Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 180 (27.2.1931)
- Date
- 1931-02-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 180 Dlfi NEUE WELT Seite I gpiniiiiiiiM 1 VCTbftttd demokratischer Zionwicn | 5 UttmKKmmmmmtmmmmtKm^^mmm^tKimm^t^mmmMmmm^m^mmmmmmm 3 | Mittwoch, den 4. März 1931, 729 Uhr abends, | | im Verbandsheini, II, Untere Auga» tenstraße 38 j | Grone Purimf eier Die Gruppe Oskar Teller bringt die politische Satire i („Juden hinaus" 1 g Revue von Viktor Berossi § 1 Aus dem Inhalt: Jüdische Weltherrschaft 1950 j g Judith und Holofairbanks g Joseph und Potiphar s m Esther und Haman oder §j 1 Elisabetn von Persien §§ | EINTRITTSKARTEN 4 $ 1'- | 1 Karten zu haben bei der Administration der „Neuen I 1 We.t", Ii, Untere Augartenstr. 38, Telephon A-45-6-34, | § Warenhaus Brüder Schiffmann, H, Taborstraße 48, | Frau Buchbinder, Telephon R-48-1-38 j iiiiiiililiiililiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiliiillliliiliiiiiiiiiliiiiiiiliiiiilliiliiiiiiililiiliiiiiiii^ arabischen Fellachen geknüpft ist, sondern nur derjenigen, die durch Juden depossediert wurden. 3. Es wird eine besondere Studienkommission zu« gesagt, die die Aufgabe hat, festzustellen, ob es unter den nichtbearbeiteten Böden solche gibt, welche bearbeitungs* fähig sind und für die jüdische Kolonisation bereitgestellt werden können. . Das ist eine alte revisionistische Forderung. m w 4. Die Ausgabe von Zertifikaten wird nicht von der allgemeinen, sondern von der jüdischen Arbeitslosigkeit abhängig gemacht werden. 5. Bei der Einstellung von Arbeitern für die Re* gierungsunternehmungen wird man nicht das Verhältnis der jüdischen und arabischen Bevölkerung als Schlüssel nehmen, sondern das der Steuern, die von den beiden Be* völkerungsteilen in die Staatskasse fließen. AU das sind positive Momente — nichts* destoweniger besteht diese „positive Seite" in nichts ande« rem als in der Ab 1 egun g früherer negativer Bestimmungen. Es besteht aber in MacDonalds Brief eine ganze Reihe von Punkten, welche an und für sich äußerst gefährlich sind. Das sind folgende Momente: a) Es wird kategorisch erklärt, daß die vollständige Lösung des ganzen Problems insoknge unmöglich ist, als his es nicht zu einer Verständigung, zwi* sehen Juden-und Arabern gekommen ist. Bis dahin werde die Regierung für ein Gleichgewicht zwischen den beiden Parteien sorgen. Das bedeutet prak* tisch, daß die.. Lösung unseres Problems zur Gänze von den Arabern abhängt. Wäre ich, erklärt Jabotinsky, einer, der arabischen politischen Führer, die den Zionismus bekämpfen, würde ich einfach sagen: Ich gehe auf eine Verständigung mit den Juden nicht ein, und mache somit die Lösung des zionistischen Problems unmöglich. MacDonalds Brief gibt in diesem Sinne unseren arabischen Gegnern eine mächtige Waffe in die Hand. b) MacDonalds Brief erklärt, daß die Regierung sich für verpflichtet halte, damit zu rechnen, wie die jüdische Kolonisation auf die arabischen Nachbarn der jüdischen.Kolonisten wirke. Diese Erklärung gibt der antizionistischen Administration vollständig die Mög* lichkeit, stets zu behaupten, daß die Erfolge der jüdischen Wirtschaft auf diesem oder jenem Gebiet auf die Lage, irgend einer arabischen Gruppe ungünstig wirke. Purimfreuden* Das Buch Esther ist im Rahmen der grandiosen biblischen Schriften jedenfalls ein Fremdkörper. Es reflek* tierfc weder ein historisch beglaubigtes Ereignis noch ver* mittelt es in seinem geistigen Inhalt die Empf indungs* und Vorstellungswelt des