Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1931-01-23 · Heft 175 (23.1.1931) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 175 (23.1.1931)
Date
1931-01-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2711613-2711790-2711794--2300-2715582
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 17f G O t F O A S E Jüdisch« Sportler, betreibet Im Wintergarten der I., Dorotheergaste Nr. 6-8 veranschlagen. Die jüdische Bevölkerung nahm i nfolge der übergroßen Fruchtbarkeit stark zu. Mit Hilfe der Angaben von Metel und der Unterlagen für die Neuzeit kämen wir zu folgendem Schema: Die Zahl der Juden in Grofl-Polen war: im Jahre 1350 zirka 6000; 1450 zirka 15.000; 1550 zirka 40.000 bis 50.000; 1650 zirka 250.000; 1750 zirka 500.000; 1828 zdrka 2,000.000; 1900 zirka 6,000.000. Diese Ziffern erfassen die jüdische Bevölkerung in Grofl-Polen (inklusive Ukraine) und Litauen. Dazu kommen noch die Massen der Juden, die im 18., 19. und 20. Jahrhundert aus den polnischen Gebieten nach Rumänien, Tschechoslowakei, Ungarn, Deutschland, Frankreich, England, Nord- und Südamerika, Afrika, Asien ausgewandert sind. Ihre Zahl inbegriffen, war die Nachkommenschaft der polnischen Juden im Jahre 1930 auf zirka 12 bis 13 Millionen angewachsen. Mögen die Unterlagen, auf die sidi das obige Schema stützt, mangelhaft sein, dies hindert nicht, daß durch die Erforschung der Volkszahl uns wesentlidie Erkenntnisse erschlossen werden. Die statistische Erförschung der jüdischen Siedlungen lassen die Geschichte des-jüdischen Volkes vielfach in anderem Lichte erscheinen^ Gewiß sind die in diesem Artikel angeführten ' Ziffern' zum Teil schon verstreut von änderen Autorenangedeutet. Aber erst ihre Zusammenstellung liefert uns das plastische, überraschende Bild von dem Werdegang der deutschen und polnischen Juden. Vom* öslerreidifcdien Kercu Haje§§od« '©äs Präsidium des Oesterreichischen Keren * Hajqssöd teilt mit: Das gefertigte Präsidium des Oesterreich^schen Keren Hajessod hat den Bericht der von ilpn . eingesetzten, Kommission zur Ueberprüfung der Gebarung des K. H. entgegengenommen. Die Kommissft>%;|iat:' festgestellt, daß die Arbeit des letzten Ärbeits- |ahr^s'';(1929/3Ö)' zu einer E r h ö h u ng, der Eingänge gßfüh.rt-hat, und, daß die Gebarungskosten gesunken eand.üfld.das normale Ausmaß nicht, überschreiten. v$)jas Präsidiuni des K. H wendet der Frage der Eisp'a^'rnis s e sein stetes Augenmerk zu, appelliert jedoch'besonders ah die Zionisten und an alle Freunde des "Palästina-Aufbaues, im Sinne der akuten Notwendigkeiten der. Arbeit ihre Opferleis.tun.gen fc.u e r;h ö h e n. Insbesondere aber appelliert das gefertigte ..Präsidium an alle Zionisten, sich zur akt'iv;ep'Mitarbeit für deii K. H. zur Verfügung z'u'steilen. Es .soll auf diesem Wege' erreicht werden,; daß weitere Kreter der österreichischen Judensehaft für den K.-H. gewonnen und daß anderseits durch, 'freiwillige 'Mitarbeit die Unkosten auf ein erreichbares Minimum herabgesetzt werden können.! Alle! Gg., welche bereit sind, einen Teil ihrer Zeit dferr K;-JL-ATl}ejt;".r gur Verfügung zu stellen, werden höfljqhst ersucht» sich mit dem Büro des Keren Hajessod (Wien, r., Kä.'rntnerstraße 28) in Verbindung setzen zu wollend Für das Präsidium des Oesterreichischen (Keren Hajessod: Dir: Fritz E c k s t e i n, Oberi»gv Qtto Kras;n/y. ' "• »; , | ' Versicherungen zugunsten des Jüdischen National- ,, . ,fon$ls (Keren Kajemeth). (, Die Versicherungsabteilung des Keren Kajemeth ha;t ■ eii}e/;Aktion, eingeleitet, die bezweckt, Versiehe* rvu:.x\. gj.e. ».zu g u n s t e n des Keren Kajemeth durchzuführen, ,und. zwar auf folgender Grundlage: Im ^rVe3b;e n s f all;e . fällt die versicherte Summe ganz dem Keren Kajemeth zu, im A b 1 e b e n s f,a 11 e die eine B.