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Die neue Welt · 1931-02-27 · Heft 180 (27.2.1931) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 180 (27.2.1931)
Date
1931-02-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seile 2 DIE NEUE WELT zeichnet, mit dem sich gut und leicht verhandeln läßt. Die Araber lachten. Und die Zionisten? Einige Protesterklärungen, einige scharfe Worte. Damit war der Vorrat an zionistischer Energie erschöpft. Der Mann, der den Zionismus zerbrechen und die Stücke den anderen vor die Füße legen will, blieb weiter der Führer. Ja, man bat ihn, zn bleiben. Die ersten, die ihn darum baten, waren Vertreter der palästinensischen Judenschaft. Das soll unvergessen bleiben als Marke des Tief Standes. Jetzt war noch der Streich gegen die letzte große Schöpfung des Herzischen Genies zu führen, gegen den Z i o n i s t e n k o n g r e ß. Er fiel prompt. Weizmänn hat dem Zionisteilkongreß sein Be schlußrecht vorweggenommen, ihn vor vollendete Tatsachen gestellt, ihn heillos erniedrigt. Wieder holt und feierlich wurde in Anwesenheit und mit Zustimmung Weizmann« beschlossen^., daß nur der Zionistenkongreß befugt ist, in der Frage der Ver handlungen mit der englischen Regierung und dem Völkerbund die Entscheidung .zu treffen. Das Ja und N e i n in der für den Zionismus lebenswichtigsten Frage hat der Zionistenkongreß zu sprechen, nur der Zionistenkongreß! Weizmann ist verächtlich über diesen Beschluß hinweggegangen. Mit einem Briefe, der in einem Schwalle liebenswürdiger Fragen die Feststellung enthält, daßesvonderZu Stimmung der palästinensischen Araber abhängt, ob das j ü d is ch e N a t i o n a lh e i m errichtet werden darf, hat der englische Premier den wichtigsten Teil der mit den Zionisten geführten Verhandlungen abgeschlossen. Triumphierend konnte Mac Donald im englischen Parlament erklären, daß die z i o n i s t i s c h e n F ü h r e r befriedigt sind. Die „Times" konnte schreiben: „Die Erklärung Dr. Weizmanns, daß durch den Brief des Ministerpräsidenten die Basis einer, Kooperation zwischen Mandatarmacht und Zionisti-; scher Organisation wiederhergestellt ist, kann mit Befriedigung zur Kenntnis genom in e n werden." Am 15. Juni wird vor der Mandatskommission des Völkerbundes in Genf das Palästinaproblem Besprochen werden. Der englische Vertreter wird die Diskussion seelenruhig ab-* schneiden können mit dem Hinweis darauf, daß die zionistischen Führer ihr Ein v e rständnis mit dem M a c - D on al d - B iri e f erklärt und „Ja" dazu-gesagt haben, daß die Errichtung des jüdischen Nationalheims, von der Zustimmung des Großmufti, des aus dem Kerker ge4 holten Pogromverbrechers,^abhängig gemacht wird. Sie können mit Recht so sprechen, denn Weizmann hat ohne das geringste Bedenken die feierliche Vereinbarung, daß dem Zionistenkongreß die Entscheidung überlassen bleibt, gebrochen und ein freudiges ,Ja" in die Welt gerufen. Noch v o r Veröffentlichung des Mac-Donald-Briefes Jiat er eine Erklärung hinausgegeben, in welcher es heißt: „Es war für mich eine Freude, den Brief 'des'Premierministers zu erhalten, der, wie ich höre, morgen veröffentlicht werden soll. Wenn ich mich zu diesem Brief äußere, so kann ich lediglich für meine eigene Person sprechen. Obwohl ich diesen