Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 182 (13.3.1931)
- Date
- 1931-03-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ti"' Ün,'ver8"*'"»iWiothcl Wie«, f. Preis 35 Groschen V.b. b. BEZUGSBEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 1.50, M mm m m mm BEZUGSBEDINGUNGEN Deutschland monatlich vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich R II ■ ■ WmZ Mark 1—. vtertel|lhflg Mark 3.—; Balgarien raotiat- Zloty 2.-. vierteljährig Zloty 6.-. Tschechoslowakei WML WM W M W~ He» Lewa 40.-, vierteljahrig Lewa 1.20. Italien monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15 —; Jugo- WMM wJ ^Mr WMM monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.— Schwab slawien monatlich Dinar 14.—, viertel(ährlg Dinar40.— .. „ - . . ~ _ ~ ~__~— _ ~ . ~.~ ~ und die übrigen Linder monatlich Schwebet Rumänien monatlich Lei 40.- vierteljährig Lei 120.-. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Prauet IJSXk vierteljährig Schweizer Francs 4.50, Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: B^4B-$04 — Erseheint reden Freitag Jahrgang 5 Freitag, den 13. März 1931 Nr. 182 «Seife 5. Palästina-Parlament — beschlossene Sache? London, 8. März. Der parlamentarische Korrespondent der großen englisch-jüdischen Zeitung gjewish Chronicle" teilt mit, daß die Frage der Errichtung eines Parlaments (Legislative Council) in Palästina, welche im „Weißbuch" aufgeworfen wurde, bereits erledigt ist. Das Parlament wird geschaffen werden. Der Korrespondent kritisiert scharf die Haltung der z i o n i s ii sehen Exekutive, welche die Oeffentlichkeit irregeführt hat, indem sie berichtete, daß die Frage des Parlaments erst im zweiten Teil der Verhandinngen beraten werden wird. Dr. Weizmann, schreibt „Jewish Chronicle", hat die englische Regierung gebeten, von der Errichtung eines Parlaments abzusehen. Die Regierung erklärte aber, daß dies die Feindschaft der Araber verstärken würde. Auch der Plan der weiteren Kolonisation ist im ersten Teil der Beratungen in einer Form erledigt worden, die den Vorschlägen der zionistischen Exekutive keine Rechnung trägt. Juden erwün§dtt!!Äraber fordern die Niederlassung von Juden in Nazareth. In der unter der Redaktion von Dr. Nissim Maloul in Jerusalem in arabischen Sprache erscheinenden jüdischen Zeitung „AI Salaam" ist ein von zehn hervorragenden mohammedanischen und christlichen Arabern aus Nazaretb, unterzeichneter Aufruf erschienen, in dem der Wunsch nach Eröffnung von mindestens 50 Läden durch jüdische Kaufleute in Nazaretb. und außerdem nach Niederlassung von 50 jüdischen Familien in dieser Stadt ausgesprochen wird. An die „jüdischen Vereinigungen" wird der Appell gerichtet, den wirtschaftlichen Wiederaufbau der Stadt Nazaretb, durchzuführen, die jetzt dort ansässigen Händler, die übertriebene Preise fordern, aus ihrer dominierenden Stellung zu verdrängen und den Kampf gegen die arabischen Geldverleiher und Wucherer aufzunehmen. Wie in dem Aufruf ausgeführt wird, hat die Bevölkerung von Nazareth viele Jahre hindurch immer wieder ihre Stimme gegen das Treiben der Geldverleiher in dieser Stadt erhoben. Sie hat sich von Zeit zu Zeit vergeblich an die englischen Behörden um Abhilfe gewandt und ist nunmehr zu der Erkenntnis. gekommen, daß die Einwanderung vou Juden die einzige Möglichkeit zur Rettung der Stadt darstellt. Die Unterzeichner des Aufrufes erklären, daß sie sich, durch nichts davon abbringen lassen werden, den nunmehr beschritteneu Weg weiter zu verfolgen. j „Wir werden uns", heißt es in dem Aufruf wörtlich, „von den Lügen und Beschuldigungen der Leute, die jeden, der gegen die Wirtschaftskrise anzukämpfen versucht, als