Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 179 (20.2.1931)
- Date
- 1931-02-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 9 DIE NEUE WELT Nr. 179 EXPORT¬ FORDERUNG durch den offiziellen Oesterrelthitchen Pavillon auf der Int. Prager Frühjahrsmesse Auskflnfte durch dl« Ehrenamtlich« V«r« ftft' 411 litt»* 1091 tMtiing der Präger Messe,Wien II, Unter« 22 »28. Mörz 18? 1 AöSftrtenstraöe M (Tel. Weißbuches gelesen werden soll in all den Fragen, mit denen dieser Brief sich beschäftigt. 2. Es ist behauptet worden, daß die Politik der Regierung eine ernstliche Abkehr ' Von den Verpflichtungen des Mandats, wie sie bisher verstanden worden sind, bedeutet, daß sie die Mantlatsverpfliditungen mißversteht und für die Folge eine Politik, ankündigt, die nicht vereinbar ist mit den Verpflichtungen der Mandatsmncht gegenüber dein jüdischen Volke. 3. Die Regierung hielt es nicht für notwendig, in extenso die früheren politischen Erklärungen zu zitieren, aber sie .verweist auf die Tatsache, daß das Weißbudi von 1930 sidi nidit nur uuf das im Jahre 1922 von der Jewish Agency akzeptierte Weißbudi bezieht und es bestätigt, sondern daß es auch anerkennt, daß das Mandat eine Verpfliditung gegenüber dem jüdischen VoMcö und nidit nur gegenüber der jüdischen Bevölkerimg von Palästina' ist.- Das Weißbudi stellt in den Vordergrund 'ineine Rede im- Unterhaus vom1 3.: Äpi-il 1930, in welcher ich in Worten, wie sie nicht klarer formuliert werden können, die Absicht der Regierung angekündigt habe, Palästina auch weiterhin in Uebereinstimmung mit den durch den Rat des Völkerbundes bestätigten Mandatsbestimmungen zu verwalten. Diese Stellungnahme is.t aufs neue, bekräftigt und klargemadit worden durch meine Rede vom 17. November 1930, In meiner Rede vom 3. April habe ich mich folgandermaßen geäußert: »Die Regierung wird auch in Zukunft Palästina in Uebereinstimmung mit den von dem Rat des Völkerbundes gutgeheißenen Bestimmnng.en.des Mandats verwalten. Dies ist eine internationale Verpflichtung und es kann keine Rede davon sein, sich ihr zu entziehen.' „Nach den Bestimmungen des Mandats ist die Regierung für die Förderung der Errichtung einer Nationalen Heimstätte für das jüdische Volk verantwortlich, wobei klar zu verstehen, ist, daß nichts getan werden darf, was die bürgerlichen und religiösen Rechte der in Palästina bestehenden nicht jüdischen Gemeinschaften oder die Rechte und den politischen Status der Juden in anderen Ländern benachteiligen könnte." ,yEs handelt sich inn eine doppelte Verpflichtung, einerseits dem jüdischen Volke gegenüber, andererseits gegenüber der nichtjüdischen Bevölkerung von Palästina, und es ist der feste Entschluß der Regierung S.'iiici Majestät, in gleicher Weise allen Teilen der palästinensischen Bevölkerung Gerechtigkeit angedeihen zu lassen. Dies ist eine Pflicht, der sie 3ich nicht entziehen wird und zu deren Durchführung sie alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel anwenden wird." Diese Erklärung steht nicht nur in Uebereinstimmung mit den Bestimmungen des Mandats, sondern auch mit der Preambel zum Mandat, welche hiedurch ausdrücklich neu bestätigt wird. 4. Bei der Durchführung der Mandafspolitik kann die Mandatarmacht das Bestehen verschiedener Interessen und Standpunkte nicht übersehen. Diese sind tatsächlich an sich