Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 175 (23.1.1931)
- Date
- 1931-01-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Vf. m DIE NEW? WELT Seite t Gesamtbevölkeruug ausmachen. Das Einkommen der Angehörigen der freien Berufe, wie der Aerfte, Zahlt-* Hrzte und Rechtsanwälte, Berufe, in denen die Juden stark vertreten eirtd, ist l>etrKchtlich gesunken. Be- «ondere schwer iet durch die Wirtschaftskrise der holländische Handel betroffen, in dem der überwiegende Teil der Juden Hollands tätig ist. Der H n n s 1 e r h a n d e 1 in Amsterdam Ist, abgesehen von dem LumpenhausjerhandeJ, einem völlig jüdischen Berufszweig, zu 5t,6 Prozent in jüdischen Händen. Unter den Angehörigen dieser Bcrnfszweige herrscht vielfach bitterste Not. Der fortschreitenden Verelendung tritt einigermaßen die von A, B. Davids begründete Gewerbeschule entgegen, die, obwohl keine konfessionelle Schule, hauptsächlich von jüdischen Kindern besucht wird. Hier werden jüdische Kinder aus jenen Schichten, aus denen sich hauptsächlich der Hausier- und Straßenfoandel rekrutiert, in produktiven Berufen ausgebildet. Die Diamantenindustrie, ein früher rein jüdischer Berufszweig, ist heute nur noch zur Hälfte in jüdischen Händen. Die Arbeitslosigkeit in diesem Beruf ist außerordentlich groß. Es gibt derzeit etwa 2000 arbeitslose jüdische Diamantenschleifer. Vor kurzem wurde in Amsterdam eine Beratung der Vertreter sozial-philanthropischer Gesellsdiaftcn abgehalten, die im Hinblick auf den beginnenden Winter Notaktionen einleiten wollen. Es wurde gemeinsam mit dem jüdischen Frauen rat eine Kleiderkammer gegründet, die Bedürftige mit Kleidern und Wäsche versorgen soll. Die Wohltätigkeitsvereine in Amsterdam, im Haag, in Rotterdam und in anderen Städten werden, ebenso wie die Armenräte, ihre Tätigkeit verstärken. So werden z. B. in Amsterdam allein durch den holländischen jüdischen Armenrat etwa 10 0 0 Familien Unterstützungen erhalten, an 600 Familien werden zu Pessach unentgeltlich Mazzoth verteilt werden. Auch die Stadtgemeinde Amsterdam hat eine großzügige Notstandsaktion eingeleitet. Neben Geldunterstützungen und Kleiderverteilung werden auch städtische Ausspeisungen durchgeführt werden, wobei auf die jüdische Bevölkerung durch Sonderbereitnng ritueller Speisen Rücksicht genommen werden wird. Jeder Bedürftige wird täglich um den Preis von 5 Cent eine warme Mahlzeit erhalten. Für die jüdischen Schulkinder findet außerdem das ganze fahr hindurch eine Koscher-Ausspeisung statt. Die Aktion der Gemeinde Amsterdam für die jüdischen Armen wird in enger Kooperation mit dein holländisch- '•'rsraelitisehen 'Armenrati-durchgeführt werden. Die wirtschaftlichen Aussichten in Holland in der nächsten Zukunft werden in Holland selbst äußerst ungünstig beurteilt. Besonders der Diamantenindustrie hat erst vor kurzem Senator Henri Polak,der Präsident de6 allgemeinen holländischen Diamantenarbeiter Verbandes, eine düstere Prognose gestellt. Die Situation im Zionismus Rumäniens. — Die neue radikale Leitung. Bukarest, 16. Jänner. (J. T. A.) Die vor kurzem stattgehabte Konferenz der Zionisten Altrumä* n i e n s endete bekanntlich mit der Uebernahme der Leitung durch eine radikale Exekutive unter dem Vorsitz von Dr. S. I. Stern und dem Generalsekretariat von S. S p i n d 1 e r. Die frühere Zentrums<Leitung ver« öffentlichte im offiziellen zionistischen Organ „S t i r i" ein Kommunique, in welchem Gründe für den „irregulären Verlauf" der Konferenz dargelegt werden. Dabei wurde erklärt, daß die Wahlen nicht ordnungsgemäß durchgeführt worden waren, und daß öfe Zusammen» setzung der Konferenz nach dfcm Ausscheiden der Re< visionisten und der Allgemeinen Zieotscen den Bestimmun* gen des Organisationsstatuts nicn« mehfcr entsprach. Die neue Leitung (Vorsitzender Öf. S. L Stern, Generalsekretär S. Spindler) ersucht die J. T. A. um die Verbreitung der folgenden Erklärung: 1. Die Wahlen sind von der früheren Leitung ohne Hinzuziehung der Parteien ausge* schrieben und durchgeführt worden. Der Delegiertentag hat im Beisein der Delegierten des Zentrums die Mandate/mit einer Ausnahme, validiert, also die Rieh* tigkeit der konstituierenden Konferenz anerkannt; es ist unverständlich, wie man jetzt von einer unrechtmäßigen Zusammensetzung der Konferenz sprechen kann. 2. Die Konferenz war zusammengesetzt aus 32 Radikalen, 32 Mitgliedern des Zentrums (Allgemeine Zionisten) und 12 Revisionisten. Die Revisionisten haben als Protest gegen das Zentrum die Kon« ferenz verlassen. Was das Zentrum anbetrifft, so sind die Delegierten dieser Partei nicht aus dem Kongreß aus« geschieden, sie haben bis zur letzten Sitzung an den Ver« handlungen teilgenommen. Erst nach der Erklärung des früheren Präsidenten, Herrn Adolf Bernhardt, daß er die Leitung nicht weiter übernehmen könne, hat sich ein Teil der Zentrumsdelegierten von der Sitzung zurück* gezogen, Die Konferenz hat jedoch unter Leitung des Präsidenten Duff (welcher gerade von der Zen* trums»Partei in das Präsidium delegiert -worden war) und im Beisein anderer Delegierter des. Zentrums legal weitergearbeitet. Es kann also weder von einer Rumpf*Konferenz noch von Ungültigkeit der an* genommenen Beschlüsse die Rede sein. Die neue Leitung de* Verbandes ostjtidfeeheY Organisationen in Deutschland. Zum Präsidenten der Exekutive des Verbandes ost# jüdischer Organisationen in Deutschland würde Herr Benzion Fett gewühlt. Die neugewählte Exekutive setzt sich wie folgt zusammen: Dr. Elias Altschul, Moses Anker, Fischel Goldhammer, Moses Goldmann, Samuel Haarpuder, Itzkpwitz, Ichel. Leser, Josef Mandelbaum, Samuel Rosenblüth, Dr. Alexander Rosenfeld, Dr. Israel Taubes, Dr. Tscherikower, sämtlich Berlin. Für Rheinland« Westfalen: Dr, David BüschiehEssen; Fuchs»Oberhausen. Für Süd*Westdeutschland: Josef Holländer «Karlsruhe, Sabine Tino»Nürnberg. Für Sachsen: Dyx«Dresden. Für Hamburg^Altona: Weintraub. Als weitete Vertreter der Ortsgruppen im Reich: Lecker*Magdeburg und Fischel* Hannover. Die Herkunft der europäischen Judensdtaft* In der „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" (Schriftleitung: Dr. Jacob Segall und I. Koralnik) veröffentlicht der bekannte Schriftsteller, Arzt und Statistiker Dr. Felix A. Theilhaber eine eingehende Studie „Die Juden in Deutschland und in Polen in früheren Jahrhunderten", in der er ausführt: Die Statistik, insbesondere die Bevölkerungsstatistik, der Juden läßt uns die Verhältnisse der letzten hundert Jahre überblicken. Alle Versuche, die frühere Volkszahl in früheren Jahrhunderten zu rekonstruieren, leiden an der Unzulänglichkeit des Materials. Die Frage nach der Anzahl der deutschen Juden im Mittelalter ist von Bedeutung. Erfahrungsgemäß stammen von ihnen die Ostjuden ab. Die Behauptung, daß nennenswerte Teile von Juden im Osten Nachkommen von vom Sdiwarzen Meer her nach Südrußland eingewanderten Juden waren und «ich später mit den Flüchtlingen aus Deutschland vermischten, erscheint unwahrscheinlich. Bekanntli sprachen die Ostjuden um das Jahr 1800 insgesamt Jiddisch. Es ist undenkbar, daß größere Teile von Juden, die eine andere Sprache beherrschten, sich in Polen, also in einer slawischen Gegend, die fremdartige Mundart des Jiddischen angeeignet hätten. Von den 16 Millionen heute lebenden Juden stammen 13 Millionen von den ums Jahr 1800 jiddisch-deutsdi redenden Juden ab. Eine Million sind Nachkommen der spanischen Juden und eine Million entfallen auf Splitter, die sich in einzelnen Ländern, vor allem der arabischen Zone (Nordafrika, Vorderasien), erhalten haben, wozu noch Partikel von südfranzösichen, italienisdien Juden kommen, die aber auch stark mit Spaniolen und deutschen Juden vermischt sind. Ueber die Juden in'Deutschland bis zum Jahre 1000 sdnd wir schlecht unterrichtet. Ihre Zahl scheint ziemlich gering gewesen zu sein. Köln, Trier, Aachen waren ganz kleine Orte. Die Anwesenheit von Juden in Deutschland bis ungefähr ins 10. Jahrhundert ist sichergestellt. Nadi dem Jahre 1000 häufen sich die Angaben über das Vorkommen der Juden in den rheinischen Orten. Um das Jahr 1000 war die französische Jaidenheit in jeder Beziehung den deutschen Juden überlegen. Sie war reicher und zahlreicher. Trotzdem kamen in dem ganzen Jahrhundert vor dem ersten Kreuzzug Talmudschüler aus Lothringen nach Mainz, vielleicht weil hier mehr Freiheit als in Frankreidi herrschte. Ger schon Ben Je hu da, das geistige Haupt der mitteleuropäischen Juden um die Wende des ersten Jahrtausends, stammte aus Französisdi-Lothringen und lehrte in dem rheinischen Lehrhaus, das Rabbi Kalon y m o s aus Lucca begründet hatte. R a s c h i kam aus der Caxnpa<gme nach Worms und Mainz, wo schon vor ihm eine stattliche Zahl berühmter lothringischer Gelehrter das Talmudstudium aufgeriditet hatte. Der Druck, der schon damals auf den französischen Juden lastete, verführte sie zur Abwandelung in Gegenden, die noch wirtschaftlich unerschloseen waren, der Aufschwung der rheinischen Judengemeinden hängt mit der Einwanderung der wirtschaftlich erfahrenen Juden zusammen, die in den Zentren der französischen Industrie gelebt und den Geldhandel bereits mit ausgebaut hatten. Bis zum Jahre 1096 ist die überwiegende jüdische Bevölkerung Deutschlands also in den wenigen rheinischen Städten konzentriert. Alles spricht dafür, daß die Juden in diesen Städten nicht sehr zahlreich waren, daß die allergrößten Gemeinden höchstens 500 bis 1000 Juden zählten. Die Historiker sprechen gelegentlich von großen Ziffern der Opfer der Pogrome des Jahres |096. Dem widerspricht die Üeberprüfung der Memorbücher. Die Namen der Getöteten sind gut gesammelt. Unter den uns vorliegenden Angaben müssen wir in Mainz mit 550, Worms 450, Köln 175 Toten rechnen, Die übrigen Todesfälle sind nur wenige. Damit erhalten wir Verluste anläßlich des ersten Kreuzzuges auf dem deutschen Boden von zirka 1250 Seelen. Es gab zu jener Zeit, nur ganz wenige jüdische Siedlungen in Deutschland, etwa 10 bis höchstens 20, von denen die größeren Gemeinden 500 Juden zahlen mochten. Dr. Theilhaber neigt am der Auffassung, daß die Anzahl der deuUcben Juden um das Jahr 1096 knapp 5000 betrug; Wir finden hundert Jahre nach der Katastrophe von 1096 Juden in den neu aufstrebenden Siedlungen» 5 I T n FRÜHLINGSFAHRT NACH EREZ ISRAEL 9. IV.