Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 181 (6.3.1931)
- Date
- 1931-03-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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18"? Titl. Universitätsbibliothek Wien. I. ftafls 35 Groschen V.b. b. BEZUGSBEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljahrig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—. vierteljährig Zloty 6.— . Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc. 15 — . Jugoslawien monatlich Dinar 14.—. vierteljährig Dinar 40.— Rumänien monatlich Lei 40.- vierteljährig Lei 120.—. REVUE BEZUGSBEDINGUNGEN Deutschland monatlich Mark 1.— vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 1.20 Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.— Schweix und die übrigen Länder monatlich Schweiler Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Francs 4.50. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion and Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: B-48-504 — Erseheint jeden Freitag Jahrgang 5 Freitag, den vf6. März 7931 Einstein wird mißbraucht. Seite Owalltaumarke 1871 60 Jahr« St&SWtfWt 1931 Sporfvatter biCu. 39-ao Hubertusmäntei lür Damen und Herren WIPPLINQERSTRASSE 20 Ritualmordpropanada in Palästina« Die Hetze des „Falastin". Aus Jerusalem wird gemeldet: „Jerusalem, 3. März. Die in Jaffa erscheinende arabische Zeitung iJFalastin" ist gestern konfisziert und der Herausgeber .verhaftet worden. „Falastin" hat gegen eine bekannte jiüdische Persönlichkeit den Vorwurf erhoben, zwei a-yab;i;s,c,hc Kinder getötet und ihr Blut mit Wein /für das kommende Fessa.uhfest ver« mischt zu haben." -'■ .yFalastin" ist bekanntlich jenes arabische Organ, das l'der;-,3r ith Schalom" als Tribüne für seine jüdisch» arabischen Verständigungstendenzen ausersehen hatte; es 'ist dasselbe Blatt, das gernedie Enunziationen des Uni* versitätsrektors Dr. Magnes seinen arabischen Lesern Vermittelt; Dort ist *uch der bekannte Briefwechsel mit Einstein erschienen. Die Ritualmordpropaganda dieses Blattes in diesem Momente ist charakteristisch. Schaukat Ali betreibt weiter antizionistische Propaganda. Jerusalem, 28. Februar. (J. T. A.) In Jerusalem eingetroffenen Meldungen zufolge soll sich der indische Mohammedanerführer Schaukat Ali, der vor kurzem zum Begräbnis seines Bruders Mohammed Ali in Jerusalem geweilt hat, in B ei r u t dahin geäußert haben, daß der Zionismus sich nicht mit Palästina allein begnüge, sondern auch Syrien und den Irak in sein Bereich; einzubeziehen beabsichtige. Schaukat Ali soll behauptet haben, Professor W e i zm a n n habe ihm gegenüber erklärt, die Juden würden a 11 e a rabischen Länder mit Zustimmung der Einwohner in Besitz nehmen und bloß den Hedschas den Mohammedanern überlassen. Auf diese Bemerkung hätte Schaukat Ali erwidert: ,*Siq würden wohl nickt zögern, auch ,Akkaba «4iad. Mekjca zu besetzen, wenn sie &önntenJk (Es i ist -'bekannt,^ daß sich- Schaukat Ali gleich feinemverstorbenen 'Bruder Mohammed Ali scharrt' antizionistisch zu betätigen, pflegte. Es scheint nun, daß die Kreise um den Jerusalemer Mufti-seine Anwesenheit im Nahen Orient zu einer Verstärkung der antizionistischen Propaganda in den Palästina benachbarten Ländern ausnutzen wollen.) + GUMMISTRUMPF (auch eummilos) SPEZIALIST KnlekapDen Stack von 2.90. WadensiUcke von 7.80 STRÜMPFE von 5.80. Gummlsocken' (Fesselformer) von 2.90. ARMGELENKMANSCHETTEN von 1.20. FACH ANSTALT für BANDAGEN aller Art. Leibbinden von 7.50. SCHLÜPFER von 5.80. Busen» lialtcr' von 1.20. Gummilcibbinden von' 13.