Volkes, dem es, das Buch Esther, seine Huldigung darbringt. Bibel* und Geschichts» forschung wissen wenig damit anzufangen und jüdisch» religiöser Mythos und Satzung haben es so ziemlich links liegen lassen. Erst in späteren Zeiten bitterster Unterdrückung kam die Esther*Legende dem der Realität zu entfliehen suchenden Wünschtraum naturgemäß entgegen und so konnte sie allmählich das Terrain abgeben für die Flucht in die Freude, die mit dem Stofflichen des Buches wenig mehr gemein hat. Das ist auch die Wurzel der fundamentalen Verschiedenheit von Freudenfest« begehungen, von Simchat Thora und — lehawdil — Purim. Das Buch Esther ist ein Fremdkörper in der jüdischen Empfindungswelt. Das antike Judentum kannte seine Frühlings* und Erntefeste, das jüdische Mittelalter erfüllte Freude und Dank vor Gott in dem Gesetz, Aber Purim wurde zum Volksfest; zum Faschingsmumme n» schanz des kleinen Mannes, zur Quelle seiner emotio* nellen Aeußerungen in Rhythmus, Maskierung und Ge* berde. Es wurde es in unvermeidlicher Anlehnung an eine Umwelt, die Jahr um Jahr mit ihrem Fasching vor den Toren des Ghettos brandete. Und wie die mittel« alterliche Mystik in Sohar und Kabala ihre fundamental umgeformte jüdische Prägung erhielt, um neu und ur» sprünglich schöpferisch zu werden, so wurde der nicht« c) Bezüglich der Bodenkäufe wird erklärt, daß die Palästina*Regierung nur in Ausnahmsfällen eine Kontrolle ausüben werde. Für die Kontrolle wird ein spezielles Organ geschaffen werden, vorläufig aber werde der Oberkommissär die Kontrolle ausüben. Das ist sogar nicht nur eine Wiederherstellung der vor dem „Weißbuch" bestandenen Lage, es ist eine neue Sache, eine Verschlimmerung des früheren Zustandes. Alles wird in die Kompetenz der Palästina^Administration gelegt. Sie allein wird zu bestimmen haben, ob dieser oder jener Fall einen „Ausnahmefall" darstellt und ob sie berechtigt sei, einzugreifen. d) MacDonalds Brief schafft die feindseligen Be* merkungen über das Prinzip jüdischer Arbeit in jüdischen Unternehmungen ab. Im Brief steht, daß die Juden zwar berechtigt sind, in ihren Unternehmungen ausschließ» lieh jüdische Arbeiter zu beschäftigen, aber wenn die Folge davon die Vergrößerung der arabischen Ar» beitslosigkeit sein sollte, werde die Regierung einen* solchen Zustand nicht außer acht lassen können. Das bedeutet praktisch, daß uns, wenn einmal die gänzliche Durchführung des Prinzips der jüdischen Arbeit gelingen sollte, die feindliche Palästina*Administration ständig wird den Vorwurf machen können: Seht, so viel und so viel Arbeiter der Nachbar* dörfer haben in der und jener jüdischen Kolonie ihre Arbeit verloren. Wie man sieht, hängt alles von der Beschaffenheit der im Lande herrschenden Administration ab, die die Bestimmungen des MacDonald'Briefes auszu* führen hat. Die heutige PaIästina»Administration steht dem Zionismus prinzipiell feindselig gegenüber. Einer Reform der Administration wird aber mit keinem einzigen Wort Erwähnung getan. Und das macht alle Hoffnungen zunichte, die an MacDonalds Erklärungen geknüpft werden. Eine feindliche Administration ist in der Lage, alle günstigen Bemerkung gen des MacDonald*Briefes zunichte zu machen. Eine Interpellation Howard Burris' und Hopkins' im Parlament beantwortend, erklärte MacDonald, daß das äff 9 Nur diese B W f f 4 dAmlt^* Schwedenklinge £ J| Uf §rWVT&* macht Rasieren & zum, Vergnügen Die führende schwedische Weltmarke „Weißbuch" das maßgebende dominierende Dokument in allen jenen Fragen bleibe, die im