Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 181 (6.3.1931)
- Date
- 1931-03-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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' Seite 2 DIE NEUE WELT *«• ** KINDER-PURIM-FEIER Der Verband demokratischer Zlonisten veranstaltet auch heuer anläßlich des Purlmfestes im Theater Reklame, II,P,aterStraße34 2 KIIIDf »FEIERN Zur Aufführung gelangt ein von Frau Else Nebenzahl verfaßtes Stück „Purin* In tel-Awlw1«. Es wirken aus* schließlich Kinder mit. Tanzvorführungen, einstudiert durch hräulein Steffi Stahl. — Die Vorstellungen finden tarn Samstag, den 7. März, und, Sonntag, den 8. März, -um halb 5 Uhr oachroiüaga statt,- Vormerkungen auf Karten bei den Damen: Margit Büchbinder, Tel. A-46-5-38; Else Nebenzahl, U-t2-2«-16; Paula Stricker, Ä-48-1-89; und in 4er Administration „Neue We&V &> Augartenstraße? 38, Tel. A*45-h-34. ^: ' . ' "• . .. . ......... .- S-„> •' .. . 'u a ..... ifJM"^ ■>• .t... jnif", bisher auf ei c h a 11 e i n' g es t e 1 lÄ,- hat den Kampf gegen diese wüste Barbarei, eine Ritualmördbeschuldigung im Jahre 1931 auf franr zösischerü Boden, aufgenommen. Die Judenheit der.;g»an$zen Welt wird diesen Kampf., mit wachsamem A'iige verfolgen. Eine Heüsbotsdiaft ♦ Die Züchtung eines jü'disch-deutsch-österreichischen Menschengeschlechtes. Das Organ des Reichsbuinjdeß jüdischer Frontsoldaten, „Der .Schild", schreibt: „pie „Union deutsch - österreichischer Juden" erklärt in einem Schreiben an den ......Reichsibund j ild i s c.h er . F r o n.t s ö 1- . ,. daten ihre Absicht,dam Pxob 1 em.. d,er .... . jüdischen. Innenkolonisation erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden... Die Stimmung für rine solche' Aktion unter -den Österreichischen Juden ist augenblicklich . stark positiv;" , » . Die mißliche Lage des österreichiisdien, beziehungsweise Wiener Judentums macht sogar auch den Vertreterin der liberalen Assimilation •Kopfzerbrechen. Sie stürzen sich , in jüngster Zeit auf Gedeih und Verderb in Analysen der sozialen Lage der Juden Oesterreichs, und tun es mit den bescheidenen Mitteln jener, die von den in Oesterreich lebenden Juden nidiis anderes wissen, als daß sie eine ..israelitische Glaubens«!, gemeihschaft"' sind. Immerhin macht."' ihre Denkart .einige Fortschritte. Sie enddecken plötzlich, daß die sozial e S chi ch tung der Juden nicht.sehr gesund ist und daß das. TJebcl .in.. &er... g.rö|lstä^tiis.chen Konzen, trierung der Juden liegt. Herr Dr. phil. et rer..'pol; Spranz. Josef W'eii, in' der. i6r<aelüjach«4e.9^enf Central ,Veremr.ZeitU:ög als. profunder Kenner der.''alt- .und neu-i: österreichd$chen Verhältnisse . en^föhleri; schildertf dbrt zunächst in bewegten Worten die ununterbrochene Entwicklung der einheimischen Judeniheit, die früher vom Zuzug mfi&rfeA'erf; biahÄiSchör, \: uMgarischer nnd slow^isch^er'VDorfbewahnef' jüdischen Glaubens .profi-i tiefen '"Konhle^ wUhretid" ' heute ^leider ' nur Juden aus Galizien und der Bukowina kommen; er kilagt darüber* daß diese .eich nicht, assimilieren, eich'ndcht verwurzeln nnd die „einheimische Wiener jüdische:;. Bevölkerung"1 zurückdrängen; und er findet schließlich, die „Quelle d e r V e r j ü n g u n g" für das österreichisahe Judent;.tum/ im Losungswort:: ,;H i ri a u s a^u f s L a ndl" " " * Das' ist ein neues tks'terreichasdies ,VW e i ß" -> B u eh, Richtlinien des HerW