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Die neue Welt · 1931-03-06 · Heft 181 (6.3.1931) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 181 (6.3.1931)
Date
1931-03-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 181 DIE NEUE WELT Seit* % l glllllllllllllllllllllllllllllllllllllllilllilllllllllllllllllllllllllllli I Verband demokratischer Zionittcn | g 3 s Mittwoch, tl. M8rs um >',9 Uhr abend? 3 s im H«rsl«*aat etat Verbanathelmt, II., Untere 5 5 Augartenstraße 38 3 | Vortrag | E Gegenstand: 3 | Die Juden und die Märzrevolution 1848 | s Referent: 3 | Ludwig Baio | iiiiiiiiiifiiiiiiitiiiiiitiiiiiiiiitiiiitiniiiiiiimiiiiiiHiiiiifiiiiifi Millionei-spenden* Juden spenden Dollarmillionen. — Wenig für jüdische Zwecke. — Nichts für Palästina. Aus eben veröffentlichten amtlichen Aufstellungen geht hervor, dass von dem Gesamtbetrage von 142,082.670 Dollar, die im Jahre 1930 in den Ver* einigten Staaten in Spenden von mindestens einer Mil* Hon Dollar von Einzelpersonen und Stiftungen philan* thropischen Zwecken zugeführt wurde, 35,470.020 Dollar oder 25% von jüdischen Persönlichkeiten und Institutionen stammen. Auch die dri1t* größte und viertgrößte Spende des Jahres wurde von Juden gemacht: Maurice Falk hat io Mil* lionen, der verstorbene Conrad Hubert 8,750.000 Dollar im Jahre 1930 philanthropischen Zwecken gewidmet. Nachstehend die Liste der jüdischen Per* s ö n 1 i c h k e i t e n, die im Jahre 1930 Spenden von einer Million Dollar und darüber für wohl» tätige Zwecke gemacht haben: Max Adler (eine Million Dollar für ein Planetarium in Chikago), Louis Bam* berger und Frau Felix Fuld (5 Millionen Dollar für ein Institut für höhere Studien in Newarck), Max Epstein (eine Million Dollar für ein Kunst* nuseum an der Universität Chikago), Mau« rice Falk (10 ■ Millionen für die P i 11 s b u r g e r Wohl* f a h r t s s t i f t u n g), Daniel Guggenheim (iH Millionen letztwillig für die Daniel* und Florence*G uggenheim* Stiftung), Conrad Hubert (8,750.000 Dollar letztwillig für sieben verschiedene Wohlfahrtszwecke), Ralph Jonas (eine Million Dollar für die Vereinig» ten jüdischen Wohlfahrtsorganisationen von New York und Brooklyn), Jules Mastbaum (2 Millio* nen für das Rodm*Museum in Philadelphia), Harry H. Meyer (2,470.220 Dollar letztwillig für das Monte* fiore*Spital in Pittsburg und das Mount * Sinai* Spital in New York), Julius Roseriwald (2,550.000 Dollar für drei Wohlfahrtszwecke) und Morris Schinasi (eine Million Dollar letztwillig für ein Spital in Kon* stantinopel). * : Die Liste ist ein Beweis für die Großzügigkeit der amerikanischen Philanthropie, von der jüdischen im be» sonderen. Die Juden geben ungefähr achtmal soviel, als ihrem Anteile an der Bevölkerung der Vereinigten Staaten entspricht. Dabei ist zu berücksichtigen, daß die Riesenvermögen; (Ford, Rockefeller, Morgan etc.) nicht in jüdischen Händen sind. Wenig erfreulich aber, vom jüdischen Standpunkte aus besehen, ist das Bild, wenn man die Zwecke in Be* tracht zieht, welchen diese Riesenspenden gewidmet sind. Kaum ein Zehntel für jüdische Zwecke, nicht ein Dollar für Palästina. Trotz der vielen Anstrengungen, die in den Vereinigten Staaten gemacht wurden, um seine jüdische Bevölkerung für das nationale Werk in Palä« stina zu gewinnen. Nichts! Trotz der Erweiterung der Jewish Agency — nichts. Neben die Riesenziffern der obigen Liste soll eine Zwergziffer gestellt sein. Die gemeinsam geführte Aktion — Warburg war dabei der | Bei gidltfediefl Sdtmerxen, Nerven* und Kopfschmerzen sowie bei Schlaflosigkeit wirkt Togal ganz vorzüglich. Togal- Tabletten