Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 175 (23.1.1931)
- Date
- 1931-01-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. i?5 DIE NEUE WELT Seife 5 1 gllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllliiiiiu 1 Verband demokratischer Zionhten | i Mittwoch, 98. Jüimtr 1931, um V,9 Uhr abends I s Im H«rsl*Saal d«t Verbandthcimt, II., Untere s B Augartenstraße 38 3 i i sesen die illegale Venchiebuitt I i des Zlonlstenkonsresses 1 | Redner: HANS KANDL E Freie Aussprache! Gäste willkommen! 5 TmimiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiS Schmaus mit dem vorhandenen Fleisch zu machen, man kann also noch einmal versuchen. Aber wenn man Ihnen sagt, das Kind ist krank, Sie müssen uns helfen, es zu kurieren, und hinzugefügt wird, daß dem Kind die beste medizinische und hygienische Pflege zu* teil wurde, daß es eine bessere Pflege gar nicht geben kann, nun — beim größten Mitleid für das Kind — werden Sie sich fragen: „Wenn dem so ist, verlohnt es sich noch?" Mein Rat ist nicht der Rat eines Parteimannes. Ich spreche einfach als einer jener Juden, die die Hälfte ihres Lebens verschiedenen Arten von „Agitation" ge» widmet und ein gewisses Maß von Erfahrungen ge« sammelt haben. Hütet euch davor, objektiven Umständen die Schuld zuzusprechen. Schiebt die Schuld immer nur Personen zu, sonst findet ihr keine Kunden. Wenn ihr Geld sammeln oder borgen wollt, z. B. für Reparierung einer defekten Maschine, sagt nicht, die Maschine sei an und für sich schlecht, sagt, daß der Maschinist ein Stümper war und ihr einen anderen sucht. Im Sommer 1915 hörte ich in London auf dem Trafalgar Square einen berühmten Werbe«Unteroffizier, einen Menschen, dessen Pathos und Beredsamkeit der englischen Armee tausende Rekruten brachte. Es war in schlimmen Tagen. In einer Zeit schwerer Niederlagen der Verbündeten, insbesondere der Engländer. Was war die Argumentation des Unteroffiziers? Seht, sagte er, schon seit einem Jahr tut Deutschland alles, was es nur kann, um den Krieg zu gewinnen, und es hat ihn doch nicht gewonnen. Und ein Jahr lang tut England alles, um den Krieg zu verlieren, und es hat ihn doch nicht verloren. Und das ist der beste Beweis, daß England stärker ist, daß England siegen werde. Also ein klein wenig Fachmann in dieser Kunst, sage ich, daß das die einzig richtige psychologische Ein* Stellung ist, wenn man in Zeiten von Niederlagen „rekru» tieren" will. Wollen die Führer des bevorstehenden „drive" Erfolg haben, so müssen sie eine kurze und kläre Instruktion an ihre Sammler und Redner ergehen lassen: Werft die ganze Schuld auf die Leitung, auf daß man begreife, daß die objektiven Bedingungen günstig sind und daß man nur durch menschliche Irrtümer in die heutige Lage geraten sei! Nebenbei: Es wird zufälligerweise auch die volle ehrliche Wahrheit sein. Der junge Lord Melcheit wird mit seiner Schwester, Lady Erleigh, die Unternehmungen seines Vaters in Palästina weiterführen. London, 16. Jänner. Wie die Jüdische Telegraphen* Agentur aus Kreisen, die über die Unternehmungen des verstorbenen Lords Melchett in Palästina gut informiert sind, erfährt, legt der junge Lord Melchett großes Inter« esse für diese Unternehmungen an den Tag und beab« sichtigt, sie gemeinsam mit seiner Schwester, Viscountess Erleigh, fortzuführen. Arabisierung der kommunistischen Partei Palästinas. London, 16. Jänner. Wie „Manchester Guar* dian" aus Moskau berichtet, ist in der „Prawda" ein Artikel über den im Dezember abgehaltenen Kongreß der