Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 181 (6.3.1931)
- Date
- 1931-03-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sei«» f DI* NEUE WELT Nr. 191 Pension .Austria' Kinderheim Vöslau (OLttA KAOtaCH) jat**«ira?«*etraa« Ii - T«4eeft*a Nr. 141 För Dauer» und Erholungsaufenthalt Jeder Unterficht im Hause, auch Nachhilfe für Öffentliche Schulen besuchende Kinder. * Pädagogisch einwandfreie Leitung durch staatlich geprüfte Leftmln_- Erstklassige Mütterliche Pflege. Vetköstigung. MIMg* Pr«li« das frühere Mitglied des Arbeitskommissariats und Professor für Volkswirtschaft an der Moskauer Universität 1 sak Rubin. Die Genannten zählten einmal zu den Führern der Menschewiken und des jüdischen „Bund".. Ferner befindet sich unter den Angeklagten der ehemalige Führer der Zionisten - So z i a 1 i s t e n A r o n S o k o 1 o w s k i, später einer der' Wirtschaft*- Hihrer der Sowjetunion und eine Zeitlang Sekretär des Obersten Wirtschaftsrates. Von entscheidender Bedeutung für die Leitung der Arbeit des Unions-Büros — so heißt es in der Anklageschrift — war der Besuch zweier jüdischer Mitglieder des Ausländischen Zentralkomitees der russischen Menschewiken in Moskau, Und zwar voll Abramowitsch im Iahre 1928 und Braunstein im Jahre 1929. Unter der Teilnahme ünd der Leitung von Abramowitsch legte das Unions-Büro seine taktische Einstellung fest, die auf den Sturz der Sowjetmacht hinauslief. Der Prozeß bildet in ganz Rußland den Gesprächsstoff und wird in der Sowjetpresse sehr breit erörtert. In der Anklageschrift wird erklärt, daß sämtliche Angeklagten der ihnen zur Last: gelegten Taten g e s t ä n d i g" sind. KindertPuriin-Feier» Auch heuer veranstaltet der Verband demokrati» scher Zionisten die so beliebten Kinderfeiern im Theater Reklame, IL, Praterstraße 34. Es gelangt eine von Frau Else Nebenzahl verfaßte Revue zur Aufführung, in welcher ausschließlich Kinder mitwirken. Die Tanzvorführungen der Kinder sind durch Fräulein Steffi Stahl einstudiert. Die Vorstellungen finden am Samstag, den 7. März, und Sonntag, den 8. März, um 245 Uhr statt. Kartenbestellungen nehmen entgegen: Die Administration „Die Neue Welt", IL, Untere Äugarten* straße Nr. 38, Tel. A»45*6*34, und die Damen: Margit Buchbinder, Tel. A*46*5*38, Paüla Stricker, Tel. A,48*l*89, Else Neben zahl, Tel. U*12*2#16. Preise: Kinderkarten S 1.10, Katten für Erwachsene S 2.20. Ein Zeitschriftenarchiv beim Jiddischen Institut in Kiew. Moskau, 27. Februar. In einer Verlautbarung de« Jiddischen Instituts in Kieiv wird mitgeteilt, daß das vor drei Jahren gegründete Archiv des Instituts nunmehr u. a. 2 30 jüdische periodische Druckschriften umfaßt und damit eine Zentrale für jüdisches bibliographisches Material jeder Art und in jeder Sprache darstellt. Nach Erscheinungtsländern geordnet entfallen von diesen Zeitschriften auf Sowjet rußland 142, Polen 70, Vereinigte Staaten 55, Deutschland 5 i, Palästina 30s Argentinien 13, Frankreich 9, Engiland 7, Ungarn 6, Kanada 4, Lettland 4, Brasilien 4, Rumänien 4, Südafrika 4, Litauen 3, Oesterreich 3, Chile 3, Australien 2, Uruguay 2, Holland 2, Itailien 2, je eine auf die Tschechoslowakei, Belgien, Mexiko, Türkei, Griechenland, Holländisch-Indien, Jugoslawien und China. Von diesen Zeitsehrilten erscheinen in jiddischer Sprache 155, russisch 64, deutsch 57, ukrainisch 37, englisch 35, hebräisch 34, französisch 11, weißrutssitsch 8, ungarisch 5, polnisch 5, aparciolisoh 4, italienisch 2, holländisch 2, und je eine in folgenden Sprachen: jugoslawisch, portugiesisch, schwedisch, spanisch