lösen die schädlichen Bestandteile im Blut und führen eine baldige Linderung und vollständige Genesung herbei. » In allen Apotheken. - Preis S 2.40. führende Mann — für den Palästina-Aufbaufonds (Keren Hajessod) hat im Jahre 1913 kaum eine Vier* telmillion Dollar an Barern Zahlungen ergeben! Wäre das bei einem anderen Volke möglich? Ernstem wird mißbraucht* Jetzt haben sie ihn sunt Indianerhäuptling gemacht» auf Herzl und das heilige Recht der Juden auf das ihnen geraubte Vaterland Palästina. Einige Wochen später bringt eine grofle Pariser Zeitung eine Erklärung Einsteins, dahingehend, daß er die jüdische Einwanderung als Unrecht ansieht, wenn die palästinensischen Araber nicht einverstanden sind... In Amerika hält er eine Brandrede gegen den Militarismus, bezeichnet die Herstellung und das Tragen von Waffen als ein Verbrechen an der Menschheit. Er ruft: „Verweigert den Dienst im Heere, die Arbeit in der Waf f enf abrik!" Aber die Sowjetarmee ist ihm eine notwendige und edle TSaclie und die Arbeit in ihren Waffenfabriken heiliger Dienst ... In Palästina werden zwei Araber hingerichtet, weil sie Dutzende jüdischer Greise, Frauen und Kinder hingemordet haben. Die Todesstrafe ist eine Barbarei. Jeder Kulturmensch soll das empfinden. Man geht zu Einstein, ersucht ihn freundlich um Intervention, und er stößt einen Schrei aus, telegraphiert einen menschlich-enlrüstcten Protest nach Jerusalem. In Sowjetrußland werden tausende Unschuldiger auf den leisesten Verdacht hin erschossen, in eisige Sümpfe geworfen. Täglich ein Blutbad. Einstein schreit nicht, telegraphiert nicht mensdilidi-entrüstet. Er ist Vizepräsident der „Freunde der Sowjetrepublik", aber auch Mitglied der „Religiösen Mittclpartei für die Kultuswahlen in Berlin" ... Einstein zum Frühstück und Einstein zum Nachtmahl. Einstein auf jeder Bildseite, Arm in Arm mit einer Filmdiva, mit einer Opernsängerin, mit einem Komiker, mit dem Meisterboxcr von Südkalifornien. Jetzt haben sie ihn gar zum Häuptling der H o p i- Indianer gemacht. Bald wird er im Bilde prangen, mit den großen, schönen, ein bißchen traurigen Kinderaugen, auf dem Kopf eine Krone von Papageienfedern, über dem Bauch sechs Affenschwänzc und zwei Ehrenskalpe; vielleicht stecken sie ihm auch eine befiederte Friedenspfeife in den Mund. So wird er dastehen, umgrinst von einem alkoholschmuggelnden Bürgermeister und drei stupiden Girls. Er: Einstein ... Wenn sie ihn nur photographieren würden ... Sie lassen ihn aber auch reden, über alles. Ueber Religion, Militärdienst, Sowjetruflland, die soziale Frage, Musik, Judentum, Todesstrafe, Reparationen, über alles, was da kreucht und fleucht. Sie stellen ihn auf als Auto- Bei Unwohlsein ist das natürliche „Franz*Josef"» Bitterwasser ein angenehm wirkendes Hausmittel, die Beschwerden erheblich zu verringern, zumal oft schon kleine Mengen sicher nützen. In Apoth. erhältlich. E maten zum freien Gebrauch für jedermann. Der dümmste Kerl darf die dümmste Frage einwerfen, der Automat muß freundlich den Kopf in den Scharnieren bewegen und eine Antwort auswerfen.. Jeder muß befriedigt werden, eine Antwort nädi seinem Gefallen erhalten. Da stolpert darin eine Weisheit über die andere und es kommt ein entsetzlich lächerliches Durcheinander heraus. Sie haben ihn zum Vizepräsidenten des „Vereines der Freunde der Sowjetrepublik" gegemacht. Dafür auch zum Vorstandsmitglied der „Religiösen Mittelpartei für die Kultuswahlen in Berlin" ... Man läßt ihn eine Rede gegen jede positive Religion halten. . Dafür spielt er mit einem Käppchen auf dem Kopfe in der Synagoge in der