Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 177 (6.2.1931)
- Date
- 1931-02-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite l DIE NEUE WELT Nt. ift London experiencet Staatlich geprüfter Lehrer mit Universitätsprü.ung ei teilt engl. Sprachstunden in und auaer Haas, war in Engtand. Beste Referenzen, maßiges Honorar. Weiber/ Wien IX, Rote Lötvengafte 3 mit den Fellachen und Beduinen auf Grund einer Agrarrevolution herzustellen. Das neue Zent Ikomitee besteht aus einer a r a b i* sehen Mehrheit und wird so die Resolutionen des Kongresses in bezug auf die Propaganda unter den arabi* sehen Massen besser ausführen können. Man scheint zu den 'iidischen Kommunisten nicht genügend Vertrauen gehabt zu haben. Die jüdisch'kommunistischen Emissäre in Palästina haben die Winke und Befehle aus Moskau glänzend ausgeführt, Wort für Wort die vorgeschlagenen Resolutionen über die Taktik abgeschrieben, wie sie das Exekutivkomitee formuliert hat, und haben versprochen, Buße zu tun und sich brav aufzuführen. Den ersten Beweis dafür lieferten sie durch schnelles, künstliches Schaffen einer arabischen Mehrheit, um die einzige, ihnen mögliche Arbeit verrichten zu können: den Kampf geegn den Zionismus mit allen Mitteln zu führen, sogar mit solchen wie die des August 1929. Das wird klar, wenn man die letzten Briefe der kom* munistischen „Internationalen Korrespondenz" liest. Der arabisch*effendis'che Nationalist nrus hat auf der ganzen Front der Kommunistischen Partei in Palästina gesiegt. Antibritische Propaganda während des Begräbnisses Mohammed Alis. Jerusalem, 30. Jänner. (J. T. A.) Während des Be* gräbnisses des Führers der indischen Mohammedaner Mohammed Ali wurden in den Straßen Jerusalems von Kommunisten Aufrufe verteilt, in denen die Fellachen zu einer Revolte aufgefordert wurden. In den Aufrufen wurde darauf hingewiesen, daß Indien, für das der tote Führer gekämpft habe, noch immer vom briti* sehen Imperialismus unterjocht sei. Der britische Imperialismus habe sich auch mit den Z i o n i s t e n ver« bündet, um Palästina zu versklaven. Im Zusammen* hang mit dieser antibritischen Propaganda wurden insge* samt 35 Kommunisten verhaftet. 21 wurden wieder auf freien Fuß gesetzt, während gegen 14, 7 Juden und 7 " Araber, die Anklage wegen Aufreizung gegen die Be« horden. erhoben werden wird. AUS PALÄSTINA. Die endgültigen Wahlergebnisse für den Jüdischen / Nationalrat (Assefath Haniwcharim). Die zentrale Wahlkommission für die Assefath Haniwcharim veröffentlicht die definitiven Wahlergebnisse für die Wahlen zur Assefath Haniwcharim. Aus nachfolgender Aufstellung ist ersichtlich, wieviel Vertreter auf die einzelnen Parteien entfallen. Vereinigte Arbeiterpartei 21,485 Stimmen 28 Delegierten Sefarden Revisionisten 8.068 ,> 10 . „ MJsrachi 4.100 „ 5 Allgemeine Zionisten 2.841 „ 4 „ Frauenliste 1,849 „ 3 „ Jemeniten Linke Poale Zion 902' * 1 „ Sesfardische Arbeiterlisten 1,682 „ 4 Arbeiterliste „Boruchow" 891 „ 1 „ Haschomer Hazair 812 „ l . „ . Sefardische Revisionisten 2.121 „ 5 „ Sonderliste fer Handwerker 252 „ — Proletarische Liste 524 „ — Die Finanzen der palästinensischen Regierung. \ Nach dem letzten Finanzausweis betrugen die Einnahmen der palästinensischen