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Die neue Welt · 1931-02-27 · Heft 180 (27.2.1931) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 180 (27.2.1931)
Date
1931-02-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nf. 180 _ „national-faschistischen" Organisation, ge* standen. Drittens habt! er jüdischen Historikern, die bourgeoise Tendenzen verfolgen, Anerkennung ge» zollt Und habe bürgerliche jüdische Gelehrte des Aus* lands eingeladen, Beiträge für jüdiscfwhtstorische Publi* kationerr in der Sowjetunion zu Hefern. Viertens habe et* eine Verteidigung der weißrussischen National« d c m o k r a t c n veröffentlicht und damit zu erkennen gegeben, daß weißrussischer Nationalchauvinismus und jüdischnationaler Opportunismus Verbün* dete sind. Fünftens habe er in seinen Vorlesungen die Werke von Lenin und Stalin vernachlässigt und die Geschichte der jüdischen Arbeiterbewegung un* ausgesetzt mit der Geschichte des Bund in Verbindung gebracht. Bevor Professor Sossis aus der Partei ausgeschlos* sen wurde, wurde er nachdrücklich aufgefordert, den politischen und wirtschaftlichen Tenor seiner Vorlesungen zu ändern. „Prawda" macht der Parteiorganisation von Minsk den Vorwurf, Professor Sossis Ideen nicht scharf genug mißbilligt zu haben. Neben der Wiedergabe der seitens der Partei gegen Professor Sossis erhobenen Anklagen weist das Blatt noch beson* ders darauf hin, daß der Gelehrte eine Theorie entwickelt habe, wonach bei der jüdischen Nationalität nicht dieselbe K1assenscheidung bestehe wie bei anderen Nationalitäten. Daß er seinen Hörern das Studium des Buches von M. Rafes „Essays über die Geschichte des Bund" empfohlen habe, stehe in scharfem Gegensatz zu den Anschau* ungen Lenins und Stalins über den Bund. Hundert jüdische Bäckereien gesperrt. Warschau, 20. Februar. Auf Grund des Gesetzes über Mechanisierung der Bäckereien, dessen Durchführung zur Vernichtung des jüdischen Bäckereigewerbes in ganz Polen führen müßte, wurden zunächst mBialystok 100 jüdische Bäckereien behördlich geschlossen. Der Stadtrat hielt eine außerordentliche Sitzung ab und sandte eine Abordnung zum Wojwoden Koscialkowski, um ihn zu bitten, keine weiteren Bäckereien schließen zu lassen. Wenn das Gesetz überall zur Anwendung kommt, würden mehrere tausend jüdische Bäckereien geschlossen und viele Tausende jüdischer Familien erwerbslos werden. Gegenwärtig tagt in Warschau eine Konferenz von Delegierten der jüdischen Bäckermeistervereine ganz Polens, die sich mit der gegen das jüdische Bäckergewerbe heraufbeschworenen Gefahr und den Mitteln su deren Abwehr befaßt Mißbrauch. Das offizielle Organ der zionistischen Exekutive macht unter gröblichen Beschimpfungen der Opposition Propaganda für die linken Parteien. Die Londoner Leitung der Weltunion der Zionisten-iReviaionißten übermittelt uns die Abschrift eines an die zionistische Exekutive in London gerichteten Schreibens mit dem Ersuchen um Publikation. Wir bringen nachstehend den wesentlichen Inhalt: nAm 13. Jänner veröffentlichte das offizielle Organ der Zionistischen Organisation „Haolam" -unter der Überschrift „Die Wahlen in Palästina und iihre Lehre" einen Leitartikel des Chefredakteurs Herrn M. KJ ein mann. Dieser Artikel ist eine staunenerregende Anhäufung von Schmähungen gegen den Revisionismus, welche keine Parallele hat." „Der1 „Haolam" ist der gemeinsame Besitz der ganzen Zionistischen Organisation 1 und wurde, genau wie jeder andere Besitz der