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Die neue Welt · 1931-03-13 · Heft 182 (13.3.1931) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 182 (13.3.1931)
Date
1931-03-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite a die Netra WELT Nr. 182 PilllllllllllllllllllllllllllllfllllilllllllllllllllHIIIIIIH Warnung! Usian Sie fleh nicht andere Erzeugnltsa aufdrängt* 1 Verlangen Sie überall nur die flach einem speziellen Verfahren erzeugten, in Geschmack und Bekdmmllchkeit unerreichten, hochwertigen und Farifel i Die runden Strum-Mazzoth sind eine besondere Delikatesset Wer Strum-Mazzotb kauft, weiß, daß er nur garantiert frische Ware» heurige Erzeu- ' inili i imm i mir -ii ■——* =5 gung, bekommt! SS Die vorzüglichen „Strum-Mazzoth" werden erzeugt unter ständiger Atifsidit des ehrvr. 3 S5 Rabbinats der israel. Kultusgemeinde. Die genaue Einhaltung streng orthodoxer 55 55 Kaschruth-Vorschriften wird von SSr. Ehrwürden Herrn Oberrabb. Babath überwacht. 55 55 Die Erzeugung erfolgt mit eigens konstruierten, patentamtlich geschützten Maschinen 55 25 (Oefen) auf elektrischem Wege mit fachmännisch geschulten jüdischen- Arbeitern 55 s Achten sie S 55 auf die Stampiglie .,H. Strum", die auf jedem Paket ersichtlich ist! S | müSSZ H. Strum, II. Rotensterngasse 11 VSSZ- | ^lllilllllllllilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllltllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllH ist „noch viel größer" als „der revisionistische Judenstaat". Das Ziel heißt; „Kibbuz Galujot'* — Sammlung aller Juden aller Länder in Palästina; und gleich wird, mit einem Seitenblick auf die Internationale, hinzugefügt: „Ob. wir dann Mehrheit oder Minderheit sein werden, ist ganz nebensächlich . . ." So. Jetzt kann man den Judenstaatlern die Stirn bieten . . . Der Arbeiterführer Berl Katznelson sagte es bei seinem Besuch im Rigaer *Brith Trumpeldor": »Ihr Revisionisten begnügt euch mit einer Million Juden in Palästina, wenn sie nur 51 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen. Wir nicht — wir wollen drei Millionen Juden und noch viel mehr, ob sie nun Mehrheit oder Minderheit sind, ist ganz gleich." Berl Katznelson sagte das auch in der Session der Assefath Haniwchanm, die kürzlich in Jerusalem stattfand. Der Revisionist Uri Zwi Grinberg machte ihm den Zwischenruf: „Also wollt ihr den Judenstaat oder wollt ihr ihn nicht?" Darauf Katznelson: „Wir wollen den Kibbuz Galujot, die Sammlung der Juden aller Länder in Palästina — das ist noch viel mehr als euer Judenstaat! . ." Es ist anzunehmen, daß die Linke im kommenden Kongreßwahlkampf mit diesem „Konkurrenzziel" operieren wird. Man muß sich daher mit ihm auseinandersetzen. Zwei Fragen sind zu klären. Erstens: Ist die Sammlung der Juden aller Länder in Palästina ohne Hilfe eines souveränen Judenstaates möglich? Zweitens: Entspricht eine Uebergehung der Etappe „Judenstaat" ideologisch der zionistischen Auffassung vom. Wesen der Judenfrage? Ad eins: Die Infiltration von etwa 100.000 Juden in zehn Jahren nach Palästina, d. h. ein Einwanderungstempo, das dem „Kibbuz Galujot** noch viel weniger entspricht als der Erreichung der jüdischen Bevölkerungsmehrheit — hat einen derartigen Widerstand bei der fünfmal größeren eingeborenen Bevölkerung'; erweckt, daß bei den gleichen politischen Bedingungen an eine wesentliche "Veränderung dieser Proportion jedenfalls nicht gedacht werden kann. Wenn also die „praktische Leistung*4 der letzten zehn Jahre als Weg zum Kibbuz Galujot bezeichnet wird, dann wird der Kibbuz Galujot erst dann vollendet sein, wenn die arabische Bevölkerung fünfmal so groß sein wird wie die Zahl der in Palästina „gesammelten" Juden, d. h. — bei 3 Millionen Juden als Minimum — wenn die Araber Palästinas die Ziffer von 15 Millionen erreicht haben werden! Ein Blick auf die Grenzen des Landes und ein Blick auf die Zuwachsziffer der Araber Palästinas lehrt, daß weder Palästina 15 Millionen Araber fassen kann noch in den nächsten 700 bis 800 Jahren dieses „Ziel" ziffermäßig erreichbar ist Das bedeutet also, daß die Voraussetzung für die absehbare Erreichung dieses „Zieles** die Ausschaltung des arabischen Widerstandes ist, also: Kolonisationsregime, jüdischer Schutz und als Folge — Judenj staat. Der Judenstaat wird dann