nicht unvereinbar, aber sie können nur dann ausgeglichen werden, wenn richtig erkannt wird* daß eine vollkommene Lösung des Problems von einer Verständigung von Juden und Arabern abhängt. Bis dies jedoch erreicht ist, muß unvermeidlicherweise bei der Festlegung der Politik die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts mitbestimmend sein. 5. Ein großer Teil der Kritik gegen das Weißbuch stützt sich auf die Behauptung, daß es ungerecht e Anschuldigungen gegen das jüdische Volk und die|jüdische Arbeiterorganisation erhebt. Die Regierung stellt ausdrücklich fest, daß ihr jede solche Absicht ferngelegen hat. Es wird anerkannt, daß die Jewish Agency immer bereitwillig an der Durchführung der Mandatspolitik mitgearbeitet hat und daß die konstruktive Arbeit des jüdischen Volkes in Palästina wohltuende Wirkungen auf die Entwicklung und die Wohlfahrt des Landes als Ganzem ausgeübt hat. Die Regierung schätzt den Wert der Arbeiter- und Gewerkschaftsorganisationen in Palästina und hat den Wunsch, dieselben in jeder Weise zu fördern. 6. Man hat gefragt nach der Bedeutung der Worte wird man leicht von Erkaltung befallen. Man muß daher rechtzeitig Sorge dafür tragen, daß im Hause nie fehle der in seiner schmerzlindernden Wirkung einzige ■ DIANAmit Menthol welcher für Massage, Einreibung, Umschlage und als Ourgelwasser gleich unentbehrlich Ist. [Nehmen Sie nur Diana! Wertlose Nachahmungen weisen Sie entschieden zurück I Ueberau erhältlich. ..Wahrung der bürgerlichen und religiösen Rechte etiler Einwohner P*iläistinas ohne Unterschied voll Abstammung und Religion", die im Art. 2 vorkommen, und der Worte „wobei gewährleistet Werden soll, daß die fte^hic und die Stellung (rights and posdtion) der anderen Teile der Bevölkerung nicht prttjudiziert werden sollen", die im Art. 6 des Mandats enthalten wind. Die Worte „Wahrung der bürgerlichen und religiösen Rächte" im Art. 2 können nicht so verstanden werden, daß* die bürgerlichen und religiösen Rechte der einzelnen Individuen unverändert bleiben müssen. In dem Fall von Suleiman Murra, auf den Bezug genommen worden ds-t. sagt der Privy Council in Auslegung dieser Worte aus dem Artikel 2: „Das bedeutet nicht, . . . daß alle bürgerlichen Rechte jedes Einwohners von Palästina während der ganzen Dauer des Mandats unverändert bleiben können, wie sie es beim Inkrafttreten des Mandats waren; denn wenn dies eine Bedingung für die Jurisdiktion der Mandatar macht wäre, würde überhaupt keine wirksame Gesetzgebung möglich sein". Diese Worte müssen demnach in einem anderen Sinne gelesen'werden, und. der Schlüssel zu der wehren Absicht und Bedeutung des Satzes ist in den Schlußworten des Artikels zu finden: „Ohne Unterschied von Abstammung und Religio n". Diese Worte bedeuten, daß in bezug auf die bürgerlichen und religiösen Rechte der Mandatar keinen Unterschied /wischen Personen auf Grund ihrer Religion um} Nationalität machen darf, und diese Sdmtzbestimmung bezieht sich gleichmäßig auf Juden, Araber und alle Tedle der Bevölkerung. 