Vorbehalt machen muß, glaube ich dennoch sicher zu sein, daß ich den M e inungen und Empfindungen eines wesentlichen Teiles der offen t- \ lachen jüdischen Meinung Ausdruck, gebe/ Ich bin voller Hoffnung, daß die drei Parteien, die Mandatsregierung, die Araber und wir selbst jetzt zusammenkommen werden und einen konstruktiven Plan für das künftige Wohl und die Entwicklung von Palästina ausarbeiten werden." * Der Zionistenkongreß, der als oberstes Forum, als höchster Ausdruck des Volkswillens geschaffen wurde, ist in seinem Innersten getroffen. Weizmann und die, die ihm Gefolgschaft leisten, können das traurige Verdienst für siejx. in Anspruch, nehmen, den von Herzl errichteten Grundpfeiler des politischen Zionismus erschüttert zu haben. Mit stolzer Freude 6ahen die Zionisten immer ihrem Kongreß entgegen. Diesmal harren sie seiner in bangein Schmerz. Die Antwort der Palästina-Araber auf den MacDonald-Brief* Jerusalem, 18. Februar. In einem Gespräch mit dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur hat Uer Sekretär der palästinensisch-arabischen Exekutive Moghanan E f f e n d i erklärt, durch das neue Statement äer englischen Regierung über Palästina werde das Weißbuch annuliert. Die Regierungserklärung gebe den Juden neue Rechte, wie z. B. den festen Artspruch auf Beteiligung an den in Palästina ausgeführten öffentlichen Arbeiten, ein Anspruch, der vorher nich^ bestand. Das Statement zeigt, fuhr Moghanan Effendi fort, daß die britische Regierung nichts als ein Werkzeug in den Hunden Dr. W e i z tu a uns und der KINDER-PURIM-FEIER Der Verband demokratischer Zionisten veranstaltet auch heuef anläßlich des Purlmfestes Im Theater fceklame, ii.Rmwtttf.8i 2 KINDERFEIERN Zur Aufführung gelangt ein von Frau Else Nebenzahl verfaßtes Stück „Ptfflttl Iii f el.Awlw". Es Wirken ausschließlich Kinder mit, Einstudiert durch fräuleirt Steffi Stahl. — Die Vorstellungen finden am" Samstag, den 7. März* und Sonntag, den 8. März, um halb 5 Uhr nachmittags statt - Vormerkungen auf Karten bei den Damen: Margit Buchbinder, Tel. R-48-1-38; Else Nebenzähl, U-12*2-16; Paula Stricker, A-48-1-89; und in der Administration „Neue Welt", II., Augarienstraße 38, Tel. A*45-h-34. anderen europäischen Juden ist Die in dem neuen Statement gemachte Unterscheidung zwischen landlosen und ,,d i s 1 o z i e r t e n" Arabern, wobei etJ klärt wird, daß die Regierung nur jenen Arabern Ansiedlungshilfe gewähren wird, die nachweisen können, daß sie durch Ucbergang ihr,es Bodens in jüdische Hände landlos geworden sind, bedeutet einen Raub an der arabischen Bauernschaft, die 75 Prozent der Bevölkerung Palästinas bildet. Die palästinensischarabische Exekutive, erklärte Moghanan Effendi am Schlüsse der Unterredung wird in den nächsten Tagen ihre Antwort auf das heue Statement der englischen Regierung veröffentlichen. V Jerusalem, 19. Februar. Nunmehr liegt der offizielle englische Wortlaut des von der arabischen Exekutive dem High Comniissioner iibergebenen Protestschreibens vor. In dem von Muza Kazim Pascha unterzeichneten Schreiben heifit es u. a.: „Diese Politik des Schwankens ist eine höchst ernste Angelegenheit und kann dazu führen, daß dadurch, daß die Araber ihr Vertrauen zur britischen Regierung verlieren, eine tiefe Kluft zwischen der