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Die neue Welt · 1931-03-13 · Heft 182 (13.3.1931) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 182 (13.3.1931)
Date
1931-03-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 182 DIE NEUE WELT Seife % 1 s!ff llifilliiliiiiiittiiliiiiiifiiiiiiiilliltlititftif iitiiitf lf iiintiiiiiv | Brith Trumpoidor, Wion | ^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^m mm s Donnerstag, den 19. März, um 8 Uhr abends findet im g s Herzl-Saal des Heimes, II., Untere Augartenstr. 38, eine s I GROSSE VERSAMMLUNG \ s Uber S „Der Arbeiterkonflikt in Tel-Awlw" 5 s statt s s Redner: Or. L. Köppal, L. Dlsgantscttik, ft. Lu« § botafky s s Freie Aussprache! Regiebeitrag 10 g g TiiittiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiS Juden Galiziens, wenn sie nicht neutral bleiben können, auch mit den Ukrainern von Volk zu Volk Vereinbarungen treffen dürfen, um ihr Recht als Staatsbürger und ihre nationalen Gruppenforderun« gen durchzusetzen. Er wurde dafür verlästert. Dennoch trug er kein Bedenken, nach dem Umsturz die Stelle eines Dezernenten für jüdische Angelegenheiten bei der west* ukranischen Regierung anzunehmen, und wirkte noch vor dem Kopenhagener Manifest an der Schaffung des „Statut der jüdischen nationalen Autonomie für die West« Ukraine" mit. Wenn wir heute Israel Waldmann herzlich Glück wünschen, sprechen wir die Hoffnung aus, er möge sich seinen ungebrochenen Kampfesmut noch viele Jahrzehnte bewahren zur Freude seiner Anhänger und zum Nutzen des Zionismus, der gerade jetzt solche Männer dringend braucht, soll er wieder auf den rechten Weg gelangen, den Theodor Herzl gewiesen hat. Dr. Leopold Plaschkes. Blutbeschuldigung in Palästina, Jerusalem, 6. März. Die arabische Zeitung „Falastin" veröffentlicht unter dem Titel „Arabische Kinder von einem jüdischen Verbrecher gestohlen. Wurde die Tat zum Zwecke der Blutentnahme verübt?" eine Notiz, durch die zum ersten Male in Palästina und zum ersten Male im Vorderen Orient seit der Ritualmordaffäre von Damaskus öffentlich die B1 u tbe schuldigung gegen die Juden erhoben wird. In der Notiz wird mitgeteilt, ein arabischer Gemüsehändler namens Mahmud Ahmed al Sayed habe, als er am Sonnabend, den 28. Februar, abends, nach Jaffa kam, in der Nähe der Regierungsschule den Jiiden Omar L e v i getroffen, der einen weiten Mantel trug, unter dem er anscheinend einen größeren Gegenstand verbarg. Sayed habe Verdacht geschöpft und habe, als er sich dein Juden näherte, die Stimmen schreiender Kinder gehört. Auf Sayeds Aufforderung gab der Jude einen Knaben und ein Mädchen, Kinder von Said Almadhoun, frei. Er war sehr erschrocken und behauptete, er habe die Kinder bloß zu seinem Vergnügen spazierengeführt. AI Sayed veranlagte die Venhaftung Omar Levis. „Falastin" knüpfte an diesen Bericht, deT angeblich seinem Herausgeber von dem arabischen Gemüsehändler persönlich übergeben wurde, die Vermutung, daß Levi die Kinder, die in letzter Zeit in Haifa und in anderen Orten verschwunden sind, gestohlen hat. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, hat das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, Colonel Kisch, beim Chefsekretär Young vorgesprochen und ein behördliches Einschreiten gegen die arabische Zeitung wegen Verbreitung dieser gefährlichen Verleumdung gefordert. Die Frage wird vermutlich vom High Commissioner selbst im Exekutiv-* rat der Regierung zur Sprache gebracht werden. Inzwischen hat Chefsekretär Young die Jaffaer Behörden' angewiesen, Nachforschungen über den in der Notiz dos „Falastin" behaupteten Vorfall einzuleiten und insbesondere festzustellen, ob tatsächlich ein Mann namens Omar Levi verhaftet wurde. * Jerusalem, 1. Märiz. Der High Commissioner hat die Suspendierüng der arabischen Tageszeitung „Falastin4* wegen Veröffentlichung der Notiz, in der die Blütbeschuldigung gegen den Juden Omar Levi erheben worden war, angeordnet. Gleichzeitig hat der High Commissioner, wie die Jüdische Telegraphen- Agentur erfährt, den stellvertretenden Generalstaatfiflüwa-lt angewiesen, die Möglichkeit einer strafrechtlichen Verfolgung des Blattes wegen Verbreitung dieser hetzerischen Verleumdung zn prüfen. Sfrafurieü wegen des Ausdrucks: „Nur arische Deutsche haben Zutritt". Prag, 4. März. (J. T. A.) Am 25. November vergangenen Jahres veranstalteten die deutschen National-, sozSaKßten in der Stadt Schönfeld bei Elbagen in Böhmen eine Tanzunterhaltung. Der Vorsitzende der Ortsgruppe der nationalsozialistischen Partei, ein Koch namens Josef Gareis, veranlaßte die Herstellung von Plakaten zu dieser Tanzunterhaltung, die u. a. die Bemerkung enthielten, daß nur Deutsche arischer Abstammung Zutritt hätten. Wegen dieser Klausel erhob die Staateanwaltschaft in Eger die Anklage gegen Gareis auf Grund des § 14 des Gesetzes zum Schutze der Republih, da durch die öffentliche Bekanntgabe, daß zu der Tiiazunterhaltung nur Deutsche arischer Abstammung Zutritt hätten, zum Hasse gegen einzelne Gruppen der Bevölkerung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität und Sprache aufgehetzt wurde. Darin erblicke die Staatsanwaltschaft eine Störung des allgemeinen Friedens. Der Angeklagte gestand, die Plakate zur Drucklegung befördert zu haben. Die Klausel entspreche den Statuten der nationateozialißtischen Partei. Der Gerichtshof sprach den Angeklagten schuldig und verurteilte ihn zu 200 tsch. K Geldstrafe oder 8 Tagen Arrest. B ewährungefrist wurde ihm nicht zuerkannt. Ein getaufter Jude Redakteur des »Völkischen Beobachters"? Wien, 8. Mörz. (J. T. A.) Eine Gruppe ungarischer Journalisten, die vor kurzem in München geweilt hat, hat festgestellt, daß einer der Redakteure des „Völkischen Beobachters", des Hauptorgancs der Bakenkreuzler, ein getaufter ungarischer Jude ist. Es ist dies ein gewisser Alexander Hollosi, der früher Adolf Holländer geheißen hat. Vor etwa 10 Jahren erlangte Hollosi eine Art Berühmtheit, als er ein angebliches Interview mit dem Szegediner Oberrabbiner und bekannten Gelehrten Emanuel Loew, der jetzt als einer der beiden Repräsentanten der jüdischen Konfession im ungarischen Magnatenhaus sitzt, veröffentlichte. Hollosi schrieb damals, Oberrabbiner Loew habe ihm gegenüber hochverräterische Aeußerungen gegen den ungarischen Staat getan, was zur Folge hatte, das gegen Oberrabbiner Loew eine Untersuchung eingeleitet wurde und der Gelehrte einige Monate lang sein Haus nicht verlassen durfte. Schließlich stellte es sich zweifelsfrei heraus, daß die angeblichen Aeußerungen Loews von Hollosi frei erfunden worden waren. Kurz darauf verschwand Hollosi aus Ungarn, um einige Jahre später in München als Redakteur des „Völkischen