und tatarisch. Das Institut sammelt weiters alte Jahrgänge nicht mehr erscheinender Zeitschriften als Material für volkskundliche Forschungen. Ritualmordbeschuldigung ist nicht strafbar — entscheidet das deutsche Reichsgericht. München, 28. Februar. Der „Völkische Beobachter" bringt folgende Meldung aus Leipzig: „In Nr. 27 der Kölner nationalsozialistischen YVooheniSchrift „W e s tdeutscher Beobachter" erschien am 13. Oktober 1929 ein Artikel unter der Uebcrschrift: „Und dennoch jüdischer Blutmord. Menschenschlächtung au rituellen Zwecken." In dem Artikel, der die Juden als eine „V er b rech er raese" bezeichnete, wurde behauptet, der Talmud sehreibe Blutmorde, Wucher, Betrug und Meineid vor; es gebe Juden, die das Blut von Nichtjuden trunken,.in der Meinung, sich dadurch mit ihrem Gott aussöhnen zu können. Der verantwortliche Redakteur Joseph Grobe wurde in 1, und 2. Instanz (Landgericht Köln vom 12. Mai 1930) zu 3 00 Mark Geldstrafe wegen Reljgions- und Pressevergehens sowie wegen Aufreizung zu» Klassenkampf verurteilt. Das Gericht erblickte* ebenso wie das Schöffengericht, in den oben wiedergegebenen, Behauptungen des Artikels, sowohl eine Beschimpfung der jüdischen Religion«. gemeirtsChaft als auch eine Aufreizung au Gewalttätigkeiten gegen die juden. Gegen das Urteil des Landgerichts legte Grohe Revision ein. 1« der Verhandlung vor dem Reichsgericht beantragte der Reichsanwalt Aufhebung des vorinstanzlichen Urteils und Zurückverweisung. Er führte aus, der Tatbestand der Religionsbeschimpfung stehe objektiv fest. Durchaus lückenhaft aber seien die Feststellungen des Urteils bezüglich des inneren Tatbestandes, besonders auch zu der Frage der Aufreizung zum Klassenkampf. Aus dem Urteil gehe uicht hervor, daß der Angeklagte erkannt habe, daß der von ihm veröffentlichte Artikel geeignet gewesen sei, zu Gewalttätigkeiten aufzureizen. Der Senat schloß sich der Auffassung des Reichsanwaltes an und erkannte auf Aufhebung und Zurückweisung" Ein judenfeindlicher Gesetzentwurf in Litauen. — Ein offenherziger Minister. Kowno, 28. Februar. Das litauische Kabinett kündigt ein neues Gesetz über die Bedingungen der Zu« lassung zum Rechtsanwattsbcruf an, durch das die Juden faktisch vom Rechtsanwaltsberuf ausgeschlossen würden. Nach dem neuen Gesetzentwurf ist eine zwei« jährige Gerichtspraxis nach erlangtem Doktorat als Vor» aussetzung für die Zulassung zum Anwaltsberuf vorge* sehen. Da die litauischen Gerichtshöfe keine Juden anstellen, wird es Juden unmöglich sein, falls der neue Entwurf Gesetz werden sollte, den Anwaltsberuf zu ergreifen. Einer Delegation christlicher Studen» ten, die beim litauischen Kabinett Vorstellungen bezüg* lieh des geplanten neuen Gesetzes erhob, erklärte Minister* Präsident Schillings, die Litauer hätten keinen Grund zür Besorgnis, da sich das neue Gesetz ausschließt lieh gegen die Juden richte« Verschärfte antisemitische Hetze der nationalsozialistischen Presse. München, 28. Februar. (J. T, A.) Wie schon mitgeteilt, hat sich seit dem Auszug der Nationalsozialisten aus dem Reichstag die antisemitische Hetze der nationalsozialistischen Presse außerordentlich verschärft. D e r „V ö 1 k i s c h e Beobachter", der in Riesenformat ersechint,widmet täglich mehrere Seiten der, antisemitischen Hetze. Alelin die Nummer vom 24. v. M. enthält außer dem allgemeinen politischen Hetzmaterial Artikel mit folgenden Ueberschriften: „RotmöroV banden im Solde Juda s", „Jüdische Aerzte der gewerbsmäßigen Abtreibün^^bezi^jp^^>v „Aerzteschaft und Rassenf rage", «Die,, Bühne /; im "Dienste jüdischer Kulturzersetzüng", „Ein jti';d|scjber^ Leichenhandel", „Die Ziele det; jüdisd^ .