Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 176 (30.1.1931)
- Date
- 1931-01-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE NEUE WEL1 Seite f Plilllllllillllllllllll^ | In fast lOOjähriger Tätigkeit * j hat die_ Ü Riunione Adriatica di Sicurtä sich das Vertrauen des Publikums in höchstem Maße er- Oesamtgarantiemittel: rungen. Ihm verdankt sie auch Lire 661.797.239*13 ihren ununterbrochenen Aufstieg und ihre Größe Billigkeit und Sicherheit sind dieBürgen derWeltgeltung der RIUNIONE POLIZZE m Alle Vcrsichcrungszwcigc jj ■ 15 Konzernanstalten ( ■ 76 eigene Palais in allen g I Staaten der Welt! | II ' .'H | Direktion für Oesterreich: Wien I, [ | Tegeiihoffstrafe Nr. 7/Telephon | Illllllllllllllllllllllllllllllll!^ Nt. 176___ Slowakei, wo im Verlaufe der letzten acht Jahre von 12.000 jüdischen Staatenlosen nur 772 das Staatsbürgerrecht erhalten haben, während 768 jüdische Staatenlose ausgewiesen wurden. Aufmerksamkeit ver* diene fernerdieRitualaffäre vonVclkaBerezns und der Plan der Einführung einer gesetzlichen Sonn« tagsruhe, dessen Verwirklichung eine schwere Schädi* gung der jüdischen Bevölkerung bedeuten würde. Das Joint Foreign Committee verfolge weiters aufmerksam die Maßnahmen der polnischen und litauischen Re* gierung gegenüber den jüdischen Staatenlosen, wiewohl eine Intervention in dieser Frage für die nächste Zeit nicht geplant sei. Wie die Exekutive der Jewish Agency für Palästina dem Komitee mitgeteilt hat, wurden Schritte zum Weitertransport der seit etwa 18 Monaten in Aden untergebrachten 130 jüdischen Flüchtlingswaisen eingeleitet. Namens des juristi8ch*parlamentarischen Aus« Schusses erklärte Rechtsanwalt H. H. Haid in, der Aus* schuß habe die Frage der Schaffung neuer gesetzlicher Bestimmungen zu stärkerem Schutze der jüdi* sehen Religionsgemeinschaft gegen Ver* 1 e u m d u n g sorgfältig geprüft. Leider bestehe vorläufig keine Aussicht auf Aendcrung der bezüglichen gesetz» liehen Vorschriften. Der juristische parlamentarische Aus* schuß habe kürzlich mit einer amerikanischsjüdischen Organisation einen brieflichen Meinungsaustausch über die Möglichkeit der Verhinderung der Postbeförde* rung antisemitischer Schmähschriften ge» pflogen. Beide Organisationen haben sich in diesem Zu* sammenhang an die englischen und amerikanischen Post« behörden gewandt und die Auskunft erhalten, daß eine Druckschrift, insofern sie nicht unsittlichen und obszönen Charakters sei, von der Beförderung nicht aus« geschlossen werden könne. Es erscheint dem Ausschuß nicht ratsam, Aenderungen der betreffenden Postbeförde» rungsbestimmungen anzustreben. Der juristisch«parlamen* tarische Ausschuß legte sodann dem Board of Deputies den Text eines Memorandums an die königliche Kommission für den staatlichen Verwal« tungsdienst vor, in dem die Möglichkeit der Auf» nähme von in England geborenen und dort erzogenen Kindern jüdischer Immigranten in den Staatsdienst ge« fordert wird. Neue jüdische Mitglieder der italienischen Gene» ralität und Admiralität. Rom, 24. Jänner. (J. T. A.) Kapitän Pontremoli, ein naher Verwandter von Professor Aldo Pontremoli, der bei der von General Nobile geführten Nordpolfahrt der „Italia" den Tod fand, wurde zum Admiral in der italienischen Kriegsmarine ernannt. Professor Aldo Pontre» moli war mütterlicherseits ein Enkel des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Luigi Luzzatti. — Das Verordnungsblatt des italienischen Kriegsministeriums ent* hält außerdem die Ernennung des jüdischen Obersten Umberto Pugliese zum Generalmajor. Der Sohn des Admirals Makarow tritt zum Judentum über. Budapest, 27. Jänner. „Pester Lloyd" meldet: Ge« neral Makarow, der Sohn des russischen Admirals im Russischsjapanischen Krieg Makarow, eines der be* rühmtesten zaristischen Militärs, ist mit seiner Familie zum Judentum übergetreten und hat den Namen Abraham angenommen. Der Sohn Makarows erklärte, er habe in den Dokumenten seines Vaters den Nachweis gefunden, daß die Familie jüdischer Abstammung sei, und er kehre deshalb zur Religion seiner Väter zurück und werde nach Palästina reisen. Gründung der ersten jüdischen Gemeinde in Chile. Santiago, 20. Jänner. In Santiago de Chile wurde eine große Versammlung der jüdischen Bürger dieser Stadt abgehalten, in der die Gründung einer jüdischen Gemeinde beschlossen wurde. Es wurde ein provisorisches Komitee ernannt, das mit der Organi« sierung einer Chewra Kadischa nach dem Muster der in Argentinien bestehenden Chewra Kadischa und der Er* Werbung eines Grundstücks für einen jüdischen Friedhof beauftragt wurde. Minister Frick entläßt eine Reihe Künstler des Deutschen Nationaltheaters, weil sie Juden sind. Berlin, 26. Jänner. Siebe« Künstlern des Deutschen Nationaltheaters im Weimar ist zum Jahreswechsel