—. BRUCHBAENDER mit und ohne FEDER von 3.50 Mieder. Monatsbinden von 1.32. Fußstützen (Plattfußeinlaxen) fertis: oder nach Gipsabdruck; Entfcttungsleibblnden. ALLE Artikel zur Gesund« heits-. Kranken-- und KlnderofleKe. HEISSLUFTAPPARATE, elektr. Heizkissen von 8.40. Inhalatlonsaooarate von 5.40. Faradlsationsapparate. Soluxlampen. HÖHENSONNEN. ■ elektr. Kocher. Gummiwfirmeflaschen von 3.60, Zlmmcrklosette von 40.—, Bidets von 12.—, Luftkissen von 7.50. Thermometer 1.68. Bettkautschuk. Bettlehnen. Krücken und : Krückstöcke. Zellutoid-TÜRSCHONER. Wir verleihen alle Krankenpflegeapparate BANDAGEN-MIKOLASCH WIEN II, Taborstr. 22 Telephon R-47-1-85 Konzessioniert tttr WAJTE Verbandstoffe, Pflaster etc. GUMMI WAREN 4 n.m ## und Haken« fer* - Der//Skandal Tord| mann .Qie. Judenheit in Algier und im benachbarten Tu;nis ist seit einem Jahr von tiefer Beunruhigung ergriffen. Wilde Gerüchte sind im Umlauf und nehmen Dimensionen an, die geeignet •sind, für Leiben und Freiheit der dortigen Juden , gefährlich: zu werden. Nach. .„europäischem*" ä Muster gibt es nun auch in der algerischen Stadt Oran eine: Ritualmordaffäre, 'den sogenannten .„Skandal Tordjmann". c f '";'"XJblapr \ fdife.1 Vorgeschichte . dieser Affäre 'fehreh;wir .a,us der in Tunis erscheinenden «tischen Zeitschrift „L e //. erzionir e y e i 1 j u i f" folgendes: , Vor ,eifern' Jahr wurde eine Frau namens Jüliette Tordjmann in einem Keller ermordet aufgefunden, worauf die Polizei den Schwager der Ermordeten : Edmond Teboul, seine Gattin Es t h c i-i und deren Mutter verhaftete. Es lagen keinerlei Beweise für die Schuld des Inhaftierten vor, aber die Behörde, durch die seit langem vorbereitete antisemitische Stimmung vergiftet, erhob "ge&en Teboul die Beschuldigung des" Ritua 1mbr^es, ' führte ' auch' die Untersuchung im Sinne 'dieser^ BescKüldigung und das Gericht ßelbst bemüh/t ^«ieh; Beweismateriäil gegen den angeblichen 'Ritüalinörder zu erlangen. / Frau E#er Teboul und ihre Mutter wurden nach','1 einigen ^Monaten wieder in «Freiheit gesetzt, i aber EmcmdTeboul schmachtet noch immer - im, Gefängnis. Sein, Martyrium; ist unbeschreüblich. Wie die lokale, gewiß nicht philosemiiisehe Presse berichtet, ist Teboul den schwersten Mißhandlungen ausgesetzt. Oft kommt es vor, daß man ihn' zur Erlangung eines Geständnisses bis zur Bewußtlosigkeit schlägt und dem Totkranken die Aufnahme ins Spital verweigert, da der diensthabende Arzt erklärt, dem Gefangenen fehle nichts, er simuliere. Die ganze Angelegenheit wäre von den Behörden vertuscht worden, hätte nicht die große Pariser Zeitung „Le soir" den Fall aufgegriffen und die französische Oeffentlichkeit informiert, daß in Algier, also auf „französisehern Bode n", mittelalterliche Z u s t a n d e herrschen und ein Mann eines Verbrechens beschuldigt wird, ohne daß auch nur die allergeringsten Beweismittel vorlägen. Nach zwölf Monaten war die Behörde nicht in der Lage, den Beschuldigten vor das Geschworenengericht zu stellen. Um den „Skandal Tordjmann" zu verstehen, ist es notwendig, die Atmosphäre zu zeichnen, in der der Ritualmordfall Teboul konstruiert wurde. Seit Jahren'schon wird in der Stadt Oran eine a n t isem it i s c h e B e weg u n g