7. Die Worte „die Rechte und di e Stellung (rights and position) anderer Tedle der Bevölkerung", die im Artikel 6 enthalten sind, beziehen sich deutlich auf die nichtjüdische Bevölkerung. Diese „Rechte und Stellung" dürfen nicht präjudiziert werden, d. h. nicht beeinträchtigt oder verschlechtert werden. Die Auswirkung der Einwanderung«- und Ansiedlungspolitik auf die ökonomische Lage der nicht jüdischen Bevölkerung darf nicht außer. Betracht bleiben. Aber die Worte dürfen nacht so aufgefaßt werden, als ob sie bedeuten, .daß die bestehenden ökonomischen Bedingungen in Palästina z u zn E rstarren gebracht werden sollen. Im Gegenteil, die Verpflichtung, jüdische Einwanderung zu erleichtern und geschlossene Ansiiedlung von Juden auf dem. Lande zu fördern, bleibt eine positive Verpflichtung des Mandats, und sie kann erfüllt.werden, ohne die Rechte und Lage anderer Teile der Bevölkerung Palästinas zu beeinträchtigen. 8. Wir können nun übergehen zu der Behauptung, daß das Mandat in einer den jüdischen Int e r- . essen in den wichtigen Angelegenheiten von Ansiedlung und Einwanderung höchst schädlichen Weise neu interpretiert worden ist. Man hat gesagt, daß die Politik des Weißbuches der Einwanderung einen Riegel vorschieben und geschlossene Ansiedlung der Juden auf dem Lande, die eine, primäre Aufgabe des Mandats ist, suspendieren, wenn nicht völlig unmöglich machen würde. Zur Unterstützung dieser Behauptung wurde besonderer Nachdruck gelegt auf den Passus in dem Weißbuch, der sich mit den Staatsländereien beschäftigt und in dem gesagt' worden Was soll man mit alten Rasiermessern anfangen t Humoreske von Der Tunkeier. Ein junger Mann mit glatt ausrasierten, flädügen, großen blauen Wangen, die so blau waren wie „Pfeffer", deren Bläue har,t bei den Augen beginnt und sich ein Stück Hals herunter bis hart zum Gummikragen hinzieht, eine Bläue, die bezeugt, daß die Person, wenn sie sich nicht rasieren würde, einen großen, dichten, schwarzen Bart gehabt hätte, einen Bart wie ein Besen. Knapp unter der Nase drohte ein kleiner viereckiger Bartstummel ä la Chaplin, der aussah, als ob seine spitze Nase in eine kleine schwarze Zahnbürste enden wollte. Er betrat die Redaktion, nahm seinen I lalbzylinder ab, wischte ihn mit einem buntfarbigen I üschentuch innen und außen ab, ebenso die nasse Stirn, niJ fragte; „An welchen Tisch hab* ich mich zu wenden?" „Um was handelt es sich?", fragte ich. „Sagen Sie mir, an welchen Tisch ich mich zu wen-; habe, und ich werde Ihnen sagen, um was es sich;.!elt." „Aber, wenn ich nicht weiß, um was es sich hanit, kann ich Ihnen doch nicht sagen, .an welchen Tisch ■iu sich zu wenden haben." „Wenn Sie mir den richtigen Mann am richtigen l isch angeben, an den ich mich wenden soll, werde ich .jenem genau sagen, um was es sich handelt. Wozu soll ich zweimal erzählen, um was es sich handelt? Idi liebe nicht viel zu reden. Es wird genügen, einmal zu erzählen. Idi hab' es nicht gern, den anderen zu langweilen, und hasse es, wenn man mich langweilt." „Also, ich bin der richtige Mann beim riditigen Tisch, und nun erzählen Sie, um was es sidi handelt," kapitulierte ich. Er rückte einen Stuhl zu meinem Tisch und legte seinen Hnlbzylinder beiseite. Darauf schob er sidi einen /v.eilpu Stuhl zu und belegte ihn mit seinem Schirm, . :;. <li stellte er einen dritten Stuhl zu und nahui darauf Platz. Und als er sich schon bequem gemacht und seine Requisiten gut versorgt hatte, sagte er: „Es handelt sich um „eine Anfrage" an die Redaktion." „Laßt sehen, was für „Anfrage" denn? „Eine einfache Anfrage. Ich glaube, daß man mir in einer Redaktion wohl den