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Die neue Welt · 1931-03-20 · Heft 183 (20.3.1931) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 183 (20.3.1931)
Date
1931-03-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite I DIENEUE WELT Nr. m Die bereits bekannten und als die besten anerkannten amerikanischen ,tlU£ t*«! Telefon Mt-5-19 eten MAZZOTH uodQRIfiSS widder in Wien Generalvertretung Brüder Welnreb, H > Taborstr. 62 praktisch, nicht utopisch; das heißt, daß ich, um den Frieden zn erhalten, alle Kraft des Scharfsinn« und der Liebe zur Nation und zur Menschheit, aber, wenn es notwendig ist, auch alle Kraft der Verteidigung aufwende. Darum furchtlos, mannhaft, möglichst stark sein? Es betsteht und bestand nie der geringste Widerspruch zwischen meinem Humanismus und meinem Trachten nach Verteidigung des Staates ... Die Nation braucht die ausgebildete Bereitschaft junger, tüchtiger und abgehärteter Männer, die jederzeit 'um! sofort ... zur Verteidigung dirigiert'Verden können " II. Im Pariser jiddischen „Na jen weg" ist von J. Schlechtmaiin zu lesen: „Im offiziösen Organ der deutschen Zionisten „Jüdische, Rundschau" wurde im Verlauf der letzten Wochen eine eigenartige Diskussion abgeführt. Ein Mann namens Dr. Otto Simon, der sich als Nicntrevisionist und überzeugter Pazifist bezeichnete, richtete an die „Jüdische Rundschau" einen Brief, der eine leidenschaftliche Polemik hervorrief,. in deren Verlauf Dr. Simon die parenthetische Bemerkung machte, daß die Revisionisten auch die Eroberung Palästinas mit Hilfe der Jüdischen Legion «u ihren Aktivposten zählen können. Das war natürlich für die „Jüdische Rundschau" unerträglich. Die Juden sollen gar ihr Teil haben an der Befreiung Palästinas vom türkischen Joch? Die Juden'soMen gar in ihrem Kampf um das Recht auf Palästina sich auf ihre Teilnahme am bewaffneten Kampf für Palästina berufen können? Das ist ja reiner Militarismus! Und die Redaktion der „Jüdischen...Rundschau" war flugsbei der Hand, zum Brief des Dr. Simon,zxx bemerken, daß ,die englische Eroberung Palästinas -\durch v. dje engIi s'che Armee, höcnsftens? *mit' der* ^fifchjlfe'^ der' ä r ä ib i S c h e n' Bataillone des Emirs Faisal vor sich gegangen sei und daß die Jüdische Legion dabei ga r keine Rolle gespielt habe*. Das ist schon bis in den Kern pathologisch. Eine zionistische Zeitung will um jeden Preis beweisen, daß, •wenn'schon jemand Verdienste um die Eroberung Palästinas und seine Befreiung Von der türkischen Herrschaft habe, es jedenfalls nicht die Juden sind, sondern die Araber. Mit sadistischem Vergnügen will sie das ihren Lesern einhämmern, auf daß diese gottbehüte nicht Forderungen und Hoifnungen daraus ziehen, daß jüdische Bataillone am Kampf um Palästina teilgenommen haben ... Für einen Psychiater ist das ebenso interessant wie lehrreich. "Das Wesentliche aber ist, daß die Behauptung der „Jüdischen Rundschau" entweder Ignoranz oder betvußtes ' Verschleiern von Tatsachen bedeutet. Die von der „Jüdischen Rundschau" so kräfig ins Licht gerückten „arabischen" Bataillone des Emirs Faisal waren nach der Erklärung des großen Araherfreundes und Schöpfers der arabischen Armee Oberst Lawrence eine Fiktion. Die arabische Armee des Emirs Faisal zählte im ganzen 4000 bis 5000 Mann« darunter drei Viertel unreguläre Truppen. Diese Armee war nur imstande, die bereits geschlagenen und demoralisierten Türken auf dem panischen Rückzug nach der Niederlage in Palästina abzuschlachten. (Lawrence, „Der Aufstand in der Wüste".) Sie spielte nicht die geringste Rolle bei der Eroberung Palästinas... Und was die palästinensischen Araber selbst betrifft, so hat der gewesene Offizier der Jüdischen Legion, James Rothschild während der Palästina-Debatte im englischen Parlament am 17. November 1930 mit Recht auf den Unterschied zwischen Juden und Arabern betreffs jener Zeit hingewiesen. Die 20.000 Juden, die im Jahre 1918 in [AUSKÜNFTE durch IFINANZBLATT osr ANLAGE BOTE WIEN 1.GIUCKGASSG l TEL.R Z3.3n RlltSt jenem Teil Palästinas lebten, " der von der englischen Armee okkupiertVar, stellten im Verlauf von 14 Tagen für die aus Jnden\ aller. Lieder gebildete : Jüdische «Legion 1000 Manj>.avXSFjjj<i..._-Äi^,^^d^^Äjrtt'^.ij|:i^^3^e^;-i"j^jr/alS^r Palästinas rekrutierten für die Faisal-Ärmee sage und schreibe 165/freiwillige Soldaten. . Rothschilds Rede und«, ^©banpturig rief-weder bei den Freunden der Araber im..