kommunistischen Partei Palästinas er* schienen, in dem dieser Kongreß als bedeutsamer Wende* punkt in der kommunistischen Bewegung der arabischen Länder bezeichnet wird. Auf dem Kongreß waren zum ersten Mal die Araber in gleicher Stärke wie die Juden vertreten und die Arabisierung des Zentral« komitees der Partei, in dem die Juden bisher die Oberhand hatten, macht rapide Fortschritte. Das Blatt weist auf die große Gefahr hin, die der innerhalb der Reihen der kommunistischen Partei Palästinas noch immer fühlbare zionistische Chauvinismus für die Bewegung bedeutet, und gibt folgende Richtlinien Anläßlich des Badunglückes in Horodanka findet am Donnerstag, den 29. Jänner, um 8 Uhr abends im Heime der demokratischen Zionisten, II., Untere Augartenstraße 38, eine statt Trauerandacht Wir laden alle Landsleute höflichst ein. Das Trauerkomitee für die künftige Arbeit der Partei an: Verschärfung des Kampfes gegen Imperialismus und Zionismus in Palästina. Schaffung der Voraus« Setzungen für eine erfolgreiche Tätigkeit der kommunisti* sehen Partei in den arabischen Ländern durch straffe gewerkschaftliche Organisierung der arbeitenden arabischen Massen unter revolutionärer Führung und Einigung zwischen Fellachen und Beduinen auf der Basis agrar» revolutionärer Forderungen. Eine Kritik des Weißbuches als Doktordissertation. Paris, 14. Jänner. (J. T. A.) Der jüdische Student Abraham Baumkoller aus Warschau hat das juridische Doktorat der Pariser Universität mit einer völker« rechtlichen Studie erworben, in der er das von der briti« sehen Regierung im Oktober 1930 veröffent« lichte Weißbuch über die künftige Politik Englands in Palästina kritisch untersucht. Zu der Professoren* kommission, vor der die Doktorarbeit Baumkollers ver* lesen wurde, gehörten der Vizeobmann der Carnegie» Stiftung für internationalen Frieden und Herausgeber der „Zeitschrift für internationales öffentliches Recht", Pro« fessor A. Geouffre de Lapradelle und der Dekan der juridischen Fakultät und Vizepräsident der französischen Paneuropaliga, Professor Henry Berthelemy. Obwohl einige Professoren, die von Baumkoller vorgebrachten Argumente bekämpften und auf die B e« deutung der der arabischen Bevölkerung zugesicherten Rechte hinwiesen, hat die Kom* mission die eingereichte Dissertation als einen bedeutenden Beitrag zur völkerrechtlichen Forschung bezeichnet. FEBER-COUPONS aller Währungen werden in Zahlung genommen vom Speiialhaus für Goldanlagen Dr. THAUSING und SCHLESINGER Wian I, Tegettholfstrafle 4 Telephon R-23-2-88, R-23-3-92 400.000 Juden in der Tschechoslowakei. Prag, 17. Jänner. (J. T. A.) Nach den bisher durch das Statistische Staatsamt veröffentlichten Gesamt* resultaten über die Volkszählung vom Dezember 1930 lassen sich bereits mit Sicherheit Schätzungen über den zu erwartenden Zuwachs der jüdischen Bevölkerung in der C. S. R. anstellen. Der gesamte Bevölkerungszuwachs für Böhmen, Mähren, Schlesien, die Slowakei und KarpathprußlanaV.)wird mit etwa 1,000.000 Seelen für die neun Jahre von 1921 bis 1930 beziffert. Da die Juden im Jahre 1921 354.324 Seelen oder 2,6 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachten, würde der-Zuwachs der jüdischen Bevölkerung auf dem ganzen Gebiet der Republik etwa 2 6.000 S e e 1 e n betragen. Der jüdische Anteil am allgemeinen Zuwachs wird jedoch dadurch vergrößert, daß die Juden der Slowakei und K a t pathorußlands eine stärkere Vermehrungsquote aufweisen als in den historischen Ländern, die stellenweise sogar mit einem Ueberschuß