planmäßig die! Sammlung der Juden in ihrem Heim, bis zur maximalen ' Fassungskraft des Landes, vornehmen können. Was ist also die „Zierparole vom Kibbuz Galujot, wenn nicht! ein Uebertrumpfenwollen mit Worten, ohne praktisch einen anderen als den Judenstaatsweg weisen zu können?! Und nun ad zwei: Ganz abgesehen von der Un» möglichkeit, den Judenstaat praktisch zu übergehen, wenn man die Sammlung der Juden aller. Länder in Palästina erreichen will, ist es zionistisch, deij Judenstaat ideologisch zu übergehen? Bedeutet die Sammlung von drei oder fünf oder mehr Millionen Juden in Palästina die Lösung der Juden frage, auch wenn sie keinen Judenstaat bilden können, weil sie in der Minderheit sind? t Der Zionismus sagt: Die 'Jüdenfruge hat ihre " Wurzel darin, daß die Juden überall in der' Minderheit sind. Der einzige Weg zur Lösung der Frage ilt, einen souveränen Staat mit einer judischen Majorität zu schaffen, mit dessen Hilfe die Lage der 4 Juden in der Welt geregelt werden kann. In den Vereinigten Staaten leben über vier Millionen Juden „aus allen Ländern der Galut". Ist dadurch die Judenfrage gelöst? Ist der Antisemitismus verschwunden? Ist Amerika ein Hort geworden für alle verfolgten Juden der Erde? Und wenn die amerikanischen Juden alle Hebräisch sprächen oder zum größten Teil Landwirte und Arbeiter wären, würde das bedeuten, daß die pogromierten Juden Rumäniens jederzeit nach Amerika auswandern können, oder würde es Herrn Hitler hindern, offen dafür Propaganda zu treiben, daß die Juden in einen Ausnahmezustand versetzt werden sollen? Nein! Das „Ziel" der Linken ist weder erreichbar (ohne Judenstaat!) noch ernstgemeint. Es ist lediglich ein Wahlmanöver, um den verhaßten Revisionisten das Wasser abzugraben! Die amerikanischen -Zionismen gegen Weizinannjs Zustimmung zum MäcDbriald-Briefe. — Nur dem Zionistenkongreß steht die Entscheidung zu. New York, 2.!;März. (J. T. A.) Wie bereits gemeldet, hat das Ä^nijini^ der Zionistischen O r g a n i;""Api e r j k!ae zur neuen engliß;Ch'e.n R e g.fre^r u n gsä'e.rkjä r-u h g Stellung genommen' und n!acli längerer Debatte ein Komitee eingesetzt, ' dias"" gemife1n^m"'~'"'niit,;*\d?e'm- - amerikanischen Komitee der JeWisIi Ag^ncy eine Resolution über die Regierungserklärung ausarbeiten sollte. Dieses Komitee hat nunmehr seine Arbeiten abgeschlossen. Die Ergebnisse seiner Beratungen liegen in einem vorn Administrative Committee veröffentlichten, Statement vor. In dem Statement wird erklärt, der Brief des Ministerpräsidenten MacDonald stelle Hinsichtlich seiines gesamten; Tones und der in ihm enthaltenen Würdigung für Hie Leistungen der Juden in Palästina sowie durch die Anerkennung der Verbundenheit des gesamten jüdischen Volkes mit Palästina ninen Fortschritt, gegenüber dem Weißbuch vom Oktober 1930 dar. Vieles jedoch, was einer Erklärung bedarf, werde in dem Briefe vermißt, so daß!ein. endgültiges JJrteil über dieses Dokument erst möglich sein wird,1 wenn die Konklusionen bezüglich anderer Phasen der britischen Politik dem Zionistenkongreß und 4 dem Council der Jewish Agency vorliegen werden. , Das Statement des Administrative Committee der Zionistischen Organisation Amerikas ist als Entgegn u n g auf die Erklärung Prof. W e i z in a n n s, durch den Brief des Ministerpräsidenten Ranisey Mac- Donald sei die Basis für eine Kooperation IWIedleMatchine den Dampf so braucht der Körper ständige rationelle Pflege. Aber ständig, denn sonst kann die , erwünschte Wirkung nicht erzielt werden. DIANA FRANZBRANNTWEIN mit Menthol ist das geeignetste Mittel zur rationellen Körperpflege, und deshalb soll jeder DIANA-Franzbranntwein ständig benützen. UBERALL ERHÄLTLICH! | zwischen der Jewish Agency und der Mandatarmacht wieder hergestellt worden, aufzufassen. * tn der „Neuen Welt" wurde bereits darauf hingewiesen, daß die zustimmende Erklärung Dr. Weizmann* zum MacDonald-Briefe einen politischen Fehler darstellt, welcher schwere Konsequenzen nach sich ziehen wird. Präsident Weizmann hatte kein Recht zn dieser Erklärung. Wdederholt wurde mit seiner Zustimmung beschlossen, daß in wichtigen Fragen der Verhandlung mit der englischen Regierung die letzte Entscheidung einzig und allein dem Zionistenkongreß zusteht. Die arabische Exekutive erklärt: Verständigling mit Weizmann