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Die neue Welt · 1931-02-13 · Heft 178 (13.2.1931) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 178 (13.2.1931)
Date
1931-02-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 178 DIB NEUE WELT Seif« J zent. Wenu also die Israeliten vor zehn Jahren noch 4,69 Prozent der Gesamtbevölkerung bildeten, bilden sie heute nur noch 4,1? Prozent. Wenn wir auf die Entwicklung rückblicken, erhalten wir folgendes Bild: Es lebten in Prag: Im Jahre Israeliten Von 100 Einwohnern waren Israeliten f "03 11.317 29,17 1880 16.571 10,64 190C 18.751 9,64 1910 17.950 8,25 1921 51.751 4,69 1930 35.465 4,17 Dieses Ergebnis hängt mit dem Ausbau Prags in eine Großstadt zusammen. Durch Anschluß der Vororte wächst die Stadt in raschem Tempo, die Juden aber vermehren sich nur langsam durch Zuzug vom L a n d e, das seine Juden an die Hauptstadt verliert." „Wenn man nun auch das Bekenntnis der Prager Israeliten zur jüdischen Nationalität verfolgen will, so darf man keine vorzeitigen Schlüsse ziehen. Denn bisher hat man nur die Nationalität derjenigen Einwohner gezählt, die die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft besitzen, dagegen werden zwar die Ausländer in der anwesenden Bevölkerung und in der Schichtung nach Religion mitgezählt, jedoch noch nicht in bezug auf ihre Nationalität. Bei der letzten Volkszählung bekannten sich von den 31.751 Prager Israeliten 5634 zur jüdischen Nationalität, davon waren 575 ohne tschechoslowakische Staatsbürgerschaft. Heute wissen wir, daß es im Dezember 35.463 Israeliten in Prag gab und daß von diesen, sofern sie die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft haben, 6731 (gegenüber 5959 im Jahre 192i) sich jüdischnational bekannt haben. Wenn also dieselbe Anzahl unter den Ausländern (die von 13.362 im Jahre 1921 auf 17.731 im Jahre 1930 angewachsen sind) jüdischer Nationalität dieg leiche ist, wie im Jahre 1921, so hätten wir in Prag 7306 Seelen, die sich zur jüdischen Nationalität bekannt haben. * Vom jüdischnationalen Standpunkt aus besehen, ist das Resultat nichts weniger als erfreulich. Auch wenn man die vom Verfasser vorgenommene Korrektur berücksichtigt, tritt die traurige Erscheinung zutage, daß sich kaum ein Fünftteil der Prager Juden ehrlich zu ihrem Volkstum, zum jüdischen, bekannt haben. Dazu kommt, daß den Juden in der Tschechoslowakei seitens der Mehrheitsnation und der Regierung keine Hindernisse in den Weg gelegt, wenn sie sich zur jüdischen Nation bekennen wollen. In dieser Hinsicht sind die tschechoslowakischen Juden besser daran als anderswo. Der maßgebendste Mann der Republik, Präsident Masaryk, ist immer ein Förderer der jüdischnationalen Ideologie gewesen. Man geht gewiß nicht fehl, wenn dieser Mißerfolg in nationaler Hinsicht auf gewisse rückläufige Tendenzen im Zionismus zurückzuführen ist. Seitdem man in offiziellen zionistischen Kreisen bemüht ist, aus dem Zionismus eine Geldsammelangelegenheit zu machen, wird die nationale Agitation immer mehr vernachlässigt, oft bewußt unterdrückt, weil man so leichter zu den Taschen der Juden zu gelangen glaubt. Man kämpft nicht mehr um die Seele, man kämpft um die Brieftasche des Juden. Das Prager Resultat ist eine Folge dieser mammonistischen Tendenz im heutigen Zionismus. Anderswo dürften die Dinge kaum besser liegen. Wendung im karpathorussischen