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Die neue Welt · 1931-01-23 · Heft 175 (23.1.1931) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 175 (23.1.1931)
Date
1931-01-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seil« 6 DIE NEUE WELT bringen, kurz die Votbedingungen für die Kolonisation von fünf Millionen Juden in Palästina beiderseits de« Jordans /u schaffen. Soskin, dessen aachlich fundierte und rednerisch hinreißende Art Gegenstand lebhafter Ovationen war, wurde anschließend an seinen Vortrag von einem engeren Kreis persönlich gefeiert. Im Rahmen eines intimen Banketts fanden sich Freunde Dr. Soskins zusammen und begrüßten ihn als den Mann konsequenter zionistischer Gesinnung und unbeugsamen Kampfwlilens. Soskin dankte seinen Wiener Freunden mit herzlichen Worten, Dr. Soskln in Mähren und Karpathorußland. Herr Alexander Rabbinowlcz schreibt uns: In H r a n i c e (Mährisch*Weißkirchen), einer kleinen mährischen Stadt mit einer starken revisionistischen Orts« gruppe, mußte Herr Dr. Soskin seine Tournee durch die Tschechoslowakei infolge einer Erkaltung zunächst unter» brechen. Nachdem er am 29. Dezember im Saale des Beth* Haam in Proßnitz über ^Zionismus in" der Welt-» Politik" gesprochen hatte, reiste er nach Karpatho* r u ß 1 a n d. Am 1. Jänner sprach er in S e v 1 u s über die „Lage im Zionismus", am 3. Jänner in H u s t über das „Weißbuch und seine Folgen", am 4. Jänner in U i* hör od über „Politik und Wirtschaft", am 6. Jänner in Munkaievo über Palästina in Gegenwart und Zukunft". Am 7. Jänner weilte er in KoSice (Ostslowakei) und sprach in dem trotz der knappen Vorbereitungszeit über» füllten Saal des jüdischen Gemeindehauses über „Zu* kunftsmöglichkeiten Palästinas". Tags darauf absolvierte Dr. Soskin noch einen Vortrag in H r a n i c e „Der kommende Kongreß". , „ Die Anwesenheit Dr. Soskins Wurde überall als zionistisches Ereignis ersten Ranges empfunden. Da und dort war Dr. Soskin der erste wirklich prominente Redner überhaupt, in Karpathorußland sprach er jedenfalls als einziger führender Zionist seit der Tournee Jabotinskys vor vier Jahren. Die Vorträge Soskins wurden in diesen jüdischen Zentren überall von 400 bis 500 Menschen be* sucht. Auch in Proßnitz war der Besuch sehr gut. In Hranice war mehr als die Hälfte -aller Juden erschienen. Was die Ausführungen Dr. Soskins betraf, gab er eine verständliche Analyse der Entwicklung von der Vor* bereitung der Balfour*Deklaration bis zur momentanen Lage. Das Bild, das Dr. Soskin von den Möglichkeiten in Erez Israel entwarf, und die politischen und Wirtschaft* liehen Forderungen, an denen festgehalten werden muß, waren klar und überzeugend. Die Einwände, ob von Niveau oder längst überholte Phraseologie, wurden von Dr. Soskin leicht entkräftet. Häufig wies er nach, daß sie in ihren positiven Elementen den revisionistischen Gedanken ent* lehnt seien oder mit ihnen übereinstimmen. ffr. il* Div Alexander Hausmann* I Aus Lemberg kommt die traurige Nachricht, daß dort am 14. Jänner Dr. Alexander Hausmann, 51 Jähre alt, gestorben, ist. Er gehörte zu jenen mutigen, dem Zionismus, ergebenen Persönlichkeiten, deren Wirken Ost« galizien' zum klassischen zionistischen Lande machte. Nach Adolf Stand, Gerschon Zipper, Salomon Schiller, Abraham Korkis, Leon R e i c h, verliert der Zionismus wiederum allzu früh einen seiner Besten, einen der Führer der ersten zionistischen, der H e r z 1* sehen Generation. Hausmann gesellte sich bereits auf der Gymnasial» bahk den Schöpfern des Zionismus in Ostgalizien zu. Die Gründung