Beobachters" aufzutauchen. Ueber die jüdischen Flieger im Weltkrieg. München, 8. März. (J. T. A.) Im Fetbruar-Heft der „Deutschen Kriegskämpfer-Zeitung" (Organ für die Interessen der deutschen Kriegsbeschädigten) veröffentlich Hermann G e i ß e r eine längere Besprechung des im Verlag des „Schild" erschienenen Buches „J ü d ische Flieger im Weltkriege" von Dr. Felix A. T h e i 1 h a b e r. Ohne Zweifel, schreibt Geißer, war im Weltkriege das Flugzeug das gefahrvollste Kampf - Hoffenden Frauen und jungen Müttern . verhilft das natürliche „Franz-Josef-Bitterwasser zu geregelter Magen- und Darmtätigkeit. In Apoth. u. Drog. erh. E mittel, wer es je Setrat, der hatte noch tausendmal weniger Gewißheit, daß er aus dem Kampfe noch einmal zurückkehren werde, als alle anderen Frontkämpfer. Welch ein großes Maß an persönlichem Mut mußte daher ein Flieger besessen haben. Wenn wir da6 Buch Theilhabers durchgehen, dann finden wir so manchen bekannten Kampfflieger des Weltkrieges darin, von dem wir nacht wußten, daß er Jude ist. Damals haben wir seinen Mut und seine Leistungen 1 bestaunt, heute - will man ihm aus" ppliti- Sbumg/utouil *p unter Aufeicht des Herrn Bezirksrabbiners 5. Ehrenfeld zu Mattersburg wird das Speisefett Kunerol hergestellt. Kunerol ist reines Kokosnu&fett und kann von jedem Strenggläubigen ohne Bedenken zur Zubereitung von Milch- und Fleischspeisen verwendet werden. ÜNEROL 100% REINES KOKOSNUSSFETT Kunerol ist nur echt in Originalpackung! Vor täuschenden Nachahmungen wird gewarnt! sehen Gründen dies abstreiten. Wie unehrlich und wenig sachlich. So finden wir beispielsweise auf Seite 55 das Porträt und die Tatsachenbeschreibung des Seniors der deutschen Kampfflieger, Jakob Wolff, eines bekannten Großindustriellen, der, damals schon 46jährig, in seiner eigenen Maschine freiwillig zahlreiche bedeutende Luftsiege erfocht. Auf Seite 22 finden wir das Bildnis eines gewissen Paul Spiegel, zu Beginn seiner Dienstleistung ein 62jähriger, was ihn allerdings nicht abhalten konnte, freiwillig bei der Luftschifferabteilung Dienst zu tun und zahlreiche gefahrvolle Ballonfahrten auszuführen. Das Bild auf Seite 87 zeigt Oberleutnant Wilhelm F ran kl, einen der ersten Inhaber des Pour le Merite. Wie an ihm, so hat sich auch an zahlreichen anderen Trägern dieser hohen Auszeichnung das 'Fliiegerschicksal erfüllt. Wenige derer, die in dem Buche geehrt werden — inzwischen ist es Herrn Dr. Tiheilhaber gelungen, weitere 50 jüdische Flieger ausfindig zu machen, diie darin nicht gewürdigt -worden sind — sind in die Heimat zurückgekehrt. Geißer schließt: „Warum sollen die Opfer und Leistungen, die nicht geringer sein können als andere, nicht anerkannt werden? Sollten sie lediglich deshalb unterschlagen werden, weil sie in Parteikram nicht passen? Dann lassen wir e6 lieber bleiben, noch jemals vor die Gedenkstätten unserer gefallenen Kameraden hinzutreten, denn wir besudeln ihr Andenken mit Unehrlichkeit und unsere Trauer ist Heuchelei." Das jüdische Rumpfparlament Von der Assifath Hamwdiarim (Jüdischer Nationalrat in Palästina)» (Von unserem Korrespondenten.) : / Angesichts des stürmischen Verlaufs der Sitzung der „Assifath Haniwcharim", aus der die Revisionisten bekanntlich äusgeschieden sind, dürfte ein Artikel interessieren, in dem sich die Redaktion (M. Smiliansky) der ausgezeichneten Wochenschrift „Boust'nai" prinzipiell mit der „Assifath Haniwcharim" auseinandersetzt. „Bpust'nai" wird von der „Vereinigung der Landwirte in Jehuda und Schomron" herausgegeben. Wir bringen einen Auszug des Artikels, der seine wesentlichen Punkte enthält Die jüdische Bevölkerung in Palästina (»der Jischuw") zählt, heute ungefähr 170.000 Seelen, das heißt nach der üblichen Berechnungsmethode ungefähr 34.0Q0 Familien. Und wenn wir in Betracht ziehen, daß die Zahl der unverheirateten Erwachsenen in unserem Lande größer ist als irgendwo anders, begehen wir keine Uebertreibung, wenn wir die Zahl der Wahlberechtigten mit rund 90.000 annehmen. Davon beteiligten sich an der Wahl zur „Assifath Haniwcharim" gegen 49.000, das heißt etwas mehr als die Hälfte der volljährigen jüdischen Einwohner. Betrachten wir den Jjschuw nach seiner ständischen Zusammensetzung, greifen wir nicht weit daneben, wenn wir sagen, daß sich unter seinen 90.000 Erwachsenen 30.000 Arbeiter und ihnen Zugehörige befinden und daß 60.000 den übrigen Berufsschichten angehören* Von den ersteren beteiligten sich an den Wahlen zirka 25.000 Personen oder, rund 80 Prozent, von den letzteren zirka 23.000 oder weniger als 40 Prozent. Berücksichtigen wir die Vergrößerung des Jischuw innerhalb der letzten zehn Jahre, kommen wir zu dem Schlüsse, daß die Gleichgültigkeit gegenüber der Assifath Haniwcharim unter den Nichtarbeiternin dieser Zeit gewachsen ist Und ohne die revisionistische Gärung wäre diese Gleichgültigkeit noch viel mehr in Erscheinung getreten. Mit anderen Worten: Im Laufe der zehn Jahre ihres Bestehens hat es die A. H. nicht verstanden, jene Kreise au sich heranzuziehen, die ihr von Anfang an ablehnend gegenüberstanden, vielmehr ist es ihr „gelungen", noch neue Kreise von sich abzustoßen. Nicht nur nahmen die Landwirte aus den alten Siedlungen an den Wahlen nicht teil, sondern, wenn auch ohne ausdrücklichen Beschluß, ein großer Teil derStädter. Man erzählt uns von der Menge der Wahllegitimationen, die man vergaß, ihren Inhabern zuzuschicken, die sich ihrerseits nicht beeilten, sie abzuholen, und von jenen Legitimationen, die unbenützt in den Taschen ihrer Inhaber blieben. Aber das sind gerade die Leute aus den Kreisen mit Neigung zu gemeinnütziger Arbeit und zur Betätigung im öffentlichen Leben. Wir alle geben zu, daß die Landwirtschaft Untergrund und Fundament aller Siedlungsarbeit ist, noch mehr: aller zionistischen Arbeit. Und diejenigen, die das nicht zugeben wollen, setzen Landwirtschaft und Industrie in eine Linie. Nun: Unter den 71 Abgeordneten der A. H. befindet sich n i c h t e i n einziger „Industriekapitän" des Landes, nicht ein einziger Vertreter der großen landwirtschaftlichen Wirtschaften, die den Jischuw in der Zeit der Gefahr und der Wirtschaftskrise gerettet haben, nicht einer der Bauern, die die Landwirtschaft in Jehuda, Scharon, Schomron, Unter- und Obergaliläa geschaffen haben. Und unter den 3 5 Arbeiterdeputierten befinden sich, wenn wir nicht irren, nur zwei von den wirklichen Gründern der Arbeiter-Landwirtschaft und zwei oder drei landwirtschaftliche Arbeiter. Noch mehr: Die jüdische Bevölkerung ist mit Recht stolz auf ihre kooperative Bewegung. Von den Gründern dieser Bewegung, von jenen, die in ihrer Arbeit erfolgreich waren und Sachverstäu-

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