-. Parlament, noch seitens der Regierung Widerspruch, hervor. Niemand konnte die historischen Verdien)ste,der Jüdisclien Legion bei der Eroberung Palästinas leugnen oder sie gar mit Verdiensten der a rabischen. „Bataillone" konfrontieren. Diese traurige Aufgabe fiel,.der*, ^zionistischen-' „Jüdischen. Rundschau" zu.,.. Ist dasr nicht ein selten anzu-. GÜTER HERD *- $ IST GOLDES WERTS Die btttreootntniert« 1. Wiener orthodoxe Matzothiabrlk ISRAEL VO*TR£FFLICH f> ot bekannt dafi Obcrall täglich frisch gebacken© Matzoth und Mazzcf harten mit Stempel ,VOR TREFFLICH* erhältlich sind treffender klinischer Fall von wahrhaft krankhafter Mentalität." III. Kapitel I und H dieses Aufsatzes könnten den Eindruck erwecken, * als wollten wir zwei Weltanschauungen einander gegenüberstehen; die eine sub I gefährliche, nationalchauvinistische, säbelrasselnde eines Mannes von längst überholter Denküngsart — die andere sub IL, die der „Jüdischen Rundschau", in der der Geist edler Gesinnung, pazifistischer Ethik, neuzeitlichen und fortschrittlichen Glaubens walltet. Wer spricht die Worte , des Kapitels I? Wir wetten, daß der Leser auf einen Mann Upen wird, von dem er seit Jahr und Tag ähnliche, fast gleichlautende Gedanken vernommen hat, nämlich Worte von Wehrhaftigikeit, die nicht gleichbedeutend ist mit militaristischem Angriff, mit der Absicht zur Unterdrückung* Wir wetten, daß der Leser auf den „reaktionären Militaristen" Jabotin sky tipen wird, auf. diesen gefährlichen jüdischen Chauvinisten, der die Araiber mit Waffengewalt vertreiben will Aber der Leser - wird , fehlgehen. Die - sub I zitierten .Worte, hat ein .Mann gesprochen, den die: ganze Welt und — wenn wir nicht irren rgewiß auch die „Jüdische : Rundschau" als Repräsentanten der europäischen Humanität» als Bekämpf er jeder Mach t p o 1 i t.i k, aJs ..., großen P a z i f i s te n und S t a a t s p h i 1 o s o ph en verehrt und feiert. Bs ist der Schöpfer der Tschechoslowakischen Republik und deren P.r ä sid en4 ,Th.: G. Masajyk. Die zitierte Stelle ist im IL .Band der „Gesprächemit Masaryk" von Karel Capek,: erschienen ■ im Verlag Aventinum- £in„ Prag, nachzulesen» Die Haii&iftge* Polizeitragödie. I'. ,{.« •Il.a.:m^rf,i.^Mä^ ß^g. A,) Im(Han^rger Polizeipräsidium liat der ..unter dem linfluß der Nationalsozialisten stehende ^. PoMzeioberwachtmeister Friedrich Pohl, Sohn eines' Arztes in der Lünebürger Heide, den ihn dienstlich vernehmenden R e g i e r u ii g.s. r« f Lassally, der aus einer ßehr angesehenen Hamburger jüdischen Familie etamimt und als überzeugter Republikaner ohne.: parteipolitische Bindung .bekannt ist, mit dem Diienstrevalver niedergeschossen.., Lflft-. sally brach schwerverletzt zusaimimen und wurde sofort, ins Krankenhaus überführt, wo er einer Operation, unterzogen wurde. Es,-, wurde festgestellt daßt die Kugel, die in : den Bauch eindra n g, nur wenig unterhalb des Herzens den Körper, durchschlug, aber nur Fkdsditeile verletzte, so daß Lebensgefahr für Lassailly nidit besteht. Der Attentäter Pohl wurde verhaftet und gestand beim Verhör ein, daß er 'den festen Vorsatz gehabt hat, seinen Vorgesetzten Lassally zu töten, er sei daran nur durch eine Ladehemmung seines Dienst- Er fiihlt jetzt, daß er es nicht hätte tun dürfen, obwohl es vorgeschrieben ist. Er erinnert sich daran, was ihm im letzten. Jahr seines Schächteramtes zugestoßen war. Einmal an einem Vorabend brachte ihm ein Jude vom Dorf in einem Korb zwei Tauben zum Schlachten, junge, weiße Tauben. Der Dorfjude nahm sie aus dem Korb und reichte sie ihm hin, und als er, Joel, die eine bei den weißen, warmen Flügeln packte, den zuckenden Hals zurückbog und den Flaum an jener Stelle zu pflücken begann, wo eingeschnitten wird, begann die zweite Täube in den Händen des Dorfjuden wild mit den Flügeln zu schlagen, grell zu gurren, und als