unmöglich. Jerusalem, 7. März. (J. T. A.) Die palästinensischarabische Exekutive hat neuerlich eine Sitzung abgehalten, um zu den aktuellen Fragen der Pa 1 ästina- Politik Stellung zu nehmen. An den Beratungen nahmen 30 Mitglieder der Exekutive teil. Nach einer Debatte, die einen vollen Tag in Anspruch nahm, wurde eine Resolution gefaßt, in der erklärt wird, es sei für die arabische Exekutive völlig unmöglich, mit Dr. Weizmann oder einem anderen Vertreter der Judenheit z^u einer Verständigung zu gelangen. Die Versammlung billigte das vom Büro der arabischen Exekutive am 16. Februar veröffentlichte Statement, in dem die von Ministerpräsident MaoDonald in seinem Brief an Dr. Weizmann gegebene Interpretation des Weißbuches vom Oktober 1930 abgelehnt wird. Schließlich betonte die Exekutive neuerdings den von ihr von früher vertretenen Standpunkt, daß ein allgemeiner arabischer Boykott gegen die Juden erklärt werden müsse, und bekräftigte ihre früher gegen das Mandat und die Balfour-Deklaration gefaßten Beschlüsse. Bürgermeister Dixeitgoff 70 Jahre all* Meir Dizengoff geht daran, seine Tagebücher über Tel-Awiw während des Weltkrieges zu veröffentlichen. Unzweifelhaft wird man viel Interessantes aus der Feder eines Mannes erfahren, der über das Werden Tel-Äwiws aus seinen reichen Erfahrungen viel auszusagen'hat. Dizengoff hat audi das Recht, über sein Tel-Awiw zu schreiben, wie er immer das Recht hatte, sein Tel-Awiw zu verteidigen. Denn es ist in der Tat sein Tel-Awiw. Es ist, «och. nicht lange her, daß jeder zweite' zionistische Schreiber und Partcigärigei' in der "Stadt Tel- Awiw ein b i 11 ige sk An g r i itio b j e k t':'-s a Ii. Die Lust an der Kritik Tel-Äwiws ist ihnen indes vergangen. In den kritischesten Augenblicken des Jischuw hat sich Tel-Awiw als der einzige feste und unerschütterliche P o 1, als das stärkste Bollwerk des jungen jüdischen Palästina erwiesen, Tel-Awiw, das zum größten Teil seinem Bürgermeister * und' Mitbegründer Meir Dizengoff sein Werden verdankt. 1 Dizengoff wird in dieser Woche 70 Jähre alt. Tel- Awiw und mit ihm der ganze' Jischuw werden in ihm eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des Landes zu ehren wissen. Eine Würdigung des Mannes'und seines Werkes wird auch' iii unserem Blatte Platz finden.! u?» in Frank» In der letzten Zeit hat sich die geschäftige Film- und Theaterbranehe der Affäre Dreyfus wieder bemächtigt und so wieder einigen Lärm verursacht. Das Theaterstück „Affäre Dreyfus" von Herzog und Rehfisch und dei* gleichnamige Film mit Fritz Kortner haben schon in deutschsprachigen Ländern einen kleinen Zeitnngs- und Straßenrummel hervorgerufen. In Pari3 gelangte nun auch das Dreyf us-Stück - zur Aufführung. Gleich als die Meldung durch die französischen Blätter ging, daß das deutsche Dreyfus-Stück am Ambigue- Theater gespielt würde, setzte eine lebhafte Agitation gegen die Aufführungein. Schon damals benützten die antisemitischen Gruppen Frankreichs diesen Anlaß zu antijüdischen Kundgebungen, die zunächst mit den Rufen „N i e d e r m i t den Juden!" begannen. Die Aufführungen selbst standen ebenfalls im Zeichen antisemitischen Terrors und mußten schließlich am 5. März abgebrochen werden. Der Antisemitismus in Paris beginnt Formen an« zunehmen, die seit den Tagen der Dreyfus-Affäre völlig unbekannt waren. Die „Gamelots du Roi", unterstützt von Gruppen von Hooligans, denen die Erregung von Unruhen Selbstzweck ist, ergreifen jede Gelegenheit, um. antijüdische Demonstrationen zu veranstalten. Jede öffentliche Ankündigung von jüdischen Veranstaltungen führt zur Ansammlung von Gruppen antisemitischer Demonstranten. Einige an der Anschlagtafel einer Singspielhalle angebrachte Plakate, in denen das Auftreten der Sängerin Sophie Tucker mit ihrem Liede „A, jiddische Mamme'* angekündigt war, wurden abgerissen. Eine. Gruppe von Antisemiten versuchte, während der Darbietungen in den Saal einzudringen, wurde jedoch von der Polizei daran gehindert. Im Zusammenhange mit den Krawallen wegen des Stückes und verschiedener Dreyfus-Publikationen hat die französische Regierung die Absicht kuudgegeben, die auf die Dreyfus*Affäre bezüglichen Akten in den Archiven des Kriegsministerium* zu veröffentlichen.

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