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Die neue Welt · 1931-01-30 · Heft 176 (30.1.1931) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 176 (30.1.1931)
Date
1931-01-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIE NEUE WEIT Nr. 176 Zeileis-Ambiifatorliim mit Original-Apparatur Dr. F. 6. Zelleis Gallspaoh Wien, XIII., B«ckmanngas»0 13, Tel. R-3< 1-38 Ordination von 9 bis 6 Uftf5 * E näfelbehändlung es gibt natürliche Unterschiede in dem Nutzen und Wert der geleisteten Arbeit, es gibt verantwortliche Posten und solche, die weniger Verantwortung verlangen, es gibt Diplome, es gibt das Gesotz von Angebot und Nachfrage, und es gibt noch hundert Gründe, mit denen man die schlechtere Lage der Unterdrückten wirtschaftlich, ratio* nal, plausibel erklären kann. Aber es gibt auch — oder es sq£\ doch geben — ein Gemeinschafts* gefühl von Menschen, die an demselben i d e a 1 i* s t i s c h e n Werk arbeiten, und damit ist die Größe dieser Unterschiede unvereinbar." „Man spricht soviel von der Notwendigkeit, unsere konstruktive Arbeit zu verstärken, von der Pflicht .des Golah, ihre Energie zu erhöhen; was für Sinn haben solche Deklarationen, wenn. man. auf zionistischen Tagungen systematisch alle Zweige . der . produktiven Arbeit be* schneidet, und nur an diesen Posten wagt man nicht zu rühren, den Posten der hohen Gehälter? Dadurch werden diese Forderungen hur abge* schwächt und man gibt dem Zionisten einen leichten Vor wand, sich überhaupt von der Spendenzahlung zu drucken." „Man suchtdie Höhe der Gehälter dadurch zu rechtfertigen, daß man; sagt: „Die Empfänger der hohen Gehälter .körinten dieselben und noch höhere G e* h älter in anderen Aemtern Erez Israels und des Auslandes beziehen." Die Richtigkeit dieses Einwandes erkenne.ich — zu einem . Teil , wenigstens — nicht an^ und bestreite außerdem seine Beweiskraft. Es ist nicht wahr, daß alle Empfänger jder .'hohen Gehälter Männer', so ,hoher Begabung und Eigenart sind, daß sie, in diesen Zeiten der Not und der Sparsamkeit und der Kürzungen auf der ganzen Welt, 'ebensogut bezahlte Posten anderswo erhalten könnten. Und vor, allem, man. darf nicht zionistische Asm'ter „mit irgend welchen anderen . A, e m t e r n" vergleichen, . in der . Voraus*, setzüng, daß diese zionistischen Beamten bereit wären, sie ohne weiteres aufzugeben.",• ,; „Wenn wir verantwortliche Beamte, Leiter von Institutionen und Abteilungen haben, die bereit sind, um einer Gehaltsverbesserung wegen in ein privates Handels* unternehmen oder eine Privatbank überzugehen, so kön* nen wir gegen diese Entscheidung nicht ankämpfen, denn ein Kampf dagegen findet wirtschaftlich nirgends /eine Grenze. Es ist immer noch besser, , wenn .die Führer, und - Leiter der zionistischen Bewegung weniger begabt, sind,, als wenn sie dem zionistischen Werk weniger ergeben sind. Aber ich unterstreiche noch einmal: Wenn es solche gibt — ich für meinen Teil glaube nicht daran." „Ein anderer Einwand: „Die Sache ist nicht so wichtig, denn im zionistischen Budget spielen die Gehälter (besonders wenn man von den Gehältern der Unter* beamten, der Lehrer und der Hadassah'Aerzte absieht) nur eine geringe Rolle. Darum lohnt es sich nicht, sich zu ereifern". Noch einmal, ich leugne die Tatsac h e, wie ihre Beweiskraft Die hohen Gs* hälter kommen uns viel teurer zu stehen, als es an sich scheint. Hohe Gehälter schaffen einen entsprechenden Lebensstandard und dieser stellt nach und nach zusätzliche Anforderungen; er verpflichtet (uns ist nicht •^s==—^==y!