Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 182 (13.3.1931)
- Date
- 1931-03-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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atifei DIE NEUE WELT Nr. m VERBAND DEMOKRATISCHER ZIONISTEN 2. A, V. BAR KOCHBA ifftwoeft, toi fS. Min, halb 9 Uhr abends l« Vsrsindihsl», llrlfirtfrsAt|ariMttr.3i antlB leh det 60. flfbfrtitaget vi« Oft. ISRAEL WAL0MANN Segen taid: SOJtkrt Zlonlsmos Raftrenten: Dr. Leopold Plaiohkw, Dr. Iirael Waldmann Sternwarte der katholischen Universität in Washington, George S e a r 1 e, propagierte Idee von der S c h a 1twoche aufgegriffen und in Vorschlag gebracht. Statt jedes Jahr einen Blankotag einzuschieben, wäre jedes fünfte Jahr eine ganze Blankowoche einzuschalten. Durch die Einführung der Sckaltwoche an Stelle des "Blarikotages würde die Verwirrung und Unruhe vermieden werden, die die Einsetzung des Blankotages mit »ich bringen dürfte. Die Woche würde in ihrem ununterbrochenen Fortgang unangetastet bleiben. Die Schaltwoche wird eine Arbeitswoche mit W'ochenendruhe wie alle übrigen Wochen de* Jahres sein. Statt sich in jedem Jähre ein, bzw. zweimal umstellen zu müssen, wird man vier Jahre lang, ohne Unterbrechung durch Blankotag und Schalttag, 52 volle Wochen zählen und im fünften Jahre — nicht einzelne Tage, sondern — eine ganze Woche einschalten. Bisher hatten die Sabbat-Hüter wenig Glück. Yon allen Seiten kommen Zustimmungen zum Blankotag. Nun ist ihnen ganz unerwartete Hilfe zuteil geworden. Die italienische Regierung hat sich energisch gegen den Blankotag, gegen die Störung des Wochenzyklus ausgesprochen. Die italienische Tageszeitung „II Giornale dltalia" meldet: „Das italienische Komitee, welches vom Ministerfü raus wärti geAngelegenheiten ernannt wurde, um die Reform des Kalenders zu studieren, die Italien mit den anderen Nationen in Genf zu behandeln haben wird, hat sich ausdrücklich gegen eine Reform erklärt. Im äußersten Falle — wenn nämlich die anderen Nationen auf einer Einführung einer Reform bestehen sollten — hat das Komitee vorgeschlagen, diese in minimalen Grenzen zu halten, d. h. auf Abrundung oder auf völlige Gleichmachung der verschiedenen Monate zu beschränken, doch in' keiner Weise den Wochenzyklus durch Einführung eines .außerhalb.der W o c h e s t e h e n d e n T a g e s, d e s „B1 a n k o t a g e s", zu unterbrechen." Dadurch ist die von den Sabbat-Hütern so gefurchtete Einführung des Blankotages tatsächlich in Frage gestellt. Diu Israel Waldmanii — fünfzig Jahre all« Daß Israel Waldmänh vor 50 Jahren zur Welt kam, mag er selbst für. eine'Privatsache halten. Seine Freunde 1 widersprechen dieser Auffassung und betrachten es als eine zionistische Angelegenheit, gerade bei diesem Anlaß seine Lebensarbeit gerecht einzuschätzen und ihm für sein opferfreudiges Wirken den Dank abzustatten. Israel WlflllfrillffrilHIIIIJIllIIIHillJIllllflllllllllllfllllHllIIIIIIIlIlllllIlillllllllllllllllllllHIHII llllllllllllllllllllflllllllllllllllllllllll^ daß die in Geschmack und 1 Qualität unübertroffenen § •MIMMt^altrafiommtartMi S (chmidl-Mazzothl | iiiiiiiiiiiiitiimiitiim H heuer besonders gut geraten sind! g 3 Vaa4mhaIia M.M|iNi| Erzeugt unter streng orthodoxer Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabblner K0Stpr0D8 genügt! Babath -DSh^PwCm aus dmm Mnilm Mahl artaugt! s ES Seit vielen Jahren genteßert die „SchmidMUassoth das! beste Renomme und werden vor allen anderen bevoizugt g |Ä^ÄJ^kfc SPEZIAL-MARKE „N. B/(ammu*Mviiil j | ZenfroIe:N.Brodetzklvli»Leopeldf0asfe43T"^| Es Erhaltlich: In allen besseren Geschäften und in der Filiale), M, Sctillfamtaffjaata 11 (in den Räumen des S s= Vereines „Machsike HadathMj —: iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin Waldmann trügt das Herz .eines stolzen Juden in der, Brust, für den Erkennen und Handeln eins ist. Unsere : großen und kleinen Kämpfe, unsere großen und kleinen ' Leiden finden den Politiker Israel Waldmann als Pionier und Helfer. Mögen der Hochmut jüdischer Ideologen, die Prinzipienlosigkeit von Konjunkturzionisten die Beizeich» ' nung „Politiker" verächtlich gebrauchen, Waldmann : trägt