RifuaJprozeß. —, Strafverfahren gegen den bisherigen Untersuchungsrichter. Prag, 8. Februar. Im Ritualprozefi von \elka Berozna ist eine interessante Wendung eingetreten. Die Milifärprokuratur von Uzhorod hat auf Grund einer Zeugenaussage der Mutter des Knaben Vasil Kostja ein Strafverfahren gegen den bisherigen Untersuchungsrichter F a 11 yn c k, den Kreisgendarmeriehauptmann des Bezirkes Pcrecin, zu dem Velka Berezna gehört, eingeleitet. Die Mutter Vasil K o s t j a s hat als Zeugin erklärt. Faltynek habe sie durch die D r o h u n g, sie müsse sonst die Spitalkosten selbst bezahlen, gezwungen., ihre Unterschrift unter die Privatklage zu setzen. Die Fortführung der Untersuchung wurde dem mit der Leitung der Gendanncrieabteilung Uzhorod neu betrauten Stabskapitän Novak übertragen. Das Organ der „L i ga f ii r M e n s c h e nr echte" in der C. S. R., der ..Aufruf", veröffentlicht das Protokoll der Zeugenaussage des Entlastungszeugen Pazuchanic, Direktors der Bürgerschule in Pcrecin, gegen den, wie vor kurzem gemeldet, ein Verfahren wegen Meineids eingeleitet wurde. In seiner Zeugenaussage machte Pazuchanic u. a. folgende Angaben: ..Als sich die Kinder von .irgend einer Konfrontation aus Uzhorod mich Hause begaben, hörte ich, wie sie untereinander erzählten, die Ver¬ Verband demokratischer Zionisteo Wien II, Untere Augartenstr. 38 l den 18. Feto Die schönsten liddlsdien und Conleience: Dr. Oskar taßfeld Regiebelirag: 50 Groichen letzungen seien ihnen nicht von Juden beigebracht worden, sondern sie hätten sicludic ganze Sache bloß ausgedacht, um sich einer besonderen Tat zu rühmen. Ich sprach mit Beka Borka, der Mutter des Kosty und diese sagte mir, ihr Sohn habe sich die Verletzung selbst an ein e r Fens te rs ch eih e zugezogen. Sie selbt habe ihm das Glaßstück aus der Hand entfernt. Helene Bogdan behauptete, sie hätte sich die Verletzung auf der Weide zugezogen. Tch habe die Kinder aufgefordert, die "Wahrheit zu sagen, ihnen aber nie damit gedroht, daß sie geprügelt werden würden, wenn sie sagen sollten, daß sie von der Sache etwas wissen." In seiner weiteren Aussage wies Pazuchanic darauf hin, daß Helene Bogdan auch vor dem Redakteur H a v a s JNur diese Schwedenklinge mach Rasieren zum Vergnügen Die führende schwedische Weltmarke H p Gcs ift ein »or.yüfllidjcS S£ovfieuaunfl§mUtel fltßen ©tut» arntur, Wa^jcntet-focn, ftucfcrfranfifjät; lucfleu fein«§ 3tcia> tumS an WäJjrjaijeu umb s&ititnttucn mertbofl für Jtiwbet. ctujtfle 33rot in Ijt>#temfä}cr ^«rpacEmia. £Vit bett fluten ftcinfo|M)anMHttflcn imfo SJncfcreicit crbälrTtct). Sctyr kauern: Simon&brot in <2ri)cibcn (gtannto'lpacfnng). eimonäbrotfabrtk VBiemStafttan 11 Sfiglidjer ^oftoerranb — «jeport <J der halbamtlichen ungarischen Wochenschrift „Uj Közlöny" eingestanden, sie sei von der Lehrerin Szöke zu ihrer unwahren Aussage verleitet worden. Anläßlich einer neuen Konfrontation vor Gericht habe die kleine Bogdan abermals ihr B 1 u t in ä r c h e n aufgetischt, sei jedoch verstummt, als sie vom Lehrer Pazuchanic auf ihr seinerzc.itiges Geständnis aufmerksam gemacht wurde. Die Fragen des Verteidigers, betreffend Person und Verhalten der Lehrerin SzÖke, seien nicht zugelassen worden. Aus Polen* Die Abschaffung der zaristischen Judengesetze. — Große Enttäuschung. Die Absic ht der polnischen Regierung, die aus der Znrcnzoit stammenden und noch bestehenden Gesetze