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Die neue Welt · 1931-02-06 · Heft 177 (6.2.1931) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 177 (6.2.1931)
Date
1931-02-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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n% m m mm mit Seite t Schande der 1500 Zertifikate. Was ein Mittelstandler schreibt. Als die englische Regierung die Einwanderung itiicft Palästina stoppte, ging helle Empörung durch die ganze jüdische Welt. In Meetings und Strauchdemonstrationen protestierten die jüdischen Massen von Warschau bis New York gegen diesen Anschlag auf den Aufbau des jüdischen Nationalheims. Aiwh die Jcwish Agency schloß sich dem Proteststurm an. Man verhandelte mit den britischen Behörden, um eine Aufhebung des Einwanderungsverbotes zu erzielen. Das Ergebnis ist bekannt. Es kam das berüchtigte Weißbuch. Neuer Proteststurm, nette „Revolte" der Agency, Rücktritt Weizmanns, Warburgs u. a., und die englische Regierung war nobel, indem sie — 1900 Zertifikate der Agency auf den Tisch wart! In der zionistischen Presse Palästinas und der Galuth wurde viel darüber debattiert, ob man diese Augenauswischerei — daß es eine solche ist, war allen klar — nicht mit Zurückweisung beantworten solle. Man entschloß sich zur Annahme. Nun war für 1300 Menschen der Weg nach Palästina frei. Hier traf mau bereits Maßnahmen zum Empfang der neuen Einwanderer. Man hatte aber die Rechnung ohne die Exekutive der Agency gemacht. Welche Sensation, als sie strikte erklärte, es sei nichts mit den 1500 Einwanderern! Sie habe kein Geld! Noch nie hat sich die jahrelang geübte, durch keine Kritik zur Besinnung zu bringende, durch keine Warnung zu ändernde Methode der Wirtschaftspolitik der Agency so klar entlarvt wie durch dieses Selbstgeständnis. Noch nie hat sich die Bevorzugung eines einzigen kostspieligen Kolonisationselements so gerächt, wie liier. Wer es in all den Jahren wagte, die Einwanderung des selbständigen jüdischen Mi 11 e 1 s t ä n d 1 e r 's, Kaufmannes, Industriellen und jenes Arbeiters zu befürworten, der auf eigene Initiative und Verantwortung und mit eigenen Mitteln ins Land kommen will, wurde als B. e aktionärverhöhnt. Nichts charakterisiert die Beurteilung dieses Zustandes durch das Volk besser als ein Brief, den die Redaktion der „Neuen Welt" von einem Mann erhalten hat, der zweifelsohne für viele Tausende spricht. Der Brief des Herrn M. H. Löwenwirth aus U ib,p,r,Qd (Tschechoslowakei) lautet: . „Als ich im Juli 1929 bei der Palästina-Regierung in Jerusalem anfragte, ob mir die Bewilligung erteilt würde, mit meiner Familie nach Palästina zu übersiedeln, erhielt ich den Bescheid, mich an das englische Konsulat in Prag zu wenden. Kurz darauf kamen die blutigen Unruhen. Ich ließ ein Jahr verstreichen und fragte Juli 1930 beim englischen Konsulat in Prag an. Dieses wies mich an das Palästina -Amt Prag, und hier und ebenso bei den Palästina-Aemtern in Erez Israel und in London wurde mir geantwortet, ich müßte 1000 Pfd. vorweisen können. Dieser Forderung stand, meine Auskunft gegenüber, daß ich rund 800 Pfd. bar besitze, für eine Fabrik hier und im nahen Orient (Aegypten, Palästina, Syrien) reise, wodurch ich jährlich 200 Pf und verdiene. Von meinen Kindern leben seit fast sechs Jahren in Palästine zwei Söhne, von denen der eine auf gepachtetem Grund Feldarbeiter, der andere Schlosser ist, und eine Tochter, die seit einem Jahr in einem Sanatorium angestellt ist. Ich selbst war bereits neunmal im Lande, hatte im Jahre 1925 sogar die Bewilligung, dort ständig zu bleiben, von der ich infolge