Regierung im Monat Oktober 1930 248.293 Pfund, die Ausgaben 258.562 Pfund. Für die ersten zehn Monate des Jahres 1930 ergibt sich eine Gesamteinnahme von 1,947.785 Pfund, eine Ausgabe von 1,965.834 Pfund, d. h. also ein Defizit von 18.049 Pfund. | Bei der Beurteilung dieser Ziffern muß berücksichtigt werden, daß der Ausweis der Regierung per 3i, Dezember 1929 ein enUeberschuß von 7 7 3.070 Pf. ergab. Die Regierung läßt wegen der Rückgänge der Einnahmen untersuchen, welche Kürzungen im Budget vorgenommen werden können. Die Untersuchung erfolgt durch eine Kommission des ColonialOffice in London (Vorsitzender der Kommission O'Donnell). In Palästina nimmt man an, daß die wesentlichsten Einschränkungen im Bereiche des Departements für ö ffen 11 i c h e Arbeiten' vorgenommen wer-: den. Auch werden bis zur Beendigung der Untersuchung^ die alljährlich vorgesehenen Gehaltserhöhungen an die Regierungsbeämten nicht in Kraft treten. i ■ . ■ . ... Schwache Touristensaison auch in diesem Jahre. Die; Zahl der Touristen, die das Iuformatiqusbüro; während der letzten drei Monate aufgesucht haben, w.ftr 108, während sich in der gleichen Periode des Vorjahres 82 Touristen dort, gepieldet hatten. Die Ursache der geringen Zahl der Touristen im ersten Quartal der Touristensaison 1929 waren die Unruhen, während in diesem Jahre die allgemeine finanzielle und wirtschaftliche Depression in Amerika und Europa einen ungünstigen Einfluß auf den Touristenverkehr ausübt. Der größte Teil der Touristen nach Palästina wird von den Beamten des Informationsbüros aufgesucht und mit Material versehen. Viele der Touristen erwidern den Besuch im Büro und erhalten dort weitere Informationen. Von dem neuen Führer des Büros „Guide to Jewish Palaestine" wurden bereits 2500 Exemplare in den beiden Sprachen Englisch und Deutsch an versdiiedene Reisebüros, zionistische Institutionen, Keren- Hajessod- und Keren-Kajemeth-Komi'tees und andere Stellen im Ausland versandt. Die Broschüre wurde von jüdischer und nicht jüdischer Seite warm aufgenommen. Beduinen stören jüdische Kolonisten bei der Feldarbeit Jerusalem, 30. Jänner. (J. T. A.) In El Karmel bei Haifa verhaftete die Polizei 15 Beduinen, die jüdische Kolonisten gewaltsam an der Ausführung der Feld« arbeiten hindern wollten. Wieder Feldmäuse im Emek? Aus dem Emek Jesreel wird berichtet, daß an einzelnen Stellen wieder Feldmäuse auftreten, so daß die ernste Befürchtung der Mäuseplage besteht, die im Vorjahre zur Vernichtung eines großen Teiles der Ernte und zu schweren finanziellen Verlusten geführt hat. Noch ist nicht bekannt, ob rechtzeitig eine wirksame Abwehr organisiert werden wird. Keine jüdische Vertretung auf der panasiatischen Frauenkonferenz. - Jerusalem, 31. Jänner. Die jüdische Frauenorganisation wurde eingeladen, an der panasiati sehen Frauenkonferenz, die demnächst in Lahore eröffnet werden soll, teilzuehmen. Die jüdische Franenorganisation wird sich jedoch im Hinblick, darauf, daß nur Delegierte, die in Asien geboren sind, zur Konferenz zugelassen werden, darauf beschränken, die Konferenz schriftlich zu begrüßen. Ein Menorah-Klubhaus in Jerusalem. Col. Kisch hat aus London einen Betrag von 2100 Pfund für die Errichtung eines Klubhauses zur