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Die neue Welt · 1931-02-13 · Heft 178 (13.2.1931) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 178 (13.2.1931)
Date
1931-02-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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SW'e 4 jSIEGM. KORNMEHL (| U QROSSFLEISCHHAUEßEJ j| sj Zentrale IX., Bergt™■=<;.. IM, TV»nw p.VJMw. fl ijLieteran ii i He'.ansiaitenl!;j ^SÄl2il22S^n <fö' *^'*-F,G8Sc^ Ii | unrcr Autsicht des h.rirwiirdig-n Kabb.natti der isr Kulff il fusyemeinde Wien fl Autoruotellung kostenlov i| jj IX. Berggasse 15 , XVIII., Währlngeritr. 97 jj ,j«Mische I)oputitntc der Regierungspartei Minzberg <!<n>kir <lrr RpgiVnihg dnfiir, daß sie das Projekt dem s'\t"» unterbreitet lwit. Bei der Abstimmung wird'das nrgionin«>projekt „,it großer Mehrheit anget^mmen. # •"Warschau, 6. Februar. (J. T. A.) Der Senat der polnischen Republik hatte in seiner gestrigen Sitzung die vom Sejm bereits in dritter Lesung angenommene Gesetzesvorlage der Regierung betreffend Abschaffung der noch aus der Zeit des Zarenregimes und der militärischen Okkupation während der Kriegszeit stammenden gesetzlichen Beschränkungen gegen die jüdische Bevölkerung endgültig verabschieden sollen, E n tgegen der allgemeinen Erwartung aber hat der Senat beschlossen, die Regierungsvorlagen von der Tagesordnung abzusetzen, ßo daß die Angelegenheit für längere Zeit begraben ist. In der jüdischen Bevölkerung Polens und in den demokratischen Kreisen der Republik hat das Verhalten des Senats Enttäuschung und Empörung hervorgerufen. In der der Plenarsitzung vorangegangenen Sitzung der juridischen Kommission stellte Senator Achronow i c z den Antrag, das Regierungsprojekt zu bestätigen. Die Senatoren Jundzil, Godl e;w.s k i und S e y <J a sprachen sich für die Ablehnung des Projekts aus. Daraufhin' schlug der Referent Vertagung vor. In der darauffolgenden Plenarsitzung des Senats wurde gemäß dem Antrag der juridischen Kommission die Gesetzesvorlage von der Tagesordnung abgesetzt.. * Judendebatte im Warschauer Stadtrat. — Antisemitische Redeexzesse einer getauften Jüdin. Warschau, 6. Februar. (J. T. Ä.) In der letzten iWtzung des Warschauer Stadtrates brachte Stadtrat Rosenthal Anträge ein auf Errichtung einer Handwerkerschule für die jüdischejugend und Schaffung von Volksschulen in den von Juden bewohnten Stadtvierteln. Gegen diese Anträge wandte sieh als1 Sprecherin der ä n t i s e m i tische n Nationaldemokraten Frau Jentekewidz, eine g e t au f t e Jüdin; und geborene Rappap ort. Die Red herin erging sich in heftigsten antisemitischen Ausfällen und erklärte, die Juden in Polen hätten einen unersättlichen Appetit, wollen alles, was polnisch ist, verschlingen.; die Juden seien im Genüsse von Privilegien, von denen die polnischen Kinder nicht einmal zu träumen wagen. Dieser Rednerin assistierte die antisemitische Agita- DIE NEUE WELT Nf. <73 torin Isa Moszczenska. die erklärte, die Polen seien in ihrem eigenen Vaterlaiide hei den Juden versklavt. Der Sprecher der Regiert! ngisfraktion, Abg. Tamczok, erklärte als Sachkenner, daß die Stadt Warschau in der Tat sehr wenig für die Erziehung der Kinder in den jüdischen Vierteln tue. Während man in den reichen Stadtvierteln kostspielige Schulpaliiste erbaut, gibt es in den von der armen jüdischen Arbeiterbevölkerung bewohnten Gegenden überhaupt keine Schulen. Die