Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 178 (13.2.1931)
- Date
- 1931-02-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite ÖIE N£UE WELT Nr. 178 Keine Bestätigung der Gerüchte über RücktritfsabsicIlten Pnssfields. New York, 8. Februar. (J. T. A.) „New York World" meldet au« London, daß Lord Pasefields Demission als Kolonien minister bevorsteht. Sein voraussieht* lieber Nachfolger sei Lord V o e 1-B u x t o n, der vor kurzem, nachdem er aus Gesundheitsrücksichten sein Amt als Landwirtschafffinvinisfcr niedergelegt halte, mit meiner Gattin eine Mittelmeer-ReiW unternommen und dabei auch Palästina besucht hat. Das Kotonialamt hat auf eine Anfrage der Jüdischen Telegraphen-Agentur erklärt, es könne die von dem New Yorker Blatt gebrachte Meldung weder bestätigen, noch dementieren. Auch in den politischen Kreisen Londons ist von einer Absieht Lord Passfields, z u d e in i s s i o n i e r e n, nichts bekannt: insbesondere hält man es in diesen Kreisen für unwahrscheinlich, daß im Fall eines Rücktritts Passfields Lord Noel-Buxton sein. Nachfolger sein würde. Die Frage der Unterstellung Palästinas unter das Außenamt. London, 8. Februar. (J. T. A.) In seiner Ausgabe von Samstag, dem 7. Februar, erklärt „Daily Telegraph", die Tatsache, daß nicht der Kolonienminister Passfield, sondern der Außenminister Henderson die Regierungserklärung, in der die Ergebnisse des ersten Teiles der Verhandlungen mit der Jewish Agency zusammengefaßt werden, nicht unterzeichnet hat, sei ein Anzeichen dafür, daß die Gerüchte über eine geplante. Unterstellung der Palästina-Verwaltung unter das Außenamt begründet sind. Zu dieser Nachricht des „Daily Telegraph" wird der J. T. A. mitgeteilt, die Tatsache, daß die Regierungserklärung von Henderson unterzeichnet wurde, sei einfach darauf zurückzuführen, daß Henderson Obmann der mit der Jewish Agency. verhandelnden Rcgierungskommission ist. Auf eine bevorstehende Unterstellung der Palästina-Verwaltung unter das Außenamt könne aus dieser Tatsache durchaus nicht geschlossen werden. Der zweite Teil der Verhandlungen zwischen Jewish Agency und englischer Regierung wird in der dritten Februardekade eröffnet. London, 8. Februar. (J. T. A.j Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur aus' maßgebend er Quelle erfährt, wird der zweite Teil" der Verhandlungen zwischen Jewish Agency 'und englischer Regierung :öhne Rückeicht darauf, ob über die Ergebnisse des ersten" Teils der Verhandlungen eine Offizielle Erklärung in den nächsten Tagen veröffentlicht werden wird — was bis zu r Stunde noch nicht feststeht — oder nicht, Jedenfalls im letzten Drittel des Monats Februar eröffnet werden. Prof. Dr. Weizmann wird ah der Eröffnungssitzung des zweiten Teiles der Verständigungskonferenz teilnehmen und sich erst darin nach Palästina begeben. In einem spateren Zeitpunkt wird Dr. Arthur R u p p in, der bereits nach London berufen wurde, an den Beratungen teilnehmen. Die Londoner Presse zur politischen Lage. London, 8. Februar; (J. T. A.) Die gesamte Londoner Sonntagspresse tritt, offenbar von eeiten der Regierung inspiriert, kategorisch den Nachrichten über Demissionsabs ichtenLord Passfields .u'-D'd eine geplante Unterstellung der Verwaltung Palästinas unter das Außenamt entgegen. Gleichzeitig erklären die Blätter, daß das neue Dokument der englischen Regierang über Palästina noch im Laufe dieser Woche veröffentlicht werden wird. Der Inhalt des neuen Statements werde keine grundsätzliche Abkehr von der bisherigen Palästina-Politik der Regierung bedeuten und in hohem Maße den Charakter einer Verteidigung des Weißbuches tragen. Die Erklärung werde wohl in einzelnen Punkten, nicht aber in den Hauptlinien Konzessionen an die zionistischen Forderungen enthalten. Studentenredil und Sfudentenehre» Zu den Judenkrawallen ian den Wiener Hochschulen. Wien, am 11. Februar. Auf dem Kriegsschauplatz der Wiener Hochschulen herrscht Ruhe. Seit einigen Tagen hört mau nicht« mehr von Prügeleien, Verwüstungen, Brandstiftungen, und scheinbar hat vorläufig der normale Betrieb