richtigen Bescheid geben wird ... Ich habe midi bereits an gewöhnliche Menschen gewendet, nicht an Journalisten, die aber konnten mir keinen richtigen Rat geben.";. „Nun heraus mit der Frage!" „Die Frage ist die: Ess hat sich bei mir ein Haufen Rasiermesser angehäuft . , . ich rasiere mich mit einem Rasierapparat, Marke „Gilette". Idi halte etwas nur von der Firma „Gilette". Andere Klingen benütze ich prinzipiell nicht. Idi halte nidits von. ihnen. Möglich, daß es Einbildung ist. Aber es ist nun einmal so . . . Alles ist schließlich auf der Welt bloß Einbildung. Bloß eine Fiktion," „Gut, aber was wollen Sie?" „Es hat sich bei mir ein Haufen Rasiermesser angehäuft, abgenützte, stumpfe.. Da frag* ich Sie, was ich mit ihnen anfangen soll. Nach meinem eigenen dummen Verstand finde ich doch keinen Rat. Vielleicht wissen Sie einen Rat, nach Ihrem dummen Verstand!" „Nach meinem dummen Verstand", sage ich, müßten Sie sie sdileifen lassen. Dehn der dumme Verstand zieht die Folgerung: Ein Messer, wenn es stumpf wird, schleift man es zu." „Schleifen, sagten Sie? Da haben Sie gewiß, Sie werden mir entschuldigen, noch niemals solche Messer gesehen ... Bei richtiger Beleuchtung, wenn Sie ein solches Messer schleifen wollen, haben Sie nichts, wo Sie es anfassen und wo Sie es halten können. Das ist doch eine doppeischneidige Sache — scharf von beiden Seiten. Weder Klinge nodi Heft. Und abgesehen von seinen drei Löchern hat es überhaupt nichts bei Leib und Leben. Wie kann idi sie unter solchen Uniständen schärfen?" „Da geben Sie sie irgendwohin weg zum Schleifen, in eine Schleiferei zum Schleifen!" „Ich soll also, heißt das, eine Schleiferei suchen, hintragen, abholen? . „ . Ist das eine Beschäftigung für mich? Ist doch Zeit bei mir Goldes wert und gerad« deswegen liebe ich es nicht, viel zu reden und hsrumzugähnen. Die Zeit, die ich zum Suchen einer Schleiferei zum Schleifen vergeuden werde, kann ich ja besser zum Verdienen verwenden und neue Messer kaufen. Das ist nach meinem dummen Verstand. Was meint Ihr dummer Verstand?" „Mein dummer Verstand genau dasselbe: Statt Zeitvergeuden für das Schleifen ist sdiön besser neue kaufen." „Nicht wahr! Aber wieder die Fruge: Was madit man mit den alten, den gebrauchten Messern?" „Verkaufen Sie sie, vielleicht finden Sie einen . Abnehmer und können sie verkaufen." „Sind Sie vielleidit Abnehmer? Bitte!" . „Ich brauche sie nicht." „Na, und welcher andere Verrückte wird sie sdion brauchen? Wenn ich sie nicht brauche und Sie sie nicht brauchen, welcher Idiot wird sie dann brauchen?" „Also verkaufen Sie sie nicht." „Was soll ich mit. ihnen dann anfangen?" „Weiß ich? Lossen Sie sie sein, lassen Sie sie herumliegen. Sorge, die Sie haben!' „Herumliegen?". „Herumliegen." „Und rosten?" „Und rosten." „Und vielleicht wird jemand vom Haus sie finden, sich in den Finger schneiden, Blutvergiftung bekommen! Mag sein, daß Sie ein Mensch sind, der von der Hygiene nichts hält. Ich bin ein Mensch, der schon was hält von der Hygiene. Und ich bin der Ansicht, daß Blutvergiftung sehr unhygienisch ißt." „Sie sagen doch, daß sie stumpf sind? Wie kann man sich dann mit ihnen schneiden?" „Stumpf — sagen Sie? Dann haben Sie keine Ahnung von den Messern. Wenn ein solches Messer stumpf ist und ein anderes scharf, besteht da doch noch immer ein Unterschied." v ' t