Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 177 (6.2.1931)
- Date
- 1931-02-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Stittt oft tmm mit Nr. m Ein« Filiale der italienischen Staatsbank in Palästina. M i l a n o. 31. Jännef. Die Verwaltung der italienischen Staatsbank, der „Banco di Koma", hat beschlossen, in Tel-Awiw eine Niederlassung zu eröffnen. Der Präsident der Gemeinde der lrvantinischen Juden in Mailand, Dr. Yakir Behar, wurde auf einen leitenden Posten in der Jerusalemer Niederlassung der „Banco di Roma" berufen. Der Vatikan gegen das neue jüdische Gemeindegesetz Italiens. Rom, 2. Februar. (J. T. A.) „Osservatore Roman o'\ das offizielle Organ der katholischen Kirche, wendet sich in einem längeren Artikel gegen einzelne Bestimmungen des vor kurzem veröffentlichten jüdischen Gerne ihdegesetzes für Italien und insbesondere gegen die durch dieses Gesetz dem neu zu schaffenden Verband der jüdischen Gemeinden zugewiesenen Aufgaben. Welche Beweggründe, fragt „Osservatore Romano", hatte die Regierung zur Schaffung eines Verbandes der einzelnen Gemeinden, die bisher ein autonomes Leben geführt haben? Das Blatt erklärt, mit dem Verbände werde in Italien eine „förmliche jüdischreligiöse Körperschaft" gebildet. Jedenfalls aber hätte der Verband nur rein administrative Funktionen haben dürfen. Indessen soll er laut Art. 36 des neuen Dekrets »sich an der allgemeinen, religiösen sozialen Arbeit des Judentums beteiligen und einen Kontakt mit den jüdischen Gemeinden des Auslandes aufrechterhalten". Dies sind, erklärt das Organ des Vatikans, schon nicht mehr bloße rechtliche Normen; das ist bereite ein Initiativprogramm. Es ist nicht einzusehen, zu welchem Zweck ein katholischer Staat derartige Bestimmungen erlaßt. Erster jüdischer Friedhof in Belgien. Antwerpen, 30. Jänner. (J. IVA.) Der Magistrat von Charleroi hat der jüdischen Gemeinde dieser Stadt ein Grundstück zur Anlegung eines speziellen jüdischen Friedhofs zum. Geschenk gemacht. Es ist dies der erste Fall in der Geschichte der Juden Belgiens, daß die Anlage eines jüdischen Friedhofs ge* stattet wird. Bisher haben die Juden ihre Toten auf den allgemeinen Friedhöfen begraben und die orthodoxen jüdischen Gemeinden Antwerpens und Brüssels, die aus religiöser Ueberzeugung einen allgemeinen Friedhof ablehnten," pflegen ihre Toten nach Holland zu über* führen und sie dort auf jüdisetieh Friedhöfen zu be=< statten. ' ... .....:. . Der Zermonienmeister des Präsidenten Masaryk ein Jude« Prag, 3. Februar.. Der erste: Zeremonien* meist er des Präsidenten der Republik, der unter anderem durch seinen. tschechischen „K n i g g e" bekannt gewordene Schriftsteller Dn Georg;Guth*Jarkovsky, feiert jetzt seinen 70. Geburtstag, Dr. Guth*J[arkovsky hat in früheren Jahren aktiven Anteil an der tschecho* jüdischen Bewegung genommen, in deren Publikationen er wiederholt durch Beiträge ideologischer und belletristischer Art zu Worte, kam. Er verfaßte Romane, Erzählungen und Humoresken. Dr. GuthJarkovsky, der nach längerer Tätig* keit als Gymnasialprofessor Ministerialrat und schließlich erster Zeremonienmeister des Präsidenten der Republik würde, spielt auch in der. tschechoslowakischen Sport* weit als Gründer und langjähriger Vorsitzender des tschechoslowakischen Olympischen Ko* mitees eine große Rolle. Jahreskonferenz des Verbandes der Tschechojuden in der Tschechoslowakei. Prag, 3. Februar. In Prag wurde soeben die diesjährige Jahreskonferenz des Verbandes 'der Tschechojuden in der Tschechoslowakei, der ein« zigen organisierten a n t i z i 0 n i s t i s c h e n und das