^Jugend",;,Rund 6—7 Millionen Juden in den Vereinigten Staaten", „67 Prozent aller Juden sind Händler", „Ein jüdischer Verräter aus Köln vor 100 Jahren", „Die Juden zu Napoleons Zeiten". In einem der Artikel wird ■> behauptet, daß die Juden nur darum für Abschaffung der Todesstrafe eintreten, weil eine Iudenleiche „nie von unreinen, d. h. nicht jüdischen Händen" berührt werden darf. „Die dieses Rituale", fährt Aäev Artikelschreiber Erwin Volkmann fort, „überall weder erfüllt werden konnte, noch heute erfüllbar ist, so propagieren Juden und Judengenossen eifrigst die Aufhebung der Todesstrafe in allen Staaten unter -heuchlerischer. Vorschützung einer falschen Menschenliebe. Und arische Gelehrte machen sich zum Fürsprecher solcher jüdischer Forderungen!" * Nach der oben zitierten Entscheidung des deutschen Reichsgerichtes, also des obersten Gerichtes in Deutschland, kann der „Völkische Beobachter" seine Hetze ohne Risiko fortsetzen. Neudeutsche Literatur. Berlin, 28. Februar. Die „Welt am Montag" schreibt: „Länger als ein Jahr arbeitet Frick in Weimar daran, alle ostisch*jüdischen Kultureinflüsse auszurotten- und jenen edlen christlich*germanischen Geist zu züchten, an dem einst die Welt definitiv genesen kann. Er ist unter der sorgsamen Pflege mächtig ins JCräut geschossen-und^ beginnt bereits, seine ersten Früchte zu tragen. Wie sie aussehen, davon zeugt eine Strophe aus dem neuesten Naziliede, das in der Stadt Goethes gedichtet wurde: Ihr Sturmsoldaten, jung und alt, Nehmt die Waffen in die Hand, Die Juden hausen fürchterlich Im deutschen Vaterland. Wenn der Sturmsoldat zu Felde zieht, Dann hat er frohen Mutl Und wenn das Judenblut vom Messer spritzt, Dann gehts noch mal so gut." Schächtverbot auch in Braunschweig. Braunschweig, 28. Februar. Im Rechtsausschuß des Braunschweigischen Landtages wurde der. nationalsozialistische Antrag, das betäubungsloa« Schach* ten von Schlachttieren zu verbieten, e i n s t i m m i g an. genommen. Per Antrag wurde neu formuliert und lautetet Das Staatsministerium wird ersucht: 1. baldigst einen Gt* setzeatwurf vorzulegen, durch den bei der Tötung von Scblacbttleren ein möglichst humanes Verfahren zwingend vorgeschrieben und das betäubungslose Schächten von Tieren verboten wird, und 2. die Reichsregierung zu veranlassen, für das ganze Reich geltende Bestimmungen im Sinne der Ziffer 1 zu erlassen. StMe anentseltüclie Mnvemrttlans Wer ausgebildetes, tüchtiges und diszipliniertes Personal aller Art u. aller Branchen benötigt, wende sich an „Hak6ah". I«, Wlnslngcrstr. 11, Tal. R«fts**>10 Aus der Berliner Judengemeinde Aufklärungsarbeiten in nichtjüdischen Kreisen. — Die Liberalen wollen den Hebräischunterricht kürzen und die Subvention der Jerusalemer Universität streichen. Die letzte Repräsentantenversammlung der Berliner Judengemeinde erledigte ein reichhaltiges Arbeitspensum. Lebhaftem Interesse begegnete ein von der Fraktion der Jüdischen Volkspartei (Nationaljuden) einge« brachter Antrag, der Vorstand möge nach dem Muster der von der Essener Gemeinde für nichtjüdische Kreise veranstalteten Aufklärungsvorträge noch in diesem Winter einen ähnlichen Aufklärungs« zyklus für Berlin abhalten. Einladungen zu diesen Vor* trägen sollen an weite nichtjüdische Bevölkerungskreise, u. a. an das Reichsbanner, die freien und christlichen Gewerkschaften gehen, darüber hinaus auch an rechtsstehende Gruppen. Zweck der Vorträge soll