Erinnerung an die jüdischen Soldaten, die in Palästina gekämpft haben, erhalten. Lord Meiche tt und Col. C. Waley Cohen hatten die Sammlung durchgeführt. Der Platz für das Gebäude befindet sich im Bezalel-Viertel in Jerusalem und wurde noch während der Amtszeit von Lord P I u m e r zu günstigen Bedingungen zur Verfügung;-|.ereilt. < Die Tribüne. Tauf juden als Vortragende bei jüdischen Vereinen. Wir erhielten folgendes Schreiben: „Wien, am 2. Februar. Geehrte Redaktion! Im Vereinsanzeiger einer zionistischen Zeitung las ich angekündigt, daß Herr Rechtsanwalt Dr. Richard Preßburger im Verein zionistischer Hochschüler „Z. P. Chajes" einen Vortrag hält. Herr Dr. Richard Preßburger ist tauf jude. Entspricht es der Würde eines zionistischen Vereines, der noch dazu den Namen Chajes trägt, diesen Herren einzuladen? Hochachtungsvoll L. K." * . , Antwort des Herausgebers. Es ist nicht anzunehmen, daß die Veranstalter gewußt haben, daß Herr Dr. Richard Preßburger sich seinerzeit, als es modern und vorteilhaft war, taufen ließ. Bemerkenswert ist der Mut (nennen wir es so) dieses Herren, sich bei Juden, noch dazu Nationaljuden, sehen und1 hüren\ zu lassen. Die Laxheit in der gesellschaftlichen Behandlung von Renegaten seitens der Wiener jüdischen Gesellschaft hat ihm anscheinend' die Courage' gegeben. Dr. Salomon Krenberger gestorben. Im Alter von 70 Jahren ist der bekannte jüdische Pädagoge. Reg.di. Dr. S. Krenberger in Wien ge* storben. Der Verstorbene war lange Zeit zionistisch tätig und gehörte auch vor dem Krieg der Leitung der ziü* nistischen Landesorganisation an. Er war Fachmann, auf dem Gebiet der Erziehung nicht Voll* sinniger und machte sich auch als pädagogischer Schrift« steller einen Namen. In den letzten Jahren leitete er als j Direktor das „Israelitische Taubstummeninstitut." Doktor Krenherger war auch außerhalb Oesterreichs als Mit* arbeiter verschiedener pädagogischer Fachzeitschriften, u. a. „tos" und „Levana", bekannt. Das Begräbnis hftt Dienstag, den 3, Februar stattgefunden. Stflndise unentgeltliche Jtelienwfmlttiinif Zionismus ... und Antisemitismus. Diskussion zwischen Hellmuth ity Gerloch und Jakob Klatskin, "Im „Dortmunder Ge ne ra la n z'e i ge r'Miat der bekannte Demokrat und Pazifist Hellmuth v. Gerlach unter der Ueberschrift ,,Zi onisnus und A n t is e m i t i:s m u s" einen kritischen Ä ufsatz über Dr. Jakob Klatskin« in dritter 'Auflage erschienenes Blich! Wer ausgebildetes, tüchtiges und diszipliniertes Personal aller Art u. aller Branchen benötigt, wende sich an »Hakoah«\ I., WtotliMjafttr. tl, Tal. M**0*i6 „Probleme des modernen Judentums" an leitender Stelle veröffentlicht, der eine scharfe Verurteilung der Klatzkinschen Ideen, und Definitionen betreffend nationales Judentum und jüdisches Volkstum enthält. Dr. Klatskin übergab dem JDortmuuder Generalanzeiger" eine eingehende Erwiderung, in der er zunächst feststellt, daß Herr v. Gerlach „ein schiefes Bald von seinem Buch schon insofern bietet, als er die wesentlichen und zentralen Gesichtspunkte seiner Einstellung nicht einanal andeutet, geflissentlich verschweigt und lediglich einen peripheren Ausschnitt zum Gegenstand seines Angriffes macht", und dann fortfährt: „Bitter unrecht tut er (Gerlach) mir, indem er mir Gedankengänge zuschreibt, die in schroffem Gegensatz zu den in diesem Buche eindeutig vertretenen Ansichten stehen und von mir seit einem Jahrzehnt in Wort und Schrift wiederholt bekämpft wurden. Man ist versucht, anzunehmen, daß Herr v. Gerlach mein Buch nicht gelesen hat und es nur auf Grund einiger aus ihrem Zusammenhang herausgerissener Sätze beurteilt. Wie anders sollte man es erklären dürfen, daß ein Mann wie Herr v. Gerlach die Grundkonzeption meines Buches, die jeden nationalen Chauvinismus verwirft und in einem Glauben an die Zukunft einer kosmopolitischen — freilich die nationale Individualität nicht ertötenden — Völkergestaltung begründet ist, völlig übersehen hätte? Daß ihm die klaren und präzisen Schlußsätze meines Budies, in die mein zionistisches Ideal mündet, entgangen wären?: „Der Zionismus will das jüdische Volk für den Internationalismus, den Internationalismus für das jüdische Volk freimachen. Letzten Endes kann unsere nationale Befreiung, wenn sie nicht in Chauvinismus ausarten soll, nichts anderes als die Befreiung zur vollwertigen Menschwerdung und internationalen Kulturentfaltung meinen." (S. 208.) 1 Wie mein Buch in dieser Hinsicht von international eingestellten Menschen bewertet wird, onaig auch ein Brief des bekannten dänischen Schriftstellers Henri Natansen, den ich gerade heute erhielt, bezeugen. „Sie ihaiben ein seltenes Werk geschaffen — ebenso stark im Gedanken wie im Gefühl. Eindringend, wie ich es sonst nie gesehen habe, vermochten Sie die verwickelten Strömungen des Judentums zu ordnen'-und in einem Brennpunkt zu sammeln — wissenschaftlich im logischen Stiingens, künstlerisdi in der tiefsten Menschlichkeit, die durch alles tönt und klagt. Nicht nur als Klaige, vielmehr als Anklage. Diese Anklage ist es. die das Buch in die hohen Sphären hebt, wo Ideen und Ideale ihr eigenes Leben führen — weit entfernt vom Augenblick und irdischen Egoismus." Und nun zum Thema Zionismus und Antisemitismus. Ich gebe zu, daß ein ehrliches und aufrechtes Bekenntnis zum jüdischen Volkstum (Theodor Herzl: „Wir sind ein Volk, ein Volk"), wie meiste ns ehrliche und aufrechte Bekenntnisse unterdrückter Völker oder fremdnationaler Minderheiten — z; B. das Bekenntnis von Deutschen zum deutsdien Volkstum in Polen u. a. —, noch immer Gefahren in sidi birgt; aber es ist die sittliche Pflicht der Bekennenden, diese Gefahr in Kauf zu nehmen und, .gemeinsam mit allen Vorkämpfern einer neuen Menschheit, zu bekämpfen. Ich gesiehe ferner, daß ein Bekenntnis zum jüdischen Volkstum bedenklicher — im Sinne politischer Opportunität — ist und dem Antisemitismus mehr Nahrung gibt als das Bekenntnis zur jüdischen Religionsgemeinschaft; aber Menschen des Fortschritts, Juden wie Nichtjuden, können daraus nur die Folgerung ziehen, einen heute gegen das jüdische Volkstum gerieM,«,tem Antisemitismus ebenso abzuwehren wie früher den religiösen Anti semitismus, der das Judentum vorwiegend als Religionsgemeinschaft an- Wochen-Kalender , Jänner 1931 B3» «»mn Schebat 5691 « 6 Freitag 19-^ Sabbateingang 4*55 7 Samstag 20-3 Sabbataosgang ß'46 •fan nio rü«g tspn w 8 Sonntag 21-IO . . 9 Montag : 22-33 "': in Dienstag 21-» ii Mittwoch 24-13 12 Ponnerstag 25-ns