Vaterlandsverräter hinstellen möchten, nicht 'beeinflussen lassen. Wir haben vor Gott, vor unserem Vaterland und der Geschichte einen Eid geleistet, unser Programm den Forderungen unseres Gewissens und den allgemeinen Interessen entsprechend durchzuführen. Die Ursachen für den wirtschaftlichen Niedergang von Nazareth erblicken die Verfasser des Aufrufes 1. in der. Bildung einer Art von Trusts durch die dortige Kaufmannschaft zum Zwecke der'Preisfixierung und der Ausbeutung ihrer Kundschaft; 2. in dem von den arabischen Geldverleihern, die zu der Klasse der „bekannten Nationalisten" gehören, geforderten Zinsfuß von mindestens 100 Prozent, der selbstverständlich zu Wechselprotesten und nachfolgender Exekution der Schuldner führt; 3. in der Fernhaltung von Fremden, wodurch eine katastrophale Senkung der Mieten für Wohnungen und Geeohäftelokale herbeigeführt wurde, und 4. in der spekulativen Anhäufung von Waren, die die Kaufleute von Nazaretb von Juden kaufen, um sie mit enormem Preisaufschlag an ihre arabischen Mitbürger weiterzuverkaufen. Der Aufruf schließt mit den Worten: „Namens der überwiegenden Majorität der Gruad- und Hausbesitzer sowie der Konsumenten von Nazareth erklären wir, daß wir eine jüdische Einwanderung begrüßen würden. Wir vertrauen darauf, daß die einsichtigen Juden und ihre finanziellen und kaufmännischen Vereinigungen eich beeilen werden, auf unseren Appell zu antworten. Wir haben genug verloren; wir verlangen ein System der Gegenseitigkeit und Verständigung; wir sind der Hartnäckigkeit der Geld Verleiher und Ladenbesitzer, die eine Boykottpolitik verfolgen und Haß predigen, müde." Der Aufruf ist von l folgenden Persönlichkeiten unterzeichnet: Taher Fahum, Mohamed Abdul Halim, Mohamed Sheriff, Omar Bedoui, Hay Daher Asaad, Said Abdul Haldm, Yousef Sharib, ' Abdul Halim Ahmed, Asbdul Hamid und Abdul Halim Fahuin. (Ita.) ' ' ' ' ';^r'-**f''' '''' Ein interessantes Dokument! Doppelt interessant nach den Auslassungen.-der. britischen Arbeiterregierung Nur diese Schwedenklinge macht Rasieren zum Vergnügen Die führende schwedische Weltmarke Bei Kopfschmerze!!/ nervösen, rheumatischen und gichtischen Schmerzen haben sich T o g a 1 - Tabletten hervorragend bewährt. Wenn Täusende von Aerzten dieses Mittel verordnen, können auch Sie es vertrauensvoll kaufen! Fragen Sie Ihren Arzt. — Jn allen Apotheken. ~ Preis S 2.40. im .Weißbuch", worin sie sich als Schützer in der armen Araber vor Ausbeutung und Verdrängung durch die Juden aufspielt. Merkwürdig! In Nazareth flüchten die ausgebeuteten Araber von deu „hochherzigen" englischen Behörden zu den „ausbeuterischen" Juden. Ob die Schreiber des Einladungsbriefes an die Juden Glück haben werden, das kann man nicht wissen. Ob* es nicht die antisemitische englische Beamtenschaft im Verein mit arabischen Wucherern zustande bringen wird, ihre Sehnsucht nach Juden im Keime zu ersticken? Es ist zu fürchten, daß dies der Fall sein wird. Aber eines steht fest: Der Brief bleibt ein ehr ende s Dokument für die jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden in Palästina. Ihre Solidität und Tüchtigkeit wird von arabischer Seite anerkannt. Sie sind ein aufbauendes und versöhnendes Element im Lande, Nicht nur den Engländern, vielen Zionisten, welche sich in verächtlicher Herab» Setzung der jüdischen „Händler und Krämer" in Palästina nicht genugtun können, sei die Lektüre dieses arabischen Briefes dringend empfohlen! Die neue zionistische «Zielsetzung,» der Linken. Von Benjamin Lubotzky (Wien-Riga). Die sozialdemokratischen zionistischen Gruppen befinden sich schon seit langem in einer unangenehmen Zwitterstellung. Sie sind zu einem