sein, darzulegen, daß Geheimlehren im Juden* tum ebensowenig bestehen, wie — nach allgemein ethischen Begriffen — unmoralische Gebote des Talmud. Darüber hinaus könnte ein Grundriß der jüdischen Lehre und ihrer Auswirkungen auf die Menschheitskultur Unter Berücksichtigung insbesondere der Wirtschaftsethik des Judentums gegeben werden. Dr. Kurt Fleischer (liberal) erklärte, die ange« regte Aufklärung dürfe sich nur auf rein religiöse Themen erstrecken, während die politische Ab* wehr anderen Faktoren überlassen bleiben müsse. Auf Vorschlag von Dr. Klee wurden die Herren Ministerial* rat Goslar und Dr. Fleischer beauftragt, sich zum Zwecke der Vorbereitung dieser Aufklärungsaktion mit dem Gemeindevorstand ins Einvernehmen zu setzen. Auf Anfragen der liberalen Fraktion bezüglich des Etats für 1931 und der Vorlage einer gemeindlichen Vers mögensaufstellung gab Dr. Elbogen eine Reihe von Ersparungsmaßnahmen bekannt. Herr Moritz Rosenthal (liberal) trat für Reduktion des hebräischen Sprachunterrichts und Uebernahme der jüdischen Volksschulen durch die Berliner Stadtgemeinde ein. Namens des Gemeindevorstandes erklärte Direktor K a r e s k i, die Gemeinde sei bemüht, Ersparnisse zu erzielen. Die Ausgaben für den hebraisclieri' Unterricht seien nur ganz unwesentlich gestiegen. Bei akt 1* ver Unterstützung durch die Vertreter der Liberalen hätten auch die Verhandlungen be* züglich Gewährung eines Beitrages für die Schulen der Jüdischen Gemeinde seitens der Stadtgemeinde Berlin einem Abschlüsse näher gebracht werden können. Während der zeitweilig äußerst stürmischen De* hatte kam auch die Frage der Finanzierung eines Lehr» Stuhls an der Hebräischen Universität in Jerusalem durch die Jüdische Gemeinde zur Sprache. Die Liberalen kündigten an, daß sie in der kommenden Periode die Einschränkung des Schulwerks und die Streichung der Ausgaben für den Lehrstuhl an der Hebräischen Universität durchsetzen würden, während , von seiten der Vertreter der Jüdischen Volks« parte! darauf hingewiesen wurde, daß die Finanzierung des Lehrstuhls an der Universität Jerusalem auf Grund einer Parteienvereinbarung vom Gemeindevorstand einstimmig beschlossen wurde und keinesfalls bloß für eine einzige Legislaturperiode gedacht war. Zur Aufklärung« Bei den letzten Wahlen, Herbst 1930, haben die Liberalen (Assimilationsjuden) die Majorität wieder erlangt. Die Jüdische Volkspartei, welche in den letzten Jahren die Gemeinde leitete, ist in die Minderheit geraten. Zufolge eingereichter Wahlproteste ist die neue Konstituierung noch nicht erfolgt und die Volkspartei führt provisorisch die Leitung weiter. Es ist keine Frage, daß die Liberalen nach der Neukon« stituierung ihr antinationales Programm durchführen, den jüdischen Unterricht verkürzen und den Beschluß, die hebräische Universität zu unterstützen, zunichte, machen werden. Die Verwässerung des zionistischen Programmes und die hiedurch verminderte Schlagkraft der Organisation haben auch in Berlin Früchte gezeitigt. AUS PALÄSTINA. Von der Orangensaison. — Propaganda für die Pa- Religion in Sowjetrußland. Moskau, 28. Februar. (J. T. A.) Vom 1. Mar« an wird in Moskau die erste jüdische atheistische Monats-' scJirift „Der ApJkoires" erscheinen. Aufgabe der Zeitschrift wird es sein, die tmrireliguöse Propaganda In die Massen zu tragen. Die Simriftleitung veröffentlicht nachstehendes Programm ihrer Zeitschrift: „Die Zeitschrift „DerApikoirea" wül fßr die Ideen eine« dialektischen Materialisraue kämpfen. Sie w£i;i eine Vorkämpferin des Marxismus und Leninismus