streng /ritueller Aufsicht Seiner Ehrwürden des Herrri. Obertabbiners S. F ü r si Darf In keinem jüdischen Haushalt fehlen! HOB *?P Ueber a Ii erhältlich! KARL BLAIMSCHE1NS Vereinigte Margarine- und Butterfabriken, Wien, XIV., Diefenbachgasse 59 ser aß Der antireligiöse Kampf. Moskau, 21. März. (J. T. A.) Das in Charkow in jiddischer Sprache erscheinende Blatt „Das s o 2 i a* listische Dorf" führt Klage darüber, daß ungeachtet der verstärkten Kulturarbeit unter den jüdischen Kolo* nisten die Juden in den Kollektivwirt* Behalten am Sabbat feiern. Besonders drückt das Blatt sein Erstaunen darüber aus, daß die Sabbatruhe" nicht nur von den religiösen Juden, sondern auch von den .jüngeren .Elementen, die „an nichts glauben und Schweinefleisch essen, wo sie es nur bekommen", beobachtet wird. Für das bevorstehende Pessachfest müsse für alle jüdischen Kolonisten die Parole gelten: „Zu Pessach alle hinterm Pflügt". Das Blatt selbst gibt freimütig steinern Zweifel darüber Ausdruck, daß diese Parole befolgt werden wird. Auch anläßlich Rosch Haschanah und Jörn Ki.ppur hätten viele sonst zuverlässige Mitglieder der Kollektive sich geweigert, ihre Häuser zu verlassen und Arbeitskleider anzulegen. Das Blatt fordert die Bildung einer antireligiös e n Zelle in. jedem jüdischen Rayon, deren Aufgabe darin bestehen soll, eine ununterbrochene anti* religiöse Propaganda' futiter den jüdischen Kolonisten zu führen. Der „A p i k o*s i tn«V e r b a n d" hat für den 36. März eine Konferenz einberufen, die über Maßnahmen zur Verbreitung der antireligiösen Propaganda unter der jüdischen Arbeiterschaft beraten und die antireligiöse Tätigkeit auf praktische und dauernd« Grundlagen stellen «oll. * Der Rat der Volkskommissare hak auf Antrag der „kämpfenden Gottlosen" ein Dekret erlassen, wonach jede Einfuhr von Bibeln und anderen Büchern religiösen In* halte« verboten wird. Dieses Dekret bezieht sich auf die Bücher aller Religionen, aber es richtet sich doch direkt gegen die englischen Bibelgenosienschaften, denen et in der letzten Zeit gelungen war, in Sowjetrußland mehr als eine Million Bibeln zu verkaufen! Die Zollbehörden haben Befehl erhalten, alle Bücher irgendwelchen religiösen In,* halte« zu konfiszieren. Synagogen-Beschlagnahmen In Rußland. Moskau, it. März. Wie die Minsker Zeitschrift „Der junge Arbeiter" berichtet, wurde das Bethaus der „Lubawitscher Chastidim" in Polotsk von den Be* hörden in einen Arbeiterklub umgewandelt, weil der Aron Kodesch des Bethauses angeblich zur Aufbewahrung von Geräten zur Herstellung von Spirituosen für die Pessachfeiertage benutzt wurde. Ueber das Schicksal einer weiteren beschlagnahmten Polotsker Synagoge, die, wir das Blatt behauptet, als Magazin für Waren, die in den Kooperativen gestohlen worden waren, diente, wurde vor* läufig noch keine Entscheidung getroffen. Die jüdische Tragödie m Dolgesheim. Mainz, 17. März. (J. T. A.) Nach mehrtägiger Ver« handlung sprach heute das Erweiterte Bezirksschöffen» gericht für Rheinhessen das Urteil gegen 29 Einwohner aus Dolgesheim, und zwar gegen 17 Reichs* bannerleute und Mitglieder des Turnvereins und gegen 12 Nationalsozialisten, die in die An« gelegenheit der Mißhandlung und Terrorisierung des jüdischen Kaufmanns und Reichsbannermanns Frank durch Nationalsozialsten