Forderungen der jüdischen Stadträte seien durchaus gerecht. ' Die jüdischen Stadträte S i b e r t und Czernjakow wiesen an Hand von Statistiken und Ziffern nach, daß für die jüdischen Bildungscrfordernisvse fast nichts getan wird. Bei dieser Gelegenheit erwähnte Czernjakow, daß in einer Stadt wie Warschau kein einziger Jude als Beamter oder Schaffner bei der Straßenbahn angestellt ist. * Kein Jude im polnischen Post- und Tclegraphendiensf. Warschau, 31. Jänner, (J. T. A.) In der Budgetkommission des polnischen Sejm erhob der jüdische Abgeordnete Rosmarin im Verlauf der Debatte über das Postbudget die Forderung, daß auch jüdische Beamte im polnischen Post- und Telegraphendienst angestellt werden mögen. Kein einziger Jude finde heute Verwendung im Post- und Tele-graph'enwesen. In seiner Entgegnung wies der Minister für Post- und Telegraphenwesen darauf hin, daß es einen jüdischen Postbeamten, und zwar in Czortkow (Ostgalizien) gebe. Der Minister gab die Versicherung ab, daß sich die Postverwaltung bei der Anstellung ' von Beamten, mimt, von religiösen odje^'cha;tiönäten>Eif^>ägun^en:'leHeii;. lasse. (Es ist* bekannt, daß in Galizieh linter der altetf ';österreichischen Regierung Tausende Juden im \ Postä.\^n^TeIegraphenAy'e6°e;äi! abgestellt waren. Die Red.) * Ein jüdischer Soldat im Dierath'^'"'iTölIe ':V'm1fi- •' '"' häntleltr'" ■*****■>'■■ ■■. Warschau, 2. Februar. In einem Prozeß vor dem Warschauer Kreisgericht . kam ein besonders krasser Fall von Mißhandlung eines jüdischen Soldaten im Dienste zur. Verhandlung. Im Jahre 1928 wurde der Jude Schlome Ossowski trotz körperlicher Un-i tauglichkeit zum Militärdienst , eingezogen. Obwohl Ossowski nach kurzerZeit infolge c|er' Strapazen des Dienstes erkrankte, wurde er von den ihm unmittelbar vorgesetzten Unteroffizieren unter ü n gla u bTi c h e n M i ß h a.n d 1 u n ge n gezvvüngeri, auch weiterhin die schwersten Uebungeri ■'iin^tzu3n&cheif.*•'^SchTießß^h brach* er'zusammen und wurde ins e'ft' eSn'geM'efert,; wo-. er nach" kurze* Zeil^ den Folgen •'-< der .erlittenen Mißhandlungen erlagt . Die /.milrtärärztliohe Obduktion stellte bei .dem . Verstorbenen s qh werste , Verletzung e n und eifl fortgeschrittenes Lungenleiden fest. Die schuldigen ^Unteroffiziere.- -waren , von ..der, Militärbehörde seinerzeit im Disziplinarwege mit unbedeutend e n Strafen belegt worden., ' - Die Muiferv: de&> Verstorbenen, : Gh^jia Oödes Verbandes demokratischer, Zionisten Wiens, Gruppe Vl-VItl Aufzug historischer öruri eri, biblische Tänze Eigene Punmzei ung! Samstag, den 28. Februar, in den Sälen des Charnoir* VI, Mariahilf erstraße 105 David Baumann Rosa Baumann geborene Fiscus empfehlen sich als Vermählte Wien, Februar 1931 sowski). hnt nunmehr gegen die Unteroffiziere and die polnische M i I i t ä r v e r w a 1 t u n g eine Schadenersatzklage auf Erstattung von 38.400 Zloty angestrengt. Die einvernommenen Zeugen brachten erschütternde Einzelheiten ans der Leidensgeschichte des zu Tod" mißhandelten 'jüdischen Soldaten zur Kenntnis de« (törichtes. Der Prozeß wurde vertagt. Die jüdische Gemeinde von Rawicz wehrt sieh gegen den Raub ihrer Synagoge. Warschau, 6. Februar. In Warschau weilt 'gegen* wärtig eine Abordnung der jüdischen Gemeinde der Stadt Rawicz, Wojwodschaft Posen, die bei der Retfie^ rüng gegen die von der Wojwodschaft beabsichtigte Wegnahme der Synagoge und des Gemeinde* Vermögens protestiert. Mit