Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 183 (20.3.1931)
- Date
- 1931-03-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 183 DIE NEUE WELT Seift * Wöhren verhindert worden; diese Ladehemmung (rat nach dem ernten Schuß ein. Ali Grund für die Tai gibt Pohl an, daB er, der, wenn auch nicht Mitglied* der nationalsozialistischen Partei, so doch nationalsozialistischer Gesinnung ist, »ich nicht von einem Joden häbe vernehmen lassen wollen. Die Vernehmung Pohls durch Lassally galt eben der nationalsozialistischen Betätigung Pohls, die ihm a.Üs Polizeibeamten untersagt ist. Lassally hatte Pohl aufgefordert, neben ihm am Schreibtisch Platz zu nehmen und mit ihm völlig sachlich und ruhig die , gegen ihn erhobenen Beschuldigungen durchzusprechen. Pohl wartete, bis alle anderen Personen das bienstzimtuer des Regierungsrates Lassally verlassen hatteu, zog ganz unvermittelt den Dienstrevolver und schofl. Die heimtückische Art und Weise dieses Attentates hat in Hamburg starke Entrüstung hervorgerufen. Lassally gilt als einer der tüchtigsten Polizeibeamten Hamburgs, Den Baß der Nationalsozialisten hat er sich dadurch zugezogen, dafi er kürzlich in mehreren vor dem* Hamburger Verwultungsgeri.cht zwischen der Polizeibehörde und den Nationalsozialisten schwebenden Prozessen als Vertreter der Polizei öffentlich hervorgetreten ist. Die nationalsozialistische and deutsehnationale Presse Hamburgs richtete aus diesem Anlaß heftige, auch persönlich gehässige Angriffe gegen Regierungsrat Lassally. Polizei und Hamburger Senat haben eine Untersuchung eingeleitet, um .festzustellen, in welchen Beziehungen Pohl zu den Nationalsozialisten gestanden hat. Eine offizielle Erklärung des Hamburger Senats wurde angekündigt.. Es wird versichert, daß der Fall Pohl innerhalb der Hamburger Polizei einen Einzelfall darstellt, da die Mannschaft als unbedingt zuverlässig gilt. Ritualmordgeschichten hier und dort. » Jerusalem, 13. März. Das gegen den Her« aus'geber der arabischen Tageszeitung „Feie« s fri'ri", Issa el Issa, wegen Veröffentlichung einerNotiz, in der die Blutbeschuldigung gegen die Juden ausgesprochen wurde, einge* 1 e i't'e te Strafverfahren wurde eingestellt. Issa0ei Issa hatte sich damit, verantwortet, daß er die Notiz vor ihrer Drucklegung nicht gelesen habe und daß die' 'Veröffentlichung ohne böse' (!) Absicht erfolgt sei. Die Richtigkeit seine,r Angaben wurde durch Zeugen be* stätigt Die Bekanntgabe der Einstellung des Verfahrens wurde von dem zahlreichen arabischen Auditor riura mit Beifall aufgenommen. 4 •"" ' ' ' Czernowitz, 14. Mära. <J. T. A.) Der Schub lehrer Isidore Markovsky aus dem Dorfe Nehite im Bezirk Czudyn hatte beim Audyner Polizeichef von Czudyn eine Anzeige erstattet, wonach vier Juden ver* sucht; hätten, ihn am Tor der Synagoge von Nehite zu1 k r e u z i g e h. Dasselbe Märchen' hatte Markovsky unter der bäuerlichen Bevölkerung von Nehite verbreitet, der sich große Erregung bemächtigte, da sie an» nahm, die Juden hatten beabsichtigt, dem Schullehrer Blut zu rituellem Gebrauch beim bevorstehenden Pessachfest zu entnehmen. Die von der Gzudyner Polizei sofort eingeleitete Untersuchung hat ergeben, daß die Erzählung des Lehrers völlig frei erfunden war. Der