Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 179 (20.2.1931)
- Date
- 1931-02-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 179 DIE NEUE WELT Seite S ist, „es würde nicht möglich sein, solche Landstrecken für jüdische Siedlung zur Verfügung zu stellen im Hinblick darauf, daß sie gegenwärtig von arabischen Bearbeitern besetzt sind, und im Hinblick darauf, daß es wichtig ist, zusätzliches Land verfügbar zu machen, auf dem man die jetzt landlosen arabischen Bauern seßhaft machen kann". 9. Dieser Satz muß im Licht der Gesamtpolitik beurteilt werden. Es ist wünschenswert, klarzumachen, daß die landlosen Araber, auf die sich dieser Passus beziehen sollte, solche Araber sind, bei denen gezeigt werden kann, daß sie von den von ihnen okkupierten Ländereien infolge des LTeberganges der Böden in jüdischen Besitz verdrängt wurden, und die weder anderen Boden, auf dem sie seßhaft werden konnten, noch eine andere gleiche Beschäftigung finden konnten. Die Anzahl dieser so dislozierten Araber muß sorgfältig festgestellt werden. Den landlosen Arabern dieser Kaiegorie gegenüber fühlt die Regierung sich verpflichtet, ihre Ansiedlung auf dem Lande zu fördern. Die Anerkennung dieser Verpflichtung ist keineswegs eiine Abweichung von den weiter gesteckten Zielen der Landentwicklung, welche die Regierung als das durchgreifendste Mittel für die Förderung der Errichtung eines Nationalhoimes für diie Juden ansieht. 10. Bei der Formulierung einer Politik für ländliche Ansiedlung ist es wichtig, daß die Regierung alle Umstände in Betracht zieh*, die zu den Hauptzwecken des Mandats in Beziehung stehen. Die Fläche des kultivierbaren Landes, die Möglichkeiten der Bewässerung, die Aufnahmefähigkeit des Landes in bezug auf Einwanderung, all dies sind Elemente der aufzuklärenden Probleme, und die Außerachtlassung eines dieser Punkte wäre schädlich für die Aufstellung von Richtlinien einer gerechten und stabilen Politik. Die Regierung beabsichtigt, so schnell wie möglich eine Untersuchung anzustellen, um unter anderem, festzustellen, welche Staats- und andere Lände reieu für geschlossene Ansiedlung von Juden unter Berücksichtigung der Verpflichtung, die gemäß Art. 6 des Mandats dem Mandatar obliegt, verfügbar sind oder verfügbar gemacht werden können. Diese Untersuchung wird umfassend sein und sich über alle Landreserven Palästinas erstrecken. Bei der Durchführung der Untersuchung wird vorgesehen werden, daß alle Interessenten, ob Juden oder Araber, die Möglichkeit haben, die von ihnen gewünschten Vorstellungen zu machen. 11. Die Regierung beschäftigt sich sorgfältig mit der Frage der räumlichen Z u s a m m e n d r ä n g u n g unter den Fellachen in den Hü gel gebieten von Palästina. Es sollen Maßregeln für die Verbesserung und Intensivierung des Landes getroffen werden sowie dafür, daß Landstrecken, die bisher unbearbeitet blieben, unter Kultur gebracht werden, um so den Fellachen einen besseren Lebensstandard zu sichern, ohne daß, abgesehen von außergewöhnlichen Fällen, zu dem Mittel der Umsiedlung gegriffen wird. 12. Um der Politik ländlicher Ansiedlung, wie im Art. 11 des Mandats vorgesehen, Wirkung zu verschaffen, ist es nötig, um Desorganisation zu vermeiden und die Möglichkeit eines Erfolges zu haben, daß eine zentralisierte Kontrolle irgendwelcher Art für Transaktionen auf dem Gebiet der Erwerbung und lieber tragung von Grund und Boden während der Uebergangszeit bestehen