der Begründung, daß die Mehrheit der Mitglieder der jüdischen Gemeinde von Rawicz für Deutschland optiert habe und nach Deutsch» land abgewandert ist, hat der Wojwode von Posen noch i. J. 1923 mittels Dekret die Liquidierung d e r j ü d u sehen Gemeinde von Rawicz und die Uebergabe des prächtigen Synagogengebäudes und eini* ger im Besitze der Gemeinde befindlicher Häuser an die Stadtgemeinde ausgesprochen. Der Magistrat beschloß, den Beth Midrasch in eine Fröbel«Schule für Kinder der Offiziere der örtlichen Garnison umzuwandeln und die in den Gebäuden der Gemeinde wohnenden jüdi« sehen Bürger zu exmittieren. Die Abordnung, die gegen diese Maßnahme bei der Zentralregierung protestiert, führt ins Treffen, daß die Liquidation ungesetzlich sei. da nach Artikel 177 des preußischen Landrechts, das noch heute in der Wojwodschaft Posen Gültigkeit hat, eine jüdische Gemeinde so lange nicht aufgelöst werden kann, als noch in der Stadt ein einziges Mitglied derselben wohnt. Die Rawiczer Gemeinde ist eine der ältesten in Posen, sie existiert seit mehreren hundert Jahren. Am der zionistischen Organisation Die Zionistische Landesorganisation Oesterreichs, v : gibt die nationale Landespolitik preis. , Am ßi Februar fand ^in außerordentlicher Delegiertentag der österreichisdi-zionistisch.en Landesorganisation statt, welcher, sich mit der Frage der nationalen Landespolitik befaßte. Mit 36. gegen 22 Stimmen wurde ein Antrag der Landesleitung angenommen, welcher besagt, daß sich die österreichische Landesorganisation in Hinkunft nicht mit L a ri d evs-=: politik befassen und .sich lediglich auf Fragen der Kultusgemeinde beschränken wird. Mit diesem Beschluß, welcher dem Wesen des Zionismus, welcher a,lle lebenswichtigen, nationalen Fragen in den1 Wirkungskreis des zionistischen Wirkens einbezieht, hat die österreichische Organisation mit einer dreißigjährigen Tradition gebrochen und dem politischen Assimilantentum freie Bahn geschaffen. . Den Antrag des Landeskomitees vertrat als Referent Herr Dr. Jakob Ehrlich, welcher auf grundsätzliche Erörterung des Antrages verzichtete und leidig-' lieh Opportunitätsgründe, wie Schwäche der Organist Stühle um, die Bänke und die Tische, und man springt — das heißt „Laufen mit Hindernissen. Und wenn er auf eine „weite Strecke" wird laufen können und mit Hinder* nissen", werden wir alle direkt glückliche Menschen werden. Da haben Sie Nummer 1. ♦ Mein zweiter Sohn, Mendel, ist ein Bokser. Aber nicht der Bokser, der aus Palästina kommt und den dort die Ziegen fressen. Sondern eine andere Art Bokser. So eine neue Frucht. Aiis England. Was seine Arbeit ist? Er hat eine gespaltene Lippe, geschwollene Augen und eine eingedrückte Nase. Und sein Gemach'? Er buchezt in einem fort. Hat ein paar große, dicke Riemenhandschuhe an und buchezt. Was immer ihm unterlauft —, ein Buchez, ein Stoß, ein Hieb. Man ist einfach seines Lebens nicht sieber. Man komme ihm ja nicht zu nahe. Was tut Gott? Er schickt ihm solche Freunde wie er einer ist und auch mit Fausten und auch mit Handschuhen. Und man arbeitet und man buchezt in Grund und Boden. Und wenn keine Freunde und keine anderen Boxer da sind, ist wieder die Geschichte mit dem Training. Man buchezt hinein in das, was da ist: in den Spiegel, in die Hänge« lampe, in den Ofen — oder man nimmt ein Kissen, hängt es mitten im Zimmer an einen Strick und man buchezt, wieviel nur in