Brief an Doktor Weizma'nn nicht berührt wurden. In dem Brief wird nicht gesagt, daß der Plan zur Schaffung eines Parlaments in Palästina annulliert wird. Er bleibt also bestehen, ein Parlament wird geschaffen. Dennoch hat die zionistische Exekutive es für mög« lieh gefunden, zu erklären, daß MacDonalds Brief zu» reichende Basis für die Wiederherstellung der Beziehung gen zu England und des Vertrauens des jüdi* sehen Volkes bilde. Das ist eine Erklärung, daß der Kampf zu Ende, der Friede wiederhergestellt sei, daß das jüdische Volk wie früher Vertrauen zu England und zur Regierung haben könne. Das ist ein falscher und schäd* licher Schritt. Aus dem Mißtrauen der jüdischen Massen ist jene große politische Aktion entstanden, jener ge* waltige Druck, der die ersten Erfolge unseres politi« sehen Kampfes gebracht hat. Jetzt wird die DemobiUV Bei Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrensausen, gestörtem Schlaf, schlechter Laune, gereizter" Stimmung greife man sogleich zu dem altbewährten „Fr4nfc*Josef"* Bitterwasser. In Apoth. u. Drog. erhältlich. E sierung erklärt, alles soll beim alten bleiben, der Kampf zu Ende. Gegen all das legen wir unser Veto ein« MacDonalds Brief ist keine Basis für ein Zusammenarbeiten mit der englischen Regierung. Eine Kooperation mit der Re» gierung ist unmöglich. Die jüdischen Massen hegen zum administrativen Regime in Palästina und zu dessen Londoner Herren tiefes Mißtrauen. Man kann nicht an Demobilisierung denken, sondern nur an Verdopplung des Kampfes für eine Reform der Palästina*Admlni8tration, gegen das Parlament, für vollständige Annullierung des Weißbuchs, für ein Kolonisationsregime in Palästina. Zu einem solchen Kampf braucht man andere Führer, andere Verteil diger unserer gerechten Sache! Der Vortrag Jabotinskys war von tiefster Wirkung und bildet den Ausgangspunkt leidenschaftlichster Dis« kussionen in den jüdischen Kreisen von Paris. Unterhausdebattc über die militärische Sicherung Palästinas. London, 23. Februar. (J. T. A.) Anläßlich der Vorlage des Ergänzungsetats für den Kolonialdienst und den Dienst im Mittleren Osten erklärte der Unterstaatssekretür für die Kolonien Dr. Drummond Shiels im Unterhalts, Palästina habe, wie alle anderen Agrarländer, schwer unter der Wirtschaftskrise gelitten und könne daher ohne Beihilfe der englischen Regierung zu den erhöhten Kosten der Landesverteidigung sein Budget nicht ausbalancieren. Die Regierung Sr. Majestät, fuhr Unterstaatssekretär Shiels fort, hat beschlossen, in Palästina gegenwärtig eine Streitkraft von zwei Infanteriebataillonen aufrechtzuerhalten. Außerdem wurden in Palästina und Transjordanien zwei Flugzeuggeschwader und vier Panzerautomobilabteilungen stationiert. Dr. Shiels legte sodann eine Reihe von Nachtragskrediten für Palästina und Transjordanien vor. In der darauffolgenden Debatte erklärte der ehemaili'ge Staatssekretär für die Kolonien, Amery, es herrsche allgemeine Uebereinstimmung darüber, daß die Palästina-Politik auf Grund der wohl überlegten Meinung der Regierung geführt werden müsse und durch lokale Unruhen nicht beeinflußt werden dürfe. Commander Kenworthy sprach über die hohen Kosten, die Transjordanien verursacht und trat für dio Besiedlung Trans Jordaniens durch Palästinenser ein. In ähnlichem Sinne äußerte sich Major II o p k i n (Labour), der Transjordanien als ein Land von großen Möglichkeiten bezeichnete. Bezüglich Palästinas, fragte Major Hopkiu, Wie weit das System der den jüdischen Kolonisten erteilten