Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 178 (13.2.1931)
- Date
- 1931-02-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Ht. m die mm WELT Seifcl «JUIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIfllllllllllllllllllllllllllllllltltlflflltllllllL' ICLUSIUSBAD I KUR- IL BADEANSTALT | WIEN IX, CLUSIUSQASSE 12, TEL. A-18-1-40 | s Bei der Fliedensbrücke. Elektr.-Linien S 5. D, 36, 5, 3, 15, Stadtbahn § 1 0R1G. RUSSISCHE STEINSCHWITZBÄDER | I MIT BESEN. KURBÄDER, SCHWEFEL | | BÄDbR, WANNENBÄDER ETC. E liiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiil tion, Zulauf von Zionisten aus materiellen Gründen zu anderen politischen Parteien usw., ins Treffen führte. Ihm traten im Namen der demokratischen Zionisten Herr H. Kandl, im Namen der Zionisten-Revisionisten Herr Dr. Bukspan entgegen. Auch der Vertreter der Studentenschaft, Herr cand. med. Kornmehl, bezeichnete den Antrag als unvereinbar mit den zionistischen Grundsätzen. Für die Ausschaltung der Landespolitik trat der Vertreter der Hitachduth, Herr Doktor Steinberg, ein. Mit diesem Beschluß hat die offizielle österreichische Organisation darauf verzichtet, Führerin und Beraterin der Juden zu sein. Konsequenzen dieses Schrittes sind Schwächung und Verödung der Organisation, Desorientierung und nationale Demoralisation, insbesondere der zionistischen Jugend, welche nunmehr den Lockungen der politischen und kulturellen Assimilation in jeder Form mehr als je preisgegeben ist. Es ist jetzt Pflicht aller jener Zionisten, weiche den nationalen Inhalt des Zionismus nicht preisgeben und den Zusammenhang mit den jüdischen Massen als Vorbedingung jeder zionistischen Arbeit ansehen, sich zum Zwecke nationaler und politischer Gegenwartsarbedt zu sammeln. Wir werden auf dieses, für die Idee des Wiederaufbaue« des jüdischen Volkes lebenswichtige Problem in entsprechender Form zurückkommen. Tagung der Zionisten-Revisionisten Oesterreichs. Am Samstag, den 21. Februar, abends und am 2 2. Februar vormittags findet im Gremium der Wiener Kaufmannschaft, I., Schwarzenbergplatz, der österreichische Revisionistentag (Generalversammlung) statt. Auf dieser Tagung werden alle zionistischen Probleme erörtert. Die Tagesordnung wird in der nächsten Nummer der „Neuen Welt" bekanntgegeben. Der Eröffnungsabend ist frei zugänglich. An die Mitglieder ergehen separate Einladungen. Verband demokratischer Zionisten. Mittwoch, 4. März 1931, abends Uhr, findet im Verbandsheim, II., Untere Augartenstraße 38, eine PurinuFeier statt. Zur Aufführung gelangt unter der künstlerischen Leitung des Herrn Oskar Teller die politische Revue „Juden hinaus", von Viktor Berossi. 1. Bild: 1950 im Zeichen der jüdischen Weltherrschaft. 2. Bild: Judith und Holo* fairbanks. 3. Bild: Joseph und Potiphar. 