soll, diie vernünftigerweise erforderlich 6ein dürfte, um dem Landentwicklungsplan (Development Scheme) eine sichere Grundlage zu geben. Die in Aussicht genommene Kompetenz ist eine r e g u 1 i erende und nicht etwa eine prohibitdve, obwohl sie ein Recht einschließt, solche Transaktionen zu verhindern, die mit dem Tenor des Planes nicht zu vereinen sdnd. Aber die Ausübung dieses Rechtes ist beschränkt und in keiner Weise willkürlich. Sie ist in jedem Falle bedingt durch Erwägungen, wie den Zwecken des Mandats am besten entsprochen werden kann. Jegliche Kontrolle soll mit gehörigen Schutzbestimmungen umgeben werden, um die Gewähr zu geben, daß so wenig wie möglich in den freien Grundstücksverkehr eingegriffen wird. Die Zentralkontrolle wird erst dann in Kraft treten, wenn die Behörde zur Durchführung der Landentwicklungspolitik ihre Arbeit aufnimmt. Der High Commissioner wird bis zur Errichtung dieser zentralisierten Kontrolle das volle Recht haben, alle notwendigen Schritte zu tun, um die Rechte der Pächter und Okkupanten einschließlich der Rechte der Squatters (mehrjährige unrechtmäßige Okkupanten) in Palästina zu schützen. 13. Ferner enthielt die Erklärung über die Politik der Regierung kein Verbot der Erwerbung von weiteren Lündereien durch Juden. Weder enthalt sie eine solche Behinderung noch h\ eine solche beabsichtigt. Was in Aussicht genommen wird, ist solche zeitweilige Kontrolle von Landdispositionen und Übertragungen, wie sie notwendig ist, um diie Harmonie und Wirksamkeit des in Aussicht genommenen Plans für die Landansiedlung (Landsettlement) vor Störung zu schützen. Die Regierung fühlt sich verpflichtet, hervorzuheben, daß sie als einzige von allen Regierungen, die seit der Uebernahmc des Mandats für dessen Verwaltung verantwortlich waren, ihre definitive Absicht, eine aktive Entwicklungspolitik einzuleiten, bekundet hat, von der sie glaubt, daß damit sowohl Juden wie Arabern greifbarer und dauernder Nutzen erwachsen wird. 14. Hiemit steht die Frage der Kontrolle der Einwanderung in Zusammenhang. Es muß zunächst darauf hingewiesen werden, daß eine solche Kontrolle in keiner Weise eine Abkehr von der früheren Politik darstellt. Von 1920 an, als die ursprünglichen Einwanderungsbestimmungen (Immigration Ordinance) in Kraft traten, wurden von, Zeit zu £eit Bestimmungen über die Kontrolle der Einwanderung erlassen, um unrechtmäßige Einwanderung zu verhindern und die legale Einwanderung zu definieren und zu erleichtern. Dieses Recht der Regulierung ist zu keiner Zeit in Frage gestellt worden. 15. Aber die Absich't der Regierung scheint so dargestellt worden zu sein, als besage sie, daß „keine f e r ii e re Einwanderung von Juden zugelassen werden darf, solange als sie irgendeinen Araber daran verhindert, Beschäftigung zu finden". Die Regierung hat niemals beabsichtigt, eine solche Politik zu verfolgen. Es lag der Regierung daran, zu erklären, daß bei der ■ \«*'/. Was möchten Sie lieber? Billig oder teuer waschen? Wenn Sie Persil in richtiger Menge nehmen, kalt auflösen und die Wäsche nur einmal kurz kodien lassen, haben Sie den besten Wascherfolg und sparen Arbeit, Zeit und Geld. Persil ist ja so ergiebig! 