meiner finanziellen Verhältnisse und sonstiger Verpflichtungen leider keinen Gebrauch machen konnte, Jetzt möchte ich mich mit meiner Frau und meiner 16jährigen Tochter dort niederlassen, darf es aber nicht, weil ich. keine vollen 1000 Pfund aufwelsen kann, 1500 Zertifikate gehen verloren, weil die Leitung kein Geld hat. Es ist unverständlich, warum man diese 1500 Zertifikate nicht solchen Chaluzim und Mittelständlern gibt, Tausende warteten geduldig . . . auf Einlaß und bei der Warenausgabe. Trotz großer Vorbereitungen waren wir dem die höchsten Erwartungen weit übertreffenden starken Massen-Ansturm zu unserem balligen Sonderverkauf „WEISSE WOCHE** nicht gewachsen. Wir bitten daher unsere geehrten Kunden, die unvermeidliche Verzögerung bei der, Abfertigung freundlichst zu entschuldigen. > Durch Einstellung neuer Hilfskräfte und verbes-' ferte Verkaufsorganieation haben wir nunmehr eine klaglose und rasche Bedienung sichergestellt. . Bitte — besuchen Sie uns — möglichst schon am| Vormittag! \ Wir führen «He Weißwaren-Schlager unverändert* billig auf Lager! die der Leitung keinerlei Kosten und keinerlei Verpflichtungen aufbürden würden. Ich kenne viele Chaluzim, die gerne auf eigene Spesen fahren würden und nur wegen der Visa, beziehungsweise Zertifikate nicht fahren können, ebenso wie viele Mittelständler, die wohl keine 1000, aber 200 bis 500 Pfund besitzen. Nützte mun auf solche Weise die vorhandenen Zertifikate a u s, so könnte man weitere anfordern und so immer mehr. Ist das nicht eine Schande, daB dieser vernünftige Weg einer Kaprize wegen nicht beschritten wird? Vielleicht halten Sie die Idee für wert, in ihrem Blatt besprochen zu werden. Nicht nur ich, sondern auch viele andere waren Ihnen hiefttr dankbar." MtfeibiiMir Bröder SCHIFFMANN II, Tibof •trtflt 48 Eine Ber.dii.gung/ die keine ist* Herr Professor Brodetsky und „Die Neue Welt" In Nr. 172 der „Neuen Welt" wurde darauf hingewiesen, daß'der politische Referent der Zionistischen Exekutive Herr Prof. S. Brodetsky in London eine Rede gehalten hat, welche eine „A b l e h n u n g der Grun-delemente der Weizmunnschen Politik und eine Unterstreichung der Hauptbeschwerden der Opposition" bedeutet. Ks heißt wörtlich: „Weizm-ann und seine Majorität haben die Gelda u f I) r i n g u n g und den technischen Aufbau in Palästina als das Um und Auf der zionistischen Arbeit bezeichnet, den politischen Zionismus abgelehnt. Biodetzky setzte an die Spitze seiner Ausführungen die These, daß die politische Arbeit das Primäre ist und jede zionistische Wirtschaft in Palästina ohne vorherige politische Sicherung versagen muß." Ferner: „Weizmann und seine Majorität haben die Heranziehung der reichen Nichtzionisten für Führung der Bewegung als Heilmittel gepriesen und in Kämpfen, welche die Zionistische Organisation zerbrochen haben, durchgesetzt. Der politische Referent Brodetsky stellt fest daB die Erweiterung der Jewish Agency durch Nichtzionisten einen Dualismus in der Leitung geschaffen hat, der sich in entscheidenden Momenten unheilvoll ausgewirkt hat. Er fordert Abstellung dieses Dualismus durch denKongreD." Mit Bezug auf diese Ausführungen schreibt Herr Professor Brodeteky an „Die Neue Welt": „Sehr geehrte Redaktion! In Ihrem Artikel „V o r dem XVII. Zionisttenko-ngreft" in Nr. 173 Ihres gesch. Blattes sind einige Bemerkungen über mein Referat bei der Jahreskonferenzi der Englischen Zionistischen Föderation enthalten, die von einer unrichtigen Wiedergabe meiner Darlegungen ausgehen. Meine Bemerkung über die Notwendigkeit politischer Sicherungen für unsere wirtschaftliche Aufbauarbeit war