A s s i m i 1 a t i o h s p r i n z i p: vertretenden Bewegung auf dem Boden der C. S. R. abgehalten. In seinem einleitenden Referat erstattete Max L e d e r e r (Jaromer) Bericht über die Entwicklung der tschechojüdischen Bewegung seit der Vorkriegszeit. Pas Referat wurde von Dr. Jindrich K 0 h n (Prag) ergänzt. Der zweite Verhandlungstag war mit Referaten des Sekretariats, des Frauenverbandes der Tschechojuden und mit dem Finanzbericht ausgefüllt sowie mit den Berichten der einzelnen Ortsgruppen, die die Zusammenarbeit mit den nationalen Körper* Schäften der Tschechen und die Bekamp* fung der zionistischen Bewegung betrafen. Es wurde mitgeteilt, daß auch in der Slowakei eine parallele Bewegung unter ' dem Namen „S10 w a k o* Juden" und unter Führung des Primars des jüdischen Landeöspitals in Bratislava, Dr. Hugo Roth, entstanden ist. Der Nachmittag des zweiten Tages war mit einer Debatte über die Probleme der Jewish Ägency ausgefüllt. Die Referate erstatteten Paul Rotter und Karl Braun. Eine endgültige Stellung zur Frage der Beteiligung an der jewish Agency wurde n i c h t gen 0 m m e n, vielmehr nach einer langandauernden Debatte beschlossen, der nächsten Jahreskonferenz der Tschechojuden in Pardu« bitz die Entscheidung darüber zu überlassen. Zum Vor» sitzenden de» Verbandes wurde Dr, Viktor Teytz (Prag), zu Vizevorsitzjenden wurden Pr- Otto S t r 0 ß und Viktor L e d e r e r gewählt. 1 "STÄM^^ SIEGM. KORN MEHL OltOSSFLIISCMHAUEftEI geittrate, »X., Berpga«!te...19, TV»phon 17-3-9V u. lfi-9-34 L ielera (i Uf Hei ans falten J^btcili^ anter Aufsicht des Ehrwürdigen Kabbinats der Isr Kultusgemeinde Wien Antosu*tolliin§ ko*t«nlo» I IX. Bttrggaise IS ✓ XVIII., Wllhrlngarstr. tf I /wfflWi*iunmHWiinHMtwiH*inHiwHiHtwtm^ mmi»wiWHHiimmmwm>fflHunMmHnHii^ Der Kampf um die Präge* Jüdische Gemeinde. — Das amtliche Nachrichtenbüro gegen die „Deutschzionistische Mehrheit". Prag, 28. Jänner. Das amtliche Tschechoslowakische Korrespondenzbüro veröffentlicht nachstehende Mitteilung: Das Landesamt für Böhmen hat den Beschluß des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Prag, nach welchem die Wahlen in den Vorstand vom November 19 29 für ungültig erklärt wurden, aufgehoben und hat dem Vorstand aufgetragen, über die Einwendungen gegen die Wahlen neuerlich zu entscheiden. Der Vorstand hat gegen diese Entscheidung an den Obersten Verwaltungsgerichtshof appelliert und für diesen Appell aufschiebende Wirkung verlangt. Das Landesamt für Böhmen hat dieses Ansuchen am 14. Jänner 1931 abgelehnt. Es tritt daher der im November 1929 gewählte Vorstand mit dem Präsidenten Dr. August Stein wieder in sein Amt. In der Meldung des amtlichen Nachrichtenbüros heißt es zum Schluß: „Dadurch ist der Herrschaft des gegenwärtigen, am 4. Mai 1930 gewählten Vorstandes mit deutsch-zionistischer Mehrheit ein Ende bereitet." Der J. T. A. wird hierzu seitens des Präsidiums der Prager Jüdischen Gemeinde mitgeteilt, daß eine Entscheidung des Landesamtes im erwähnten Sinne zwar gefällt worden ist, daß sich die Jüdische Gemeinde aber mit einem Rekurs gegen diese Entscheidung an das Unterrichtsministerium wende, und daß die gegenwärtige Leitung, mit dem Präsidenten Abgeordneten Dr. Ludwig-"Singe r an der Spitze, nicht die Absicht habe, die Geschäfte der Jüdischen Gemeinde anderen zu übergeben. Die Stadtgemeinde Amsterdam plant die Einstellung einer, größeren A^ahl jüdischer Beamter. Amsterdam, 25. Februar. -Im Stadtrat; voitf A m s t e w däm stellte der jüdische Stadtverordnete S. Rodrigues de Miranda anläßlich einer Debatte über die Frage des Hausier* und