-30. IV. 1931 GESELLSCHAFTSREISE MIT DEN,,SITMAR"-DAMPFERN „AUSONIA" UND „ITAL.IA" Genua — Neapel — Syrakus — Alexandrien — Calro — Tet-Awiw— Jerusalem—Haifa—Tiberlas— Damaskus—Baalbek— Beyrout— Zypern — Konstantinopel —Athen Gesamtprels von S 1384.— aufwärts Auskünfte! QITMAR" Wien I, Kärntnerring 18 f|wl I ■¥l#'%rm (Ecke Schwarzenbergplatz) in Regens bürg, Prag, Magdeburg, Halle u. a. Immer diditer werden ihre Siedlungen in der Maingegend, im Ries, im Taubergrund, an der Donau; die fruchtbaren Gegenden Hessens finden jüdisdien Zuzug, langsam sdiieben sich Gemeinden in die Rhön bis nadi Thüringern vor und übersiedeln von da in den Harz. Waren es um die Zeit des ersten Kreuzzuges knapp 20 Orte, in denen sich Juden aufhielten, so sind es hundert Jahre später fast hundert Städte und um 1548 zirka 250 bds 300. Die Herkunft der Hauptmasse der Ansiedler aus den rheinischen Städten läßt sidi aus versdiiedenen Umständen annehmen. Es wäre recht Wertvoll, über die Anzahl der deutschen Juden in der Zeit von 1250 bis 1350 genaue Kenntnis zu besitzen. Leider gestattet dilf Höhe der Reichssteuern keinen Anhaltspunkt für die Größe der Gemeinde: es war keine Kopfsteuer. 1241 bezahlten in ganz Deutschland 29 Judengemeinden an den Kaiser 857 Mark Silber. Es ist nach den Untersuchungen durchaus wahrseheinlidi, daß die Mehrzahl der jüdischen Gemeinden meist recht klein war. Im Jahre 1349 gaib es in 60 größeren und 150 kleineren Gemeinden Judenverfolgungen; viele dieser jüdischen Gemeinden wurden bei den Pogromen vollkommen ausgetilgt, alle jüdischen Bewohner kamen umis Leben, und so erfahren wir die Anzähl der jüdischen Einwohner, die nicht groß war. Eine Unzahl Namen deutet darauf hin, daß der französisch-jüdische Einschlaig recht groß gewesen ist. War um das Ja/hr 1000 die französische Sprache unter den Juden des Rheins noch vorherrschend, so hat eich allgemein um 1250 die mittelrheinische Mundart durchgesetzt. Die Anzahl der Juden um das Jahr 1100 dürfte 4000 bis 5000 nicht stark überstiegen haben. Um das Jahr 1350, nach etwa 150 Jahren, ist mit einer jüdischen Bevölkerung von höchstens 18.000 zu rechnen. Auch die Immigration, die aus Deutschland nach Polen geht, wird ziffernmäßig gewaltig übertrieben. Von den eingewanderten Juden wurden direkt nur wenige Gemeinden in Polen gegründet. Vor dem Jahre 1300 läßt sich in Polen eine jüdisdie Bevölkerung hauptsächlich in P o s e n, Kaiisch (ansdieinend vom Jahre 1287 her) und in einigen anderen Orten nachweisen. Die Anfänge der jüdischen Gemeinden von Wärschau, Bromberg, Lublin, Sandomir, Krakau, Lemberg fallen in die Zeit von 1304 bis 1367, wie Meisl in seiner Geschichte der Juden in Polen und Rußland darlegt. Es waren deutsche Juden, die Polen besiedelten. Es werden damals nach den vorliegenden Angaben 20 bis allerhöchstens 50 Gemeinden gewesen sein. War können mit vielleicht 1000 Familien rechnen, die von Deutschland die weite Reise in das fremde Land antraten, so daß wir um das Jahr 1350 vielleicht mit einer jüdischen Bevölkerung in Polen von 6000 Seelen zu rechnen haben. Der große Nachwuchs bevölkert von den Handelszentren aus das übrige Land. Auf Grund der im Jahre 1549 eingeführten Kopfsteuer ist die Zahl der Jjrrlen in Polen im Jahre 1569 auf 30.000 bis 50.000 Seelen "zu Wochen-Kalender Jänner 1931 Freitag 24 Samstag Sonntag 26 Montag n Dienstag Mittwoch Donnerstag 653W rinn Schebat 5691 5-n 6-1 7-1 8-nl (Hö l(M tl-tf Sabbateingang 4-35 Sabbatausgang 5*26 nan -w» -om 'tsen ,nh