nicht so zugespitzt, wie es in Ihrem Artikel dargestellt ist. Ich betonte gegenüber gewissen Kritikern, daß für eine ersprießliche wirtschaftliche Aufbauarbeit politische Sicherungen erforderlich seien. Ich ließ raeine Hörer anderseits darüber nicht im Zweifel, daß ohne eine gleichzeitige intensive Aufbauarbeit keine reale Politik durchführbar sei. — Meine Bemerkungen über den bestehenden Dualismus in der Leitung waren nidit, wie ee nach Ihrer Darstellung den Ansehein hat, gegen die erweiterte Agency gerichtet. Ich wies darauf hin, daß hier ein technisches Problem in der Tages arbeit der Leitung vorliege, das Gegenstand der Klärung durch den Kongreß sein müsse. Ich habe in meinen Bemerkungen weder eine Kritik des zionistischen noch des nichtzionistischen Teiles der Leitung aussprechen wollen. Was den letzteren betrifft, so habe ich gerade auf die loyale Unterstützung, die unsere Arbeit im vergangenen Jahre von Seiten der amerikanischen Agency-Führer, insbesondere des Herrn Felix Warburg, erfahren hat, hingewiesen. Ich wäre Ihnen für eine frdl. Veröffentlichung dieser Zeilen sehr dankbar. Mit Zionsgrufl hochachtungsvoll S. Brodetsky." * Es ist leicht zu ersehen, daß diese Berichtigung eigentlich nichts berichtigt. Wenn wir sie trotzdem bringen, so geschieht es vor allem aus wirklicher Hochachtung gegenüber Professor Brodetsky, der ein aufrechter Zionist und Nationaljude ist, durch seine Zugehörigkeit zur derzeitigen Leitung leider vielseitig behindert. Dann aber, weil diese Berichtigung ein Musterbeispiel für eine unter dem Drucke der „Kollegialität und Solidarität" entstandene Demonstration gegen die eigene Erkenntnis ist. In der A.-K.-Sitzung nach den blutigen Unruhen in Palästina erstattete Professor Brodetsky ein politisches Referat, in welchem er freimütig feststellte, daß eine Abkehr von der b i sherigen, unzulängl|chen Pö|i1tik der Zionistischen O i'$ a>3n i'« a$:i o i 'Gebot der Stunde sei, Das Referat wurde ypa jdjgn. ^raititypjMtj aufgenomtnenV Dann kam Präsident Weizmann Und gab die berüchtigte Erklärung ab: „Nur Uber meine Leiche führt der Weg zu einer anderen als der bisherigen Politik!" Und Professor Brodetsky kam nicht mehr auf sein Referat zurück und schwieg. Wohl aus Gründen der Solidarität und Kollegialität. Aus den gleichen Gründen berichtigt er jetzt: Kollegialität und Solidarität sind gewiß schöne Gefühle, aber in einem solchen Sinne wirkend, nützen *ie dem Zionitunue nicht. Im Gegenteil 8° .DOLLAR Hypotheken Pfandbriefe 11°oSCHATZSCHEINE PrMÄ BANKGESCHÄFT Dr. THAUSING 6 SCHLESINGER Wl*n I, fagellhelUIrsBe 4 Telephon R-23-2SH, R-23-3-92 Was will Moskau hi Palästina? Beschlüsse des letzten Kongresses der Kommunistischen Partei. Von M. Jahrblum (Paris). Die letzte Nummer der kommunistischen „Inte n nationalen Korrespondenz" bringt zwei Briefe aus Palästina über den jüngst stattgefundenen kommuni* stischen Kongreß, über den man bisher nur wenig erfahren hat. Diese Briefe sind überaus interessant und werfen ein richtiges Licht auf die sogenannte kommunistische Be* wegung in Palastina, deren Inhalt und Ziele. Unter dem Mantel des Kommunismus, des Kampfes gegen den Imperialismus, scheint ganz klar der arabu sehe Nationalismus in seinen ganz gewöhnlichen primitiven Formen auf. Der erste Brief charakterisiert die Lage und „er* läutert" aie Resolution des Kongresses. Eine Art „theo* retischer" Begründung, der man dies zu entnehmen hat: Die jüdische Minderheit in Palästina spielt die Rolle eines Agenten des englischen Imperia« l i s m u s mit dem Zweck, die Emanzipationsbewegung des arabischen Volkes zu ersticken. Das allein