Straßenhandels eine Untersuchung über die Möglichkeit der Anstellung einer größeren Anzahl von Juden, als Beamte und Arbeiter im Dienste der Amster* damer Stadtgemeinde in Aussicht. Im Zusammenhang damit wird die Frage der B e f r e i u h g der jüdischen städtischen Beamten vom Dienste am Sabbat geprüft werden. )f" Schwere Bluttat verhetzter polnischer Jugend. Warschau, 30. Jänner. (J. T. A.) Im sogenannten „Sächsischen Park" Warschaus, wo wiederholt jüdische Spaziergänger von polnischen Hooligans überfallen wurden, spielte sich gestern eine tragische Szene ab. Eine Gruppe Fußspall spielender jüdischer Schüler wurde von einer Gruppe christlichsozialer Schüler antisemitisch beschimpft. Die jüdischen Schüler kümmerten sich nicht darum und spielten ruhig weiter. Plötzlich brach ein polnischer Schüler aus seiner Gruppe Hervor,, lief auf die Gruppe der jüdischen Schüler zu, versetzte dem 1 2 j ä h r i g e n. Be n i k Heldenberg einen Messerstich in den Rücken und ergriff sodann mit seinen Kameraden die Flucht. Der verwundete Heldenberg wurde in das jüdische Hospital gebracht, wo festgestellt wurde, daß seine Lunge durch den Stich verletzt worden war. . Präsident Hoovers Unterschrift in Jiddisch. Warschau, 31. Jänner. (L T. A.) In der letzten Sitzung des Warschauer Stadtrats, in der das Schul» b u d g e t behandelt wurde, polemisierte der Geistliche Wyrembowski gegen die jüdischen Anträge auf Unterstützung des jüdischen Schulwesens und führte aus, die Polen dürfen in ihrem Lande keine andere Kultur als die polnische dulden. Stadtrat Buxbaum (Poale Zion), .führte demgegenüber ins Treffen, daß je stärker eine Kultur ist, sie sich um so duldsamer gegen andere Kulturen zeigt. Es sei kein Zeichen von Kultur, wenn j ü,d»s c b e K i n d e r keine Schulen haben, weil dei Staat nicht für sie sorgen will. In Amerika habe er, Buxbaum, in allen Stadt« Bibliotheken große jiddische Abteilungen vor» gefunden. Er sei in der Lage, den Stadträten ein Dokument der Regierung der Vereinigten Staaten vorzuzeigen, das jiddisch abgefaßt und vom- Präsidenten Hoover mit hebräisch»jiddischen Lettern unterzeichnet ist, Buxbaum wies eine Photographie dieses Dokumentes vor, die .unter den Stadträten Sensation erregte. Ein Talmud-Prozefl in Budapest. *- Das Gespentt August Rohlings. Budapest, 28. Jänner. (J. T. A.) Ein gewisser Alfons Luzsehszky hat vor Jahren mit antisemitischer Ten* denz einzelne Stellen des Talmud übersetzt und Prospekte verschickt, in denen er erklärte, daß man aus seinem Buche das Streben der Juden nach der Weltmacht und der Niederwerfung der Christen auf der ganzen Linie erkennen werde. Der Talmud erteile genaue Instruktionen dafür, wie man die Christen vernichten solle. Der V e r* fasser zählte auch eine Reihe von angeb* liehen Ritualmorden auf. Zwei Empfänger dieser Prospekte, Ladislaus Fried und Alexander B a r n a, antworteten mit Zuschriften, in denen die Behauptungen Luzsenszkys als unverschämte Lügen bezeichnet werden. Auf die Klage Luszenszkys wurden die beiden Briefschreiber vom Richter Dr. Neuwirth zu Geld« strafen verurteilt, und zwar wegen formaler Be* leidigung. Beweisanträge wies der Richter mit der Be* gründung ab, daß die Aufstellungen Luszenszkys absurd seien. Nachdem von beiden Parteien Revision eingelegt wurde, ordnete Richter Dr. Ernst Jacob die Einholung der Gutachten des Universitätsprofessors Michael K m o s k o und des Rektors des Pester Rabbinerseminars Dr. Ludwig Blau an. Kmosko erklärte, er habe 97 Zitate Luzsenszkys geprüft. 