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Die neue Welt · 1931-03-20 · Heft 183 (20.3.1931) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 183 (20.3.1931)
Date
1931-03-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Dffi NEUE WELT Nr. OB Die weltberühmten amerikanischen Manischevitz-Matzos Grieß, Farvel «. Matzos-Crackers sind bereits eingetroffen und In allen besseren Lebensmittelgeschäften erh&ttllch Manischewliz Matzos-Vertrieb ytniytf'JKÜ oynj II, Rentbrandtstraße 11 r»W»aim Tefaphen A-41-8.S8 und R-48«6*82 Fleliale: Ig. Prost, N, Haidgass« 9, Telephon A-45-8-64 ms» sfrophe bedeuten würde. Hier ist noch zu bemerken, daß die dritte Parole mit der;zweiten untrennbar verknüpft ist, d. h. die Föderation ist ohne die Ausschal tungEuropas undenkbar. Wenn wir den Frieden mit den Arabern jetzt abschließen wollen, müssen wir bereit sein, ihnen in diesen Dingen Zugeständnisse zu machen. Es gibt zwar unter uns Schwärmer, welche glauben, daß man die Araber Palästinas durch Gewährung wirtschaftlicher Vorteile „nachgiebig" machen könne. Aber, ganz abgesehen von der Frage, wo wir wirtschaftliche Vorteile für die Araber hernehmen sollen; diese Schwärmerei entspringt einer bodenlosen Respektlosigkeit gegenüber der arabischen Seele, welche unschön und unberechtigt ist. Einzelne Araber kann man wohl „kaufen", aber ein ganzes Volk überreden, es möge seine nationalen Ziele rür „wirtschaftliche Vorteile" preisgeben, das kann niemand. Um eine Aenderung der Haltung der Araber zu unsern Gunsten zu erreichen, müßten wir ihnen unsere Mitarbeit auf dem Gebiet ihrer eigenen nationalen Bestrebungen antragen, d. h. auf dem Gebiet der oben dargelegten drei Parolen. Sonst ist jede Unterredung nutzlos. Es ist daher interessant, zu hören, welche der drei Parolen unsere geschworenen Friedensstifter zu unterstützen bereit sind. Die erste? Sich damit einverstanden erklären, daß die Bestimmung des Ausmaßes der jüdischen Kolonisation vom Willen unserer arabischen Nachbarn abhängen soll? Oder, sagen wir es gerade heraus, ihnen zu sagen, daß unsere Einwanderung nie eine gewisse Grenze übersteigen werde, daß die Araber in Palästina immer in der Majorität, wir aber in der Minderheit bleiben werden? Oder die zweite? Sich nicht nur mit einer Föderation der arabischen Länder einverstanden erklären (das ist ihre Sache und nicht unsere), sondern mit der Einbeziehung Palästinas in diese Föderation, d. h. mit der Verwandlung unseres „Nationalheimes" in eines der kleinsten Ghetti der W elt? Oder die dritte? Wir sollen England, Frankreich und Italien den Krieg erklären, die zionistische' Bewegung in einen Bund von Propagandisten gegen die kolonialen Positionen dieser Mächte verwandeln, in England, Frankreich, Italien zu Feinden des Staates werden — zu Kampfgenossen der III. Internationale? Es genügt, diese folgerichtigen Fragen zu stellen, um zu erkennen, daß von einer Verständigung in diesem Zeitpunkte keine Rede sein kann. 1 Das ist traurig; aber es ist eine objektive Tatsache. Und gerade weil die Unmöglichkeit einer Verständigung mit den Arabern Palästinas im jetzigen Zeltpunkte eine objektive Tatsache ist, Flotte Formen, neue Nuancen zeigen 23.