Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1931-02-20 · Heft 179 (20.2.1931) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 179 (20.2.1931)
Date
1931-02-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2711613-2711790-2711798--2349-2715635
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 179 Großer Preissturz! Prima Rindfleisch 9*0 per Kilogr., nur ein Preis SM unter strengster Aufsicht des Ehrw. Rabbinats der israelitischen Kultusgemeinde «n na. J. GlUcksmann, Fleischhauer, Wien II, Molkereistraße 4 »ich Rektor Schwarz durch den Glauben an die große nationale Wiedergehurt de6 jüdischen Volkes. Sein Glaube war dde zionistische Idee in dem Sinne, daß. ein geeintes Volk auf eigenem Boden in Palästina in der Lage sein werde, wieder autonom wirksam zu sein. Fünfundsiebaig Semester lehrte Rektor Schwanz an der Israelitisch-theologischen' Lehranstalt. Er verstand es, den' sprödesten Stoff neu zu beloben und zu formen. Zu den Resultaten seiner Forschung gehören u. a. die Werke über die „Mischna", über die „Midoth" und über den jüdischen Kalender. Bis in die letzten Stunden seines Lebens ist Rektor Schwarz geistig tätig gewesen. In dem der irdischen Welt fast schon nicht mehr gehörenden Körper wirkte ein edler Geist, beispielgebend für alle, die Gelegenheit hatten, den greisen Gelehrten knapp vor seinem Hinscheiden zu sehen. Es war dev letzte Wille des Verstorbenen, als einfacher, schlichter Jude aus dem Volke bestattet zu werden. Er, der große Lehrer und gütiige Mensch, hat nach einem an Arbeit und Erfolg reichen Leben neben seinem Schüler Zwi Perez C h a j e s seine ewige Ruhestätte gefunden. * Die Trauer des J. A. V. „Theologie". Ungeheure Niedergeschlagenheit rief der Todesfall des Rektors Adolf (Arjeh) Schwarz namentlich in den akademischen Kreisen hervor. Der Delegiertentag des Gesaantverbandes der jüdischen Studenten Oesterreichs „Judäa", der am Samstag, den 14. d. M., stattfinden sollte, wurde auf eine Woche vertagt. Die Hörer der Isr.-theoJ. Lehranstalt riefen eine 3ötägige Trauer aus. In der Sdiuvah-Woche fallen sämtliche Vorlesungen aus. Die Hörerschaft beschloß ein Sijum-Mischnajoth zu Schloschim und ein Sijum- Haschaß zur Jahrzeit zu vollenden. Außerdem wird die Hörerschaft, um das Andenken ihres Rektors zu ehren, ihn in das „Goldene Buch" des Kereu-Kajemeth eintragen. pilllllilllllllllllllllllllllllllllllllM r ä I Mittwoch, den 4. März 1931, l/39 Uhr abends,! 1 im Verbandsheim, II, Untere Augaitenstraße 38 I sisss Purimf eier Wir bringen die politische Satire „Juden hinaus" Revue von Viktor Berossi Aus dem Inhalt: Jüdische Selbstherrschaft 1950 Judith und Holofairbanks Joseph und Potiphar Esther und Haman EINTRITTSKARTEN Ä I f- Iüui miiiiniimrttiHi Zionistische Jugend? Schulter an Schulter mit Renegaten. — Kein Zionismus, dafür Zynismus. — Ein trauriges Erziehungsresultat. Vor zwei Wochen druckte die „Neue Welt" die Zuschrift eines Lesers ah, welche tadelnd darauf Bezug nahm, daß ein Verein zionistischer Akademiker — es handelte sich um den „Verein zionistischer Hocih sch ü ler Z.P.Chajes in Wien"-—zu seinen Veranstaltungen Tauf juden als Referenten lädt, was aus einer Ankündigung im offiziellen zionistischen Organ zu erseihen war. Der Briefschreiiber protestierte gegen diese Verunglimpfung des Zionismus und die Verunehrung des Namens Ghajes. des Maronas, für den Kampf gegen das jüdiseihe Renegatentum wesentlichen Inihalt seines Lebenswerkes bedeutete. Die Redaktion der „Neuen Welt" glauibte in einer Nachschrift zu dem Briefe die jungen Veranstalter entschuldigen zu dürfen. Sie bemerkte, daß den Veranstaltern nicht bekannt gewesen sein dürfte, daß ihr Referent Taufjude ist. Die Redaktion der „Neuen Welt" hatte aber darin unrecht. Das geht aus der folgenden Zu* schrift des Vereines deutlich und traurig hervor: „Wien, am 9. Februar 1931. Geehrte Redaktion! . Der Verein zionistischer Hochschiiler Z. P. Ohajes err sucht um Aufnahme folgender Berichtigung: Es ist nicht anzunehmen, daß Ihr Herausgeber wußte, daß Hwr Dr. Richard P r e ß b u r g e r ein Tauf jude sei, _DIENEUE WELT da Herr Dr. Preßburger nie getauft war, im