54 waren einwandfrei, 15 annähernd richtig, 15 enthalten kleinere und größere Irrtümer, eines läßt auf ein Mißverständnis schließen, 8 aber verraten eine polemische Tendenz. Er betone ausdrücklich, daß er sich mit dem System des Klägers nicht identifiziere. Dr. Ludwig Blau weist darauf hin, daß diese Frage eigentlich eine res judicata bilde, die bereits im Jahre 1883 rechtskräftig entschieden wurde. 1871 gab Univ.*Prof. August Rohling eine Studie „Der Talmud* jude" heraus. Die Broschüre Luzsenszkys sei aber zum größten Teil aus Rohlings Buche übersetzt. Rohling hatte sich 1883 den ungarischen Gerichten als Sachverständiger im Prozeß von Tisza»EszIar angeboten und sich erbötig gemacht, die Blutschuld des Judentums aus dem Talmud zu beweisen und mit einem Eid zu bekräftigen. Die Ge* richte nahmen den Antrag nicht an. Dr. Bloch bezichtigte Rohling der Fälschung, der Lüge und des Meineids. Rohling klagte. Die vom Rektor der Wiener Universität und von Rohling namhaft gemachten Gelehrten erklärten als Sachverständige vor Gericht, daß Rohling Talmud* Zitate gefälscht hat. Bevor das Gericht sein Urteil sprach, zog Rohling seine Klage zurück und wurde schließlich genötigt, die Professur an der Prager Universität nieder* zulegen. Da nun Luzsfcnsky aus derselben Quelle schöpfe, könne die Angelegenheit als - res jtidicäta ' betrachtet werden. In der heutigen Verhandlung erklärte Straf bezirks* richter Dr. Ernst Jacob, er stelle das weitere Ver. fahrenaufGrunddes§125ein. Dieser Paragraph räumt dem Richter das Recht ein, einen Prozeß einzu* stellen, dessen Erledigung weder ein öffentliches, noch ein privates Interesse zu fördern geeignet erscheint. Pogromgefahr in Beßarabien. Bukarest, 31. Jäuner. Wie aus der Beediwerde einer in Kischinew eingetroffenen jüdischen Delegation aus Hartopu-Mare bei Or-hei und einem kurz darauf eingelangten Bericht des Präfekten des Distrikts Orhei, Doncila, hervorgeht, ist durch die antisemitische Agitation des cuzistischen Lehrers B u s u i 0 c die ernste Gefahr von Pogromen in Hartopu-Mare heraufbeschworen worden. Die Bauern dieser Gegend, die sich hauptsächlich mit Tabakbau befassen, wurden durch die von Busuioc ausgestreute regie das Alleinkaufs- und Vorkaufsrecht für Tabak regie das Alleineinkaufs- und Verkaufsrecht für Tabak erhalten und deshalb sei der Tabakpreis von Lei 80 auf Lei 15 per Kilogramm gesunken, in heftige Erregung versetzt. Im Hinblick auf die erregte Stimmung der bäuerlichen Bevölkerung lud der Gendarmeriechef von Hartopu-Mare die Vertreter der dortigen Juden zu sich und riet ihnen, samt Hab und Gut das Dorf zu verlassen, da die gut bewaffneten Bauern gedroht hätten, den jüdischen Teil des Dorfes anzuzünden und alle Juden zu ermorden. Die Gendarmerie sei nidht in der Lage, der ungeheuren Uebermacht der bewaffneten Bauern wirksam entgegenzutreten. Der Generalsekretär des Direktorats von Beflärabien, F1 o r e s c u, hat mitgeteilt, daß inzwischen Maßnahmen zur Aufrechterhaltung von' Ruhe ünd Ordnung in Orhei und Umgebung getröffen wurden. Die jüdische Gemeinde von Kischinew hat gleichzeitig den jüdischen Parlamentsklub in Bukarest telegraphisch aufgefordert, bei der Zentralregierung zu Intervenieren. Wieder Judenniifihandlungen in Balaceana. Czernowitz, 31. Jänner. (J. T. A.) Wie aus Suceawa berichtet wird, sind in dem Dorfe Balaceana, das seit den schweren Unruhen im Juni v. J, eine traurige Berühmtheit erlangt hat, seit einiger Zeit Ueberfälle auf jüdische. Einwohner wieder an der Tagesordnung. Die Ausschreitungen haben, sich insbesondere nach der vor kurzem erfolgten Freilassung von drei Rädelsführern der Exzesse im Ju,ni 1930 außerordentlich gehäuft, ..