von geheimen zionistischen Gymnasiasten* zirkeln ist der Anfang seiner Tätigkeit, Kaum nach der Matura, 18jährig, nimmt er als einer. der Delegierten seines Heimatlandes am ersten Zionistenkongreß in B»sei teil. Er war der jüngste Delegierte jenes Kongresses. An allen Zionistenkongressen vor dem Kriege nimmt Hausmann dann als Delegierter teil. Sein ganzes Leben stellt sich als ununterbrochener Dienst für die Zionssache dar. Während seiner Universitätsstudien in Wien gehört er zu den Gründern der „I v r i a h". In Lemberg begründet er die erste zionistisch*akademische Verbindung „Emunah", in der er in Fortsetzung seiner Tätigkeit aus der Gymnasialzeit her die Mitglieder zur mutigen Verteidigung der jüdischen Ehre, zur Strammheit und Disziplin mit Erfolg erzieht. Die Emunenser erwarben sich den Ehrennamen der Gendarmen des Zionismus. Im Jahre 1910 reist Hausmann zum ersten Male nach Palästina, wo er längere Zeit verweilt und die Ver* hältnisse eingehend studiert. Er blieb seit damals ein gründlicher Kenner der wirtschaftlichen Verhältnisse Erez« Israels. Nebst vielen Artikeln in der „Die Welt" und den polnischen zionistischen Organen, veröffentlichte er eine größere Arbeit über „Das jüdische Element in Palästina". Das letzte Mal besuchte er Palästina im Jahre 1929. Jahre« lang war Hausmann Mitglied der zionistischen Leitung Ostgaliziens, eine gewisse Zeit deren Präsident. Im Jahre 1919 zieht Hausmann als einer der ersten zionistischen Kultusräte in die Lemberger jüdische Gemeindestube ein, deren erster zionistischer Vizepräsident er auch war. Hausmann war mehrere Jahre Mitglied des A. C. der Zionistischen Weltorganisation. •S&SttSmrnm!^^ iWiimtmimimii inMiwinttiitiitnTminiiitnrtnmttftmniiiiitiiii 5? SICGM. KORNMEHL asOIIPLIIICHNAUlAII Zentrale IX., Berggmm» 19, Telephon 17»3»9V q. I6-V-34 Lieferant tür Heilanstalten Abteilungen fPr ■^■HeUch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Kabbinats der Isr. Kultusjremeindf Wien Jtutoau«t«l|unQ kostenlos IK. B«rggaia« IS / XVIII., wmirlitgtrstir. #? ^Mpiifflg???^ ^MiwiiWilHiiWHthiitmmHimm^ rjjmnmruwttimmnitimitnnipti Nach dem Lemberger Pogrom im Jahre 1918 wurde er zusammen mit Leon Reich, Michael Ringel und dem jetzt in Wien lebenden Vertreter der J, T. A., M. A. Tenenblatt, von den polnischen Behörden interniert. Der Verstorbene war persönlich dienstbereit, be« scheiden, ein treuer, verläßlicher Freund. Als ihn die Partei im Jahre 1922 als Listenführer in den Senat ent« senden wollte, zog er die Pflichten eines Leiters der Organisation dieser Würde vor. Es scheint ein Schicksal des Zionismus zu sein, daß er seine Besten so früh verliert. Leon Wechsler. Einführung der lateinischen Schrift für Jiddisch geplant, Moskau, 15. Jänner. (J. T. A.) Für den 1. Februat 1931 wurde vom Institut für jüdische Kultur ein jid*disch»phiIologischer Kongreß nach Kiew einberufen. Auf dem Kongreß wird ein Antrag auf Ersetzung der hebräischen Schrift in der jiddischen Presse Sowjetrußlands durch lateinische Lettern gestellt werden. Die Antragsteller begründen ihre Forderung damit, daß das jüdische Leben in Rußland auf völlig neue Grundlagen gestellt wurde. Die Juden» frage in Rußland sei gelöst. Die Juden hätten sich in die Ordnung des Landes eingefügt. Ihre Beschäl» tigungen besaßen nicht mehr spezifischen Charakter, sondern seien dieselben wie die aller anderen Teile der Bevölkrung. Ebenso wie das jüdische Leben sich dem Leben des Landes immer mehr angepaßt habe, müsse auch die Sprache, wenigstens in ihrem äußeren Kleide, der Sprache des Landes angepaßt