Gegenteil jede Taufe, die aus Mode oder zur Erlangung hoher Stellen empfangen wird, vom moralischen Standpunkt verurteilt. Es ist bedauerlich, daß leere Gerüchte ohne eingehende UeberprUfung als Tatsachen präsentiert werden. Außerdem ist unsere Einstellung zur Wissensdiaft nicht eine solche, daß wir Persönlichkeiten von Weltruf, die bereit sind, in unserem Kreise einen rein wissenschaftlichen Vortrag zu halten, auf ihren Stammbaum untersudien. Es 6ind dies Methoden unserer glorreichen Universität, die Sie und wir verdammen und die zu pflegen nicht unser Programm ist. Hoch* achtungsvoll, mit bestem Dank und vorizüglicher Hochachtung, Verein zionistischer H 0 c h s c ih ü 1 e r Z. P. Chajes." * Vorerst sei festgestellt, daß Herr Dr. Richard Preßburger vor dem Kriege, dem Zuge dieser Zeit folgend, zum Christentum übergetreten ist, sich hat taufen lassen. Nach dem Umsturz ist er, wie viele andere Täuflinge, dem Zuge der geänderten Zeit folgend, konfessionslos geworden. Vom „moralisdien" Standpunkt ausgehend. Wie denn nicht! Herr Dr. Ridiard Preftburger ist ein vielbesdiäftigter Rechtsanwalt. Auf die Qualifizierung als Wissensdtaftler von Weltruf erhobt er wohl selbst keinen Anspruch. Aber diese beiden Feststellun* gen werden nebensächilich, unwichtig in Ansehung des letzten Teiles des Briefes dieser „zionistisdien" Akademiker. In seinem Schluß wird der Brief zum Dokument jüdischer Charakterlosigkeit, gepaart mit Unverfrorenheit und Zynismus. Es ist ein Brief junger Menschen. Das ist aber keine Milderung, das ist eine Erschwerung. uiillillllllllllllllilllllilllllllllillliillllliilillllllllllilllllllllllii: ICLUSIUSBAD I ■BNNNBNNBBNNNNNBBBNBMn 1 KUR- U. BADEANSTALT § | WIEN IX, CLUSIUSGASSE 12, TEL. A-1&-M0 | E Bei der Ftiedensbrücke. Elektr.-Linlen E 5 D, 36, 5, 3, 15, Stadtbahn | I ORIG. RUSSISCHE STEINSCHWITZBADER I 5 MIT BESEN. KUKBÄDER, SCHWEFEL S § BÄDER, WANNENBÄDER ETC. j| ^IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII^ Jugend ist Entschuldigung, wenn es sich etwa um Ueberbetonung des nationalen. Ehrenstandpunktos handelt. Hier handelt es1 sich umr das ■.: Gegenteil. Hier betonen junge, sich Zionisten nennende Menschen ein Recht, mit dem Taufjudentuni, der niedrigsten Art des Verrates am jüdisdien Volke, zu fraternisieren. Sie drapieren ihre jämmerlidie Einstellung zum Taufjudentum mit Ab g e k1 ä r t h e i t und Liehe zur Wissenschaft. Wie Komödianten von der Schmiere. Aus Leere an Geist und Charakter kommen sie dann nodi dazu, jene, die das Tauf Judentum ablehnen, die Ehrlidien und Anständigen, zu verspotten, läppisdi zu verlachen, wie Narren von der Schmiere. Man braucht kein Zionist, kein Nationaljude zu sein. Jeder ehrliebende jüdisdie Assimilant lehnt die von der Taufseuche Befallenen ab. Diese aus der jüdischen Würde quellende Ablehnung vergleichen diese „Zionisten" mit Hakenkreuzlerei, stellen den ehrlichen, opferbereiten Juden, der die jüdische Stube rein* halten will, auf eine Stufe mit Radaubrüdern, Judenfressern und Skandalmacher 11. Wo werden diese ^zionistischen" Akademiker noch hingeraten? Von der Tolerierung des Tauf- und Albfalljudentums zum Abfall selbst führen wenige Sdiritte. Die Sache scheint nodi betrii/blicher, wenn man darauf hinweist, daß die Gründer und Leiter des so kompromittierten Vereine« Absolventen des Gh a j es - Rea 1 g y m nas i u m s sind. Unter Führung Chajes* hat die Zionistische Organisation dieses Gymnasium gesdiaffen, unter größten Opfern und in harten Kämpfen gegen die Assimilation und die in Wien auch das Schulwesen beherrschende Partei des Rathauses. Die national bewußte Judenscha/ft hat die größten Erwartun* gen an die Anstalt geknüpft. Vorbildlich erzogene jüdische Menschen werden aus ihr hervorgehen! Und das ist das Resultat! Man kann sich nicht mit der Ausflucht trösten, daß es sich um einen einzelnen Mißratenen handelt. Eine ganze Vereinigung von Zöglingen des Ohajea-Gymnasiums präsentiert sich uns, Schulter an Schulter mit dem Tauf Judentum, der ehrlichen Warnung zynisch sp>ttend! Was ist in dieser Schule dos? Bei verdorbenem Magen, Darmgärungen, üblem Mundgeschmack, Stirnkopfschmerz, Fieber, Stuhlverhaltung, Erbrechen