verwickelt waren. Wie erinnerlich, mußte die Familie Frank, nachdem ihr Haus eine ganze Nacht von Nationalsozialisten belagert war, von Dolgesheim nach Worms flüchten, wo sie jetzt lebt Den Vorsitz in der Verhandlung führte Land» gerichtsrat Hausmann. Der Verteidiger der Haken« kreuzler, Jung, lehnte das Gericht in seiner gegen» wärtigen Besetzung als befangen ab, da nur „D e u t s c h c über Deutsche" richten dürften. Das Gericht be« zeichnete den Antrag als gegenstandslos, weil keiner der amtierenden Richter Jude sei. Der An* klage liegt folgender Vorgang zugrunde: Nach Gründung einer Ortsgruppe der Nationalsozialisten war es mit dem dörflichen Frieden in Dolges* heu« vorbei. Der Haß der Nationalsozialisten richtete sich besonders gegen die Familie eines Kaufmanns Frank, der den fortgesetzten Hetzereien und Be* lästigungen schließlich dadurch entgehen wollte, daß er nach Worms zog. Vorher nahm er, da ihm amU licher Schutz für sein Haus versagt .wurde, obwohl er von einem geplanten Streich der Nationalsozialisten gegen ihn gehört hatte, 20 bis 25 Reichsbannerleute zur Wache bei sich ab und zu auf. Am 9. August nach Mitter* nacht hörte man vor dem Hause Lärm; Franks Sohn und einige Leute gingen auf die Straße, und hier kam es zu einem Zusammenstoß mit ihnen unbekannten Leuten, die, wie sich herausstellte, von einer nationalsozialistischen Versammlung aus Gau Odernheim kamen. Für kurze Zeil trat Ruhe ein, dann aber rückte eine Horde Nationair Sozialisten, die eigens geweckt und alarmiert worden waren, unter Führung des Angeklagten Seemann und des Knechtes von Seggern an, der die Fensterläden im Haüse einschlug. Die Haltung der Leute wurde so drohend, daß die Familie Frank sich auf den Speicher flüchten mußte. Die ganze Nacht übet wurde das Gehöft belagert, wie die angeklagten Nationalsozialisten aussagten, um zu verhindern, daß die Reichsbannerleute flüchteten. Die Parterreräume im Hause würden schwer beschädigt; es sollen nach Zeugen* aussagen auch Schüsse gefallen sein, und erst das am Morgen alarmierte Mainzer Ueberfallkommando konnte die Menge zerstreuen. Die Anklage wirft nun sowohl den Reichsbannerleuten, wie den Nationalsozialisten Zu* sammenrottung und Landfriedensbruch, außerdem Ver« gehen gegen das Schußwaffengesetz vor. 60 Zeugen sind geladen. Die Frau des angeklagten Nationalsozialisten Fried* rieh verweigerte auf die Frage, ob sie. mitgehetzt und gesagt habe, bei Frank wären 30.000 Mark Wert* papi ere zu holen, die Aussage, sie wurde wegen Verdachts der Mittäterschaft nicht vereidigt. In zahlreiche Widersprüche verwickelten sich die Zeugen, die über den angeblichen Ueberfall der Reichsbannerleute an jenem Abend aussagen sollten. Bürgermeister Best wüßte über Frank nur Gutes zu berichten. Der Angeklagte Frank selbst erklärte auf die Vorhaltung des Richters, daß von ihm aus nichts geschehen sei, um eine tägliche Auseinandersetzung herbeizuführen. Ein Zeuge, National* Sozialist, bekundete, bei dem Ueberfall auf die National* Sozialisten, die aus Gau Odernheim zurückkehrten, seien die Angreifer nicht aus Franks Haus gekommen, wohl aber dorthin geflüchtet. In später Abendstunde wurde dann heute das Urteil gefällt Von den angeklagten Reichsbanner* Eröffnungsanzeige! 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