ständigen Lavieren zwischen zwei Fronten verurteilt, deren Linien durchaus nicht immer parallel laufen. Einerseits müssen sie. der zionistischen Forderung nach ausschließlich jüdischer Arbeit in Palästina (Awoda i w r i t) gerecht werden, auch t::i den Interessen der jüdischen Arbeiterschaft zu entsprechen. Anderseits können sie vor der sozialistischen Internationale einen so „eng-chauvinistischen" Standpunkt nicht recht verteidigen und sind gezwungen, so zu tun, als kämpften sie gar nicht für jüdische Arbeit, sondern für gewerkschaftlich organisierte Arbeit, ohne Unterschied der Nation (Awoda me' urgenet). Sie vermeiden es daher auch tunlichst, von arabischer Arbeit zu sprechen, sondern bezeichnen diese immer nur als „billige Arbeit" (Awoda sola). Die Frage, wie sie sich stellen würden, wenn auch die arabischen Arbeiter sich gewerkschaftlich organisierten und die Begriffe „organisierte" und „jüdische Arbeit" nicht mehr identisch sein werden, bleibt offen. Vorläufig brauchen sie sich darüber nicht den Kopf zu zerbrechen, denn die Araber denken nicht daran, die Vorteile auf dem Arbeitsmarkt, die ihnen ihr niedriger Lebensstandard bietet, aufzugeben. So weicht man denn einer prinzipiellen Entscheidung aus und versucht, Gott und dem Satan gerecht zu werden. > In einer ähnlichen Zwitterstellung befinden sich die zionisten „Linken" bezüglich der zionistischen Zielsetzung: Wollen wir den Judenstaat? Jahrelang konnte man diese Frage ignorieren, eine Debatte über sie als „unnützes Geschwätz** bezeichnen, mit dem Hinweis auf die „großen praktischen Leistungen", die viel mehr bedeuten als all Alle im redaktionellen Ted befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes G bezeichnet die „fruchtlosen Diskussionen". Das ging so lange, als man sich und dem jüdischen Volk einreden konnte, man könne auf dem Wege der „praktischen Leistung", in dem von der britischen Regierung ihr gesetzten Rahmen, •das zionistische Ziel erreichen. Wozu also darüber reden, über ein so heikles und unangenehmes Thema . . .? Infolge der letzten Ereignisse aber wurde es allen klar, daß der Schlüssel zur „praktischen Leistung" nicht in den Taschen der Juden, sondern im Kolonialministerium in London liegt. Jedes beliebige „Weißbuch** kann den Satz: „. . . wir aber setzen unbeirrt unsere positive Aufbauarbeit fort ..." lächer lieh und kindisch machen. Ebenso wurde klar, daß ein politischer Kampf gegen ein solches „Weißbuch" sich vor allem auf die Interpretation des Begriffes „Nationalheim", also doch auf die so u n a n g e n e h m e Zielsetzung, stützen muß. Außerdem gewahrte man plötzlich mit Schrecken, daß die Massen, und vor allem die Jugend, in hellen Scharen zu denen „überlaufen", die offen einen Ziel-Zionismus vertreten. Sogar in den Kreisen der eigenen Funktionäre gewahrte man Symptome der judenstaatlerischen „Infektion". Der „Zionismus" als „praktische Leistung", mit dem vom Nebel der Zukunft verhüllten Ziel, ließ sich propagandistisch nicht mehr verwerten. Was tun? Einfach die Judenstaatparole Ubernehmen? Das hieße auch ein entsprechendes Aufbauprogramm übernehmen, die reine Budgetwirtschaft, das reine Wirtschaften mit Spendengeldern aufgeben* Außerdem riecht diese Parole so stark nach „Chauvinismus", nach Trennung, zwischen „kolonisierender Nation" nnd „eingeborenen" Arabern, alles Dinge, gegen die im Gremium der Internationale gedonnert wird . . . Und so vollzog sich, für die Oeffentlichkeit unbemerkt, eine geschickte Umgruppierung in der Propaganda der zionistischen Linken. Ja, sie haben „auch" ein „Ziel**, ein Ziel, das sowohl jüdisch als auch sozialistisch ganz gut aussiebt Dabei bat es noch einen Vorteil; es