oder Durchfall wirkt schon ein Glas natürliches „Franz*Jo8ef"«Bitterwasser sicher, schnell und angenehm. Es ist in Apotheken und Drogerien erhältlich. Sieg der Hakenkreuzler an den Wiener Hochschulen. — Auch die „Katholiken" sind Rassenantisemiten. Die Wahlen in die Deutsche Studentenkammer an den Wiener Hochschulen ergaben folgende Resultate: Universität 40 Mandate (15 nationalsozialistische, 11 deutschnationale, 14 katholische); Technik 25 Man* date (12 nationalsozialistische, 8 deutschnationale, 5 katho* ■HB1 uuwinw """""l I CONRAD VEIDT HEINRICH GEORGE I 1 TRUDE v.MOLO REGIE: KURT BERNHARDT I I SCHWEDEN-KINO I l|, TABORSTRASSE 1 TELEPHON R-49-0-60, A-47-0-60 ■ BEGINN 5, 7, 9, SONNTAG AB 3 UHR | lische); Hochschule für Welthandel 23 Man« date (13 nationalsozialistische, 6 deutschnationale, 4 katho* liehe); Hochschule für Tierarznei 12 Mandate (7 nationalsozialistische, 3 deutschnationale, 2 katholisch); Hochschule für Bodenkultur 15 Mandate (10 nationalsozialistische, 5 katholische). « Vom jüdischen Standpunkt aus ist festzuhalten, daß nicht nur die nationalsozialistischen Sieger und die deütschnationalen, sondern auch die katholischen Studenten rassenantisemitisch eingestellt sind. Im Gegensatze zu Deutschland, wo die im katholischen Zentrum organisierten Studenten den Rassenantisemitis* mus ablehnen. Das christlichsoziale Parteiorgan „Reichs* post" nahm wohl in ablehnendem Sinne zu den rassen» antisemitischen Krawallen an den .Wiener Hochschulen Stellung. Sie schrieb: „Der Rassengedanke ist ein widerliches z o o l o g i* sches Moment, das einem strohblonden ostelbischen Bauernknecht mehr Daseinsrecht gibt als einem Romano Guardini. Er ist ein zoologisches Mo« ment, welches das geistige Niveau der völkischen Be* wegung auf den Standpunkt eines Gestüts, einer Kanfnchenzüchterei oder einer Geflügel* {arm herabdrückt und das schließlich einen Christenmenschen in der Physiologie verenden läßt." Mit Hinweis auf diese Stellungnahme des katholi* sehen Zentralorgans wandte sich der Wiener Korrespon* dent des „Berliner Tageblattes" an die Leitung der katholischen Studentenschaft und ersuchte sie, ihren Standpunkt in der Frage des Rassenantisemitis* mus bekanntzugeben. Die Antwort steht allerdings in diametralem Gegensatze zur Haltung des christlichsozialen Parteiorgans. Sie lautet: „Die deutschkatholische Studentenschaft wendet sich gegen die Deutschvölkischen nur aus rein parteipolitischen Gründen. Was die Frage des Rassenantisemitismus betrifft, so besteht derselbe seit zwölf Jahren bei uns nach wie vor. Unter dem »Numerus proportionalis in volklicher Hinsicht* ist nichts anderes zu verstehen als das, was man früher den Numerus clausus nannte. Für die anderen Völker, also für Tschechen, Juden usw., ist der Numerus clausus ein» zuhalten, und dafür kämpfen wir!" Die Studierenden der Weimarer Ingenieurschule fordern Numerus nullus für Juden. Weimar, 16. Februar. Die Vollversammlung der Studierenden der von Altenibung uadi Weimar verlegten Ingenieurschule stimmte widersp r u c heil o s einem von dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenibund eingebrachten Antrag zu, der verlangt, daß „angesichts der TJeiberfülliung der technisdien Berufe und der Zurückdrängung des deutschen Volkstum zugunsten des Judentums" Studierenden jüdischer Rasse die Aufnahme an dieser Ingenieurschule verweigert werde. Die „Frankfurter Zeitung" bemerkt dazu: „Dieser Beschluß und besonders audi dde Einstimmigkeit, mit der er zustande kommen konnte, zeigt, wie sehr reditsradikaler und antiseimitischer Terror gerade an manchen technischen Lehrinstituten sein Unwesen treiben und jede Gegenströmung niederhalten kann." Jüdi§die§ Leben in Frankreich* Das ZentralsK onsistorium. — Die Provinzgemeinden be* klagen sich. Von unserem Pariser Korrespondenten J. Schlechtmann. Paris, Februar. Frankreich ist das am meisten zentralisierte Land der Welt. Sein Zentrum ist Paris. Ein Mathematiker würde die französische Einheit mit folgender Formel aus* drücken: 1 und viele Nullen. Die 1 ist Paris, die Nullen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.