Grenadiersträße. Das „Berliner Tageblatt" zapft ihm einen Beitrag für eine Enquete über die Todesstrafe ab. Nachdem sich die meisten „Fadileute" gegen die Todesstrafe aussprechen, muß man Abwechslung haben. Gehorsam bekennt sich Einstein als grundsätzlicher Anhänger der Todesstrafe. Wenige Monate später werden in Lemberg einige Kommunisten zum Tode verurteilt. Die Sowjetleute brauchen ein bißchen Bewegung. Gehorsam telegraphiert Einstein einen Protest gegen die . Hinrichtung und zeichnet die Depesche als grundsätzlicher Gegner der Todesstrafein Zürich hält er im August 1929 eine schöne Lobrede Es tut in der Seele weh, wenn man das Spiel mitansehen muß, weldies mit diesem großen und reinen Mann getrieben wird. Mit Sdiadenfreude verfolgt die antisemitisdie Presse da? Treiben um. Einstein. Seht! Alles wird bei diesem Juden zum Reklamegeschrei. Sic reden von heiliger Wissenschaft und machen aus ihr Propaganda für Zeitungen, für das Kino, für Operettenstars. Sie lassen den Priester der Wissenschaft mit Komödianten und Schaubuden-Indianern tanzen und Mätzchen machen. Alles Reklame, alles Geschäft ... Wie denkt Palästina über den MacDonald-Brief? Von J. Triwax (Tel-Awiw). Der Bericht ist dem Warschauer „Hajnt** entnommen. Das Bauptthema des Jischuw bildet jetzt Mac Donalds Brief, MacDonalds Kommentar zum Weißbuch. Bereits auf den letzten Sitzungen der Assephat Nifcharim war uns der Inhalt des Briefes an Dr. Weizmanp bekannt. Die einzelnen Punkte erfuhr man kurz nach der Schließung der Sitzungen. Schon Samstag, den 17. Jänner, Jankew Jidel hat sidi kuriert* Von Tunkeier. Ich traf ihn im Bett liegend an, in einem der Pen« sionate von O. „Wie geht's Ihnen denn, Reb Jankew Jidel? Schon seit Jahren Sie nicht mehr geseh'n! Wo waren Sie heuer im Sommer? Und warum liegen Sie im Bett?" „Man liegt", antwortete jener mit müder, gebroche* ner Stimme, „Nicht wegen Krankheit, bewahre, nur so. Man hat sich kuriert, hat man sich. Ich komme von den Kurorten, von den Bädern, von den Bergen, Meeren, vop den Heißquellwassern, von den Wannen mit den Hydro* pathen, mit den Massagen . . . man hat sich kuriert, hat man sich; so Hegt man halt im Bett, kcha, kcha, kcha..." Er hustete sich aus, setzte sich auf, stöhnte und sagte weiter: „Wie Sie, glaub' ich, wissen, bin ich ein alter Kran* ker. Jankew Jidel ist berühmt als Krankheitsspezialist. Pas größte Talent in Kranksein. Es gibt keine Krank* heit, die ich nicht habe. Alte Krankheiten von Grund auf. Antike ebenso wie nagelneue. Quietschlebendige, neu* modische. Sie finden bei mir auf Lager, was Sie wollen. Asthma, Zucker, Mandeln im Hals, Tumore auf dem ^opf, Abszesse auf dem Gesäß und Eiweiß und Nieren tjnd Sandstein und Fett und Wasser und Kalk, ein Lager von Baumaterial mit einer Gemischtwarenhandlung. Außerdem natürlich eine geschwollene Leber, Milzerwei* #rung, verdorbenen Magen, angegriffene Lungen, chro* nische Bronchitis, Podagra, Schlaflosigkeit, Atrjtis, Rheuma, Ischias, Neuralgie, Migräne, ein bißchen Hämorrhoiden und eine Menge von Krankheiten, deren Namen ich nicht einmal kenne. Und ein Herz habe ich natürlich auch, das ein paar Krankheiten beherbergt, Herzneurose, Herzerweiterung, Herzsklerose und über» haupt ein Herzleiden! Außerdem fühle ich mich nicht ganz wohl." Er atmete auf und erzählte weiter: „Solange man ein armer Teufel war, hörte man auf all die Krankheiten wie auf die Katz\ Aber jetzt, da Gott geholfen hat und Jankew Jidel das große Los ge* zogen, die Dollarprämie bekommen hat, hat er, Jankew Jidel, alle diese Krankheiten auf einmal zu spüren be* kommen und ein für