$lfte. d;enErbender . Versicherten, die andere Hälfte 4ejji Keren Kajemeth. Durch die Aktion , sollen dem Kfren ^ajemeth .neben den Spenden neue Mittel zum Zwecke 'der Ausdehnung des jüdischen Bodenbesitzes für dje. jüdische Kolonisation zufließen. Schon nach drei Jv4hreu erhält der .Keren Kajemeth gegen minimale Zin* s,en r .6^5 j Promille . der eingezahlten Prämien zu seiner frewnr Verfügung.., * ■ -". i r . - '!..: , .Anträge für r diese Versicherung zugunsten des . übernehmen die Versicherungsabteilung des Keren -Kajemeth und unser Gg. Herr David Nebenzahl, r^i^ter: der City*Fjliale der Lebensversicherungsgesell* :s?hä|t „Phönix", I., Bäckerstraße Q. AUS PALÄSTINA. j;Vom österreichischen Palästina-Amt. ' . .Wir erhalten vom Wiener Palastina-Amt folgende VeratäTidiguiig: „Wir geben Ihnen bekannt, daß wir von Einwanderungszentrale der Jewish i Agency in; f^tliUUnÄ fojgendes, vom 14. Jänner datiertes Tele-; gramm erhalten haben: „Einordnet C h a l u z i m. ffi, Herkunft Mitte Feher." '*' ■ - •. ■ ■ . 'i Ein Kommentar dieser Nachricht seitens der Zioaietisehea Exekutive Mögt uns bis jetzt nicht vor. Schwere Stürme in Palästina. Aus Jeruealern wird unter dem 21. Jänner gei^eidet'. In Palästina wütete ^in heftiger Sturm, der der QMQfenernte schweren Schaden zufügte. In TeJ-A/wrw steht ein Teil der Straßen durch eine Springflut unter Wasser. In der Wüste Sinai herrscht ein heftiger Sandsturm, wodurch die Eisenbahnverbindung Palästina- Aegypten unterbrochen ist. Einer Anzahl von Dampfern war es nicht möglich, Jaffa und Haifa anzulaufen, un< sie mußten ihre Passagiere bis Beirut an Bord behalten Uebergang des Orangenhandels in jüdische Hände. Aus einer Aufstellung über die in der Saison 1930-31. voraussichtlich zur Verschiffung gelangenden Ofangenkistert ergibt sich, daß jetzt der weitaus g'f öftere T e i 1 des Orangenexports durch jüdische Firmen besorgt wird. Diese Entwicklung ist deshalb bemerkenswert, weil noch vor wenigen Jahren der Export der palästinensischen Orangen überwiegend dnreh arabische Händler erfolgte, die in den jüdischen Pflanzungen die Ernte zum größten Teil bereits am Bannte kauften und verschiffen ließen« Seitdem in den letzten Jahren durch die fluktu ierenden Preise, in England den Händlern große Verluste erwuchsen und die Ernte nicht mehr im früheren Um fang am Baume gekauft wird, wird ein zunehmen' de r Teil der Früchte durch jüdischeExpor teure verschifft. Durch die Kooperative „Pardess" allein dürften in dieser Saison 600.000 Kisten Orangen expor tiert werden, durch die Firma „Hachaklai" 111.000 Kisten, durch die „Jaffa Fruit Co." 161.500 Kisten. Unter Berücksichtigung verschiedener kleinerer Firmen dürften in der Saison 1930-31 von jüdischer Seite 2,075.000 Kisten zum Versand gelängen. Demgegenüber lauten die Schätzungen des Exports durch die arabischen Exporteure nur auf 615.000 Kisten. (Ziko.) Das Budget der Stadtverwaltung von Tel-Awiw im Jahre 1930. Die Stadtverwaltung von TebAwiw hat das Rech« nungsjahr 1930 mit einem kleinen Ueberschuß ab« geschlossen. Ihre Einnahmen betrugen 91.703 Pfund gegen* über 89.455 Pf Und laut Voranschlag. Die Haussteuer „ergab 22.432 Pfund gegenüber 19.800 Pfund, Gewerbekonzessions* gebühren 5446 Pfund gegenüber 5000 Pfund im Vorjahre. Auch bei einigen anderen Posten waren Mehreinnahmen zu verzeichnen. Dagegen waren die Einnahmen geringer als erwartet bei den Posten Erziehungs« un.il Ge* sundheits ab gaben, Einnahmen aus dem Besitz der Stadtverwaltung, u. a. Einleitung der Untersuchung gegen Araber, die der Teilnahme), am Massaker yon Hebron ver- •-•rfv däch&gf sind.) Jerusalem* 17. Jänner* (J. T. A.) Von den 20 Arabern aus,-Hebron, die; unter dem Verdacht, an dem Massaker in Hebron im August; 1929 teilgenommen zu haben, vorige Woche >on A <e S Y.p t e n a n, Pal ä s t i n a .a u sg e 1 ie f e r t w o r d e n sind, wurden 17. auf freien Fuß gesetzt, während gegen die übrigen drei Araber eine Untersuchung eingeleitet wurde. ,'"" . '- .