-, 30 - ll.,Taborstraße 39 gerade darum ist sie bisher nicht zustande gekommen. Sieben Jahre und länger wird die zionistische Bewegung ausschließlich von den heißesten Anhängern der jüdisch-arabischen Annäherung geführt. Die Exekutive in London und die Exekutive in Jerusalem, die zionistische Beamtenschaft und die Leitung der „Universität", die Führerschaft der „Linken", das sind fast durchweg Leute, die von der „Annäherung" träumen und sie ersehnen. Es gibt dann noch eine besondere Partei, Brith-Schalom. Die überwiegende Mehrheit dieser Leute lebt in Palästina, Seite an Seite mit den Arabern. Trotz alledem konnten sie sich bisher nicht einmal dazu entschließen, die Verhandlungen zu beginnen, sich mit den Arabern an den „runden Tisch" zu setzen. Den einzigen Versuch machten die Führer des Brithssssen 5* 1V3 BLA1HSCHEINS .-|«o P F LANZE N-MAR GARINE &S Unerreicht in QifrÜf&S und Preist Erzeugt unter streng ritueller Aufsicht Seiner Ehrwtirden des Herrn Obenabbiners S F ii r s t Darf in keinem jüdischen Haushalt fehlen! hob Ueberau erhältlich! KARL BLAIMSCHEINS Vereinigte Margarine- und Buiterfabriken, Wien, XIV, Diefenbachgasse .59 KS Schalom. Ihnen aber antworteten die Araber in ihrer Zeitung „Falastin", daß auch der „Zionismus" der Herren Magnes und Lurie unannehmbar sei. Die andern jüdischen Friedensstifter haben sich bisher nicht einmal an einen schüchternen Versuch herangetraut. Warum? — Weil sie doch noch einiges Realitätsgefühl besitzen und einsehen mußten, daß der „runde Tisch" nichts •.•ergeben wird, bestenfalls eine runde Null. Es besteht die Gefahr, daß das Gerede über den runden Tisch, das. jeder Realität entbehrt, schwer schaden wird. Die gefährlichste Stelle im Brief de« Mr. MacDouald ist die, wo er erklärt, daß „die volle Lösung des Problems ohne jüdischarabische Verständigung unmöglich ist". Das bedeutet: Wenn die Araber dem Zionismus nicht ihre Zustimmung erteilen, ist England seiner Verpflichtungen frei. \ Gegen eine solche Interpretation der Mandatspflicht, gegen die Anerkennung eines arabischen Vetorechtes gegen alle Verpflichtungen, die England dem jüdischen Volk gegenüberübernommen hat, muß mit allen Mitteln gekämpft werden. >gfcf/' Sonst wird unsere Sncfye wirklich hoffnungslos. Wir müssen ein für allemal der Mandatarmacht klarmachen^, daß im Mandat von den „bürgerlichen und religiösen Rechten4* der Arajber, nicht aber von ihrer „Zustimmung* zum Zionismus die Rede ist, und daß die Verpflichtungen Englands unabhängig von den lokalen Stimmungen bestehen bleiben. Statt dessen (dazu noch in einem Augenblicke, ^o es wie eine direkte Antwort auf Mr. Mac- Donalds Brief klingt)) sagen wir; „Sie haben weht, Sir, su Befehl 1" — Und bringen selbst die Frage der Verständigung aufs Tapet, d. h„ wir sanktionieren wieder im Namen des Zionismus eine Interpretation des Mandats, die für den Zionismus totbringend ist Es wird Friede sein in Palästina, aber erst dann, wenn die Juden die Mehrheit bilden, oder , Eröffnungsanzeige! "im*"! Selen tunrenrestuurnnt p wm Mtm eigener Erzeugung, beste Qualitäten II., aLOCKENOASSf 11 M. BRUKNER & Co. Unsere Fabrik steht unter der rituellen Aufsicht des Jtrm dato nen .na KB'*?tt> P|DV *n wenn die Araber sich von der Unvermeidlichkeit dieses Ausganges überzeugt haben werden, gerade dann, wenn eie erkennen werden, daß „die Lösung des Problems" nicht von ihrer Zustimmung abhängig ist. Dann werden sie die Initiative zu Verhandlungen ergreifen. Ich zweifle nicht, daß sie dann bei den Zionisten auf volle Bereitwilligkeit stoßen werden, ihnen alle Rechte zu garantieren, außer dem einen Rechte, die jüdische Einwanderung zu stören. Bis dahin werden alle Versuche, eine jüdisch-arabische-politischc Verständigung herbeizuführen, vergeblich