4. Bild: Haman und Esther oder Elisabeth von Persien. Karten zum ein* heitlichen Preise von S 1 sind schon jetzt erhältlich in der Administration „Die Neue Welt", II., Untere Augarten« Straße 38, Tel-. A'45*6*34. Ein Gruß von den sdiwarzen Juden Abes§imens* Aus Marseille schreibt man uns: Heute, am 6. Februar, langte hier mit dem Dampfer „Sphinx" Taamrat Emmanuel, einer der ersten zwei abessinischen Juden, welche vor ungefähr sechsundzwanzig Jahren von Dr. Faitlovich nach Europa gebracht wurden, ein. Dr. Faitlovich ist, wie bekannt, der „Entdecker" der schwarzen äthiopischen Jude n und hat seither sein ganzes Leben der Emanzipation dieses Teiles des jüdischen Volkes, gewidmet. Taamrat Emmanuel fährt jetzt nach London, von wo er sich zusammen mit Dr. Faitlovich nach Amerika begibt. Der Zweck ist, eine Kampagne zugunsten der abessinischen Juden zu führen. Emmanuel ist sehr kultiviert, spricht perfekt Hebräisch, Französisch qnd Italienisch. Bis 1909 studierte er etwa fünf Jahre hindurch in der Allianccschule in Paris. Dann, kam er in das von Dr. Margulies in Florenz geleitete Beth-Hamidrasch und war einige Jahre hindurch Schüler des gottseligen Oberrabbiners Dr, Chajes, Leider ist es mir unmöglich, im Rahmen dieses kurzen, Berichtes die Rührung und Hingabe wiederzugeben, mit welcher dieser schwarze Jude von unserem unvergeßlichen Chajes spricht. Nachdem er noch etwa zwei Jahre in Palästina verbrachte, kehrte Emmanuel knapp nach dem Kriege in seine Heimat zurUck, wo er sich bis jetzt mit 4er Organisierung und Leitung der wenigen (etwa sieben) bestehenden Schulen (hier betont mein Gewährsmann, daß es keinesfalls Schulen nach europäischem Begriffe sind) beschäftigte. Es sind sehr große Schwierigkeiten zu überwinden, nachdem die dortigen Juden zerstreut über das ganze . Land leben und es keine einzige größere jüdische Siedlung gibt. Deren Zahl wird trotzdem auf zirka 50.000 bis 60.000 geschätzt. Die hebräische Sprache ist ihnen unbekannt, sie kennen den Talmud und die Thorarollen nicht. Den Pentateuch und die Propheten haben sie nur in äthiopischer Sprache. Die Beschneidung wird am achten Tage vorgenommen, nie an einem Samstag. Sie nennen sich „B c t h I s r a e 1". Pessach halten sie sieben Tage hindurch. Schewuoth und Succoth werden auch gehalten, dio Laubhütten sind ihnen aber unbekannt. Rosch-Haschanah wird einen Tag gefeiert, auch Jom Kippur. Von Chanukka und Purim haben sie keine Ahnung, woraus zu schließen ist, daß die abessinischen Juden lange vor der Zerstörung des zweiten Tempels jeden Kontakt mit dem Volke verloren haben. Dr Faitlovich nimmt an, daß die Falaschen Nachkommen einer jüdischen Armee sind, welche vor Alexander dem Großen in der sogenannten persischen Epoche den Persern im Kriege gegen Aegypten beigestanden sind und sich dann im Süden Aegyptens niederließen. Gegenwärtig gibt es in Europa neun junge Falaschen, welche sich verschiedenen Studien ergeben. Herr Taamrat Emmanuel brachte jetzt zwei weitere mit, der eine blieb in Alexandrien in Obhut des gewesenen Oberrabbiners von Konstantinopel und der zweite fährt nach Belgrad, wo Herr Oberrabbiner Dr. A1 k a 1 a y sich seiner annehmen wird. Es ist ein Junge, der 15 Jahre alt und 1.80 m hoch ist. Er legt NACH ClAUPE FARRERES ROMAN DER MANN DER DEN MORD BEGING MIT CONRAD VEIDT HEINRICH GEORGE TRUDE v. MOLO REQIE: KURT BERNHARDT ■ TRUDE v.MOLO REG ■ TAQLIOH I SCHWEDEN-KINO ■ II, TABORSTRASSE 1 TELEPHON R-49-0-60, A-47-0-60 1 KURT¬ BEGINN 6, 7, 9, SONNTAG AB 3 UHR BERNHARDT-FILM DER TERRA IM VERLEIH MONDIAL ■■■jj >RGE I HARDT ■ I täglich Tefillin und ist überhaupt sehr orthodox erzogen. Herr Emmanuel kehrt in zirka sechs Monaten in seine Heimat zurück, hoffentlich ist ihm der beste