inszeniert. Der Haupthetzer war der inzwischen verstorbene Bürgermeister Dr. Molle, der in seinem Blatt „L e P e t i t O r a n a i s" bei der algerischen Bevölkerung gegen die Juden mit allerlei Lügen, Verleumdungen und Verdächtigungen Stimmung machte und' auch bei der K i r c h e für sein blutrünstiges Geschäft Verständnis fand. Dr. Molle und sein Nachfolger nahmen sich die deutsche Hitler-Bewegung zum Muster: die Parolen und Insigmien. Sie erklärten sich Öffentlich für das Programm der deutschen Hakenkreuzler Hitlerischer Richtung und > * tatsächlich prangt auf der Titelseite ihres Organs „Le Petit Oranais" das — Hakenkreuz. Hier in Afrika, unter den Schwarzen, hat durch die Tätigkeit der Antisemiten in Oran nun auch der Rassenantisemitismus Fuß ge- - Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelt» liehen > Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. faßt. Analog dem deutschen Vorbild..hat die antisehiitisene Presse vom. Oian, dem Zentrum des aligepschen Äntkemitismus, d i $ T h e«> r i e p>n d er Mi n d e r w e r t ig keif de r j ü,d i 6 c h e ö Rasse übe r ri o,m m e n. Sind es m> Hitler- Deutschland die arischen Germanen, die dem jüdischen Bastard gegenübergestellt, werden,, so ist es hier in Algerien die arische 1 a t e in i ,s che. Rasse, die auf die „Judensau" hier, heißt.sie : französisch „s a 1 e j u i f" mit Verachtung herabblickt. Es fällt natürlich auf, daß Von der/lateinisch e n, nicht von der frankogaHischenv Rasse die RedQ ist. .., Die Sache klärt sich aber rasch auf, wenn man die Rolle betrachtet, die der ka.thölischej d. i. lateinische Klerus hier spielt. Kein Geringerer als der Erzbischof von Oran, Mgr. Durand, setzt die von Dr. Molle und seinen Nachfolgern inaugurierte rassenantisemitische Hetze fort. Die Kirche tut noch ein Uebriges, indem sie zwar jesuitisch-süße Worte von 6ich gibt, aber gleichzeitig in die antisemitische Hetze die iin Lande wohnenden katholischen Spanier miteinbezieht, in denen sie sozusagen die Hoffnung auf die baldige Wiederkehr der schönen Tage der Inquisition, des Feldzugs gegen die Ungläubigen -erweckt.. .•:<>:; -:; k »> r (- :•' Das sind, die Voraussetzungen für den „Skandal Tordjmann". Der Einbruch düstersten Mittel« 1 alters vollzieht sich in einem der Sauverämtät der französischen Republik unterliegenden Lande. Europa kann gespannt sein, wie Frankreich auf die Enthüllungen des Pariser „Soir" reagieren wird; jenes Frankreich, das eine sehr aktive L i g a 'für Menschenrechte beherbergt und eine nicht minder aktive Gesellschaft zum Kampf gegen den Antisemitismus, die Riesenkundgebungen gegen die Unterdrückung der Juden in Polen, Rumänien usw. veranstaltet. : '« Teboul ist ein Jahr lang .eingekerkert; #in Jahr lang hatte /das Gericht Zeit, Beweise zu/ einer Anklageschrift zu' sammeln, den Verhafteten vor die; Geschworenen zustellen.' Sie hat < diese Be- ' weise nicht. Die namhaftesten Persönlichkeiten Orans und die nicht vom Hakenkreuzibazillus infizierte, Landespresse wiederholen dies tauglich. Die Kulturwelt kann darauif gespannt sein, . ob Paris rasch und gründlich dem sich entwickelnden Weltskandal um Oran ein Ende setzt. Das Judentum von Algier wehrt sich tapfer. Allen voran das mutige Organ der Zionisten, unser Bruderblatt „Le reveil juif", das mit Nachdruck feststellt, daß die Juden Algiers sich nicht einschüchtern lassen werden. Die „Reveil