^ss==s^---1 Tempel von Mantua und Komponist des i.Adon 01 a m". Auch heute gibt es in Italien berühmte Komponisten, die Juden sind, so in Rom Thpmraasio Montefiore. Er hat zwei in Italien oft aufgeführte Opern, einige Symphonien und viele Lieder geschrieben und beschäftigt sich mit der Erforschung alter jüdischer Synagogenmusik. In Türin lebt Dr. Guido M. Gatti als Operndirektor. Er ist Herausgeber der besten italienischen Musikzeitschrift, „La Rassegna Musicale". Zur jüngeren Generation gehören Vittorio R i e t i und Mario Castelnuovo T .e d es c o. Rieti, ein Anhänger Sträwinskys, erregte Aufmerksamkeit durch seine Ballette „Bar ab an" und „Le Bai". Diese Werke und verschiedene Kammer- und Orchesterwerke zeichnen sich durch Einfachheit und Klarheit aus und knüpfen un Scarlatti und Rossini an. Castelnuovo Tedesco wurde durch seine Klavierdichtung „König Davids Tanz" bekannt, die von Gieseking bei den Frankfurter Festspielen brillant gespielt wurde. Ein verheißungsvolles Talent ist der junge Renzo Massarani aus Mantua. Sein „Chad Gadja" wurde bei den Internationalen Festspielen zeitgenössischer Musik, die in Venedig stattfanden, beifällig aufgenommen. Er schrieb auch einige Opern.'Von Debussy und Ravel ist Guido Bianchini, ein Jude aus Venedig,' beeinflußt. Seihe symphorlischön Dichtungen „Leg Pierrots" und „Chymere", ein Streichquartett, und seine Oper „Der Prinz von Nuredda" sind melodienreich. In seinen späteren Werken tritt die italienische Note mehr hervor. Die jüdischen .Komponisten und Musiker Italiens erfuhren reiche. Förderung durch hervorragende Juden Italiens, so Prof. Dante L a 11 e s, Dr. Paolo M i 1 a n p, den Müsikprofessor Cavaliere Arnaldo Bonaventura und durch Prof. Feiice Bogher von der Akademie in Florenz, der sich durch bemerkenswerte Trans-' skriptionen italienischer Klassiker rühmlichst bekannt machte. (Jüdische Preßzeutiale, Zürich.) klar warum, aber so sind die Tatsachen) zu Reisen in der zweiten und ersten Klasse oder auch in der „Luxuskabine", zu einem erstklassigen Hotel; er verführt leicht zu hohen Reprä* sentationsauslagen. Daher kommt auch der hohe Posten „allgemeine Ausgaben". „Diese hohen Gehälter dienen auch den nicht* zionistischen Beamten und Angestellten und der Jugend im Lande und in der Golah als Vorbild, und viele von ihnen lernen mit erstaunlicher Leichtigkeit, hohe Gehälter anzunehmen oder jedenfalls sich in ihrem Lebensstandard auf solche einzustellen. Andere, nicht offizielle zionistische Institute werden mitgerissen, und so bildet sich im Lande eine „Oberschicht", von der keine lebendige Brücke zu dem schweren Arbeitsleben der Massen führt und deren Leben ganz und gar im Gegensatz zu der Armut des Landes stehen wir d." „Der Hauptnachteil aber ist die Wirkung auf die Einnahmen der Fonds. Wer will, kann sich über diese „E n g s t i r n i g k e i t" desjzion.istischen Spen* d e r s beklagen, aber die Arbeit der Fonds kann doch nicht ganz von psychologischen Faktoren absehen. Tag*; täglich passen wir uns den Forderungen des Spenders, seinem Denken an, und überschreiten darin;oft auch die der Bewegung erlaubten Grenzen (zum Beispiel die Art und Weise der zionistischen Propaganda in Amerika), und gerade in. diesem einen Punkte wollen wir nichts seh6n und hören, wollen wir uns „der .Straße nicht beugen"! Und selbst wenn sich eine solche Politik in finanzieller Hinsicht ^lohnen". würde, so dürfte auch in diesem — schwer glaublichenFall der Geist.der Be* wsgung nicht außeracht gelassen werden." „Selbst wenn man mir . beweisen könnte, daß die hohen Gehälter einträglich sind, würde ich trotzdem die Forderung nach ihrer Herabsetzung' im- Interesse der Be* wegung für gerechtfertigt halten, denn wir sind eine Be« wegung, die aus Volksspenden gespeist wird, eine Pionierbewegung, die ein schweres Arbeitsleben predigt, die ihr Werk in einem armen und zurückgebliebenen Lande errichtet, deren ganze Hoffnung eine reine, op f er b er ei t e, Jug e n d ist." „Ist es noch nicht Zeit; dem ein Ende zu machen? Den Zustand radikal zu ändern, selbst wenn tins diese Aenderung einen oder zwei fähige' Mitarbeiter kostet? Wie weit muß es noch kommen,;bis wir anfangen^ die' Atmosphäre zu reinigen und der Bewegung ihren V o I k s c h a r a k t e r zurückzugeben, um auch die: Massen zu größeren Opfern zu, bew^gjen?" 