werden. Ebenso wie die T ü r k e i mit der jüngst erfolgten Er* setzung der arabischen durch die lateinische Schrift die besten Erfahrungen gemacht habe, werde auchdie jiddische Sprache durch die Ersetzung der hebräischen Lettern durch lateinische nur gewinnen. * Nachdem die hebrTäische Sprache in Rußland; förmlich ausgerottet wurde; geht man nun der jiddischen an den Leib. Unter dem Vorwand „philologischer" Er* wägungen setzt man auch hier mit der Zwangsassimilation ein. Die Sache geht natürlich nicht von den echten Russen aus. Alle Parteien, in welchen assimilierte Juden eine Rolle spielen, werden durch diese zum Kampf gegen die nationale jüdische Art gehetzt. Was man früher bei den polnischen und deutschen Liberalen beobachten konnte, jetzt bei der österreichischen Sozialdemokratie verzeichnen kann, das tritt beim russischen Kommunismus in Erscheinung, der allen Nationen ziemliche Toleranz gewährt, nur nicht der jüdischen. Weil Assimilations* juden die Drahtzieher sind! 5000 jüdische Verbannte in Archangelsk. Riga, 14. Jänner. (J. T, A.) Wie ein bekannter jüdi* scher Kaufmann, der soeben von einer Geschäftsreise von Archangelsk nach Riga zurückgekehrt ist, dem dorti* gen J. T. A.*Vertreter mitteilt, ist die Einwohnerzahl der Stadt Archangelsk, wo vor dem Kriege nur wenig mehr als 10.000 Menschen lebten, infolge der Errichtung eines Konzentrationslagers für Verbannte durch die Sowjetregierung auf über 100.000 angewachsen. Die Verbannten, unter denen sich etwa 5000 Juden befinden, leben zum Teil im Konzentrationslager, zum Teil frei in der Stadt. Während sich unter den nichtjüdischen Ver* bannten zahlreiche politische Verbrecher befinden, rekrutieren sich die jüdischen Verbannten durchwegs aus sogenannten „L i s c h ein z e s" (Vv ahlrechtslosen), ehe» maligen Nepleuten, deren einziges Verbrechen darin besteht, daß sie nicht in der Lage waren, die ihnen auferlegten Steuern zu entrichten. Ein Teil der jüdischen Verbannten hat sich den neuen Verhältnissen angepaßt. Viele haben, da der Verkehr in Archangelsk ungeheuer gestiegen ist, als Kutscher ihr Fortkommen gefunden, zahlreiche Angehörige von Intelligenzberufen werden in der Lagerverwaltung, die eine ungeheure Unter* nehmung für sich darstellt, beschäftigt, so zum Beispiel der Petersburger jüdische Advokat Dubnitzki, der Moskauer Ingenieur Sa Im an u. v. a. Im Konzentrations* Jager lebt auch der ehemalige Leningrader Rabbiner Lazarew, dem die Aufgabe der Entgegennahme und Verteilung der Postpakete für die Gefangenen zuge* wiesen wurde. Rabbiner Lazarew ist schwer wieder* zuerkennen, da das Lagerkommando ihn gezwungen hat, sich den Bart abnehmen zu lassen. Als Verbannter lebt in Archangelsk auch ein Oheim des bekannten Arbeiter* führers und Schriftstellers Salman Rubaschow. Ein großer Teil der Verbannten, insbesondere die ältere Generation, leidet schwer darunter, daß die Zubereitung der Speisen im Konzentrationslager den jüdischen rituellen Vorschriften nicht entspricht. Nur wenige sind in der glücklichen Lage, ihre Kost mit Hilfe ihrer letzten Ersparnisse aufbessern zu können, während die große Mehrzahl von trockenem Brot lebt, um die Speisegesetze nicht Übertreten zu müssen. Der algerische Antisemitenführer Dr. Molle gestorben. Parle, 15. Jänner. (J. T. A.) Der Bürgermeister der Stadt Oran in Algerien, Deputierter Dr. Jules Molle, ist infolge eines Herzschlages plötzlich gestorben. Dr. Molle war der Führer der antisemitischen Bewegung in Oran. Jahrelang hatte er Judenhaß gepredigt und besonders durch die von ihm heraus* gegebene