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Die neue Welt · 1931-01-30 · Heft 176 (30.1.1931) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 176 (30.1.1931)
Date
1931-01-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. i?6 DIE NEUE WELT Seif« S ' nisten sieht, sehr oft von ihrer Tochter Maxa begleitet, wenn diese in Paris ist. In den Kreisen der Zionisten-Revisionisten wird sie sehr hoch geschätzt und man bemüht sich, ihr mit gebührender Ehrfurcht zu begegnen. Ja, Frau Nordau hätte vielen gerechten Grund, die offiziellen zionistischen Kreise anzuklagen. Sie spricht niemals über sie, ihrer Bescheidenheit und ihres zionistischen Pflichtbewußtseins wegen. Eimal erwähnte sie mir gegenüber die Geschichte de9 Kinderheims in Erez Israel, das ursprünglich den Namen Nordaus trug. Als Frau Nordau mit ihrer Tochter Maxa nach Palästina kam, fand sie das Kinderheim mit dem Namen eines anderen verstorbenen Führers vor. Es ist charakteristisch, daß sich Frau Nordau nicht darüber beschwert, daß man solchermaßen das Andenken ihres Mannes geringschätzt, sondern darüber, daß das Kinderheim den Namen eines Mannes erhielt, dessen Ideen und Auffassung des Zionismus denen Nordaus und Herzls entgegengesetzt waren. Frau Nordau hat diesen Vorwurf nie öffentlich erhoben. Aber sie versteht nicht, warum der Tausch und gar ein solcher Tausch gemacht wurde. Noch eine Sache will ich bemerken: Frau Nordau besitzt in ihrem Archiv Material und Dokumente, die zu veröffentlichen die Zeit noch nicht gekommen ist. Mit dem stärksten Verantwortungs- und Pflichtbewußtsein behütet Frau Nordau das Material, so dem Zionismus mit musterhafter Ergebenheit dienend. * Und einmal während eines Gesprächs mit Frau Nordau kam zufälligerweise dieselbe Frage zur Sprache, die jetzt aufgerollt wird. Es war in einem Augenblick, als Frau Nordau beim Sichten der Briefe Herzls auch der oberwähnte Brief in die Hände fiel. Sie warf einen Blick auf ihn, überlas still» was drinnen stand, und sagte: „Und er hat, glaube ich, recht gehabt, der gute Herzl." Ja, er hat recht gehabt. Wenn man Frau Nordau näher kennt, mit ihr spricht, ist man sogleich überzeugt, daß Herzl auch in diesem Fall recht hatte. Weg mit den hohen Gehältern! Ein Notruf» Der Titel dieses Aufsatzes ist nicht meine Erfindung. Ich habe diesmal eine geistige Anleihe aufgenommen, und zwar beim Organ einer zionistischen Regierungspartei, bei der palästinensischen Zeitung „Dawar". Es ist gut und zweckfördernd, wenn bei der Besprechung systematischer Mißwirtschaft auf einem materiell und moralisch höchst wichtigem Gebiete auch Menschen zu Worte kommen, denen der Vorwurf starrer Opposition nicht anhaftet. Ich kämpfe mehr als sechs Jahre gegen die Ueberwuche» rung der Zionistischen Organisation durch einen über* mächtigen und überbezahlten bürokratischen Apparat. Als Mitglied des A. C, der Kongresse und verschiedener Finanzkommissionen, dann auch als Heraus« geber der „Neuen Welt" habe ich mit leidenschaftlicher Beharrlichkeit darauf verwiesen, daß dieser Uebelstand nicht nur die Mittel der Organisation aufzehrt, sondern, und das ist vielleicht noch entscheidender, den z i o n U stischen Geist und Willen ertötet. Dieser Teil meiner Wirksamkeit in der Zionistischen Organisation hat mir zwei Vorwürfe eingetragen. Den mehr ironischen, ich sei von dieser Sache „bessessen". Dann den ernsten, daß das beständige Hinweisen auf die Einkommensverhältnisse von Beamten nicht den Ge# pflogenheiten eines „Gentleman" entspricht. Angesichts der Verschuldung der Organisation, ihrer Unfähigkeit, die wichtigsten Voranschläge des Budgets zu erfüllen, nehme ich den Vorwurf der „Bessesen* hisit" gerne auf mich. Wären doch viele andere auch so „besessen" gewesen! Man brauchte heute gewiß nicht in die Welt zu rufen, daß die Ueberführung von 1500 jungen jüdischen Arbeitern nach Palästina — ihre Zulassung wurde unter Anrufung der ganzen Welt der antizionisti* sehen englischen Regierung abgerungen — unmöglich ist, weil die notwendigen geringen Mittel fehlen. Auf den zweiten Vorwurf habe ich zu entgegnen; Ein echter Gentleman darf es sich leisten, mit eigenem Gelde breit und „nobel", mit geschlossenem Auge und offener Hand zu wirtschaften. Wer mit zionistischem Gelde, wer mit dem Gelde des armen jüdischen Volkes „nobel" tut, der tut, was ein Gentleman nicht tun darf. Robert Stricker. # Unter dem Drucke der Oeffentlichkeit hat vor zwei Wochen die zionistische Leitung die Zahl und die G e* hält er ihrer Beamten in Palästina bekanntgegeben. Mit Bezugnahme auf diese Verlautbarung schreibt M. B. in der palästinensischen Zeitung „Dawar": „Dem Druck der öffentlichen Meinung — auch eine Versammlung der Keren*Hajessod*Spender in TekAwiw verlangte eine Herabsetzung der Gehälter — ist es zu danken, daß nunmehr, zum Teil zum ersten Male, die Ge» haltsskalen der Jewish Agency, des Keren Hajessod, des Keren Kajemeth, der Lehrerschaft, der Schuldiener ver* öffentlicht wurden. Ein Staat wie Deutschland beschließt, sein Verwaltungssystem sparsamer zu gestalten, und beginnt mit einer Herabsetzung seiner; Gehälter und Festsetzung des monatlichen Höchstgehaltes auf 50 LP. Die italienische Regierung vermindert die Gehälter der hohen Regierungsbeamten und Deputierten um 10 bis 12 Prozent und der Leiter der wichtigsten Aktiengesell* Schäften um 25 Prozent, die englischen Eisenbahn* direktionen vermindern die Gehälter um 25 Prozent. Nur diese Schwedenklinge macht Rasieren zum Vergnügen Die führende schwedische Weltmarke /fwtH^h0 r €imonsbrot nodj tmmet unerreicht ali ©efunböettßnnb $«iittateftfttot Steld) an SRd&rfaljen unb fBitamintn. tfewfiljrt Bei 6tul)Tt)etftopfuii0, SRagenleiben uno 3ucfetttantöeit« S)aS etfte fflrot in ^gtentf^er J8er« paclungt Seilt bequem: StmonSbtor in SdjetBeit (Stanntolpacfung). £u fia&en in guten fteinfoflSanblungen unt> OActereien. Simonöötoilabrtfi 20i«tt*Aogvan 11 3tfflUdjer $0fttierfftnb — @sJ>ort —mmm Worin besteht die Kraft dieser Regierungen und Gesell* schatten, — wir aber schlagen vergebens mit dem Kopf an eine eiserne Wand, und nur der Kopf hat den Schaden?" „Der zionistische Kongreß hat das Höchst* g e h a 11 zionistischer Beamten auf 60 LP. (2100 österr. Schilling) monatlich fixiert. Als das Höchstgehalt von 60 LP. beschlossen wurde, dachte man an vereinzelte Posten: Mitglieder der Lieitung, Mitglieder des Direk* toriums; heute erhalten außer dem K. K.«Vorsitzenden alle Leiter 75, 80, 150 LP. und darüber, der General« sekretär der K. H. 75, viele Abteilungsleiter und einige Beamten der Keren Kajemeth Gehälter, die nicht weit unter dem Maximum liegen, und auch die Gehälter der anderen Abteilungsleiter, die weit weniger betragen, sind immer noch übertriebe n." Offenbar liegt hier ein natürlicher Prozeß vor: die Gehälter der Leiter wurden zu hoch festgesetzt, und die anderen folgen ihnen allmählich nach. Die Erklärung der Agency läßt einiges unklar. Die vier Mit* glieder der Leitung erhalten nach ihr ein „reguläres" Gehalt von 80 LP., das ihnen „aus dem Budget" gezahlt wird. Es gibt also vielleicht noch „irre» guläre" Gehälter, die nicht aus dem Budget, sondern aus Nebenquellen bezahlt werden? Man wußte darüber nur von einem Mitglied der Leitung zu erzählen, dessen Gehalt dreimal so groß ist wie das angegebene. Es wäre richtiger gewesen, das offen zu ers klären, als durch geheimnisvolle Andeutungen auch andere Mitglieder der Leitung in den Verdacht eines „irregulären" Gehaltes zu bringen. Vollends überflüssig war es, zu er» wähnen, daß alle Beamten ihren Beitrag an die zionisti« sehen Fonds zahlen; denn das ist ihre elementare'Pflicht." „Man spricht jetzt bei uns so viel von Z u s a m« menschluß und Einigung im Lager des Zionismus. Stehen die hohen zionistischen Gehälter damit in Ein* klang? Wenn in dem vereinigten Lager sich der Koloniearbeiter befindet, der für 175 Mil, für 150 Mil Tagelohn arbeitet, die Arbeiterin, der man 120 Mil täglich vorschlägt, Arbeiter, die also 3 bis 5 LP. im Monat erhalten, — und nicht erhalten, — der Schuldiner, der im. Durchschnitt, bei einer Familie von 3 bis 6 Seelen durchschnittlich, 5,700 LP. monatlich bezieht, — und neben ihnen das Mitglied der Leitung, das 80, 100 LP. und darüber erhält, nicht nur ein Vielfaches von dem Lohn der Arbeiter und Schuldiener, nicht nur ein Vielfaches von dem Gehalte der. Leiter großer und vielverzweigter zionistischer Institutionen, wie der Arbeiterbank, der Krankenkasse usw., sondern sogar mehr als ein englischer Oberbeamte und ein deutscher Minister." „Soll sich der Ruf zur Einheit auf die ideale Sphäre des „gemeinsamen Strebens" beschränken, statt in die Welt der Wirklichkeit herabzusteigen? Man sagt: Milieu* Zum Selbstmord jüdischer Mädchen in Wien. Das jüdische Mädchen steht an einer Krise, deren es nicht Herr werden kann. Es ißt in einen Strudel von Skepsis, Aueweglosdgikeit Mneingerissen und begeht eine Tat, die ins Verderben führt. Der Zeitungsleser sieht nichts als den nackten Bericht aweier Selbstmorde, nickt vielleicht mitleidig und ringt sich gar nicht zu der Frage durch, was den beiden jüdischen Mädchen — eie führen die internationalen Vornamen B e a t a und Marion den Revolver an die Stirn, den Gasschla-uch an den Mund gedrückt bat. , * Die Gliederung der Gesellschaft gibt dem Mädchen Gelegenheit, in ihr winken zu können. Es kann darin Platz haben durch tätige Arbeit im aUtäiglicheu Leben, in der Faanilie, im Heim, unter Brüdern und Schwestern, unter Freundinnen und Freunden, freie Stunden der Geselligkeit und der Bildung und Erheiterung des Geistes widmen. Das jüdische Mädchen kann auch im $eruf stehen. Der Kampf ums Brot wird ihm auch die seelischen Richtlinien vorschreiben und es wird seine arbeitsfreie Zeit in seinem Kreis für Sport, Vorträge, Ldhrkurse, Betätigung in jüdischen Mädchengruppen verwenden können. Die dritte Losung ist die EShe mit einem vollwertigen jüdischen Mann. Diese drei Lösungen sind die Lösungen der Normalität. * Aber —• Voraussetaung ist die Normalität des Milieus. Es gibt unbewußte und nur gefühlte Ideen der jüdischen Volksseele, die Idee der Befreiung, der Erlösung. Im Bestreben, diese Ideen zum Ausdrude zu bringen, Hegt die ganze Energie ihres Lebens. Je unerscbütttf'ücher das Volk seine Idee bewahrt, je weniger es gene^i ist, von seinem anfänglichen Gefühl abzuweichen, um so kraftvoller wird es sein. Dostojewski hat dies vom russischen Volk gesaigt. Was nun, wenn dem jüdischen Mäddien der Zusammenhang