das Kissen hineingeht. Und Jas Kissen wiegt sieh, stöhnt, ächzt unter den Schlägen.. Er buchezt und buchezt mit solcher Wut und solchem Getobe, daß Gort behüte. Da .sag ich zu ihm, zu meinem Bokser: „Du bist doch zu Tod verrucht, sag ich, wirst bald, sag ich, den Kopf an die Wand zu schlagen beginnen .. . ."" : Er lacht. Ich hab, sagt er, keine Ahnung was Boxen heißt. Er sucht, sagt er, den ,;Knokut", d. h. den richti* gen Stoß. Wenn ihm Gott hilft und er wird seinem Geg* ner den richtigen Schlag in die Schnauze geben, daß er den Teufel in Krakau*Lemberg sieht, dann werden wir, sagt er, Ehre haben und Geld und ich werde nicht mehr Schüler suchen müssen. Denn für solch einen Knokut hat da auch so ein Boxer vor> kurzem eine Million Dollar be* kommen. Billig wie gestohlen! Abo, da haben Sic Nummer 2. Jetzt gehen wir zu Nummer 3. « Das ist mein Sohn Schmulik. Er beschäftigt sich mit Eisenbrechen. Er bricht Eisen, hebt schwere Lasten, reißt Ketten, haut Nägel ein, biegt Hufeisen, kaut Münzen. „Schwerkathletik" heißt das bei ihm..Nur Schwerkathletik, denn Leichtkathletik paßt ihm nicht. So ein.kleiner Knirps und nur zu Schwerkathletik hat er Lust. Was er nur sieht, reißt er, beißt er. Silberne Zloty soll ich ihm geben. Er wird sie zerbiegen zwischen den Fingern und zermalmen zwischen den Zähnen. Gefallen Ihnen. meine Geschäfte? Ich soll die Zloty verdienen und er wird sie zermalmen! Danke, sag ich. Es fällt mir nicht so leicht, die Zloty zu bekommen, daß ich mit ihnen Kunststücke treiben soll. Tag und Nacht baut er Nägel qin: in den Tisch, in den Schrank, in die Wand. Das ganze Möbel ist bei mir voller Nägel. Wenn man ihjv.Ijcßc, würde er auch in mich einen Nagel hineinhauen. Was wird werden aus der Arbeit? frage ich ihn. Es wird werden, antwortet er, wenn ich nur ein Eisenkönig bin. Ich werde den Thron von Sische Breitbart erben, der der große Held war in der Welt und der größte Held bei den Juden und Ketten ge* rissen hat wie Bar Kochba im jüdischen Theater. Wenn Gott will, Vater, sagte er, und ich Eisenkönig werde, wirst du im Automobil fahren und dazu noch mit ihm über mich selbst. Vprläufig, wart', ich werde dich in die Höhe heben. Und er packt mich mit zwei Fingern am Kragen und hebt mich so, daß mir fast Hören und Sehen vergeht. Jetzt können Sie sich vorstellen, wenn die ganze Bande bei mir im Zimmer zusammenkommt und jeder seine Trainierung beginnt, seine Arbeit, seine Kunststücke. Einer lauft herum, verrückt ohne Hand und Fuß, als würden ihm böse Geister nachstellen. Das ist der Laufer. Ein zweiter rennt herum mit ein paar angeschwollenen Pratzen und buchezt in das Kissen und aus dem Kissen fliegen Federn und das Zimmer ist voll davon. Das ist der Boxer. Der dritte steht da und haut Nägel in die Stühle, dasist der Eisenkönig. Das wird ihnen vorkommen wie' ein Narrenhaus oder, bewahre, ein Pogrom auf Juden. Aber sie sagen, das ist Sport. Und wenn Sport, gibts doch nichts zu reden. Und so habe ich meine drei Söhne und alle sind sie Sportler und alle haben die Eßschüssel gern und alle haben, kein bös Auge, den richtigen Appetit. Und ich muß der Ernährer sein und die ganze Bande mit Schwer* kathletik und Leichtkathletik aushalten. So frage ich Sie: „Wer zeigt da mehr Kathletik, ich oder sie? Wenn mans richtig nimmt, glaub ich, bin ich mehr Sportsmann als sie, Was glauben Sie?

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