1 Paket Persil reicht für 2}jz bis 3 Eimer Wasser. PersiltoMpersil Regulierung der jüdischen Einwanderung die folgenden Grundsätze Anwendung finden müssen, nämlich: „Es ist wesentlich, Sicherheiten zu schaffen, daß die Einwanderer der palästinensischen Bevölkerung als einer Gesamtheit nicht zur Last fallen und daß sie nicht irgendeinen Teil der gegenwärtigen Bevölkerung seiner Beschäftigung berauben." (Weißbuch 1922.) Auf der einen Seite muß die Regierung ihrer Verpflichtung eingedenk sein, die jüdische Einwanderung unter angemessenen Bedingungen zu fördern, und eine geschlossene Ansiedlung von Juden auf dem Lande zu erleichtern, auf der anderen Seite hat sie gleichfalls ihrer Pflicht eingedenk zu sein, Sicherheiten zu schaffen, daß den Rechten und der Stellung der niclvtjüdischen Gemeinschaften kein Schaden zugefügt wird. Wegen dieses anscheinenden Konfliktes der Pflichten hat die Regierung sich gezwungen gesehen, die Notwendigkeit der sorgsamen Anwendung des Prinzips der Aufnahmefähigkeit zu betonen. Dieses Prinzip ist von vitaler Bedeutung für jeden Plan der Landemtwicklunig, dessen hauptsächlicher Zweck die Ansiedlung von Juden und dislozierten Arabern auf dem Lande sein muß, Aus diesem Grunde hat die Regierung darauf bestanden und ist verpflichtet, darauf zu bastenen, daß die Einwanderungsbestd'mmungen der Regierung ordnungsmäßig angewenidet werden müssen. Die Erwägungen in bezug auf die Grenzen der Aufnahmefähigkeit des Landes dürfen nur „Wissen Sie was? Verstecken Sie sie!" „Wo soll ich sie verstecken, daß sie niemand, behüte, herausfindet?" „Versperren Sie sie in Ihren Schreibtisch, in Ihren Kasten, in den eisernen Schrank, in die feuerfeste Kasse. Sperren Sie ab und werfen Sie die Schlüssel ins Wasser." „Zu welch gutem Ende werden Sie dort liegen?" „Na, wissen Sie, wickeln Sie sie in Papier ein, machen Sie ein Paket daraus und vergessen Sie sie irgendwo." „Hab' ich schon getan. Man hat mit die Kostbarkeit wieder zurückgebracht." „Verlieren Sie sie auf der Straße." „Hab' ich auch versucht. Ein Polizist ist mir nachgerannt und ich hab' oben drein noch einen Zloty Strafe bezahlt." „So sammeln Sie sie, machen Sie eine Kollektion." „Wozu soll ich sie sammeln? Na, ein Schatz, was das ist! Und wie lange kann man so was sammeln? Ich habe ihrer Gott-sei-gelobt schon genug, dieser Antiquitäten. Wo Sie sich nur hinwenden bei mir im Zimmer , . . voll von Messern. Auf den Fenstern, auf den Tischen, auf den Kästen und in den Kisten und unter den Kästen.., Vergessen Sie nicht, daß ich ein Kerl bin, der die, Rasur braucht und sich rasieren muß. Je nachdem. Manchaml einmal, manchmal zweimal im Tag, Ein so verdammtes Gefrieß hab' ich nun einmal und einen Bart, der wächst. Hat er denn was anderes zu tun? Er wächst, er geht auf wie Gerrateig. Und der Messer werden immer mehr, immer mehr. „Nun, rasieren Sie sich halt in einer Rasierstube, in einer Frisierstube!" „Sie sind vielleicht ein Mensch, der ihnen traut, den Rasierern und Frisierern. Ich. nicht. Ich bin ein Mensch der Hygiene, Und sterben an einem vergifteten Rasiermesser gehört nicht zu den hygienischen Dingen, Man kann zwar eigenes Rasierzeug haben und in einer speziellen Lade, aber ich trau' ihnen nicht. Wer versichert wir, daß sie nicht mit meinem Pinsel oder mit meinem Stein das unhygienische Gefrieß von irgendwera einreiben werden? Was ihn schon mein Leben viel angeht! Denn ein Frisierer ist doch ein wahrer Mörder, ein Mensch, der sich von Kind auf mit dem Blut des andern nährt! Und nebenbei, glauben Sie, daß das für mich eine Beschäftigung ist, jeden Tag in die Rasierstube laufen und warten, bis die Reihe an mich kommt, und das manchmal sogar zweimal am Tag? Denn, wie ich