mit seinem Volk abhanden gekommen ist? Wenn es seinen höheren Lebenssinn, den Glauben an die Ewigkeit des jüdisdien Volkes, verloren hat, wenn ihm die innige Gemeinsdiaft mit den Kindern, den Nadifahren, Vorfafhren fremd ist? In der Natur ist alles für die Normalität berechnet. Die jüdischen Mädchen, die zur Mordwaffe greifen, haben in ihrem Milieu die Normalität verloren. * Das Heim! Die Atmosphäre, in der sie aus- und eingehen, die Ideen, die von der Gasse hineingetragen werden! Die linksorientierte bürgerliche Judenpresse hat sie systematisch vergiftet. Nach und nach sind sie der Gewaltherrschaft der in Wien zur Macht Aufgestiegenen erlegen, dem Zwang der geistigen, sozialen, politischen, ja ästhetischen Unterordnung. Niemals war die soziale Gefa'hr der Assimilation größer als heute, niemals wurde das Edle, das im jüdischen Sozialismus schlummert, mehr verleumdet als heute. Die Judenpresse ist es, die das Jüdische zu töten versucht, als Voraussetzung für die „Freiheit' des Geistes" das Aufgeben allerjüdischenWerte predigt und all die Pbrasen von der Kultur. Was alles gibt es da? Nacktkultur, Festeskultur, Freidenkerkultur, Tanzkultur, Rbytfomuskultur — Pbrasen, die zum Kitsch, zur Fiknkulisse, zu allen Abarten des Kaibaretts und Varietes führen. Diese Ordnung menschlicher Geisteshaltung endet bei Unnatürlichkeit und Uusinnigkeit. Der Geist wird krank gemacht, man schämt sich der Normalität. Man hält 6ich für rückschrittlich, wenn mau das nicht mitmacht, was diese bürgerlich-linke Judenpresse in täglichen Fanfaren besingt. Freiheit! Freiheit in Geist, in Körper, in nationalen und religiösen Traditionen! Das ist das Milieu, in dem die ^Entfesselung" zum Selbstmord führt. Das ist das Milieu der Assimilation, der Entwertung familiären Seins, der Negierung von Gesinnung und Sitte, der alten Bräuche, der jüdischen Bücher, Ahmen, Instinkte, der Familie als ewiger, wirklicher Erschein lingßfforjn des Nationalen. * Sind die in solchem Milieu aulwachsenden jüdischen Mädchen verloren? Oder gibt es eine Rettung? Es gibt eine solche — nur in der Zurückführung der „Verirrten" zu nationaler Verbundenheit. Unsere Wiener jüdischen Sozialdemokraten haben Angst vor solcher Gesundung, sie fürchten die Lichtung ihrer Reihen. Sie versuchen, den Zionismus in einen „nationalen Egoismus" umizufälschen, der für die „Menschhedtsentwicklung" sdiädlich sei. Wir kennen ihre verlogenen Phrasen und Schlagwörter, mit denen sie das Hinüberlaufen der jüdischen Jugend forcieren. Die jüdische Jugend darf sich nicht den Glauben töten lassen, daß der Zionismus nichts ainder es ist als der Sieg der reinen Idee gegen die geschichtliche Gefahr der Assimilation, gegen den Zwang des Systems der Zerstreuung, gegen die Unterminierung des sittlichen Bewußtseins. Das jüdische Mädchen bedarf des jüdisdien Milieus. Kann es in ihm leben, dann wird es auch in ihm wirken können und der Weg wird -zur Arbeit an der nationalen Wiedergeburt füfhren und nicht zum Selbstmord. o, r. Jüdische Komponisten und Musiker in Italien. Die Juden hatten schon im Mittelalter in Italien große Musiker aufzuweisen. So war Salomon Rossi, der unter den Herzogen Vincenzo II. und Vincenzo III. von Gonzaga Hofkapellmeister in Mantua war, einer der größten Komponisten der Renaissance. Seine Schwester Rachel war eine berühmte Sängerin und brauchte das gelbe Judenabzeichen nicht zu tragen. Salomon Rossi war auch Chormeister im

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