-...« ,f^' . *,; ■ r . ' / ■!?'<*V Die arabische Presse ist bemüht, für die Beschuldigten ein: Alibi zu konstruieren. Es wird behauptet, .daß die,drei beschuldigten Araber schon vor .'Jahren, 'lange vor den -jUnruhen... des > Jfthr.es. 1929, Hebron verlassen habep.; Einer der Araber, die an dem Massaker teilgenommen haben, Abdullah Kabra, hält sich gegenwärtig in Syrien^auf.. Es ist ungewiß, ob die syrische Verwaltung, dem Beispiel Aegyptens folgend, zu seiner . Auslieferung an Palästina, bereit sein wird.. , „Jamea c?l A^bia" versucht die Christen Palästinas gegen die Juden aufzuhetzen. . . Jerusalejn, 15. Jänner. •(!. T. A.) Das Organ des Obersten mosipmitischen Kates und des Großmufti „Jamea el Aijabia" erklärt in einem Artikel, der offensichtlich darauf angelegt ist, die christliche Bevölkerung Palästinas gegen die Juden aufzuhetzen, es sei unverständlich, daß die Christen es den Juden gestatten, die Geburtskirche in Bethlehem zu " besuchen und den Boden zu betreten, auf dem"i:Chrjstiis':^ewandeIt':sei. Zahlreiche Juden hättet* -am W^eihnächtsfest' der griechisch-orthodoxen Kirche; in Bethlehem! teilgenommen! . ' i.j; : ,'; Ein Kampffonds der palästinensischen Araber« V'Kairo, ^''Jänner. (J, T. A.) In Kairo ist eine Dele* gation^ von Atabern aus Hebron eingetroffen, um Samro» lungen für einen Kampf fonds zugunsten der Ataber Palästinas einzuleiten. Diese Aktion wird auf Grund1 etner besonderen Erlaubnis des Großmuftis durchgeführt.' Titeländeirpng der Anglo-Palestine-Company. Djle; Anglo-Palestine Company hat mit Wiirkiung vom* 1,;'Jänner 1931 ihre^ Namen in „The A^gjo» Pa^estlhe' ßank Ltd." geändert. -vi* v Einfuhr «nd fAusfuhr Palästinas im Septembe? i??Q» •ijü^;^ejiteniber 19^30 betrüg •' der Wert des Imports nacl|f ftätimä 618.566 Pfund gegenüber 591.426 Pfund im;^tembIejr'<1929:a Der' Wert des Exports betrug 1W;858 P^H^;^ge«ü^«r 97.379 P/und. / Die Lebenskosten in Palästina. Der Index der Lebenskosten betrug im Oktijber 1930 oX);4;geg>ri:über 62,3 im Monat September. Der R^jk* gan^ un^ 1,9, der für die Herbstmonate ungewöhnlich ist, ist auf die £ifca]tende Preisdepression auf den lokalen und internationalen 'Märkten zurückzuführen. : 1 Die Auflage von HEYERS LEXIKON in der im Artikel über die Habtburgar deren jttdische Abstammung nachgewiesen wird« lit 111 varkaufan. Offerten an „Die Neue Welt" unter „Laxlkon". Ergebnis der Viehzählung in Palästina. Die Viehzählung, die im Jahre 1930 in Palästina durchgeführt wurde, hat folgendes Ergebnis gehabt: 145.991 Stück Rindvieh, 13.674 Pferde, 5258 Maultiere, 76.961 Esel, 25.326 Kamele. Diese Ziffern werden aber von der Regierung als zu niedrig betrachtet, da sie auf den Angaben der Muchtare beruhen. Besonders dürfte die Ziffer für Rindvieh einer korrekten Unterlage entbehren und nach Meinung der Regierung um 40.000 Stück zu niedrig angegeben sein. Belohnung desVerrats Magnes wird von der Regierung eingeladen. —- Die Araber in politischer Offensive. Der Kanzler der hebräischen Universität in Jeru« salem, Herr J. L. Magnes, hat mit dem jüdischen Volk schlechte Erfahrungen gemacht. Er, der erste hebräische Rektor, konnte sich nie recht mit dem Volk verstehen, dem die Kultur der von ihm geführten Universität zugute kommen soll. Er hat allerdings diesem Volk übel mit* gespielt. In den kritischesten Augenblicken, in Momenten höchster Gefahr, in heikelsten politischen Situationen haben seine lose Zunge und seine ziemlich