Versuch, Czudyn zum1 Ausgangspunkt einer Ritualmordagitation in der ganzen Bukowina zu machen, konnte somit im Keime erstickt Verden. ' Protest des Jerusalemer Oberrabbiners Kook gegen antireligiöse; Aenßerungen von Arbeiterführern. - Jerusalem* 12. März. (J. T. A.) Chiefrabhd Kook veröffentlicht im „Doar Hayom" eine Erklärung, in der'er schfirfatens gegen die „anmaßende Haltüng", die einzelne Mitglieder der jüdischen National vereamm 1 ung im Verlauf deren letzter Tagung, gegenüber der jüdisch e h Religion an den Tag gelegt haben, protestiert. Er fordert, daß. der Waad Leumi (Leitung des jüdischen Nationalratee) durch eigene Bestimmungen Vorsorge dafür treffe, daß derartige aggressive Entgleisungen in Zukunft vermieden werden. Die drin* gendste Auf gabe sei es, eich auf solche Maßnahmen zu konzentrieren* „durch deren Anwendung wir mit' vereinten Kräften die Krise überwinden und eine geschlossene Front bilden können". \Det Protest Qberrabbiner Kooks richtet ©ich gegen gewisse Aeußerungen der Vertreter der Arbeiterpartei Reinez und Dr. Arlosoroff und deckt sich im wesentlichen mit einem noch während der Tagung der Assejfath von den Vertretern des Misrachi erhobenen Protest. . . tDie von Oberrabbiner Kook. beanstandeten Bemerkungen fielen in der Sitzung der Assefath Haniwcharjm vpm 9. Februar im Verlauf einer im Anschluß an* ejn Referat Rabbi Ostrowskis über die Organisation lokaler jüdischer Gemeinden in Pa,lä^tina stattgefundtenen Debatte. Der Delegierte Renißz stellte damals namens des Haken Flügels die Forderung auf, daß die Befriedigung der religiösen Bedürfnisse auvs dein allgemeinen Arbeitsprogramm der Kenesseth Israel ausgeschaltet werden solle. Die Vertreter des Misrachi stellten sich auf den Standpunkt, daß;der Waad Leumi Vorkehrungen gegen jede V eirl e t 2 u i} g . d es religiösen Empfanden.« -tre,(fen-: müsse. Dr. Arlosoroff und andere Arbeitervertreter entgegneten,,, manchen, sei die Freiheit de« Gewissens ebeneu heilig .wie anderen die Religion«. Allgemeine . Entrüstung rief <iie Bemerkung des Vertreters der Linken Poale Zion Brem: „Meine Religion besteht darin, d i e R el i g io n. zu bekämpfen; darum bewundere ich Moskau", hervor. Diese Aeußerung MüB auf" den stürm&chen Widerspruch der Versammlung, aus deren Mitte erregte Rufe. wiei ,;Danh gehen Siedoc h nach Moskau!" laut wurden. Sozialistische Internationale und Zionismus. Zürich, 15. März. (J. T." A.) Im Verlauf der letzten Sitzung der Exekutive der Sozialistischen Internationale wurde auch die Lage in Palästina und im Zionismus behandelt. Der vom Sekretariat der Internationale herausgegebene, von Dr. Friedrich Adler unterzdohnete Bericht enthält den folgenden Passus: In Palästina stand die gesamte Arbeiterbewegung unter dem Eindruck des Weißbuches der englischen Regierung vom 20. Oktober 1930. Die der Internationale angeschlossene palästinensische Arbeiterpartei nahm in einem Aufruf energisch Stellung gegen die Palästina- Politik der Arbeiterregienuig. Die im Jänner 1931 stattgefundenen Wahlen zur paläsiinensisoh-jüdischen Nationalversammlung brachten der der Internationale angeschlossenen palästinensischen Arbeiterpartei einen großen Erfolg; sie erhielt 22.363 von 47.335 abgegebenen Stimmen. Vier proletarische