gegen die Juden abzuschaffen, hatte große Befriedigung ausgelöst. Mit der Annahme des betreffenden Regierungsentwurfes durch das Parlament schiendie Sache erledigt. Nun beginnt ein schmähliches Doppelspiel. Der Senat hat die Annahme des Gesetzentwurfes der Regierung verweigert, und damit die Sache für unabsehbare Zeit vertagt. Die Heuchelei offenbart sich in dem Umstände, daß die der Regierungspartei angehörigen Senatoren den Regierungsentwurf sabotieren. Nachstehend die Meldungen; Warschau, 6. Februar. (J. T. A.) Der polnische Sejm behandelte das Gesetzprojekt betreffend Abschaffung der noch aus der Zarenzeit stammenden gesetzlichen Beschränkungen gegen d i e jüdische Bevölkerung. Saal und Gaierien waren voll besetzt. Der Referent der juridischen Kommission, Deputierter Jeszke, beantragte die Annahme des Regierungsentwurfes und die Ablehnung d e r Ve r b es s e r un gs v o rs c.h 1 ü gc des j ü d i s c h c n K1 u b s. Deputierter Dr. Sommerstein, der Sprecher des jüdischen Klubs, gab einen Ueberblick über die bisherigen Bemühungen zur Abschaffung der gesetzlichen Beschränkungen gegen die Juden. Alle Anträge, die der jüdische Klub in den drei vorangegangenen Legislaturperioden des polnischen Sejm eingebracht hat, kamen nicht zur endgültigen Erledigung, so daß noch bis zum heutigen Tag mittelalterlich anmutende B eschränkungen der bürgerlichen Rechte der jüdischen Bevölkerung in Geltung seien. Es handelt sich liier nicht nur um die Erfüllung einer konstitutionellen Pflicht gegenüber der jüdischen Bevölkerung, sondern auch um die Ehre des polnischen Staates, für den es ein Makel ist, daß alte zarische und (aus der Zeit der deutschen Okkupation) kaiserliche Gesetze noch in der heutigen Republik in Geltung seien. In der darauffolgenden Aussprache forderte der Nationaldemokrat J a s z w i n s k y die Rückverweisung des Gesetzes an den Ausschuß. Der Geistliche Czau (Regierungspartei) begrüßte das Projekt, das nicht nur die Beschränkungen gegen die Juden, sondern auch diejenigen gegen die katholische Kirche aufhebt. Der Sportfreuden* Humoreske von Der Tunkeier. Wieviele Kinder ich habe? Drei, sollen gesund sein. Drei Söhne, Sportfachleute. Söhne, einer fester als der andere, der liebe Gott soll ihnen Gesundheit geben und lange Jahre. Meine Söhne sind zwar der Ansicht, daß man sich Gesundheit aHein verschaffen kann, man muß uns, sagen sie, sich mit Sport befassen, man muß den Leib füttern und den Appetit trainieren. Dann, sagen sie, ist man schon von alleine gesund und bekommt Muskula* tür und Brustkorb und alle guten Dinge. Hauptsache ist, daß man mehr Kraft hineinstopft, um Gesundheit zu be* kommen. Und was wird sein, frage ich, wenn man schon Gesundheit bekommt? Wir werden, sagen sie, mit dieser Kraft noch Kraft hineinstecken, um noch mehr Gesundheit zu bekommen. Und was wird, frage ich weiter, schon der Zweck sein, wenn ihr schon gar viel Gesundheit habt? Wir ■werden, sagen sie, stark sein und gesund sein und viel Kraft haben... Tful Es ist das, was man sagt, frisch, gesund und verrückt. Ich habe also drei Söhne, von denen Sie, wenn Sie sie ansehen, nicht glauben werden, daß sie meine Söhne sind, meine: Fischel Henachs des Melameds Söhne. Helden, sage ich Ihnen. Um drei Köpfe größer als ich. Wenn ich mit ihnen über die Straße gehe, schaue ich aus wie die kleinen Buchstaben im Gebetbuch, jeder von ihnen ein