allemal beschlossen, sich zu kurie* ren. Aber ganz und gar, gründlich, fundamental. So wie auch die Krankheiten sind. Denn meine Krankheiten sind autochthon, mit einer Geschichte, mit einer Familientradi* tion. Was also hab' ich getan? Ich dachte mir, ich nehme mir ihn nun vor, den Kerl, den Jankew Jidel, und übergebe ihn der Kur. Für einen ganzen Sommer. Nichts tun, nur kurieren und Schluß. Sie einmal loswerden. Obwohl ich wirklich nicht weiß, wie ich dann ohne sie aussehen werde. So viele Jahre mit ihnen zusammengelebt und da, auf einmal, gesund, frisch und verrückt! Man kann doch da wirklich Schaden leiden! Kurz, bei'Beginn der Saison habe ich mir einen Auslandspaß; einen Konsularpaß ver* schafft, auf dem die Bäder von aller Herren Ländern ver» zeichnet stehen. Wozu gehindert sein? Nur fahren kön* nen, wohin ich will! Hab' Doktoren und Professoren konsultiert, gründlich natürlich alle Mittel in den ZeU tungen über Kurorte und Bäder gelesen, auch gründlich natürlich, hab' mir 75 Stück Analysen machen lassen, mich durchleuchten lassen mit Strahlen, den Blutdruck und die Blutzirkulatur und. den Puls messen lassen. Den Sommer teilte ich ein in vier Monate und jeden Monat in zwei Hälften, also das ganze in acht Wochenpaare. Ein Wochenpaar für eine Krankheit, so daß wir also acht Krankheiten loswerden. Möglich, daß noch einige kleinwinzige Kr^nk* heitchen zurückbleiben werden, eine Kleinigkeit, man kann sie doch nicht alle auf einmal hinausexpedieren. Zuerst kam das Asthma. Das eine Mittel von Dr. Pimpel, das man für Asthma Ems brauche, das EmsAVasser. Fuhr nach Ems und trank das Wasser, gründlich. In zwei Wochen war's weg. Ich kann zwar jetzt noch nicht leicht Luft bekommen, und in der Nacht würgt mich der Husten, alle fünf Minuten, und dauert eine halbe Stunde. Aber die Aerzte sagen, das ist die Reaktion. Das heißt, weil das Asthma geheilt ist, wird es schwächer und des* halb stärker. Kche, kche, kche . . . Nächsten Monat kam das Rheuma und die Atritis dran, je ein Wochenpaar für jedes. Die Aerzte sagten, daß dafür der; heimische Kur* ort Truskawjec der beste ist. Na, heimischer Kurort, hol' der Teufel alle ausländischen! Ja, noch besser ist Tsche* chötschinek, dort geschehen einfach Wunder. Kommt dorthin ein Kranker, .den man auf einem Wägelchen führen muß, so springt er in zwei, drei Tagen wie ein Postkutschenpferd. Was tu. ich? Ich mach zwei Wochen Kur in Truskawjec und zwei in Tschechotschinek. Und was glauben Sie? Kein Rheuma mehr, keine Atritis, nicht mit einer Kerze zu finden. Zwar reißt's in der Nacht in den Schultern, die Gelenke krachen nur so, der Schmerz ist unendlich und das Wetter kann ich Ihnen voraussagen wie der größte Weltprophet, aber das alles ist die blöde Reaktion. Die Aerzte sagen, das kommt, weil die Krankheit verschwindet, und deshalb tut es weh. Jetzt ging ich die Gallensteine und den Zucker an. Karlsbad ist hier das Beste. Karlsbad zerreibt, zersetzt, zermahlt den größten Gallenstein zu Staub. In den zwei Wochen Karlsbad bin ich die Gallensteine losgeworden, fühl' mich ganz gesund, würde mich noch mehr gesund fühlen, wenn nicht die Attacken vom Gallenstein und vom Zucker wahrscheinlich wegen dieser verfluchten Reaktion wären! Und nun mein Magen! Für den ist gut Vichy in Frankreich. Noch besser, sagen die Aerzte, Kissingen in Deutschland. Bin ich doch aber ein Mensch, der sich beides leisten kann, Vichy und Kissingen. Doppelt hält besser, wie glauben Sie? Ich hab' ihn auch kuriert, meinen Magen. Kein Magen mehr, ein Riese, nur daß ich nicht

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