Splitterparteien erhielten insgesamt etwa 3000 Stimmen. Auf die bürgerlichen Parteien entfielen 21.962 Stimmen. An der jetzigen Sitzung der Exekutive der Internationale nahm zum ersten Mal ein Vertreter der Jüdischen Arbeiterpartei Polens „Bund", Herr W. A l t e r, teil, der in einer Deklaration ausführte, der „Bund" in Polen bekämpfe de n/Z io n is m us, de r . e i 11 e schädliche. Utopie und ein-Ideal des jüdisch e n B ü r g e r t u m s s e i. Im Verlauf der Aussprache trat als Vertreter der Ponte Zion .'Rechter Verband) N. Jarblum mit einer längeren Rede hervor. E£;.umriß die Lage , in Palästina und die Palästina-Politik der englischen Arbeiterregierung, schilderte, welche Protestbewegung das englische Palästina-Weißbuch nicht allein innerhalb der Palästina- Arbeiterschaft, sondern auch in der gesamten zionistischsozialistischen Bewegung und auch in einem großen Teil können Sie ohne Bedenken mit Kunerol zubereiten. Jeder Strenggläubige kann dieses Fett genießen, denn dessen Herstellung steht unter sireng ritueller Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. Kunerol ist reines Kokosnuefett und kann sowohl für Milchspeisen als auch für Fleischspeisen verwendet werden. NER0L 100% REINES KOKOSNÜSSFETT Vor täuschenden Nachahmungen wird gewarnt! Kunerol ist nur echt in Originalpackung) der außerhalb des Zionismus stehenden jüdischen Arbeiterschaft, insbesondere in der organisierten jüdischen Arbeiterschaft Amerikas, hervorgerufen hat. Diese Bewegung, sagte Jarblum, sei der beste Beweis für die Unrichtigkeit der Einwendungen des „Bund" gegen den Zionismus. Jarblum wies auch auf die Sejmwahlen in Polen hin, wo die Poale Zion mit „Bund" und linkem sozialistischem Block einen Wahlpakt geschlossen haben. Leider war das Bestreben der Poale Zion, einen allgemeinen sozialistischen Block zu bilden, an dem Widerstand der polnischen Sozialistischen Partei gescheitert, die sich mit 211m Teil antisemitischen und chauvinistischen Parteien verbunden hat. «Round« table» mit den Arabern* ■ ■ ■>(>;- - .* ' m ■ , •>'■••<■■' •■ Von V. Jabot ins ky. Nach der Unterredung zu schließen, welche Dr.. Weizmann dem Mitarbeiter der Londoner jüdischen Zeitung „Z e i t" vor seiner Abreise nach Palästina gewährte, will er jetzt in Palästina den Versuch einer Verständigung mit den dortigen Arabern unternehmen. Aber die arabischen Zeitungen melden, daß die arabischen Führer, der Mufti und die andern, von vorneherein jegliche Verhandlungen mit den Zionismen ablehnen. Daher ist es noch nicht eicher, ob die Verhandlungen stattfinden werden. Bei Hämorrhoidalleiden, Verstopfung, Darmrissen, Abszessen, Harndrang, Stauungsleber, Kreuzschmerzen, Brustbeklommenheit, Herzpochen, Schwindelanfällen bringt der Gebrauch des natürlichen „FranzsJosef"i'Bitterwaspers immer angenehme Erleichterung. In Apotheken erhältlich. E Aber eines ist sicher: wenn Verhandlungen zustande kommen sollten und wenn dabei — wie wir immer noch hoffen — die Vertreter der Zionisten nicht durauf ein- , gehen werden, auf den Zionismus zu verzichten, werden die Verhandlungen zu nichts Gutem führen. Wir alle wollen den Frieden mit den Arabern. Einem Juden beweisen wollen, daß dieser Frieden wünschenswert ist, heißt, offene Türen