'OQ Dief Gebeitie J^sü J^fünden? Ungeheure Aufregung in vatikanischen Kreisen. — Dementis* . ' Berlin, 28. Jänrieh (J. T;'A.) Professor Suk'enik, der ' Archäologe d er J e r u sal e m eV Ü ni v e r s i t ä t, der seit einigen Wochen in Berlin weilt,.berichtete in der Deutschen Archäologischen 1 Gesellschaft ' über1 neue Gräberfunde" i n P ai ä s t i h a,' die auf. bisher un* bekannte B es tattungsb r auche in der Epoche um Christi GebuTt hinweisen. Seit längerer Zeit werden in Palästina Steinkisten gesammelt, zu klein, um als Sarkophage zu dienen. Jetzt erst ist ihre ehemalige Ver* Wendung aufgeklärt: In den Familiengräbern, die in Höhlen oder in künstlichen Felslöchern angebracht wurden fanden bald die neu hinzukommenden Leichen keinen freien Raum. So wurden diese zuerst in die 1 ä n g 1 i c h e n G r a b 1 ö c h e r gelegt, worauf man diese durch eine Steinplatte verschloß. War die Verwesung vollzogen, öffneten die Verwandten feierlich das Grab, ü b|6 r* führten die Knoch en in ei ne steinerne Gr e* beinki.'ste, wie wir deren jetzt zu Hunderten finden, und diese wurden endgültig in einem tiefer gelegenen . Loch aufbewahrt..Diese Gebejnkisten oder Ossuarien haben flache, gewölbte oder giebelförmige Dächer/oder , sind fast immer durch in weißen Kalkstein geschnittene Ornamente verziert. Eine offenkundige „K e r b s c h n i 11* Technik", die darauf hinweist, daß vor Gebrauch der Kalksteinkistcn ehemals hölzerne Kisten in Gebrauch waren. Viel ist aus den . Inschriften zu ersehen.. Da lesen wir in flüchtiger Kursivschrift jüdjsche und aramäi* sehe Namen, einige aus dem. Geschlecht des Hohe* Priesters G a m a 1 i e 1, auch Mitglieder des Sanhcdrion werden genannt. Die Zeit dieser Steinkisten läßt sich mit Gewißheit feststellen, es handelt sich um das vorehrist* liehe Jahrhundert und um diä Periode nach Christi Ge* burt bis zur zweiten Zerstörung des Tempels (70 v. Chr.). Man hat also hier zuverlässige intime Zeugnisse aus. der Zeit Jesus' von N-'a zareth, es finden sich einige Namen, die, nur im Neuen Testament vor* kommen Ueberaus stark wirkt die Inschrift einer Steinkiste: „Jeschiia bar J e h o s e p h" (Jesus, Sohn Josephs). ' Prof. Sukenik will nicht die Möglichkeit als nahe*, liegend bezeichnet haben, daß es sich hier um die Gebein* eiste Christi handelt. Er knüpft daran nur d,ie> folgende Bemerkung:. Der Name Jes.chua ist an und fürs sich selten und für die damalige Zeit nur wenig bezeugt. Hinzu kommt, daß dieser Jesehua als Sohn Josephs bezeichnet wird. Gewiß, der Name Joseph ist häufig, aber immerhin ist das Zusammentreffen ein seltsames. Das Üssuar selber ist von sehr einfacher Form und trägt ^lIIlllllllllllllllllllllllflllltllllllllllllllllMlllltllllllllilllllllll^ 1 Verband demokratischer Zionisten § E Mittwoch« 4. Februar. 1931, um .9 Uhr abends a s im Mersl-inal de« VerbandSheims, IL, Untere 3 5 Augartenstraße 38 5! Vorira 1 s Gegenstand: | Dostojewski und die Juden | S ' *■ s Referent: 3 5 r :; 3 | Dr. Oskar Rosenfeld | nlllllltlllll!IIIUUIIHIIIUIIlllllllIHl!IUIIHnilllIIIIII!illlll!!ll? nicht den reichen Schmück, den viele andere aufweisen; es ist auch bei der Beschriftung kein Künstler hinzu* gezogen worden, wie das sonst üblich war, sondern die Schriftzüge sind ein wenig unbeholfen in einfacher Kursiv* schrift von den Angehörigen selber angebracht. Dies alles wie auch das Idiom der Niederschrift könnten gut auf den Menschen Jesus passen, aber eine Identifizierung wird immer unmöglich