Dr. -phil. et;- rer. pol. -Franz Josef Weiß. Seine" Freunde begnügen'»ichnicht* mit theöretisä&ä Erörterungen. «Sie gehen" weiter, sie schreiten .zur j Tat. ..... In Deutschland gibt es einen Reichsbund jüdischer '. Frontsoldaten, der sich u. a. jüngst auch zum Ziele, ge- : setzt hat, die deutschen Juden umzuschichten, indem er sie'der landwirtechaf tlich.e>n .Siedlung zuführen will. Die Zeitschrift dieses ,Vereines,. „Der Schild", gibt darüber Auskunft.,Sogleich findet sich eine Gruppe von Deutschösterreichern, die mittun will, unbedingt, 6tramm. Oesterreichische Innen« kojonisation. Die Juden sind Kaufleute, das .Geschäft geht schlecht; dn den. freien Berufen werden sie von den bösen Antisemiten gestört, jüdische Professoren sterben aus, neue kommen nicht hinzu, die Z i q n de t e n verwirrenden d e u ts chö<s te rr eichi-s c.h en Heimaisbegriff, die Assimilanten selbst haben sich eine bedauerliche Rückbildung der Assimilationsbewegung zuschulden kommen lassen, sind zu wenig schlicht, vornehm, würdevoll im Verkehr mit ihren österreichischen Volksgenossen — so lautet das Expose" Franz Josef Weiß'. Deswegen hinaus auf die ländliche Scholle! „Hier wird", ruft Weiß emphatisch aus, „entstehen ein tüchtiger und gesunder, ein aufrechter und glaubensstarker Nachwuchs von jüdisch,. deutsch und österreichische fühlenden Menschen..... die sich indie Gesamtheit aller Deutschen eingliedern werden." Also Innenkolonisation! Nichts leichter als das. Denn es wird Platz auf österreichischem Baüeragrund. Der österreichische Landwirtschaftsminister Th * 1 e r wandert mit jungen Bauern aus, irgend ' wohin! nach Südamerika, die Herren hihiter Dr. Weiß; wandern ein mit jenen Glauibenegenossen, die zu; kräftiger Assimilation Erdgeruch brauchen. Diese\ künftigen Vollender der Emanzipation haben bisher nur die Sitten auf den Universitäten kennengelernt, jetzt werden sie Gelegenheit haben, in die Seele der ländlich-, sittlichen Bevölkerung zu schauen, um dort einem tüchtigen, gesunden, aufrechten, gkubenastartkes Nach« wuchs die Zukunft sorzdbereites« Wer sind die Männer; die solches Werk voll-' bringen wollen? Die dem T/haler zeigen wollen, wie tinpatriotisch sein yor4ia^enJ ist? Im Lande bleiben,' innenkolonisieren, ein j ü cX i s c h - d e u t s c höst e r- ..reichisclies G e s ch.lcc,li{t zeugen woillen?. Auch die weniger Informierten ahnen es: die Union deut s ch Ös t e r r_e ich is ph.er. J u.d e n.' Da gibt :es. Menschen, . Institutionen,.... ga^nze Bewegungen, die seit Jahrzehnten mit dem jüdischen. Pro; blem ringen, mit dorn Problöra der sozialen Anomalie des jüdischen Volkes, mit dor, Umsdiichtung verelendeter Masseh, mit der Kolonisation;* in Argentinien, Rußland, Palästina, und mit aMen Fragen, die zur Normalisierung der Juden führen sollen. Unsere Um'on hat's leiditer. Sie wiill's schaffen, es, isit fertig. Ein paar' EisenbäihUSt'unde'n von Wien — und wir österreichische Juden sind gesund. Der jüdische Purini ist vorüber, deijiklischdeUtsch-österreidtische i. April steht vor-der Tür. ' Zsonl§mu§ und ÖHhodoxie* Schaiimschlägerei.' — 'Die; Verhandlungen mit der Agudäli gescheitert. Ein', neuer Mifierfolg ' der j '«.'