Zionistischen Organisation, der Leitung wäihrend deren Amtsdauer anvertraut. Als offizielles Organ darf er nicht die Interessen einer Partei fördern, diejenigen einer anderen bekämpfen oder böswillig behandeln. Dies gilt besonders für die Leitartikel, für welche der Herausgeber, ein Beamter der Zionistischen Organisation, verantwortlich ist." „Der am 13. Jänner veröffentlichte Artikel enthält ganz unverzeihliche Ausdrücke. Der Artikel sagt u. a.: „Ganz Palästina wurde mit der Verrücktheit der Revisionisten geschlagen .. " „Die Revisionisten sind zu einer machtlosen, wenn auch geräuschvollen und betäubenden Opposition verurteilt ..." „Ihre Gier nach Eroberung kennt keine. Grenzen und sie haben kein anderes Ziel, als die Kontrolle zu erhalten, selbst wenn es über Ruinen wäre ..." „Die Sprache der Revisionisten hat in der Vereinigung der zionistisch-demokratischen Jugend Die diesjährige Purim-Akademle findet Dienstag, den 3. März 1931, um 8 Uhr abends int Theatersaale des Hotel Post, I, Fleischmarkt 24, statt Das reichhaltige Programm enthält: Rezitationen, szenische Auf-, fuhrungen, Tanzdarbietungen, Gesangschor, polit. Kabarett, Einakter usw. Karten erbältliob im Helm der Vereinignng der zionUtisch-demokrailechen Jugend, (7 bis 10 Uhr abd«.) sowie in der Administration der »Neuen Welt» (halb 10 Mt 12 Uhr wrm.), II Unt. Augartenstr. 33 A-43>6-c4 __die mm WELT___ ganzen Welt nur eine ParaÄlele, diejenige der Kom- ' mii nistcn in Rußland, und wenn die Zeitungen der Revisionisten sich gewöhnlich wie Tiere auffuhren, welche ihren Schmutz an öffentlichen Plätzen lassen und die Luft besudeln, so wirft das Jerusalemer Organ des Revisionismus Seinen Schmutz sogar in den Mund der Leser . . ." Weiter sagt er: ,,.. . Und es ist leicht möglich, die Resultate der Kongreß wählen zu prophezeien. Die revisionistische Partei wird sicherlich ermutigt, zum Kongreß zu kommen, und stärker sein als beim letzten. Sie wird jedoch keinesfalls die Macht erlangen. Auch die Linke wird zahlreicher «ein als das letzte Mal; denn diese Partei bedeutet jedem treuen Zionisten alles Anständige im Zionismus: Selbsthilfe, Glaube an die nationalen Kräfte ... Deshalb wird diesmal jeder Zionist, der sich nicht durch lügenhafte und freche Demagogie gefangennehmen läßt, der Linken, dieser Partei der Arbeit und des Aufbaues, all seine Unterstützung a n g e d e i h e n lasse n." Zum Sdiluß weist» die revisionistische Leitung in dem Brief darauf (hin, daß sie seit 13. Jänner, dem Erscheinungstag de» Artikels, vergebens auf irgend einen Scihritt der zionistischen Exekutive ge wa r t e t' haibe, und fordert nunmehr | Pcitc 1 Genugtuung und Versicherungen gegen weiteren M i Hb rauch des A.m t s o r ga n c s. * Es ist nicht leicht, den richtigen Ausdruck für das Vorgehen der zionistischen Exekutive zu findem. Sic scheint wirklich von allen guten Geistern verlassen. Unt die Furcht vor der Opposition <>& verrückt'gemadit? Hat je eine Leitung das amtliche Organ so mißbraucht oder mißbrauchen lassen? Glaubt sie vielleicht, die Opjxwition aus der Organisation auf dem Amtswege hinauspöbeln zu können? Sie irrt. Außerhalb des unmittelbar betroffenen zionistischen Kreises werden sich Tausende denkende, auf Reinlidikeit haltende Zionieten durch ein in der Form so niedriges und in der Sache so unverschämt einseitiges Vorgehen, wie dos des „Amtsorga nes". abgestoßen, schwer beleidigt füblen. Weltwirtschaft - Palästinattirtsdiaft - Zionistische Wirtschaft* Von