wieder eingesetzt. Die Herren Studenten hüben und drüben haben bis zur Sammlung neuer Energien ein wenig abreagiert; die Völkischen durch das Wählen in die deutsche Studentennation, die Sozialisten und Liberalen durch das Protestieren und durch die Aufforderung zum Wahlboykott. Nach außen hin gab man dem Rummel einen Jüdischen Charakter. Da« bedeutet «ovieJ, KINDER-PURIMFEIER Der Verband demokratischer Zionisten veranstaltet auch heuer anläßlich des Purinifestes im Theater ReMamt, l,Pra™e34 2 KINDERFEIERN Zur Aufführung gelangt ein von Frau Else Nebenzahl verfaßtes Stück „Purim in T«l*Awlw". Es wirken ausschließlich Kinder mit. — Die Vorstellungen finden am Samstag, den 1 März, und Sonntag, den 8. März, um halb 5 Uhr nachmittags statt. — Vormerkungen auf Karten bei den Damen: Margit Buchbinder, Tel. R-48-1-38; Else Nebenzahl, U-12-2-16; Paula Stricker, A-48-1-89. als daß Wähler und Antiwähler im Namen des Judenpunktes ihren Kampf geführt sehen wollen. Die Hakenkreuzler haben von Hans aus jedem, der sich nicht mit arischer Rassenreinheit auszuweisen vermochte, den Eintritt in die deutsche Studentennation verwehrt, hinwiederum wollten viele nicht Rassenreine (alias Israeliten), die ein Herz für das Deutschtum haben, unbedingt hinein. So entstand anläßlich des neuen Stiidentenrechts, das die Studenten nach Nationalitäten ordnen will, der Kampf um den Arierparagräphen. Worum geht es in der Wirklichkeit? Was bildet den Hintergrund des Kampfes von Völkischen, Sozialisten und Liberalen? Und welche Rolle spielt der jüdische Student und die jüdische Studentenschaft in dieser Affäre? Die Wiener Hochschulen sind seit jeher Bildungsstätten gewesen, die eine internationale Studentenschaft angelockt und beherbergt haben. Komplikationen, lind Kontroversen gab es gemäß der altösterreichischei) Naf ionalitätenzusammensetzung auch vor dem Krieg. Nach der Neuordnung der Dinge durch den Umsturz, der überhandnehmenden politischen Radikalisierung der Studentensphaft,spitzten sich die Verhältnisse auf den Wiener Hochschulen so zu, daß 'bei beginn jedes Semesters der akademische 'fiSettfi$> 5 ins zur Lahmlegung gestört wurde. Und sonderbar! Was die Studentengruppen jahrzehntelang angestrebt hatten, der Gedanke der nationalen .-.Autonomien der Studentenschaft, ist reif geworden. Im Vorjahr •hat die Universitätsbehörde die ©Öffentlichkeit mit einer Verordnung überrasch.!, Wonach sich die •Studenten nach Nationalitäten gruppier ren und eine Vertreterschaft als Funktionärin z^senfeti ^r^:^ urid den akademischen Behörden wählen sollen.. Dieser vernünftige Gedanke bleibt, auch dann vernünftig, wenn er auch seine Geburt den unerquicklichenpolitischen Auseinandersetzungen im Staate selbst verdankt. Der seit zehn Jahren tobende Machtkampf, zwar nicht zwischen Demokratie und Antidemokratie, sondern zwischen dem einen Diktaturprinzip und dem andern, hat auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens zwei Heerlager geschaffen, die einander verbissen kampfbereit gegenüberstehen. Derart trägt die Konsequenz der Sonderung nach nationalen Studentengruppen zunächst den Stempel des Willens zur Macht, —indem, die eine Gruppe bestrebt ist, die Hegemonie über alle anderen zu haben. Diese Erscheinung wird begünstigt durch die Haltung von Rektoren und Professoren, die mit d^r "Verordnung . c|er •. neuen Studentennation, im Sirine>.-des; reaktionären .völkischen Ideals das Uebergesvqc-ht zu geben beabsichtigen. -Verwirrt und' unheilvoll' verschärft wird die Situation durch das. s=o zi a I i s t i s q h e und I i b ev a I e Element. Selbst deutsch gesinnt und gewillt, dem Deutschtum an den Wiener Hochschulen Uebergewicht zu verschaffen (man erinnere sich an die seinerzeitige Studenten vorläge des Sozialisten^ führers Karl Leuthner, der Juden und Ausländer unter einer Art von Ausnahmegesetz gestellt Mir schadet kein Welter und mich ermüdet nichts, denn ich verwende ständig FRANZBRANNTWEIN mit Menthol Für alle Zwecke der Körperpflege: Einreibungen (Massagen), als Mundwasser, zur Haarpflege bestens bewährt. Soll In