•' r ■ " erweiterten jewish Agency. '. . , Es gehört zum Systein; , cler heutigen zionistischen "Leitung, Mißerfolge zu, veräätileiern. Man glaubt, ein ehrliches Eingeständnis ^örine schaden '.beim.' "Geldsämmeln, und daruiÜ dreht sich ja alles. Heute ist wohl jedem klar, daß das' mit so viel Wort-;• und . Zeitaufwand und mit YerH^ngnisypilef 'Schadjgun'g der Zionisti- ''^chiari ,Qr'gjäinis.4tioA. .betne^ejne;'.' ^xperimeni der Erw^fri't e r'u h\g V J d.er' '' J"e wTs'h v X'g ein c y ' :'d u'? c h ^rc^'2fcf^ ^t efil bgkÄzji^ vg>Sc|eikrtVi5i";;': v~ ] Uiw wollte . ganz , ^clii'au . sein, . Statt um ^eden 'jüdischen. Renschen ^» kämpfen,' ihn in mühseliger ' Arbeit für. den 'Zionisious^zu.^e^iqnen,.. gjpg mani. daran, die Führer der Assimilanten, und iNichtzionisten einzu- 'fangeni mit schönen .Ke^ie^/I^ndlichen/. Gesten,' bei Festsitzungen und Banketten,^ - und dadurch, daß man den Zionismusaller Ecken und-.•Schärfen entledigte, ihn zu einer charitativen (Geldangelegenheit umformte. Nach dem Züridier . Kongreß. 1929 glaubte man fertig vzu sein, redete wenigstens der Welt ein, daß man fertig . sei. Nach rauschenden Reden-wurde mit goldener Feder der „heilige Vertrag^, mit den. Niehtzio- ..nisten" unterzeichnet, ^cli dem Feste ] kam 'der Jammer. Die nichtzionistischeu Gästen und neuen Bündesbrüder. haben sich . yerlajufen. , Mit. Ausnahme des. New Yorkers Warbürg und "des Berliners Wassermann sind sie weg. Ihre Brieftaschen haben sie mitgenommen. Statt titehr Geld: Rückgang' der Sammlungen, größeres ' Defizft, größere SdmldenfaSt; Niemand; von den Züri- 1 eher Gasten schert sich' um ,!das Wohl und Wehe Palästinas. Mit allen politischen und finanziellen Schwierigkeiten muß die ''Zionistische 'Organisation kämpfen. Wie früher, allein, nur geschwächt durch, die OpfeV an1 Geschlossenheit, an innerer Stärke, an Kampffähigkeit, welche die „Erweiterung durch Nichtzionisten" mit sidi brachte. ' - - < > -„i~ ..... Aber der Schein muß bleibenI Man tat so, als .ob die, ^erweiterte" Agency fest auf den Beinen stünde. Nicht nur, daß, sie lebtV sie wilL sich noch mehr erweitern! Vor einigen WoAeh^ würde, der Welt verkündet, daß Verhandlungen mit der. „Agu.dah",, der Organisation der a n t i z l o n i s t is Wen O r t h o d 9 x i e,' an- Was machen Sie jeden Abeiicir „Ich lasse mich mit .OI»n«-Fr»Wbranijtwein maufcreal" — .Warum gerad« mltpiapa-Franzbranntweih?"--' „Weil icli mich übtrzeugt habe, datt nur'. Massagd mit DIANA «ANZBRANNTWE1H mit Mentliol . solche Schmerlen liodtrf, w^che von Überanstrengung lind «chwerer Arbelt toenUhren. Eben danim kaufe leb nur Diana-Franzbranntwein und nichts.anjd^re«." Nehmen Sie nur Diana! WerUoio Nachahmungen weisen Sie zurückl Obtrcii «nnumcm NEUERÖFFNETE REICHHALTIGE MODERNE LEIHBIBLIOTHEK DER BÜCHERSTUBE M. RATH WIIN, If., TABOftSTAASf I Nr. Mt TEL.: R-43-W8. ALLE NEUERSCHEINUNGEN! REICHE AUSWAHL Ii HIBRAIKA UND JUOAIKAI MONATSGEBUHR NUR S 3^ KEINE BANDOEBOHR! TÄOLICHER UMTAUSCH 1 gebahnt seien, um auch diese Gruppe in die JewisK Agency zu bekommen. Eine Konferenzen Berlin wurde angesetzt und abgehalten. Dann kamen Berichte von „gedeihlicher" Ausspradie und schönen Hoffnungen^ Man sei zwar nicht ganz fertig geworden, aber die Verhandlungen werden in einem späteren Zeitpunkte fortgesetzt, mit Aussicht auf Erfolg. In Wirklidikeit ist man fertig geworden, ganz fertig. Aber wie? Darüber belehrt uns ein Berich* der Wiener „Jüdischen Presse", des Organs der. Agudah. TSr zeichnet sich, im Gegensatz zu den Meldungen von offizieller zionistisdier Seite, durch Deut-: lichkeit aus, welche stark, wenn audi nicht herzer«* frisdiend ist. Er