Julius Berg er Die geringe Beachtung, die Wir tschaft s* fragen in der leider fast ausschließlich, p o 1 i t i s c h orientierten zionistische Diskussion hnden, hat es auch zuwege gebracht, daß die bemerkenswerte Rolle nicht genügend gewürdigt wurde, die Palästina oder besser das jüdische Palästina innerhalb der Weltwirt» schaftskrise spielt. Mit Ausnahme eines bestimmten Teiles, auf den wir später zurückkommen werden, ist das jüdische Wirtschaftsleben in Palästina jetzt noch von der Krise fast unberührt. Dies trifft insbesondere zu für die Stadt Tel« Awiw und ihr hauptsächlich auf O r a n g e n b a u ein* gestelltes Hinterland. Die Orangetdaat- ,auch in diesen Krisenjahren ihren Charakter als besonders marktgängiger Monopolartikel von -vorläufig, fas^ unbegrenzter Absatz* möglichkeit nicht verloren und. gewährt ihren Produ* zenten einen beachtlichen, teilweise a u s g e* zeichneten Gewinn. Dayon profitiert natürlich die Stadt TeLAwiw, deren Bedeutung ah? Zentrum der ganzen südlichen Küstenebene und Hauptumschlagplatz für den Orangenbau und alle seine Bedürfnisse seit den August* Unruhen von 1929, auf Kosten des arabischen Jaffa ständig gestiegen ist. Als Sitz einer recht ^lebendigen Klein* und Mittelindustrie und eines zwar .unendlich zerplitterten, aber sehr regen Handels besitzt die Stadt ayeh genügend wirtschaftliches Eigengewicht, um , die Einwirkungen der Krise — zum mindesten bis jetzt — verhältnismäßig leicht zu überwinden. , . Tatsächlich ist Tel*Awiw, das in der schweren Krise der Jahre 1924/25 als Fehlgründung so laut ver* schrien wurde, mehr und mehr zu dem wirtschaftlich sichersten Punkte Palästinas, ja vielleicht des ganzen vorderen Orients geworden. Auch in dieser schweren Zeit hält sich die Ziffer der Zahlungs* einstellungen in TeLAwiw in durchaus normalen Grenzen und die saisonmäßige Arbeitslosigkeit ist nicht höher als gewöhnlich. Nicht ganz so günstig ist das Bild von Jerusalem. Hier ist das Wirtschaftsleben, auch das jüdische, nicht unbeeinflußt von der schweren Lage, in der sich die arabische Bauernschaft befindet. Jerusalem, Zentrum einer fast ausschließlich, arabischen kleinbäuer* liehen Wirtschaftsprovinz, die unter dem Weltpreis» stürz des Getreides genau so leidet wie alle anderen nicht auf billige fabrikationsmäßige Getreideerzeugung ein* gerichteten Produktionsgebiete ,hat insbesondere unter seiner arabischen Kaufmannschaft nicht unbedenkliche Schwierigkeiten zu verzeichnen. Anderseits verfügt die Stadt als Regierungs-Hauptstadt und Sitz fast aller zen* tralen christlichen, mohammedanischen und jüdischen Institutionen über eine große und verhältnismäßig kaufkräftigte Beamtenschaft. Es herrscht eine sehr lebendige Bautätigkeit. Jerusalem wird von Tag zu Tag mehr eine moderne. Stadt mit guten Wohn* häusern, schönen Läden und neuartigen, teilweise sogar luxuriösen Hotels. Der schwache Punkt der jüdischen Wirtschaft in Jerusalem liegt da, wo sie von der Zionistischen Organisation abhängig ist. Der Rückgang in den Ein* nahmen der beiden Fonds macht sich natürlich in einer Residenz* und Beamtenstadt wie Jerusalem sehr viel mehr fühlbar als in TebAwiw, das kaum eine direkte Beziehung zur zionistischen Wirtschaft hat. Immerhin Ist aber auch in Jerusalem diese Beziehung schmal und kommt eigent« lieh nur in der pünktlichen, verspäteten oder gar nicht erfolgten Auszahlung der Beamtengehälter zum Ausdruck. Viel enger ist die Abhängigkeit des Wirtscbafts* (Tel'Awsw, Palästina)* lebens