arabischen Bevölkerung und der Regierung Seiner Majestät entsteht. Ich versichere Eurer Exzellenz, daß Ministerpräsident MacDonald durch diesen Brief jede Hoffnung auf eine Politik der Kooperation zwischen Arabern und Juden, wenn jemals eine solche Hoffnung bestand, zerstört und eine Verständigung zwischen den beiden Parteien absolut unmöglich gemacht ist. Ith, iiberlasse^ es der Exekiitive des 7. arabischen.: Kongresses, ■jene politischen Richtlinien vorzuzeichnen, die sie im Hinblick auf die im Briefe des Ministerpräsidenten MacDonald an Dr. Weizmann festgelegte Politik der britischen Regierung als den Interessen des Landes förderlich erachten wird. * Jerusalem, 22. Februar. Die arabische E x i: k utive veröffentlicht einen Aufruf an die arabische und mohammedanische Welt, in dem die Mohammedaner aufgefordert werden, sich zu vereinigen und sich einzig und allein auf die eigene Kraft zu verlassen. Invdem Aufruf wird gegen MacDonald der Vorwurf' erhoben, daß er die Rechte der Juden erweitert und aufs, neue die dem arabischen Volk gegebenen Versprechungen gebrochen habe. Der Regierungsbrief habe endgültig gezeigt, daß nicht langer Gerechtigkeit von Seiten der britischen Regierung erwartet werden kann. Mac Donald habe den letzten Rest des Vertrauens der Araber zerstört. Schließlich werden in dem Aufruf die Araber Syriens und des Irak aufgefordert, sich dem Bo y k o 11 gegen die Juden anzuschließen und ihn durchzuführen, bis die große jüdische Gefahr endgültig beseitigt sei. Wenn man in Betracht zieht, daß MacDonald in seinem Briefe die Zustimmung der Araber als Bedingung für den Aufbau des Jüdischen Nationalheims gesetzt hat, erscheinen der Sinn des Briefes und die Absicht seines Verfassers, der in der zionistischen Sache nicht zum erstenmal ein Doppelspiel treibt, in vollem Lichte. Die freudige Erklärung Dr. Weizmanns, daß nunmehr eine Verhandlungsbasis (ür Zionisten und Araber gegeben sei, mutet unter solchen Umständen sonderbar an. Jabot ansky über MacDonalds Briet;" .:t: b ,;, _,. Eine Rede in Paris* Ii'; Von unserem Korrespondenten J. Schlechtmarin (Paris). v ivh"- ••»: P a r i s, 17. Februar. JaBoiihsky hat1 zwar in 'Paris," seinen Wohnsitz, aber er tritt dort seltener ih'clie Öeffentlichkeit als anderswo. Zuletzt sprach er hier vor Jahren in einer Versamm* hing, Und zwar unmittelbar nach den blutigen Ereignissen vom August 1929;- Schön aus diesen* Grunde hat die Pariser Juden* Schaft die Nachricht, daß Jabotinsky einen Vortrag halten werde, mit größtem Interesse aufgenommen. Dieser Vor* trag Jabotinskys, mit dem Thema „Die politische Lage des Zionismus", fand am 15. Februar statt. Die Teilnahme verstärkte sich noch durch den Umstand, daß gerade der Brief MacDonalds an Doktor Weizmann veröffentlicht wurde, der den Ab* schluß des ersten Teils der Verhandlungen bildet, und man begierig war, Jabotinskys Stellungnahme zu der neu* geschaffenen politischen Lage zu erfahren. In einer zweistündigen Red.e hat Jabotinsky alle Hauptprobleme des Zionismus in ihrem ganzen Umfang umrissen. Neu und interessant für die ganze zionistische Welt wird aber vor allem Jabötinskys Analyse und Be* urteilung des MacDonald*Briefes und der Auf« gaben sein, die sich jetzt für das1 jüdische Volk ergeben. MacDonalds Brief — erklärte Jabotinsky — ist ein Kommentar zum Passfieldschen ,,Weißbuch". Sie werden es nie bereuen wenn Sie den Rat befolgen, Ihren Körper widerstanusfähig unu widerstandskräitig zu machen. Im Kampf ums Dasein spielt es eine große Rolle, daß Sie keinen Tag verlieren daß Sie durch keine Erkältung gezwungen werden, tagelang Ihrem Berufe, Ihrer Bescnäftigung fernzubleiben. Gebrauchen Sie ständig jeden Tag DIANA FRANZBRANNTWEIN mit M«nfhol und Sie schützen «ich am besten gegen alle Unbill des Winters und des Alters. In jedem basieren Geschäfte erhältlich. Verlangen Sie ausdrücklich „DIANA" und nthmen Sie mir „DIANA**. Minderwertige Nachahmungen sind energisch swrticksuweisen. Die Gefahr besteht darin, daß dieses Dokument im Sinne eines offiziellen Regierungsaktes jene Lage . fixiert, die faktisch schon mehrere Jahre hindurch in Palästina existiert und auf die zionistische Aufbau« arbeit vernichtend wirkt, .. wobei man aber gleichzeitig auch die Bedeutung des „Weißbuchs" überschätzt. Man glaubt, es genüge, von England die Abschaffung des Weißbuchs zu fordern, damit sich alles wieder in friedliches Wohlgefallen auf« löse. Das ist ein schwerer Irrtum, weil, wie gesagt, das! „Weißbuch" überhaupt nichts Neues geschah fen, sondern nur das bereits bestehende Regime in Palästina in schriftlicher Form sanktioniert hat. Es hat dieses Regime; für normal und gerecht erklärt. In Wirklichkeit bedeutet das „Weißs buch" den „Status quo ante" in Palästina. Die Abschaffung des „Weißbuchs" wird überhaupt nichts an der Sache ändern. Wir werden eben nur wieder bei der bereits existierenden Lage anlangen. Jabotinsky erzählte die Anekdote vom armen Juden, dem Rabbi und der Ziege. Acht Kinder hat der arme Jude in der engen Stube und ein krankes Weib Und eine taube Großmutter. Es ist entsetzlich. — „Hilf mir, Rabbi!" — Sagt der Rabbi: „Nimm noch die Ziege aus dem Stall in die Stube!" — „Rabbi?!" — „Geh!" — Und der arme Jude geht und nimmt die Ziege in die Stube. Nach einer Woche frägt der Rabbi: „Wie geht's jetzt?" — „Unerhört sind meine Qualen, Rabbi!" — Sagt der Rabbi: „Nimm die Ziege aus der Stube und gib sie wieder in den Stall." — Der Jude geht und tut so. Nach einer Woche frägt der Rabbi: „Wie ist es jetzt?" — „Danke, Rabhi. danke. Jetzt ist es leichter!" Jabotinsky führte aus; Es hätte sich wahrlich nicht gelohnt, den großen Proteststurm zu erregen und das ganze jüdische Volk zu mobilisieren, nur um die „Ziege" aus der Stube zu vertreiben! Man muß kämpfen für ein Kolonisationsregime in Palästina. Von diesem Standpunkt aus muß man auch MacDonalds Brief beurteilen, der einen Kommentar zum „Weißbuch" dar* stellt. Auch hier ist es nicht zweckmäßig, zu unterschätzen oder zu überschätzen. Der Brief enthält einige sehr angenehme unü sympathische Punkte, sein allgemeiner Ton ist — be* sonders im Vergleich mit Passfields „Weißbuch" — ein ganz wohlwollender. Das Günstige in MacDonadls Briet, kurz zusammengefaßt, besagt folgendes: 1. Der Brief erklärt, daß die Möglichkeiten der 'Auf; nahmsfähigkeit Palästinas nicht erschöpft sind und d<iß man sie systematisch entwickeln kann. 2. Es wird deklariert, daß die Vorbedingung jüdischer Bodenkäufe nicht an die Versorgung, aller landlosen

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