Zeitung „Petit Oranais" zur Förderung der anti« semitischen Stimmung in Oran beigetragen. Schlagzeilen, wie „Zündet Synagogen und Schulen der Juden an!", „Zerstört die jüdischen Häuserl", „Treibt die Juden ausl", waren in diesem Blatt an der Tagesordnung. Diese systematische Hetze führte im Jahre 1925 zu ernsten judenfeindlichen Aus« schreitungen in Oran. Bei einem Sturm auf das jüdische Viertel1 wurden damals zwei Juden getötet und fünfzig verwundet. Erst das Eingreifen von Militär ver* mochte die Ordnung wiederherzustellen. Vor ungefähr einem Monat hatte die antisemitische Agitation Dr. Molles in Oran neuerlich einen der* artigen Umfang angenommen, daß sich die Abgeordneten Faure und Fevrier veranlaßt gesehen haben, in der französischen Kammer eine Interpellation über die Vor* gänge in Oran einzubringen. Wichtige Gerichtsentscheidung gegen den Wirtschaftsboykott. Berlin, 16. Jänner. (J. T. A.) Das „Günzburger Tag* blatt" veröffentlichte einen Aufruf der N. S. D. A. P., in welchem es hieß: „Kauft nicht in jüdischen Geschäften, Warenhäusern oder Konsumvereinen. Lauft nicht in die Ramschläden derer, die stets die Feinde Christi waren..., kauft nie beim Juden!" Auf Antrag jüdischer Geschäfts* leute in Ulm hat das Landgericht Memmingen durch einst* weilige Verfügung dem nationalsozialistischen Bezirksver* band Günzburg bei Strafandrohung verboten; die fragliche Nummer des „Günzburger Tagblattes" und den darin ab* gedruckten Aufruf weiter zu verbreiten und Aufrufe dieses oder ähnlichen Inhaltes zu veröffentlichen. Warum nicht in Oesterreich? Berlin, 18. Jänner. Das Volksministerialblatt ver* öffentlicht die folgende Verfügung des preußischen Ministers für Volkswohlfahrt (H i r t s i e f e r, Z e n t r um) an die Regierungspräsidenten, betreffend rituelle Ver* pflegung von jüdisch.ep Krankenkassen* mitgliedern in Erholungsheimen: „Der preußische Landesverband gesetzes* treuer Synagogengemeinden (Sitz Halberstad.t) hat mir berichtet, es sei vorgekommen, daß jüdische Arbeitnehmer, die von ihren Krankenkassen in ein Erholungsheim ent* sendet werden sollten, auf diese Wohltat aus religiösen Gründen hätten verzichten müssen, weil sie auf rituelle Verpflegung Wert legten, einesolche aber . in dem betreffenden Heim nicht möglich war. Der Verband hat daher den Wunsch geäußert, es möchte den Kranken* kassen empfohlen werden, bei solchen jüdischen Kassen* mitgliedern, die auf rituelle Verpflegung besonderen Wert legen, im Falle der Gewährung eines Erholungsaufenthaltes die Möglichkeit ritueller Verpflegung zu berücksichtigen, unter Umständen, durch Ueber* nähme der bei der Kasse üblichen Verpflegungssätze für ein mit Zustimmung der Kasse von den .Versicherten selbst gewähltes Erholungsheim. Ich ersuche, den Krankenkassen durch die Versicherungsämter zu empfehlen, diesen Wunsch auf Antrag nach Möglich« keit zu berücksichtigen." Wirtschaftsnot der Juden in Holland. Amsterdam, 8, Jänner. (J. T. A.) Der überwiegend« Teil der Juden Hollands leidet schwer unter der herrechenden Wirtschaftskrise. Die jüdischen Gemeinden und Wohlfährtsgesellschaften haben sich daher veranlaßt gesehen, besondere Notstandsmaßnahme 11 zu treffen. Einigermaßen gesichert ist bloß die Lage der öffentlichen Angestellten und der Beamten der Jüdischen Gemeinden. Nur 1 Prozent, der holländischen Juden sind jedoch Öffentlich angestellt, obwohl die Juden in Holland 2 Prozent, in der Stadt "Amsterdam sogar 10 Prozent der •mtm Hebräisches Konzerf Großer Konzerthaussaal 1. Februar

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