sie als Ehrentitel. Ja, Israel Waldmann ist ein jüdischer Politiker! Das ist eine Besonderheit des Mannes, die auch Ferner* stehende begreifen müssen. Er hat als erster im Jahre 1923 Weizmanns Pläne zur Erweiterung, der Jewish Agency durchschaut und bekämpft So ist er der Wegbereiter de=j radikalen Zionismus geworden. Er hat und wird recht: behalten — hoffentlich nicht zu spät. Schon der jugendliche Gymnasiast tritt in unseren Gesichtskreis als Schüler Herzls. Mit verläßlicher Ueberzeugung hält er an .der Idee vom J u d e n s t a a t fest und ist einer ihrer Bannerträger geblieben bis zum heutigen Tag. Sp hat er es, auch sonst gehalten. Was der \ 20jährige Waldmann als ricjitig erkannte, wofür er un« ermüdlich in Wort und Schrift, aufklärend wirkte, als er daheim in- Ost g.aIi z ien eJ n. Ju>denf ühr er wurde: Kampf gege^ v die Assimilf tion , .injeder Form, Kampf gegen alle .Ghettopolitik,, Kampf für nationale v Selbst* .; bestimmung, vor allem für die. autonome. Ju.dengemei.nde, das hält, der Fünfzigjährige aufrecht, wenn er in Wien auf die Tribüne steigt. Und wenn er heute den Noehzionisten Oesterreichs vor Augen führt, wie seht, sie sich an.., .dem Geist des Zionismus versündigen, kommt niemand mehr Kompetenz zu als ihm. Denn die tiefe Ueberzeugung, daß es ohne nationalen Zionismus nicht geht, erfüllt die 30 Jahre Pionierarbeit, die Israel Waldmann unserem Volke bisher gewidmet hat Der Judenstaat ist ihm das primäre natio* nale Postulat unseres Volkes. Doch hält er daran fest, daß Galuth und Erez Israel noch lange werden, sich gegenseitig beeinflussend, nebeneinander bestehen müssen. Diesen Stsrtdpunkt vertrat schon der junge Waldmann im Kampfe unserer galizischen Gesinnungs* genossen um die L a n d e s p o l i t i k: „Die Befrei« ung von der Galuth in der Galuth besteht darin. •! a ß wir sie bejahe n." Seit 30 Jahren strebt er gemeinsam mit allen nationalen Zionisten nach ehr* licher Gleichstellung beider Teile der zionistischen Arbeit, der Palästina* und der Galutharbeit! Wen» Kongreß* beschlüsse und Delegiertentagsbeschlüsse, an denen er führend mitgewirkt, hat, von anderen verraten wurden, darf man Waldmann und seinen Weggenossen keinen Vorwurf daraus machen, daß sie den Kampf weiterführen um den integralen Zionismus gegen die „edlen •/ioiüsti* sehen Maranen", die um ihres Vorteiles willen bei den Sozialdemokraten organisiert sind. . Dazu taugt' auchniemand besser als 'Israfel Wald« mahn.' Die zionistischen Probleme erhalten nämlich bei ihm stets eine spezifische Färbung. Wer ihn kennt, weiß: er ist durchdrungen von s ozi alkr i tischer Welt* anschauung, die sehr nahe an den proletarischen Sozialismus grenzt Sie unterscheidet ihn aber von der Auffassung der österreichischen Sozialdemokratie dadurch, daß > sie sozial, demokratisch und nicht marxistisch ist. Von den allgemeinen Zionisten, weil sie ehrlich gefühlt, mit momentaner sozialdemokratischer Konjunktur nichts zu schaffen hat Deshalb betont auch der Sozialist Waldmann: „Wo immer ein Zionist politisch tätig ist, hat er jüdisch nationale Politik zu m a c h en!" i . Halsstarrig und treu ist er seinen Weg gegangen. Wer nicht so wollte, so wählte wie die polnische Herren« nation, war ein Hochverräter. Da wurde Israel Waldmann eben — Hochverräter! Denn er meinte — und die Wahlen des Jahres 1907. gaben ihm recht daß die BHtSWgW „Was treiben Sie, Freund Nachbar? Was machen Sie da? Sie sind, scheint mir, in Amerika gewesenV* „In. Amerika? Verbrannt hätte es werden sollen, bevor wir es entdeckt haben. Hast du gehört? Ihr könnt mir draufzahlen, auf daß ich hinfahre. Abgesehen davon, daß man nicht hineinläßt mit ihren Quoten und Pischkoten, hol's der Kuckuck! Ich fahr* nach Erez Israel, fahr" i-h. Ein Jude hat nach Erez Israel zu fahren. Zu der Mutler Zion we'Jeruscholajim. Bauen helfen das nationale Heim. Abgesehen davon, daß das Land ein Land geworden ist mit „Tozereth haarez", mit Kolonisation und Ituthenberg-Elektrizität und Rothschilds \Ia2ze ... So fahr* ich also. Ich fahr' über Konstanz* und von dort gleich nach Brindisi, Aegypten, Königsee, Kairo, Konstantiuopel, Algier, Afrika und die Pyramiden. Von