Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 177 (6.2.1931)
- Date
- 1931-02-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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feite a DIE fffiUE WELT N* *ir Sl Mwa** ^SümMb. . mmMMH% I I I ' l F^** FRÜHLINGSFAHRT NACH EREZ ISRAEL 9. IV.-30. IV. 1931 GESELLSCHAFTSREISE MIT DEN „SITMAR '-DAMPFERN „AUSONIA" UND „ITALIA" <3«nua — Neapel — Syrakus —Alexandrien - Calro - Tel-Awlw—, Jerusalem — Haifa—Tiberlas — Damaskus-Baalbek- Beyrout-, Zypern - Konatantlnopel —Athen Gesamtpreis v>ön S 1384*— aufwärts Auskünfte! Wien I, Kärntnerring 18 (Ecke Schwarzenberaplatz) „SITMAR" Früher pflegten die Zionisten zu wissen, daß man zu allererst für die Erziehungdes Volkes zur Selbstachtung und 2iim Selbstbewußtsein sorgen muß.. Die gegenwärtige Führerschaft hat sich wegen solcher Kleinigkeiten -nicht-den Kopf zerbrochen. Weckt die Fifty-Fifty-Agency mit ihrer Herrschaft von e^n paar Geldsäcken die ,Selbstachtung des• Volke*??. ... .. Die Politik der Leitung ist ein großer und verhängnisvoller Fehler von Anfang bie zu Ende: vor der Shaw-Kommission hat sie sich verteidigt, mit Simpson hat sie „f r c un d s c h a f t Ii ch" mitgearbeitet. Die Belohnung hiefiir war: das Weißbuch. Und die Tatsache, daß sie jetzt auf der Grundlage des schändlichen Passfield-Dokuments verhandelt, beweist daß sie aus all den Niederlagen und Zusammenbrüchen absolut nicht» gelernt hat und dieselbe geblieben ist wie vor zehn Jahren. Sie hat, indem sie sich in Verhandlungen einließ, die Stimmung der jüdischen Welt ignoriert und sich mit der englischen Regierung g e gen den ausdrücklichen Willen der zionistischen Massen' ah den Tisch gesetzt. Dr. Weizmann führt derart verantwortliche Verband-? lungen im „Zustand der Demission" — eine Sache, die nur bitteres Lachen hervorrufen kann. Man versteckt sich dabei sehr geschickt vor der Oeffentlich^ keit und hüllt alles in den S chl ei e r d es Geheim* n i s s e s. Den Kongreß hat "man verschoben, weil maiji sich schämt oder ganz einfach Ängst hat vor den Zionisten. Man hofft darauf, daß Amerika vielleicht das zu Tode geschleifte Prestige der zusammengebrochenen Führerschaft wieder aufrichten und ihr ein neues Stückchen Glanz verleihen wird. Jetzt erhebt sich die aktuelle Frage, ob die Zior nistische Organisation unter solcher Führerschaft wird auf den Beinen erhalten werden können. Man muß rasche und konstruktive Schritte tun, .um den völ* ligen Zusammenbruch der größten jüdischen Weltorganisation zu vermeiden. •* In der gleichen Nummer des „Jewish Chronicle" schreibt der parlamentarische Berichterstatter: „Nachdem die zionistische Exekutive vor fünf Wochen erklärt hatte, der Kongreß, werde im Februar 1931 stattfinden, sagten wir mit Bestimmtheit voraus, daß dies nicht geschehen und daß der Kongreß verschoben würde. Unsere Voraussage hat jetzt ihre Be-' stätigung gefunden. Es sind fürwahr die Saltomortales der Exekutive schwer zu begreifen. Weshalb haben die Führer »vor fünf Wochen offiziell ihre Zustimmung zum Kongreß für Februar gegeben, wenn sie ganz genau wußten, daß in den offiziellen Kreisen keinerlei ernste Absichten bestanden, den Kongreß einzuberufen? Weshalb müssen die Führer in solcher Weise mit dem jüdischen Volk spielen? Es besteht doch schon seit