bleiben. Die gefundenen Knochen mehrerer dieser Ossuarien werden anthropologisch vermessen, dazu fehlen in Jeru* salem die Mittel. Diese Arbeiten sollen in Berlin von Gc> heimrat Virchow ausgeführt werden. Prof. Sukenik glaubt, daß manches Erstaunliche über die da* malige Rassenzusammensetzung des jüdischen Volkes herauskommen wird. Das Archäologische Institut des Deutschen Reiches wird noch in diesem Jahre das ganze Material Sukeniks veröffentlichen. Prof. Schubart wird manche schwer leserliche Inschrift noch entziffern. Jedenfalls haben diese Forschungen die Reali* täten der Heiligen Schrift uns um vieles nähergerüc k t. Demnächst soll eine große Nekropolc nahe bei Jerusalem ausgegraben werden, sie verspricht reiche Funde. Nach Feststellung der Ergebnisse sollen alle Gräber wieder auf immer verschlossen werden. Professor Sukenik versicherte, daß nur zögernd und mit alter Pietät bei diesen Ausgrabungen und Forschungen vorgegangen wird. Die von vielen Zeitungen übernommene Kunde von den Ergebnissen der Forschungen Professor Sukeniks hat in päpstlichen Kreisen ungeheure Aufregung hervorgerufen. Man erblickt in der Sache edn Attentat a u f d ae Do gma von der Auf ersteh un g J es s ü, das durch Auffindung des Knochenkastens . ad absurdum geführt würde. Das päpstliche Organ „Öseervätore Romano" wirft den von Christen redigierten Zeitungen, irisbesondere den italienischen, Scham- und . Würdelosigkeit vor, weil sie die Nachricht weitergegeben haben, und droht mit Mafiregeln von allerhöchster Stelle. Viele'katholische Blätter, darunter auch die Wiener ,.Reichspost*', geben den Ausführungen des römischen' Blattes. Resonanz. Die nachfolgenden Dementis tragen diesen Umständen Rechnung.; Jerusalem, 26. Jänner. Nach der Rückkehr des Archäologen de'r jerusalemer Universität, Professor Sudenik, von seiner Deutschland reise nach Jerusalem veröffentlichte das Büro der Hebräischen Universität eine Erklärung gegen die in den Zeitungen verbreitete Meldung, nach der Professor Sukenik während eines Vortrages in Berlin die Behauptung aufgestellt hätte, daß das Finden eines Grabsteines mit der Inschrift: „Jesus, Sohn von Joseph" eventuell darauf schließen ließe, daß Christi Grab gefunden sei. In.der Erklärung heißt es, daß auf den alten jüdischen Grabsteinen des öfteren neutestamentliche , Namen erschienen, daß aber daraus keine solchen Schlüsse gezogen werden dürften. * Berlin, 26. Jänner. Der. Jerusalemer Archäologe Professor Sukenik hat, wie schon mitgeteilt, in der Deutschen Archäologischen Gesellschaft berichtet, daß sich unter den von ihm ausgegrabenen Ossuarien mit Totengebeinen aus der Zeit Jesu auch , ein Ossuar befindet, das in hebräischen Buchstaben die Aufschrift „Jesus, Sohn Joseph s" trägt. Manche Presseberichterstatter gaben der Möglichkeit Raum, daß Prof. Sukenik die Grabkiste mit den Gebeinen Jesu Christi entdeckt habe. In einer Zuschrift an den „Evangelischen P r ess ed i e ns t" tritt der Vertreter der neutestamentlichen Theologie an der Berliner Universität, Prof. D. Lietzmann, einer solchen Auslegung entgegen und erklärt, Prof. Sukenik habe . in seinem Vortrag nicht die leiseste Andeutung einer solchen ldentifikation gemacht. Er habe lediglich betont, daß der von ihm aufgefundene Totenschrein zum erstenmal die aus dem Namen Jehoschua abgekürzte Namensform Jeschu - inschriftlich belege. Beschlüsse des Zionistischen A.-K. London, 21. Jänner (J. T. A.) Das Aktionskomitee der Zionistischen Organisation faßte in seiner vom 14. bis 18. Jänner in London abgehaltenen -sechsten Tagung die folgenden Beschlüsse: 1. Politik. Das. A.-K. erneuert den im ^|ejnber 1930 gefaßten Beschluß über die Bildung einer j/, i eilen politischen Kommission und beschließt, zu

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