Erfolg beschieden. Max Katzenellenbogen. Der Zionismus in der internatio* nalen Diskussion* Die Jugoslawen als Freunde des Zionismus» 9ie Monistische „Neue Welt" in Wien und ' Wien, im Februar. Bei der jüngst stattgehabten Session der permanens ten Mandatskommission beim Völkerbund in Genf ist die PaIästina*Frage Gegenstand der Debatte gewesen. Die Mandatskommission hat bekanntlich eine kritische Hai* tung gegen die englische Verwaltungspraxis in Palästina eingenommen und im Anschluß daran die nervöse und ge« reizte Antwort Englands gebührend zurückgewiesen. Es ging auch um die Frage der Araber Palästinas und der Rolle, die sie im Status des werdenden jüdischen Nationalheims zu spielen haben. An den damaligen Debatten beteiligte sich bekannt* lieh auch der jugoslawische Außenminister Marin« kovic. Die gesamte jüdische Presse konnte die objek* tive und würdige Stellungnahme des jugoslawischen Staatsmannes konstatieren und gleichzeitig sein tiefes Verstehen der ganzen jüdischen Frage rühmen. Die jugoslawische Judenheit ihrer« seits war naturgemäß stolz darauf, daß der Repräsentant ihres Heimatlandes den gerechten Forderungen des judischen Vo 1 k es internationalen Ausdruck gegeben Habe. In dey Folge wurde diese Haltung von der jugo* slawischen Oeffentlichkeit bestätigt und bekräftigt. Die Juden 'konnten bei verschiedentlichen Gelegenheiten die Versicherung der maßgebenden jugoslawischen Persönlich» keiten empfangen, daß das ganze jugoslawische Volk mit den Freiheitsbestrebungen des jüdischen Volkes sympathisiere und sie nach Möglichkeit fördern wolle. Dieser Einstellung entsprach auch der Gruß der jugoslawischen Regierung, den sie dem kürzlich abgehalten nen Delegiertentag der jugoslawischen Zionisten durch den Mund ihrer offizillen Vertreter übermittelte. „Die Neue Welt" konnte damals, entsprechend ihrer völlig unabhängigen Position innerhalb der jüdischen Oeffentlichkeit, den Ausbau des zionistischen Gedankens in der Judenheit Jugoslawiens konstatieren, ebenso wie das teilnehmende Verständnis des jugoslawischen Volkes für die jüdische Regeneration. Wir bezeichneten diese Situation als Ausfluß eines gesunden Verhält» nisses zwischen zwei Völkern, die gene» rationenlang miteinander unter Freund» schaft leben. Die das jugoslawische Volk auszeich* nende Tapferkeit läßt Auswüchse barbarischer Aversionen und Voreingenommenheiten nicht zu. Die arabische Revolte vom August 1929 in Palästina, und die Haltung Englands in der Palästina« Frage haben wie überall, natürlich auch in Jugoslawien, das zionistische Problem neuerdings zur Diskussion gestellt. Es ist nicht verwunderlich, daß ein Volk, das selbst zur Erringung seiner Freiheit und nationaler Selbständigkeit übermenschliche Anstrengungen machen, schwerste Lei» den auf sich nehmen und die unerhörtesten Opfer brin« gen mußte, den parallelen historischen Werde» gang des jüdischen Volkes von Grund auf ver» steht Die Artikel in der jugoslawischen Presse charakteri» Bieren sich vor allem dadurch, daß die zionistische Palä» 8tina»Frage nicht vom kleinlichen Gesichtswinkel momen» taner Schwierigkeiten und Verwicklungen, sondern als natürlicher, historischer Prozeß gesehen wisd. So hat z. 8. der bedeutende jugoslawische Volks« Wirtschaftler Pr. Milorad