langem die allgemeine Forderung", daß endlich Schluß gemacht werden soll mit dem System des diplomatischen Doppelspiels, das uns in einen derartigen Abgrund geführt hat! Von gut informierter Seite wird nur versichert, daß man nicht allzubald den Abschluß der Verhandlungen zwischen der Regierung und der Exekutive erwarten dürfe — die Regierungsvertreter führten, so heißt es, die Verhandlungen in einem langsamen Tempo, da sie entdeckt hätten, daß die zionistische Exekutive heute nicht mehr die zionistische Mehrheit repräsentiere und auch nicht eine Spur fertiger konkreter Vorschläge für eine sofortige Diskussion besitze. Alte Parlamentarier erklärten mir, daß die jetzigen zionistischen Führer allem Anschein nach in der Kunst, konstruktive Vorschläge zu unterbreiten, nicht geschult sind. Abgesehen davon wissen sie einfach nicht, was für Vorschläge sie der Regierung machen sollen. Ich selbst habe im Verlauf meiner langjährigen Erfahrung im Parlament sehr viele Beispiele verhüngr nisvoller Fehler gesehen, die durch die Schuld der Führer einflußreicher Organisationen gemacht wurden. Aber das letzte Beispiel von der hoffnungslosen zionistischen Unfähigkeit ü b e r s t e i g t a 11 e meine bisherigen Erfahrungen. Es ist z. B. eine all' gemein bekannte Tatsache, daß keiner der zionistischen Repräsentanten, mit Weizmann an erster Stelle, auch nur die mindeste juridische, oder administrative Erfahrung besitzt, In dieser Minsicht ist die zionistische Delegation tt ft b»e h o 1 f e n wie ein Kind und ganz und gar nicht Ihrer...Aufgabe gewachsen. Es fehlt ihr nicht etwa die Fähigkeit diplomatischen Verkehrs, aber sobald es stur Interpretation der Detail« Vorschläge kommt, läßt sieh ein In-die-Länge-Ziehen nicht vermeiden. Weizmann. muß daran, denken, daß die Regierungsvertreter ihrerseits wirklich die nöti* gen Erfahrungen und Kenntnisse besitzen. Unser Verständnis für Chemie und Mathematik ist bei den gegenwärtigen Verhandlungen nicht einen Schuß Pulver wert. Ü*n die Revision des Weißbuches. — Stimm im gsmache. ' New York, 28. Jänner. (L T. A.) „New York Times" meldet aus London, daß die britische Regierung demnächst eine neue, für die Jud en günstigere Erklärung über Palästina herausgeben wird. ■m : Nach der A. C.#Sitzung, welche den Zionistenkon« greß verschoben hat, werden zum Zwecke der Begründung der Verschiebung und des Fest'haltens an der Präsidentschaft Weidmanns Nachrichten lanciert, Welche beweisen sollen,' daß Weizmahns Ver« handlungen mit der britischen Regierung einen glänzenden Verlauf nehmen. Fakten Werden nicht gegeben, dafür „Stimmung". In diese Kategorie gehört die Nachricht der ,jNew York Times". Sie hatte allerdings nur ganz kurze Beine und Ist von nachfolgender Feststellung rasch überholt. ' ' ' ' •- #' '• London, 28. Jänner. (J; T. A.) Das Büro des Ministerpräsidentenhat die Jüdische Tele* Große Panle SILBERFÜCHSE 50° o billiger und schöner wie im Pelzhaus R. Schosta! eingelangt Vorjahr! & Co. VII.. Marlahillerstraa« 24 Tel.: B.32-2-28 graphen* Agentur auf "einie h frage dahin informiert, daß die Verhandlungen zwischen Regierung'Vnd Jewish Agency fortgesetzt \yerden. Die Regierung beabsichtige, zu geeigneter. Zeit ein Statement hierüber zu ver*. öffentlichen. Der Zeitpunkt dieser Veröffentlichung könne aber