und dem Frieden schädlich sein, weil sie bei den Arabern Wünsche wecken, deren Erfüllung ohne Preisgabe des Zionismus unmöglich ist. Die Urteile gegen die Juden im Moskauer Menschewikenprozeß. Moskau, 13. März. Ein Moskauer Menschewikenprozeß wurde über das frühere Mitglied des Sowjetwirtschaftsrates Abraham Ginsburg als einzigen Juden die Höchststrafe von 10 Jahren Gefängnis und 5 Jfthren nachfolgender Verbannung verhängt. Ginsburg war auch der einzige Jude unter den Angeklagten, gegen den Staatsanwalt Krylenko die Todesstrafe beantragt hatte. Von den übrigen jüdischen Angeklagten wurden die Volkswirtsehaftler Boris B e rla tsky und Lazar Zalkind zu je acht Jahren Gefängnis und dreijähriger Verbannung, der ehemalige Führer der Z i o n i s t e n - S o z i a 1 i s t e n und spätere Sekretär des Obersten Wirtschaftsrates der Spwjetuion Arqn Sokolowsky zu, acht Jahren Gefängnis und zweijähriger. Verbannung, Prof. Isaac Rubin und das frühere Mitglied der Staatsbank Mosei T e i t e Ibaum zu je fünf Jahren Gefängnis und zweijähriger Verbannung verurteilt. . .»..-■ Kommunistischer Feldzug gegen die Beschneidung. Riga, 8. März« (J. T. A.) Nachrichten zufolge, die aus Minsk in Riga eingetroffen sind, wurde der Minsker Möbel Radminsky, der auch mit den Funktionen eines Schochet betraut ist, unter der Anklage, durch eine Besch neidung den Tod eines Knaben h e r b e i g e f ü h r t z u haben, verhaftet. Der Prozeß gegen Radminsky wird von kommunistischer Seite zu einer intensiven Kampagne gegen den Beschneidu n gs rd tue, auagenutzt. . Die jüdischen Kommunisten haben seit längerer Zeit Be6chneidung und Schechita zu den Hauptangriffspunkten ihrer antireligiösen Kampagne gemacht. Das Minsker jiddische kommunistische Organ „Oktiabr'' hat wiederholt ausführliche Artikel veröffentlicht, in denen gegen die Beschneidung in schärfster Weise Stellung genommen wurde. In einem ■ dieser Artikel wurde Klage darüber geführt, daß es. durch die Rückständigkeit der jüdischen Frau; ihre Unwissenheit und Befangenheit in Vorurteilen den jüdischen Klerikern möglich gemacht wird, die Frauen an die Religion und an religiöse Gebräuche und Vorurteile zu ketten. Die jüdische Reaktion verleitet diei Mütter dazu, der Beschneidung ihrer Söhne auch gegen den Willen der Väter zuzustimmen. Auch das Charkower jiddisch-kommunistische Organ „Stern" hat unlängst den Kampf gegen den Besohneidungsritua aufgenommen und erklärt, die Beschneidung stelle einen barbarischen Brauch,.<hir, mit dem Schluß gemacht werden müsse. , Brief aus Polen. Von unserem Warschauer Korrespondenten. Jüdische Ketzergerichte. — Zersplitterung der zionistischen Organisation. Ende Mai werden v» Polen die Wahlen in alle Judengcmeiuden stattfinden. Das neue Organisationsstatut tritt in Kraft. Diese Wahlen sind für die drei Millionen Juden Polens von größter Bedeutung. Die Judengemeindeu, uls einzige gesetzlich »»erkannte jüdische Vertretungskörper, spielen eine große Rolle, um so mehr, als die Juden Polens keine ausreichende Vertretung im Parlamente haben. Die Wichtigkeit dieser Wahlen hat auch die polnische Regierung anerkannt und greift brutal in sie ein, Sie will mit Hilfe der ihr ganz ergebenen, durch die „Agudah" und die Wunderrabbiner repräsentierten jüdischen Orthodoxie die Zionisten mit ihrer unbequemen Forderung nach völliger jüdischer Gleichberechtigung und nutionalkultureller Autonomie au die Wand drücken,

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