Ihnen schon gesagt habe, ich hab' ein so verdammtes Gefrieß mit ein Paar so verdammten Wangen, aus denen unaufhörlich Bart sprießt, als säße dort wer und triebe ihn mit der Peitsche an: Marsch, marsch, wachs'! Während man die eine Wange rasiert, wächst schon Bart auf der anderen. Rasiert man die andere, wächst schon der dritte Bart. Rasiert man den dritten, wächst schon der vier . . . Entschuldigen Sie, ich bin ins Plappern geraten... Und wissen Sie, was noch? Ich kann die Frisierer ihrer Redereien wegen nicht leiden. Es beliebt ihnen, in alles dreinzureden. Politik, Kriege, Diplomatie, Strategie, Theater, Tanzbälle, Oper, jede Neuigkeit wissen sie, und alles wollen sie wissen, alles geht sie was an. Dann wird er auf euch einzureden beginnen und euch krummreden. Vielleicht soll er Ihnen den Kopf waschen, Massage machen, Kölnischwasser gefällig, Champoon, Puder, nicht Puder, Vaseline, Creme, der Teufel weiß noch! Und ich hab's nicht gern, wenn man mir ins Hirn hineinredet. Ich kann diese langweiligen Burschen nicht ausstehen." „Jetzt hab* ich es. Ich bin der Ansicht, daß es für einen Menschen wie Sie das Gescheiteste ist, sich einen Bart wachsen zu lassen." „Eh heh, das haben Sie mit Ihrem dummen Verstand gut gesagt. Ja, das ginge schon, wenn der Bart nur ein Bart wäre, wie es sidi gehört. Sie haben aber keine Ahnung von meinem Bart. Das wird kein Bart werden, sondern ein Besen, ein Bettvorleger, ein Heuschober, eine Mißgeburt. Alles, nur kein Bart. Ich kenne meinen Vater, ich kenne meinen Großvater, ich kenne meine ganze Familie. Das ist bei uns schon eine solche „Serie". Alle haben wir solch sonderbare Bärte, daß Gott behüte. Entweder wachsen sie von den Wangen herab in die Breite wie ein Nudelbrett oder sie wachsen vom Hals hinauf. Von anderswo her wollen sie nicht wadisen, nur vom Hals. Entweder wachsen sie so dicht wie Filz oder so schütter wie fadenscheiniges Futter. Würde ich wissen, daß ich einen solchen Bart bekomme wie Dr. Herzl oder wenigstens wie der Chaseu Jossele Rosenblatt, würde ich nicht eine Minute zaudern. Sofort müßte mir der Bart wachsen wie bei einem König. Aber ich weiß doch, daß mein Bart sein wird wie Hobelspäne, wie Draht oder wie bei einer Ziege, ausgefranst, oder wie Moos, oder sonst irgendein Unikum von einem Bart, reif für ein Panoptikum. Wozu brauch ich ihn also? Iöh muß mioh halt rasieren und oft rasieren. Und wenn man sich oft rasiert, sammeln sich die Messer an. Nun frag' ich, was soll ich mit ihnen machen, mit den Messern?" Da hielt ich's nicht mehr aus und sprang wütend auf. „Herr, gehen Sie zu allen Teufeln mit Ihren Messern. Säuern Sie sich sie in Kraut ein, machen Sie Strudel daraus, verwenden Sie sie für Chrojsses, essen Sie sie als Mehlspeise, zerreiben Sie sie zu Rüben für Peßach-Barschtsch! . . ." Aber ich faßte mich rasch und fügte etwas sanfter hinzu: „Uebrigens, Herr Nachbar, Sie sind nicht beim richtigen Tisch. Sie müssen dorthin gehen ins Kabinett nebenan zu jenem Tisch, dort sitzt der Chefredakteur, Der wird Ihnen den richtigen Rat geben." Der gute Mann stand auf, nahm seinen Hut und seinen Schirm und begab sich ins Kabinett des Chefredakteurs. Bald darauf hörte ich von drinnen dasselbe Lied, dieselbe Melodie, wie es im mir betgann. loh hörte und hatte meine Freude daran. Erstens, weil ich den langweiligen Kerl los war, und zweitens, daß ich endlich Gelegenheit gefunden hatte, mich an meinem Chefredakteur zu rächen, i