untalentierte Feder Schlimmes angerichtet. Er, der jüdische Ethiker, hat die arabischen Mordgesellen vom August 1929 nahezu verteidigt, die englische Beamtenkamarilla von ihrer Schuld reingewaschen, allen Feinden des Zionismus mit der Schrift „Like all nations?" das Rüstzeug zur Stempelung der zionistischen Aspirationen als araberfeindlich, chauvi« nistisch, hassenwert in die Hände geliefert. Der Klüngel um ihn, der berüchtigte Brith Schalom, hat seine Lehre brav befolgt, mit dem englischen imperialistischen Agenten Philby um die Gunst des arabischen Wucherers und aus« beuterischen Großgrundbesitzers, des Effendi, gebuhlt und so dem schwer ringenden jüdischen Palästina und dem ganzen Zionismus Hieb auf Hieb versetzt. Diese großzügig geführte Propaganda des Herrn Magnes und des Brith Schalom — sie haben bekanntlich den englischen Paria« mentariem ihre Schundliteratur gratis ins Haus geliefert — hat mitgeholfen zur Schaffung jener Atmosphäre, die den Engländern das welthistorisch traurige Dokument, das Weißbuch vom Oktober 1930, herauszugeben erleich« tert hat. Gute Dienste wollen belohnt sein. Es hat uns wundergenommen, daß es bisher für Herrn Magnes nur platonische, wenn auch warme Sympathiekundgebungen seitens der arabischen Extremisten gab, und nicht auch etwas Greifbareres seitens der dankbaren englischen Ad« ministration, die ja in Palästina auch etwas vermag. Eine Meldung aus Jerusalem desavouiert uns. Richtig, Herr Magnes ist zum jüdischen Mitglied in der von der palästinensischen Regierung geschaffenen Kom« mjssioh für landwirtschaftliche Entwicklung ernannt worden. Und wieder hat Herr Magnes Pech mit dem jüdi« sehen Volk. Die jüdisch«palästinensische Presse revoltiert. Der „D o a r Hajo m", das maßgebende bürgerliche Organ, nimmt sich bei dieser Gelegenheit wieder einmal den Herrn Magnes her, beleuchtet ihn gebührlich und er« zählt außerdem die Pikanterie, daß seine Ernennung das Ergebnis langer Verhandtungen zwischen der Exeku< tive der Jewish Agency und der Palästina« Regierung sei. Eine Neuigkeit immerhin! Das Blatt der Arbeiterpartei „Dawar" schüttelt auch nicht wenig das Haupt. Es meint, „die Regierung wolle Doks tor Magnes in den Vordergrund schieben und ihm künstlich eine Position sichern", zumal da er „keine Qualifik ati on für Wirtschaft« Hohe, soziale und technische Aufgaben mitbringe. Weder habe die hebräische Universität irgend eine Beziehung zu landwirtschaftlichen Problemen, noch sei Dr. Magnes! Repräsentant irgend einer Kolonisationskörperschaft. Die Regierung habe sich offenbar von politischen Gesichts» punkten leiten lassen." Also, Herr Magnes hat keinerlei Qualifikation für Landwirtschaft, wie ihm auch bekanntlich niemand nach» rühmt, daß er die wissenschaftliche Qualifikation zur Leitung einer Universität besitze. Dafür aber (st. iHerr Vlagnes in politischen Enunziationen gewandt. Er läßt?sein" Universitätsdirektorium ein© Entgegnung veröffent* iehen, er sei als Rektor eingeladen worden, da die Uni« y^rsität mehrere Abteijungen besitzt, die sich mit ,,,fch e o r e t i s c h e r Forschung und prä.kti seien Untersuchungen auf dem Gebiet der Land* Wirtschaf t bef assen." Ein Unschuldsmensch, dieser Alagnes! Was Regierung, was Jewish Agency 1 Als Wissen« scjhaftler wird er berufeh, er kann nichts dafür l Der jüdi« sehe Theologe, das ist Herr Magnes, vormals Rabbiner in l^ew York, als Experte für landwirtschaftliche Entwlck« lung, Rein „sachliche" Motive! Seine Freunde, die Araber aber, begnügen sich nicht mit theoretischer Forschung. Sie ziehen aus der Einstellung des Herrn Magnes und der ihn einladenden Engländer praktische, politische Konsequenzen. Man gibt ihnen das

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.