lautet: „Daß das Ergebnis der Verhandlungen über die Frage des Eintritts der Agudah in die Agency besonders ermutigend wäre, wird man bei objektiver Beurteilung nicht behaupten können; Eine Ausschaltung des Kulturwerkes, insbesondere des Sdmlwerkes, aus dem Aufgabenkreis der Agency und der. Uebergang dieses Schulwerkes auf die Knesseth! Israel sei angesichts der geringen Geneigtheit der palästinensischen Bevölkerung zum Steuerzahlen im höchsten Grade unwahrscheinlich. Wir halten uns für verpfHelltet, die öffentliche Meinung vor irgend welchem Optimismus hinsichtlich eines Erfolges der Verhandlungen über den Eintritt der Agudah in die Agency zu warnen. Auf der anderen Seite können die namentlich! in der agudistischen Jugend verbreiteten Ben fürchtungen, daß die Agudah durch eine Zusammenarbeit mit zionistischen Instanzen in der Reinheit i h t'-e ¥ P r i,n; z. j p i e n; und der;. Entsdiiedenheit ihrer religiösen wStel]lu^n{ihme.lNVti> leiden gönnte««..inV.;kemet ,Weise> als; a k t u e Tl . .bezeichnet werden.'/ .... , „Im zweiten Absdinitt der Berliner Veriiandlun-H gen ist < über dje Möglichkeit eines Zusammenwirkens;von Agudah und Agency auf politischem G e- .biete gesprochen worden. Dieses Zusammenwirken" hat sich in den letzten eineinhalb Jahren insbesondere in Erez Israel wiederholt vollzogen, soweit die politische Leitung der Agudah mit Zustimmung der rabbinischen Führer eine soldie Zusammenarbeit angesichts der krisenhaften politischen Lage als geboten betrachtete« Um so merkwürdiger erscheint es den Agudaführern, daß die Vertreter der Agency in der Ber- ] liner Verhandlung: offenbar in einer etwas ge^ j reizten Stimmung sich befanden, weil die Leitung | " der Agudah es für nötig erachtet hatte, durch ein. | der Oeffentlichkeit inzwischen übergebenes Memo- ] ramdum der englischen Regierung ihre Stellungj nähme zur gegenwärtigen Lage mitzuteilen. ' Zu einer : solchen Gereiztheit lag ein objektiver" Anlaß nicht vor. Denn es ist doch selbstverständlich, daß > Agudas Jisroel als selbständige, und in einem weltanschaulichen Gegensatz zum Zionismus stehende Organisation , verpf lichtet ist, ihre'Wünsche-und Anschauungen in einemfür die . Gestaltung der PalästinarPolitik entscheidenden : Augenblick in die Wagschale zu werfen. Wenn die Vertreter der Agency in den Berliner Verhandlungen den lebhaften Wunsch äußerten, die Agudah möge sich in außenpolitischer Hinsicht Bindungen auferlegen lassen, so ist dieses Verlangen von den agudistischen Vertretern In aller Entsdiiedenheit abgelehnt worden. Was die Kommission — bisher ohne Zustimmung der politischen Leitung der Agudah — konzedierte, war lediglich r die Uebernahme der Verpflichtung, daß Agudas Jisroel im Hinblick auf die noch immer schwierige j politische Lage bis auf weiteres keine selbständigen außenpolitischen Aktionen unternehmen werdej ohne vorher den loyalen Versuch gemacht' zu haben, mit der Agency sich auf eine einheitliche politische Linie zu einigen. Gelingt ein' solcher Versuch nicht, so ist die politische Exekutive der Agudah frei, nach Gutdünken selbständig vor zu«* gehen.**; * ■ Angesichts . dieser Stellungnahme verblassen , die gefärbten Berichte von London, Und. das ist gut. Mit Schaumschlägereien ist das, jüdische Volk nicht zu erlösen. Mit Schönschreibereieu und Schönredereien ist die Sache nicht zu machen, Man. muß um jede jüdische Seele kämpfen, r-