von den zionistischen Fonds dagegen in Haifa mit seinem zum größten Teile ausschließlich bau er Ii* chen Hinterlande und dem Emck als unmittelbarem Wirtschaftsgebiet. Die Notlage der zionistischen E m e k* Siedlungen, hervorgerufen durch die Getreidekrise und die verfehlte zionistische Siedlungs* Politik, wirkt sich unmittelbar auf den Handel und Vcr* kehr von Haifa aus. Tatsächlich ist die wirtschaftliche Lage von, Haifa und seinen jüdischen Unternehmern aus* gesprochen schlecht. In Haifa herrscht so etwas wie eine Panikstimmung. Das ist um so bedauerlicher, als Haifa zweifellos in absehbarer Zeit vor einer a u s g e z e i c h* neten wirtschaftlichen Entwicklung steht. Die Vollendung des Hafenbaus, der bereits in Angriff, genommene Bau der Bahn H a i f a—B a g d a d und die Röhrenlinie Mossul—Haifa (deren Linienführung allerdings noch nicht ganz feststeht) eröffnen ungemein aussichtsreiche Möglichkeiten für Haifa. Um so bedauere licher wäre es, wenn die Wirtschaftskrise sich weiter ver* heerend gerade auf die jüdische Wirtschaft aus* wirken und sie eben in dem Moment aktionsunfähig machen sollte, wo ihr ungewöhnliche Möglichkeiten der Entfaltung erwachsen, auf die sich übrigens das auslände sehe Kapital jetzt schon einstellt. Hätten wir eine zielbewußte jüdische Wirtschaftspolitik, so müßte sie sich jetzt in erster Linie die Stützung der Haifaer Wirtschaft und die Erschließung der dort schlummernden Chancen zur Auf* gäbe setzen. Wir denken dabei insbesondere an die Wiederaufnahme der Bautätigkeit, für die jetzt schon Bedarf vorhanden ist. Und da das erforderliche Bau* und Siedlungsgelände sowohl auf dem Karmel wie in der HaifarBai bereits in jüdischem Besitz ist, sollte die Ankurbelung einer solchen Bewegung nicht so schwer sein, die mit einem Schlage die wirtschaftliche Lage von Haifa zum Guten ändern könnte. Leider ist aber gar nichts dergleichen zu spüren. Und damit sind wir an dem unerfreulichsten Punkt unserer Betrachtung an* gelangt. * Das jüdische Palästina ist heute erfüllt von einem Raunen und Geflüster über die kommende „Wirt* s c h a f t s k a t a s t-r o p h c". Geht man diesem Gerede nach, so findet man immer, daß damit der angeblich un* abwendbare Zusammenbruch der i ionist i* sehen Siedlungen gemeint ist Es geht den beiden nationalen Fonds miserabel, sowohl die Einnahmen des Keren Hajessod (Palästina»Aufbaufonds) wie die des Jüdi* sehen Nationalfonds (K. K. L.) sinken von Monat zu Monat. Die Propagandareise Ussischkins für den K. K. L. nach Amerika hat — was Kenner voraussagten — keinen oder nur sehr geringen Erfolg gehabt. Und die Aus* sichten für den Drive des Keren Hajessod in Amerika sind sehr bescheiden und dürften mit und ohne die „große" Delegation, deren Entsendung die letzte A.*C.*Sitzung als ihren einzigen Beitrag zur Lösung der Wirtschaftsprobleme beschloß, wie leider zu befürchten ist, nicht unbeträchtlich hinter den offiziellen Schätzungen und tatsächlichen Notwendigkeiten zurückbleiben, so daß wir wirklich hinsichtlich der zionistischen Wirt* schaft von sehr unerfreulichen Möglichkeiten stehen, über deren Ausmaß und Bedeutung man sich in der Galuth entweder kein rechtes Bild machen kann oder, wie auf der letzten A.*C.*Sitzung, machen will. Natürlich müßten die verantwortlichen Leiter der Jewish Agency in Palästina sofort mit letztem Nachdruck alle Maßnahmen vorbereiten, um den kommenden schweren Zeiten zu be*

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