Nedeljkovic auf Einladung — Aulregung in der italienischen Presse» — das jugoslawische Unterseeboot vor Jaffa« der Kulturscktion der jüdischen Gemeinde Novisad über seine Palästinareise berichtet. Wie wir der Beograder „P o 1 i t i k a" entnehmen, hat Dr. Nedeljkovic ein um« fassendes Referat über das Wesen der palästinensischen Kolonisation gehalten und die einzigartigen Leistungen des zionistischen Aufbauwerkes als beispielgebend hervor* gehoben. Die Palästina*Frage ist in Jugoslawien kein Gegenstand der Bewertung nur durch Politiker. Dies bezeugt die Anwesenheit aller Kreise der Stadt Novisad mit dem Bürgermeister B o r o t a an der Spitze und des Bischofs I r i n e j, eines Gelehrten von Weltruf. Der tiefgründige Vortrag des Dr. Nedelj* kovic gestaltete sich zu einer Manifestation, die einen enthusiastischen Charakter annahm, als Bischof Irinej die Versammlung begrüßte und erklärte, daß die grie* chisch*orthodoxe Kirche gegen die j ü d i* sehe Kolonisation in Palästina nichts ein* zuwenden hat und nichts einzuwenden haben kann. Zum Schluß seiner Rede zitierte der große Gelehrte den 124. Psalm Davids in hebräischer Spraohe. Sonderbarerweie ist Jugoslawiens Unvoreingenom* menheit in der Frage des jüdischen Palästina von manchen Kreisen Mißdeutungen ausgesetzt. Es mutet merkwürdig an, daß sich ein Teil der i t ali en i s c h eu P* ess e in Verdächtigungen gefällt. Die Ausführungen der „Neuen Welt", die von der jugoslawischen Presse zitiert wurden, geben einem italienischen Blatt Anlaß, mit der Behauptung, Jugoslawien habe Aspirationen auf Palästina, zu manipulieren. Natürlich weiß ,die italienische Presse sehr genau, daß im Rahmen des Völker* bundmandats im allgemeinen für Sonderbestrebungen kein Platz ist, schon abgesehen von der Tatsache, daß das Königreich S. H. S. nie direktes Machtinteresse an Pa* lästina haben kann. Man will anscheinend in vom Vati* kan inspirierten Kreisen nicht zur Kenntnis nehmen, daß ein Volk die Freiheitsbestrebungen eines andern auch objektiv und uneigennützig fördern kann. Zwischen den Jugoslawen und der griechischsortho* doxen Kirche einerseits und den Italienern und der römisch»katholischen Kirche anderseits herrscht eine Spannung. Was der Zionismus damit zu tun hat, ist wohl für den gesunden Menschenverstand unerfindlich. Wohl aber für überhitzte politische Köpfe!. Die Auslassungen, welche ein italienisches Blatt an die einfache Tatsache knüpft, daß die „Neue Welt" den Jugo« slawen für ihre edle, freundschaftliche Haltung gegenüber dem jüdischen Volke Anerkennung ausspricht, mögen als Beispiel der Wirkung hochgradigen politischen Fiebers wiedergegeben werden. Das Blatt „11 1 i 11 o r e, d a 1 m a« t i c oM (Zara) schreibt: „Es ist bekannt, daß die Belgrader Regierung in der letzten Zeit einen ausgesprochen zionistenfreund* liehen Standpunkt eingenommen hat. Bemerkenswert ist auch ein Artikel des zionistischen Blattes „Die Neue Welt" in Wien, weil er die Art der Beziehungen zwischen der Belgrader Regierung und der zionistischen Be* wegung klar zum Ausdruck bringt. Noch nützlicher ist es, auf die Tatsache hinzuweisen, daß ein jugoslawisches Unterseeboot mit Begleitschiff die Levante befuhr und sich einige Tage in Jaffa aufhielt. Wir halten «s für.