vorläufig nicht angegeben werden. Die Herausgabe eines neuen Berichtes über Palästina in nächster Zeit käme nicht in Frage. ' Auch das Kolonialamt hat der Jüdischen Tele* graphen»Agentur :aiif eine Äh^räg'e mitgeteilt, daß die Ver« öffentlichung eines Berichtes über Palästina n i ch t be» vorsteht. Palästina ist( enttäuscht. Jerusalem, 2. Februar.. (J. T. A.) Das Arbeite Vi organ „Dawar" erklärt,, das gesamte jüdische Palästina sei tief enttäuscht darüber, ..daß Felix . M. War bürg die Leitung des J oint-Driyes in Amerika übernommen hat, so .da$ ,,Prpf. W e i z.tn a u n . genötigt ist, an der Spitze der zionistischen Delegation zur Verstärkung des unter Leitung von Morris Rothenberg stehenden Palästina-Drive« nach Amerika zu reisen.. Die zionistische Bewegung werde, f alls die Dinge so weiter;., gehen sp.llten, die Frage zu klären haben, welche Vorteile sich für den Palästina-Auf bau, durch; die Erweiterung der Jewish Agency ergeben haben. Bei der Erweiterung der Jewish Agency habe man nicht damit gerechnet, .daß Warburg seine Arbeitskraft nur dem Joint widmen und Weizmann gleichzeitig die Last der politischen und die der finanziellen Arbeit für den Palästina-Aufbau zu tragen haben werde. KÖRPERLICHE UND GEISTIGE FRISCHE sind die kostbarsten Güter des Leben? in der Jugend wie" insbesondere IM ALTER Bewahren und mehren $ie diese Schätze durch ständige 'sorgsame Pflege Ihres Körpers. Das beste Mittel für alle Zwecke der Körperpflege — Einreibungen Packungen (Umschläge),^ Mundwasser usw. .,—- ist FRANZBRANNTWEIN Mit Menthol In Jedem b««t«r«n GMChött« «rhilttielt Verlangen Sie ausdröoklloh „DIANA" und nehmen Sie nur „DiANA"! Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen Ein eigenartiger Vorschlag* Bulgarien will polnische und romanische Jttd«ft? New York, 31. Jänner. Der ehemalige bulgarische Unterrichtsminister Stoyan Omarchewsky ist in New York eingetroffen, um auf Einladung der Carnegie- Stiftung einige Monate hindurch das amerikanische Erziehungswesen zu studieren. Minister Omarchewsky ist einer der bedeutendsten bulgarischen Politiker, er gehört seit 16 Jahren dem bulgarischen Parlament an, ist Mitglied des bulgarischen Pro-Palästina- Komitees und steht in freundschaftlichen Beziehungen zum bulgarischen Oberrabbiner Dr. Israel H a n ancl und dem Präsidenten der Zionistischen Vereinigung Bulgariens Oberst, Tndger. Er beabsichtigt, während seines Aufenthaltes in New York Konferenzen mit führenden Mitgliedern des American Jewish Committee abzuhalten. In einem Gespräch mit dem JTA.- Vertreter führte Minister Ormachewsky au«: Die zwar arme, aber hoffungsvoll in die Zukunft blickende bulgarische Nation, die unter den Nachwirkungen des Weltkrieges, in dem sie auf der Seite der Unterlegenen gekämpft hat. schwer leidet und eine ungeheure Last von Kriegsentschädigungen zu tragen hat, richtet hiermit an die armen verfolgten und leidenden Juden Rumäniens und Polens die Einladung, nach Bulgarien zu kommen und uns beim Aufbuu des Landes behilflich zu sein. Wir sind frei von der Seudic des Antisemitismus die fast überall in Europa wütet. Wir gewähren unserer 50.000 Seelen starken jüdisdien Bevölkerung volle Freiheit und Gleichberechtigung; wir sind stolz auf das von unserer Regierung finanzierte hebräische Schulwerk und wären