der Todesfälle über die Ge* burten zu rechnen haben. Der Zuwachs der jüdischen Bevölkerung dürfte nach dieser Berechnung in der ganzen G. S. R. 40.000 Seelen erreichen. Er beträgt unter An* gleichung der Bevölkerungsproportion der Zählung von 1921 an die Zuwachsziffern von 1921 bis 1930 in Böhmen, wo die Juden 1921 79.777 Seelen oder 1,2 Prozent der Gesamtbevölkerung bildeten, 5190 Seelen, in der Slowakei, wo es 1921 135,918 Juden (4,5 Prozent der Gesamtbevölke* rung) gab, 12.600 und in Karpathorußland (1921 93.341 Juden oder 15,4 Prozent) 18,480 Seelen, d. h. zusammen ohne Mähren, über das noch keine Ziffern vorliegen, 36.000, mit Mähren voraussichtlich 40.000 Seelene. Dadurch würde sich die Zahl der Juden in der C. S. R. auf zirka 400.00 0 erhöhen. Die Jüdische Reichspartei in der tschechoslowakischen Republik. Prag, 17. Jänner. (J. T. A.) Bei der am 6. Jänner in Mährisch-Ostrau abgehaltenen Gründungiskonferenz der Jüdischen Reichspartei in der Tschechoslowakei wurde nach einer lebhaften Auseinandersetzung über die politische Grundlage der Jüdischen Partei das nachfolgende Programm einstimmig akzeptiert: Die Jüdische Partei für die C. S. R. ist die politische Organisation des nationalen Judentums dieses Landes. Sie ist die legitime Repräsentanz des jüdischen Volkes in seinem Ringen um nationale Rechte und kulturelle Entwicklung und bürgerliche und politische Gleichberechtigung auf dem Boden der Gesetze der Republik und im Rahmen der Verfassung und für die Freiheit der religiösen Uebung und der Gleichberechtigung der jüdischen Religion mit den anderen Religionen. Die Juden der C. S. R. stellen eine nationale Minderheit dar, die um die Gleichberechtigung unfer den anderen Minderheiten des Staates kämpft. Die 10 Mitglieder des Zentralausschusses sind: Norbert Adler, Prag; A. Czeczowiczka, Dr. Artur Feldmann, Brünn; Dr. Angelo Goldstein, Prag; Artur Kauders,, Prag; Dr. Chaim Kugel, Munkacz, Dr. Paul März, Mährisch-Ostrau; Dr. Julius Reisz, Bratislava; Dr* Emil Marguües, Leitmerdtz; Dr. Ludwig Singer, Prag; Dr. Leo Sipos, Presov. Zum Vorsitzenden der r ©eiftioe Arbeiter 0taufn, 9?«o9fe, 8\xdttU<inte, $att*el&ifle effen im eigenen ftntetefle Ma< titQ 6fl8 bunfte . Simons&rot. iRetcfl an ftä&tfajen uuö Sitaininen. 3n bflnncn Sdjnlten mit fBuitet eine 2>eltfafeff«. ©ehe bequem: ©tmoit»6iof)>acfd)en in Stftnufen. 3tt «W« guten OfeinloÜbanblungen unb BfltfereUn ertättitdj. <2>imon$bvotfabtik 3$teite&<tgtatt 11 V SäflHfler yoflperfpwfr — C*gpott „■ / Jüdischen Partei wurde in der ersten Sitzung des Zentralaußschusses Dr. Emil Ma r g u 1 i e s, Lertmeritz, gewählt. Die Tagung beschloß die Errichtung von Sekretariaten in Prag, Bratislava und Uzhorod und nahm ein Budget von tsch. K 230.000 (M. 30.000) an. Dr* §♦ Saslrin in Wien* «Politik und Wirtschaft des Zionismus»» Wien, 19. Jänner. Auf der Rückreise, nach Absolvierung einer um« fangreichen Vortragstournee durch die Tschechoslowakei, weilte der bekannte Nationalökonom und revisionistische Führer Dr. S. S o s k i 11 einige Tage in Wien, wo er mit der Union der ZionistensRevisionisten Oesterreichs Bc« sprechungen pflegte und Samstag, den 17. Jänner, im Fest« saal des Ingenieur« und Architektenvereines vor einer großen Zuhörerschaft einen Vortrag über „Politik und W'irtschaft des Zionismus" hielt. Dr. Soskin war bekanntlich lange Jahre im Deutschen Kolonialamt in Berlin als Wirtschafts« und Kolonisation« fachmann tätig und widmet seit mehr als zwei Jahrzehnten seine Kraft und Erfahrung dem