Erlaubnis, verschlossene Waffenlager zu haben, ausgebaut worden sei, und schlug vor, das Netz dieser Waffenlager zu vergrößern. Zahlreiche jüdische Kolonisten seien ehemalige Soldaten und es müsse in Erinnerung gebracht werden, daß bei den letzten Unruhen kein einziges arabisches Dorf von Juden angegriffen wurde. Major Roß (Kons.) erklärte, jedermann, der ein aktives Interesse an der schwierigen Situation in »jüdische Fasching zum Rohstoff für die jüdische Purimbegehung — auf der Ebene primitiver Volkstümlichkeit. Das in einem Meer von Fremdem inselartig ruhende Ghetto hatte die wundersame Kraft, alles, was das Leben ihm an Fremdem aufzwang, von Grund auf umzuformen und seiner Art organisch einzuverleiben. So wurde aus einem mittelhochdeutschen Dialekt das jiddische Idiom, aus dem Fasching der mit nationalem Inhalt erfüllte Purim; aus ihm die jüdische Volksbühne. Purim hat rasch Fuß gefaßt. Die Figuren aus dem Buch Esther nahmen wunderliche Formen an. Die Volks* phantasie bemächtigte sich ihrer, nahm sie zum Ausgangs* punkt komödiantischer Triebe, der so eigentümlichen jüdischen Volkssatire, der Bitternis, des Humors, des Hohns und der Selbstpersiflage. Haman, Aschaschwerosch, Mordechai und Esther wandeln als Grundelemente symbolhaft durch die Straßen des Ghetto, vermummt, lärmend, tanzend, Texte singend, die in primitiven Versen Narretei und Ausgelassenheit boten, ja — wundersam genug im Ghetto — bisweilen auch erotischen Charakter trugen. Noch bis vor wenigen Jahren konnte man in jüdi« sehen Städten und Städtchen des Ostens in den Purim* tagen unverfälscht ein jüdisches Faschingstreiben sehen; verkleidete Gruppen, die von Haus zu Haus wanderten, Ulk trieben, derbe Streiche sich gestatten durften und in ihren Purimliedchen ihre jüdischen Mitbürger persiflier« tcn. Bettler wurden beschenkt, die Familien unterein« ander überraschten sich mit Speiseliebesgaben, man trank nach Herzenslust und verhöhnte den, der es nicht tat: „Ein ganz Jahr sehiker, Purim nüchternl" Das jüdische Palästina setzt die Tradition J fort: Karneval in TeUAwiw ist ein Begriff geworden. Neu, lebendig und jüdisch wie alles im neuen Palästina, ver« stehen es unsere Tel*Awiwer, Purim zu einem wirklichen Volksfest zu machen, den Tag zu benützen, um, losgelöst von den alltäglichen Sorgen, eine Welle von Freude über die moderne Stadt zu gießen. An diesem Tag gilt neben dem Scherz die Satire — auf unsere „politischen Fak* toren", die manch ergötzliche und bittere Karikatur über sich ergehen lassen müssen. o. t. Brief aus Palästina* Kunst in Palästina. — Hubermann vor den Respektlosen. Von Dr. Wolfgang Weisl. Motto: „Ernst ist das Leben, und noch viel ernster miuß die Kunst sein . . ." Palästina war durch den Besuch eines der großen Musiker unserer Zeit begnadet worden durch den Besuch Hubermanns, des Meisters der Geige, eines Juden, der durch seine tiefe Wärme, seine schlichte Seele turmhoch über den anderen großen Geigern unserer Zeit steht, die ihren Ruhm mehr der Technik als dem Geist, mehr der Aeußerlichkeit als der Seele verdanken. Hubermann spielte in Jerusalem; das Theater war ausverkauft; das Publikum — ausschließlich Juden und ein paar Engländer, aber natürlich kein einziger Araber — War festlich gestimmt. Und trotz alledem: Dieser Konzertabend eines großen Juden vor einem jüdischen Publikum, in der jüdischen Stadt Jerusalem, war eine Schande für uns, zeigt« die eklige Wunde unserer Respektlosigkeit, unserer Unfähigkeit, Ordnung in eigenen Reihen zu halten, unserer