froh, wenn mehr Juden zu uns kämen, die mit ihrem Unternehmungsgeist in unserem jetzt fast nur agrarischen Lande Industrien schaffen könnten, insbesondere eine heimische Bekleidungsindustrie, für weldien Zweig die Juden in anderen Ländern eine besondere Begabung gezeigt haben. Doch knüpfen wir keinerlei Bedingungen an unsere Einladung an die osteuropaischen Juden. Mögen sie nach Bulgarien kommen und jedem von ihnen gewünschten rechtmäßigen Erwerb nachgehen.5 Wir sichern ihnen religio s e Fr e ih e i t und das Recht kulturellen Eigenlebens zu. Wir haben zwar eine T e x t i 1 i n d u s t r, i e, doch muß trotzdem der Kleidungsbedarf zum größten Teil durchilEi^f uh| «»g^gÄi^^ K a p it a I 'und j ü'd i's c n e Ä r% e'i' t könrite'ri^ s^hr^leicht eine rentable Bekleidungsindustrie für unsere Bevölkerung schaffen. Bulgarien hat Verfolgten stets Gastfreundschatt gewährt. Unmittelbar nach dem Kriege fanden 300.000 Russen und andere Flüchtlinge bei uns Aufnahme.. Obwohl wir gegenwärtig infolge des Sinkens der / Wuhsenpreise eine scharfe Wirtschaftskrise durchmachen, könnte doch durch eine Einwanderung die Wirtschaft in unserem Lande stärker belebt werden als in d uieren Ländern. ' . . r. Die meisten Juden in Bulgarien leben heutzutage in g u t e n V e r h al t n i s. s e n, sind hochgebildet und spielen im politischen und beruflichen Leben eine bedeutende Rolle. W6K1 gab es im Jahre 1924 eine von den Studenten propagierte antisemitische Bewegung, sie blieb jedoch völlig bedeutungslos. Die Bulgaren sind ein freundliches, tolerantes und intelligentes Volk, das die nationalen Minderheiten so behandelt, daß sie keinen Grund zur Klage haben. Dies hat auch Prof. Russell von der Columbia-Universität anerkannt, der anläßlich einer vor einigen jähren nach Bulgarien zum Zweck des Studiums des dortigen Schulsystems unternommenen Reise erklärt hat,, die Minoritätengruppen in Bulgarien genössen auf dem Gebiete der Erziehung größere Freiheit als in irgend einem anderen Lande. Die Krawalle an der Wiener Universität Verwirrung in der Frage des Studeutenrechtes Wieder ist es in den letzten Tagen an den Wiener Hochschulen zu Studentenkrawallen mit den üblichen Nebenerscheinungen gekommen. Diesmal bildeten die Schlägereien das Vorspiel zu den Wahlen in die Ver« tretungskörperschaft der Studentenschaft deutscher Nation; zu den sogenannten „Kammerwahlen". Bekanntlich wurde im Vorjahr auf Grund des Erlasses des Universitäts* rektorats (Prof. Gleispach) ein neues Studenten* recht geschaffen, wonach Studentennationen gebildet werden sollen, die die Studentenschaft der einzelnen Nationalitäten zu repräsentieren haben. Wir haben damals, ebenso wie die offiziellen Vertreter der Wiener jüdischen Studentenschaft, auseinandergesetzt, daß im Prinzip die Idee von der Eigenvertretung der verschiedentlichen Studentengruppen nach Nationalitäten einen ge* sunden Kern habe und gerecht sei, vorausgesetzt, daß alle Studentennationen untereinander und mit Beziehung auf die Universitätsbehörden in gleicher Weis« der Rechte undPflichten teilhaft ig werden. Wir haben auch unzweideutig die lärmende Haltung der deutschdemokratischen und sozialistischen Studentenschaft charakterisiert, die über Nacht über den sogenannten Arierparagraphen an der Universität zu klagen begann.