den Pyramiden in die Dardanellen hinein und von den Dardanellen gleich nach Jaffa. Und dort steh' ich vor einer Wahl: Will ich, so bleib* ich in Jaffa und handle mit Ethrogim und Pomeranzen und mit Kuktus. Und will ich, geb' ich mir einen Ruck nach Tel- Awiw, werde ein Schreiber und schreib Korrespondenzen mit Abhandlungen für die Zeitungen . . . und wenn ich gar will, fahr' ich hinein in den Emek, kauf mir dort einen Besitz mit einem „Gdud" .... Hier! Sehen Sie! Schauen Sie auf nieine Handfläche: liier i*i der Berg Karmel und hier ist Transjordauien. Ich siedle mich an mitten dazwischen, pflanz' mir eiueu Weingarten und press' mir Weintrauben. Hauptsache — fuhren! Ich brauch' nur noch die Erlaubin«., einen, Paß, ein Visum und. 500 Pfund zum Vorweisen. Eine Reisetasche hab' ich schon. Wissen Sie nicht, wann ein Zug von Alexandrien über Aegypten »ach Sichern gebt? Man muH es herausfinden. Na, fchönen guten « .« Sie werden doch hoffentlich zur Bahn kommen. Kommen Sie nur, wie werden „Hatikwah" singen. Ich muß hur noch eine Absehiedsgratulatiön für die Zeitungen schreiben. Gott sei gelobt, ein Jude führt nach Erez Israel! Hedad!" Wieder holte er weit mit den- Händen aus wie mit Flügeln und verschwand. Er fährt nach ...Argentinien. Neulich traf ich ihn ..wieder in einer der Auswanderungsgesellscbaften. „Nicht unbekannt", sagte ich zu ihm, „ich glaube, Sie waren in Erez Israel!'* „Waren Sie in Erez'Israel?" gab er die Frage zurück. •. '& ■ „Nein, ich war nicht in1 Erez Israel", antwortete ich. „Und ich war auch nickt in Erez Israel", sagte er, „Es müssen also andere zwei Juden in Erez Israel gewesen sein. Ich, wie Sie mich so da sehen, ich fahr' nach Argentinien. Erez Israel ksin-n nicht alle Juden aufnehmen und dort ist jetzt so nebenbei ein Stückchen Krise. Man muß anderswohin fahren. Argentinien ist auch ein Land. Und ein gepfeffertes Land obendrein. Kleinigkeit, Argentinien mtf seinen Getreiden . .'.'Die ganze Welt ißt ja sein Brot ... es ist zwar ein hübsches Stück Weg dörthin, aber für ""mich, je größer der Weg, um so besser zu fahren. Demi im Grunde bin ich ein Heisemtütsch. Reisen ist meine Natur, mein inneres Wesen. Nur unungenehm, dtoß man auf dem Weg nach Argentinien jede Weile haltmachen muß;' Jede Sekunde eine Station. Man wird überdrüssig —• Spanien, Rotterdam, Amsterdam und Notredeme, Portugal mit der Inquisition und Riga und Druskenik ... außerdem Buchten mit den Inseln, den Halbinseln, den Viertelinseln, mit . den Inseln von den Kanarien ... ich hab's nicht gern, wenn man immer' wieder stehenbleibt. Wenn fahren, dann gefahren . . . Aber das Land selbst ist entzückend. Argentinien hat Emigranten gern. Argentinien wartet auf einen Emigranten fast so, wie ein frommer Jude auf den Messias. Kommt ein Emigrant, empfängt ihn die Tante „Ica", die polnische Agudath Achim, die Kooperativen. Es kommt die Firma Moses Montefiore und lädt ihn in ihre Villa ein, es kommt die Firma Baron Hirsch und lädt ihn in ihre Villa ein, und hast du von beiden Firmen genug, so fährst du dir einfach in die Kolonie Boines Aires und wirst Landarbeiter in einer Fabrik oder du gehst hin und macht einen Sprung nach Brasilien, von Brasilien machst du rasch edne Fahrt nach Peru oder, wie heißt das nur, Chili, von Peru-Chili fliegst du rasch nach Paraguay über Uruguay. Halt, ich hab* schon vergessen: Liegt Uruguay auf dem Weg nach Paraguay oder Paraguay auf dem Weg nach Uruguay?! Man wird halt dort nachfragen müssen. Na, gehaben Sie sich . . . Keine Zeit, mich hinzustellen. Bin schon halb auf dem Weg. Muß noch was erledigen. Ich muß ine Amt. Ein Papier herausnehmen, um ein Gesuch einzureichen zwecks einer Qualifikation für ein Gesuch auf einen Auslandspaß mit den Visen nach Brasilien, Chili, Paraguay, Uruguay, schade, daß ich nicht weiß, ob Paraguay auf dem Weg nach Uruguay liegt oder umgekehrt . . . Ich muß nämlich wissen, wohin ein Dauervisum zu nehmen und wohin ein Transitvisum. Können Sie mir nicht sagen, wann ein Zug von Rio de Janeiro nach Paraguay geht? Nein? Adje , , ,*' Und er machte sich auf die Beine mit einer Eile, daß es vor den Augen schwindelte, und — weg war er.