Riesenkerl, breitknochig, stark, gesund, fest. Bitterl Vielleicht wäre es nicht so bitter. Es kommt ja vor, daß ein Vater keine geratenen Kinder hat. Dem Vater eben nicht nachgeraten... Das Unglück aber ist, daß ich, das schwache, kleine Menschlein Fischel Henach, der Melamed, diese Bande ernähren muß, denn sie haben keine Zeit, einen Verdienst zu suchen. Sie müssen, sagen sie, Kraft suchen. Ich aber, der mit der Gesundheit nicht auf gar so gutem Fuß steht, ohnedies keine Kraft habe, anstatt Muskulatur und Brustkorb einen Brustfehler, darf nicht krank sein, um das Essen herbeizuschaffen. Womit sich meine Kinder beschäftigen? Warten Sie! Gehen wir der Reihe nach. Einen Sohn habe ich, Schlojme. Der ist ein Läufer. Wohin, glauben Sie, läuft er? Ins Beth Midrasch? Einen Schüler für den Cheder suchen? Oder ein paar Groschen pumpen? Woher denn! Man läuft halt so. Ein Gassen« laufer geworden! In unseren Zeiten war ein Gassenlaufer eine Schande. Heute ist es ein hoher Stand. Wenn er durch die Straßen lauft, steht man Parade, schreit Hurra und klatscht Bravo. Und das, sagt mein Sohn, ist noch nicht alles. Vorläufig ist er noch ein Laufer für eine „kurze Strecke". Aber mit der Zeit wird er ein Laufer werden für eine weite Strecke. Dann wird er sein Diplom, sein richtiges Diplom bekommen auf einen Laufer und ein Großer werden in Israel. Neulich gehe ich so vom Cheder Mittagessen, da sehe ich Rudel von Menschen, man steht auf den Straßen und wartet. Ich glaube natürlich, wahrscheinlich wird eine große Leiche vorüberkommen oder Truppen mit Musik oder ein General wird vorüberfahren mit seinem Stab, ich stelle mich auch hin. Wie ich so stehe, ha, man lauft, eine Bande von Kerlen in kurzen Hosen und nackten Knien, und man lauft. Ich schau hin — mein Kaddisch! Ich glaube, daß ihm Hunde nachhetzen, will auch zu laufen beginnen, ha, keine Hunde. Ich beginne zu rufen: „Schlojme!" und schon ist er vorbei. Und die ganze Gasse steht Kopf. Man lüftet die Mützen und schreit Vivat! Gut geht's ihnen. Und was das Kunststück ist, und wie ich zu Hause bin, ist er schon dort. Verschwitzt wie ein Bär, verstaubt. „Woher des Wegs der Gast?", frage ich ihn. „Denn du siehst doch aus, sage ich, als wärst du zu Fuß von der weiten Welt gekommen." „Von Mokotow", antwortete er. „Was hat man in Mokotow gemacht?" „Man ist gelaufen." „Ein einträgliches Geschäft?" frage ich. „Ein einträgliches Geschäft nicht, aber man mußte auf die Minute zur Stelle sein." „Na wozu dann die Hetzerei; das Schuhsohlenzerreißen?" „Sport", sagte er; Und das ist noch nichts. Er wird, sagt er, noch nach Jablone laufen, nach Äelibosch, nach Zepze, nach Gritze und wo die Welt ein Ende hat. Ein Glück, das der Vater hat! Und jetzt, sagt er, soll man den Tisch decken, denn er ist todhungrig. Und er beginnt, kein bös Auge, das Festmahl fest zwischen die Zähne zu nehmen. Eine Frage das! Nach einer solchen Reise be« kommt man den wirklichen Appetit. Die Gasse aber ist zu wenig. Er lauft unaufhörlich im Zimmer selbst. Das „trainiert" er sich so, d. h. er studiert die Lektion zu Hause. Er läuft, von einem Zimmer in das andere, um den Tisch herum, zwischen den Betten, den Stühlen, aber all das dort wo er steht. Vielleicht eine volle Stunde kann er so dastehen und laufen. Eins — zwei, eins — zweil Und wenn das zu wenig ist, kehrt man 4ie

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