genügt nicht. Der Zionismus will sich mit der so kleinen Rolle eines ein* fachen Agenten nicht begnügen. Er ist überhaupt die Avantgarde zur Unterdrückung und Exploitierung der arabischen Massen. Der „Theoretiker" des arabischen Kommunismus „beweist" die Richtigkeit seiner Gedanken wie folgt: Nach der Niederlage des deutschen Imperialis* mus hat sich der englische Imperialismus in Palästina installiert, um die jüdische Einwanderung im Kampf gegen die arabische Emanzipation zu benützen. Die jüdischen Kapitalisten suchten damals einen Staat für sich selbst, kaprizierten sich auf Palästina, nützten die traurige Lage der jüdischen Massen in Europa aus, um gemeinsam mit dem englischen Imperialismus ihre Ziele zu verwirklichen. Das ist eben das Bündnis: Der e n g 1 i s c h e I tri p e r i a 1 i s* mus braucht Palästina und will die Araber ersticken; der jüdische Kapitalismus braucht einen Staat und hat die jüdischen Massen — das Geschäft ist gemächt. Dann wird vom Bodenraub gegen die Araber gesprochen, weshalb arabische Agrarrevolution Kampf gegen den Zionismus heißen muß. Das ist die kommunistische Rechtfertigung der traurigen Ereignisse von 1929. Es werden dann die alten Verleumdungen .^wiederholt, daß die jüdische Einwanderung die Araber vertreibe, der jüdische Arbeiter privilegiert sei, da ihm die jüdische Bourgeoisie Geld schicke, um auf diese Weise eine Kluft zwischen jüdischen und arabischen Arbeitern zu schaffen' usw. Zum Schluß kommen noch ein paar Worte über die ar a b i s c h e Bourgeoisie, die zum englischen Imperialismus übergegangen sei, nicht aber etwa die ganze Bourgoisie; denn es zeige sich, daß die Husseinis eine dem Imperialismus feindliche Kraft dar« stellen, die man im Kampf gegen Imperialismus und Zionismus verwenden könne. Aber diese paar Worte über den arabischen Feudalismus — das ist klar herausfühlen — werden nur zum Zweck der Augen* auswischerei hingeschrieben. Die Hauptsache ist der Kampf gegen den Zionismus zugunsten des panarabischen Nationalismus. Im zweiten Brief wird der Kongreß selbst behandelt. Es stellt sich heraus, daß es der 7. Kongreß der palästi* nensischen kommunistischen Partei ist. Auf die Tagesord* nung wurde vom Exekutivkomitee der kommunistischen Internationale in Moskau der „Aufstand 1929" gesetzt und die Debatte über den den „Offenen Brief", den das* selbe Exekutivkomitee an die Mitglieder der Partei ge« richtet hat. In den Resolutionen des Briefes hatten die palästinensischen Kommunisten eine scharf e Rüge ob ihrer „Sünde n" erhalten, wegen des Nichtverstehens des arabischen Problems, wegen des „arabischen Aufstandes", sogar den Vorwurf, sie befänden sich unter dem Einfluß des Zionismus, und es wurde darin verlangt, die Taktik und Handlungsweise gründlich zu ändern. Die guten Leute zeigten sich folgsam. „Einstimmig" wurden alle Befehle des Exekutivkomitees akzeptiert, man kritisiert" einander wegen der begangenen Sünden und insbesondere wegen der schwachen Arabisierung der Partei; man ergriff anscheinend gehörige Maß« nahmen, um viele arabische Delegierte zusammenzube* kommen — es gab ebensoviele Araber wie Juden. Alle stimmten darin überein, daß der Hauptfeind der zionistische Einfluß sei, der auf die Abschwächung der Arabisierung eingewirkt habe. Und wiewohl der Kongreß auch im arabischen Nationalismus eine Gefahr erblickt, so wird doch der zionistische Chauvinismus jetzt weitaus als gefährlicher betrachtet. Es wurde beschlossen, eine starke gewerkschaftliche Organisation der urabU sehen Arbeiter zu schaffen und einen engen Kontakt

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