mitgeteilt worden, daß ihre Anstellungsverträige für die nächste Zeit nicht erneuert werden könnten. Es handelt sich dabei in erster Linie um den Generalmusikdirektor Dr. Ernst Praetorius, ferner um den Heldentenor Walter Favre, die Altistin Gerda Wolfs0n, die Balleitoeisterin Sari Jankelow, den Dramaturgen Teichs und den Schattspieler D i v o 11. Dazu schreiibt die „Frankfurter Zeitung": „Für denjenigen, der mit den geistigen und politischen Strömungen in Weimar auch nur einigermaßen vertraut tet, genügt ein Blick auf die genannten Namen, um das Vorgehen des thüringischen Ministers in seinen wahren Motiven zu durchschauen. In der Tat handelt es sich bei der Mehrzahl der entlassenen Künstler um Angehörige des jüdischen Glaubens; einer von ihnen ist Sudetendeutscher, der heute durch den Zufall politischer Willkür tschechische Nationalität besitzt. Weisen schon diese Tatsachen auf den Einfluß der Nationalsozialisten, so werden die politischen Hintergründe der Weimarer Personalkündigungen vollends offenbar an dem Fall des Generalmusikdirektors Doktor Praetorius, dem schon vor Jahren gleichfalls „jüdische Versippung" (seine Frau soll Jüdin sein) und Bevorzugung jüdischer Sänger vorgeworfen wurde. Der Urheber dieser Behauptungen ist der Schriftleiter des Weimarer nationalsozialistischen Parteiorgans, Dr. Ziegler, der heute besoldeter nationalsozialistischer Fachberater für Kunstfragen im Frickschen Volksbildungsministerium ist und immer eindeutiger als die eigentlich treibende Kraft dieses Abbaus sch darstellt. Für Dr. Praetorius wird als Nachfolger der bisherige erste Kapellmeister der Weimarer Oper, Doktor N o b b e, genannt, der der Nationalsozialistischen Partei nahesteht. Der „Fall Praetorius" ist ein neues Symptom der Kulturreaktion, die in Thüringen einen ihrer stärksten Stützpunkte' hat." Ein jüdischer Journalist interviewt Hitler. Berlin, 25. Jänner. (J, T. A.) Associated Press ver# öffentlicht ein Interview des amerikanischen Journalisten Max Frankel mit Adolf Hitler. Dieser erklärt, Deutschlands schwere Lage sei durch das jüdische Kapital verschuldet. Auf Frankels Einwand, die jüdi* sehe Bevölkerung stelle weniger als ein Prozent der Einwohner des Reiches dar und könne daher doch kaum als eine so große Gefahr bezeichnet werden, ant* wortete Hitler, er rechne zu den Juden einen jeden, der nicht rein deutsch sei. Die Juden hätten die deutsche Kultur und die deutsche Politik mit ihren Ideen infiziert und Deutsche i rt Juden verwandelt. Sein Plan sei, alle Juden, die nach dem Weltkrieg einge* wandert seien, auszuweisen und den übrigen Juden die Beteiligung an den öffentlichen und an den Regierungs* arigelegenheiten zu verbieten. Frankel fügt der Veröffentlichung über dieses In* terview die Bemerkung an, Hitler habe, da der Ausfrager blond sei, offenbar nicht gemerkt, daß es sich um einen jüdischen ^Journalisten handelte. Er schließt mit der Er* klärung, er werde den vollen Wortlaut seines Interviews mit Hitler nächste Woche in der „New York Jewish Tribüne" veröffentlichen. Im Zusammenhang mit den oben wiedergegebenen Aeußsrungen Hitlers ist interessant, was Dr. Hans Wehr mann im sozialdemokratischen „Vorwärts" über eine Unterredung berichtet, die er mit dem national« sozialistischen Minister Franzen in .Braunschweig gehabt hat. Auf die Frage, wie es mit dem Antisemitismus stehe, antwortete Franzen: „Ich bin kein A n t i s e m i t. Ich habe persönlich gar nichts gegen die Juden. Hitler übrigens auch nicht. Mir ist ein Vollblut« jude tausendmal lieber als ein verbastardierter G o i. Wir werden ganz einfach die Juden als Fremde be* handeln, die sie auch sind. Sie werden, wie jeder Aus* länder, unter Fremdenrecht gestellt. Wir haben unser Programm hierfür schon längst bereit." Kein Schächtverbot für — Schweine! Dem „Hamburger Isr. Familienblatt" wird aus Oslo, der Hauptstadt Norwegens, wo ein Schacht* verbot besteht, folgendes gemeldet: So grotesk es klingt, so wahr ist es. Die Konservierung des hier vielfach in Büchsen exportierten Schweinefleisches ist nach den gemachten Erfahrungen fast nur möglich, wenn die Schweine durch Halsschnitt getötet worden sind und restlos ausgeblutet haben. Nachdem aber nun das Schächten, <sben gerade dieser Halsschnitt, verboten worden ist, hat man eine Kommission gebildet, die sich bei der Regierung dafür ver* wenden soll, daß man zwar das Schächtverbot nicht auf* heben, aber doch beschränken und sagen solle: Kein Ttsr darf „jüdisch" geschachtet werden, süßer . t das Schwein. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, wird dieser An* trag durchgesetzt werden. Und es wird elnsr der komischesten Schildbürgerstreiche der Zeit bleiben, diese Aufhebung des Schächtverbotes zugunsten — oder zu* Ungunsten? — der Schweine.