einrennen. Die; Frage Hegt nicht bei uns Juden, sondern bei den Arabern Palästinas. Wir alle wollen nicht nur den Frieden, wir alle, alle Juden und alle Zionisten aller Richtungen, wünschen das Wohlergehen der Araber Palästinas. W>r wollen nicht einen einzigen Araber verdrängen, weder vom linken, noch vom ruhten Ufer des Jordan. Wir wünschen ihr wirtschaftliches und kulturelles Gedeihen. ■'■. Wir alle stellen uns die zukünftige Struktur des jüdischen Palästina 60 vor: Die BevnlV«fnngsmehrheit wird jüdisch, aber die Gleichberechtigung ajjer Biirger wird nicht nur gesetzlich garantiert, sondern verwirklicht sein. Beide Sprachen und alle Religionen werden gleichberechtigt sein. Jede Nationalität wird weitestgehende Rechte kultureller Selbstverwaltung besitzen. Die Frage ist nur, ob dies den Arabern genügt. Und das ist leider nicht einmal eine;,Frage". ' Es ist unsinnig, vor großen und tiefen psychologischen Tatsachen die Augen zu verschließen. Die Araber Palästinas folgen drei politischen Parolen. Diese Parolen sind hunderte Male authentisch erklärt und gedruckt worden. Es ist unsinnig, sie totzuschweigen. Sie lauten: 1. Die Araber verlangen für sich das Recht, die jüdische Einwanderung zu kontrollieren. Das bedeutet nicht unbedingt, daß sie * die in Palästina bereits angesiedelten Juden hinaus jagen oder keinen einzigen Juden mehr ins Land lassen wollen. Es ist durchaus möglich, daß sie sich'sogar mit einer Fortsetzung der jüdischen Einwanderung p'nverstand :n erklären würden. Aber sie fordern, daß das Ausmaß dieser jüdischen Einwanderung durch sie, die Araber, bestimmt werde, ihrem Willen und ihren Interessen entsprechend. Dafür fordern sie auch ein Parlament und eine ihnen verantwortliche Re^ gierung. 2. Die Araber fordern die Schaffung einei' großen arabischen Föderation, mit einem gemeinsamen Parlament und einer gemeinsamen Regierung, wie etwa Deutschland vor dem! Kriege oder wie die Vereinigten Staaten. : Diese Föderation 60II beide Hälft'*« - Palästinas, Syrien und Mesopotamien umfassen, viele planen auch die Einbeziehung Aegyptens. In weiterer Zukunft werden sich auch die andern Länder anschließen, die hinsichtlich der Rasse oder der Sprache arabisch sind. Um zu verstehen, was das für uns Juden bedeutet, wollen wir annehmen, daß es im Zeitpunkte der Bildung der Föderation in Palästina nicht wie jetzt 160.000, sondern 300.000 Juden gibt. Dann sind wir in Palästina — ein Drittel der Bevölkerung. In einer Föderation mit Syrien und Mesopotamien — nur zirka 5 Prozent, wenn Aegypten dazukommt — l1/» Prozent usw. usw. 3. Die Araber wollen sich, der europäischen Herrschaft entledigen. Das bedeutet, daß England nicht nur Palästina, sondern auch Aegypten, den Sudan und Mesopotamien vollständig räumen, daß Frankreich Syrien, Tunis, Algier und Marokko verlassen, daß Italien Tripolitanien und Kirinaika aufgeben soll. Diese Forderung sprechen die Araber überall (auch in Palästina) ganz offen aus. loh will diese Forderung hier nicht ihrem Wesen nach beurteilen. Ich möchte nur darauf hinweisen, daß nach der Ansicht der überwältigenden Mehrheit der Franzosen, Italiener und Engländer, die Liquidation ihrer kolonialen Positionen 8m Mittelraecr und im Nahen Osten für sie eine nationale Kata-