Aufbauwerk in Palästina. Die große jüdische Oeffentlichkeit kennt Soskins Kampf gegen das von ihm von vornherein abgelehnte verfehlte Wirtschaftssystem der zionistischen Leitung der Nach* kriegsära ebenso wie die von ihm propagierte Wirtschafts« methode des Intensivismus. Soskin leitete seine zwei Stunden langen Ausführun* gen mit einer Analyse des politischen Zieles des Zionis« mus ein, wie es seit Herzl und dem Kongreßzionismus sinngemäß verstanden wird: Palästina als m a t e« rielle Heimat der Juden; ein Judenstaat, dem die jüdische Majorität die elastische Staatsform zu verleihen geeignet macht. Rekonstruktion, wie es in der Präambel des Mandats heißt, bedeutet ja nichts anderes als die Wiederherstellung eines Gewesenen. Ge« wesen ist: der jüdische Staat in Palästina. Deuteleien an der B älf 0u r«D ck 1 ar at i on sind für uns irrelevant. Denn nicht diese Deklaration, sondern das Mandat ist das völkerrechtlich verpflichtende Dokument. Soskin gibt nun eine ausführliche Uebersicht über die historische Ent* Wicklung der Partnerschaft: Juden und England. Die Balfour«Deklaration war kein Geschenk, sondern eine Gegenleistung. Das ersieht man auch aus dem vom nun freigegebenen russischen Geheimarchiv der Oeffent« lichkeit zugänglich gewordenen Brief, den die englische Regierung an den russischen Außenminister Sassonow während des Weltkrieges richtete. Außer der moralischen Unterstützung der damals arg bedrohten Alliierten hat das jüdische Volk auch militärische Hilfe geleistet. Die Arbeit Aron Aronsons im Intelligence Service, Jab o« t i n s k y s Jüdische Legion sind im höchsten Maße für das Schicksal der türkischen Front mitbestimmend ge« wesen. Der Judenstaat als Gegenleistung kommt sogar in der Antrittsrede Herbert Samuels als High Commissioner zum Ausdruck. Dr. Soskin entwirft dann ein anschauliches politi« sches Bild von der Degenerierung des Begriffes „Juden« Staat" zum Begriff „Zentru m". Das Ghettojuden* tum, verkörpert im High Commissioner Herbert Samuel und im zionistischen System der Weizmannschen Amts« führung, hat die von Anfang an inaugurierte antizioni« stische Verwaltungspolitik der britischen Beamten begün« stigt, möglich gemacht, bis zum Begriff „Zentrum" ge« fördert. Herbert Samuel leitet die Aera der Weißbücher ein, das erste unter dem Namen Churchill ist sein direktes Werk. Dr. Soskin deckt nun den psychologischen Hinter« grund der Judenfeindlichkeit der britischen Verwaltungs« behören auf, indem er auf das von einem Lawrence und S t 0 r r s angestrebte Panarabertum als Glied des britischen Imperiums hinweist und auf das unbequeme Arbeiten mit Juden, die in einem Kolonialamt keine Natives sind. In diesen politischen Aspekt ist auch die Wir t« schaftsmethode einzubeziehen. Sie mußte Formen annehmen, die zu dem heute von den verantwortlichen Faktoren selbst als katastrophal bezeichneten Zustand des Finanz« und Wirtschaftsapparats führten. Wovor die revisionistische Opposition seit Jahren gewarnt hat, das ist eingetreten. Und nun ist das revisionistische Programm für die jüdischen Massen reif geworden. Sie, denen die Erkenntnis von der unbedingten Notwendigkeit des Wechsels der Leitung und der Metboden aufgegangen ist, werden zwangsläufig das revisionistische Programm aufnehmen müssen. Es gilt, die Arbeit heu in Angriff zu nehmen, eine großzügige außenpolitische Aktion einzuleiten, die Forderung nach dem jüdischen Schutz der Kolonisation durchzusetzen, die Geldmittel in Form einer international! garantierten Anleihe aufzu«