keinem Haushalt fehlen. Achten Sie auf die Marke „Diana"» Wertlose Nachahmungen sind entschieden ..zurückzuweisen. U«H«r«ll rhtfltlicM sehen wollte!) ist es in seinen Aktionen arg gehemmt; denn es besteht zum beträchtlichen Teil aus Juden. Diese Tatsache gibt ihren Antipoden, den Hakenkreuzlern und Völkischgesinnten, die Angriffsfläche, was der zehnjährigen Auseinandersetzung die sogenannte jüdische Note verleiht. Es sei rund herausgesagt: das Problem, der jüdischen Assimilation macht das Problem der Wiener Hochschulen immer wieder akut. Es verwischt die tatsächlichen Motive des Kampfes, es verschiebt d i e R i c h t n n g. es zeitigt absurde Erscheinungen. Es gibt eine auf jüdischem Boden und au! jüdischnationaler Tendenz organisierte jüdische Studentenschaft. Ihre Aufgabe war es, den Judenpunkt an der Universität auf das unvermeidbare Maß zu reduzieren, Klarheit zu schaffen, das pathologische Element des Assimilantentüins beiseite zu schieben und im Positiven politisches Rückgrat und nationale Disziplin ihren jüdischen Kommilitonen zu geben.. Sie hatte also eine doppelte Aufgabe: den Kampf, nach außen und den inneren Aufbau im Sinne jüdischen Bewußtseins und Erziehung für die großen jüdischen Aufgaben. Daß ihr dies bis jetzt nur in beschränktem Maß gelungen ist, beweist der assimilantiötische Hexensabbat rings um das neue Studenten.recht. An der Assimilantenpsyche hat sich nichts geändert. Waren die Herren Assimilanten früher deutsch und liberal, so sind sie heute deutsch und sozialistisch bis in die Knochen. In diese ist der Schreck gefahren, sie könnten durch das neue Stüdentenrecht gar als —Juden angesehen werden. Unermüdlich protestieren sie hier und winseln dort. Sie pochen an die Tore der deutschen Studentennation, wollen ihre „berechtigte" Forderung durch oberstgerichtliche Entscheidungen nachweisen, alarmieren:die Oeffenilichkeit unjcj, Weisen mit dem Finger auf ihr blutendes deutsches Herz. Sie finden Verständnis in der sogenannten „Judenpresse". Sie ist es, die ihnen sekundiert und kräftig, aber unbeabsichtigt mitwirkt, ihre Würdelosigkeit an den Tag zu bringen. Sie, die Protektionskinder der Judenpresse, finden Haß und Prügel bei den Deutschen, die sie in die „Gemischte Studentennation" verweisen. Ein grausamer, aber symbolhaft wahrer Witz! Denn gemischt ist ihre Wesensart, deutsch-liberälsozialistisch-israelitischkonfesionell - konfessionslos! Unsere Zurückgewiesenen sind Brüder im Geiste der Wiener „Arbeite r-Z e i t u n g" und jener fortgeschrittenen Berliner „W e 11 b ü h n e', die im Jahre 1930 dem Schriftsteller Emil Ludwig folgendes Kompliment macht: " -' „Die meisten Deutschen sind Ihnen irinig dankbar d a f ü r, daß Sie sich bei Ihrer jeweiligen Vertretung des deutschen Volkes' mit dem deutschen "Namen "L ii d w i g' und' nicht Oo'h n anreden lassen." So sieht es in den Hirnen der gegen das nationale Judentum protestierenden Assimilanten verschiedenster Couleur aus. Die. jüdischnationalen Studenten werden weiterkämpfen müssen, just auf dem Boden der Studentennation. Dehn diese trägt jenen Gedanken in sich, der eine Lösung des verwickelten Problems, bringen kann. Eine L p s u n g nur, wenn, Studentennation neben Sludentennation gl ei chbe recht igt ist. wenn die jüdische Studentennation neben der deutschen Gleichberechtigung als Vertreterin ihrer Gruppe genießt. Das zu. erkämpfen ist Aufgabe der jüdischen Studentenschaft. Der Kampf bewitfitjüdisch eingestellter akademischer Bürger kann würdevoll und mit Aussicht auf Erfolg geführt werden. Die Forderung um einen Platz in der fremden Nation gegen deren Willen ist würdelos und wird immer erfolglös bleiben. Die Prager Juden/ Fallender Prozentsatz. — Bekenntnis zur jüdischen Nation. In der Prager „Selbst wehr" schreibt Dr. F. Fried - mann auf Grundlage der Ergebnisse der soeben durchgeführten Volkszählung: „Die Zahl der Israeliten ist seit der letzten Volkszählung im Jahre 1921 von 31,751 auf 35.463 gestiegen, also um volle 11 Prozent, die Gasamtbevölkerung jedoch von 676.657 Seelen auf 848.768, also um 3 5 Pro-