er mit der einen fertig war und sie zur Seite geschleudert hatte, entriß sich die andere den Händen des Dorfjuden und entflog. Es war Abend geworden und der Dörf jude stellte der entfliehenden Taube ' nicht nach. Ihm, Joel, hatte es ans Herz gegriffen. Er : begriff, daß er die lebendige Taube nicht offen hätte halten dürfen, damit sie nicht den Tod der Schwester sähe. . Spät nachts, als Joel im finsteren Zimmer schlief, hörte er plötzlieh am Fenster pochen. Dann noch einmal und noeh einmal... Erschreckt stieg er aus dein Bett. und machte Licht. Wieder pochte es. Es war die davongeflogene Taube. Jede Weile flog sie an die Scheibe und putschte mit den Flügeln, warf sich hin und her, aehrie, als forderte sie ihre Schwester von ihm. Schreck fuhr ihm in die Glieder. Zitternd wie Espenlaub warf er sich ins Bett zurück, zog die Decke über den Kopf. Das wilde Gepoch wiederholte sich von Zeit zu Zeit nnd die ganze Nacht troff er unter der Decke in Schweiß. Ihm schien, daß die Taube bald die Scheibe einschlagen, ins Zimmer flattern und ihm die Augen auspicken werde, weil er ihre junge, unschuldige Schwester getötet habe.. ihr frei-heiteres Leben plötzlich abgeschnitten, Gegen Morgengrauen, erinnerte er sich, wurde es endlich •still; Und bis er dann den Kopf unter der Decke hervorzog, erblickte er eine zerbrochene Scheibe. Lange Zeit ging es ihm nicht aus dem Sinn. Mit der Zeit aber, während er immer noch fleißig das Schüchterhandwerk übte, vergaß er daran. Warum, grübelte er mit Verbitterung, warum hatte er damals daran vergessen? Warum störte es ihn damals nicht? Es hätte sich doch Erbarmen mit ihm rühren sollen . . . Erbarmen mit Gottes lebendigen Geschöpfen, Angst vor Blut. Sie haben keine Vernunft, sie wissen von nichts — aber wenn man sie peinigt, wenn man ihnen weheint, fühlen sie wie ein menschliches Wesen... Sie zappeln und schlagen um sich wie ein Mensch..« ringen .vfie ein 'Mensch mit dem Tod... Nein, nein, man darf qs nicht tun,.>,eine Sünde ist daß... eine Sünde... Obgleich dasGesetz es erlaubt, macht die Geinora doch die Bemerkung, daß Schächter und Räuber unter einem Stern geboren werden — beide vergießen Blut... Tiefes Weh bedrückte sein Herz. Er pflegte mit sich allein einen Kampf au szufechten, gegen seine bitteren Gedanken; er pflegte das Pult, auf dem das Buch lag, zu verlassen und hastig durch den Roth Hamidrasch zu gehen, die Stirn in Falten zu legen und in monotoner Gemora-Melodie zu brummen: „Nein ... nein... erlaubt... 's ist keine Sünde... keineswegs... nein..Stumme Nachtschatten folgten ihm im Halbdunkel, Jeder Tritt erweckte ein leichjtes Zittern in der Stille.,, In solchen Nächten, wenn der alte Josef, der Nachtwächter für die Kramläden, sich zu wärmen und vom Regen zu trocknen kam, begann er gleich um Joel herumzugehen. „Hergott, was für ein Regenf" sprach er wie zu sich selbst, mit der Absicht, Joel zu einer Unterhaltung' zu bringen. Joel;aber warf einen schweigend-ärgerlichen Blick auf ihn. Es verdroß ihn* daß jener, ein Nichtjude, die Keckheit habe, in ein Beth Hamidrasch zu kriechen. „Wie kannst du keine Angst haben, hier allein zu sitzen?" fragte Josef. „Nu, ho... nul", brummte Joel verbittert. Josef erschrak. „Jaky djiwny 2yd" (was für spnderbarer Jude!) stammelte er, während er Joel verließ... Wenn jemand am Beth Hamidrasch vorbeiging, verweilte er ein wenig beim mattbeleuchteten Fenster, wo Joel saß, und dachte.sieh: Ein verrückter Mensch... hat er keine Angst.'.? etwas nicht in Ordnung mit ihm... Den Winter hindurch in den. einsamen langen Nächten verließen Joel die peinigenden Gedanken nicht. Zur Zeit des Sommers , mit seinen ungeheuren frühen Morgenstunden, wenn die Sonne aufgeht und ihre Helle ausbreitet, pflegte er zumeist schlaflos mit breit offenen, starr-verklärten Augen auf seinem Lager zu liegen. Lange Zeit warf er sich von einer Seite auf die andere und versuchte unter Marter», einzuschlafen, aber als. hätte jemand seine Hand, im Spiel, die Kissen wurden immer heißer und die Bettdecke lastete wie ein schweres Gewicht auf ihm. (Schluß folgte

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