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Die neue Welt · 1931-01-23 · Heft 175 (23.1.1931) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 175 (23.1.1931)
Date
1931-01-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 175 DIE NEUE WELT Sei?« * Schäfte endeten. Seine Verhaftung in Focsani hat im ganzen Lande um so mehr Aufsehen erregt, als sich die Behörden bisher an die Person Codreanus nicht heran« wagten. Codreanu wurde in dem Augenblick verhaftet, als et den Jassy*Bukarester Zug besteigen wollte, um nach Bukarest zu fahren, wo er an der Untersuchung, betreffend das Attentat auf Dr. Socor, teilnehmen wollte. Er wurde nach Bukarest gebracht und von der Polizei einem Ver« hör unterzogen. Er bestritt, in irgendwelchem Zusammen* hang mit dem Attentat auf Socor gestanden zu haben. Cadreanu wurde zurück nach Focsani gebracht, wo er sich zwangsmäßig aufhalten muß; die direkte Haft gegen ihn wurde aufgehoben. Den Besitzern von Versammlungssälen in Bukarest würde verboten, Versammlungen der „Eisernen Garde" in ihren Sälen zuzulassen. Die Saalbesitzer haften persönlich für die Einhaltung dieses Verbots und werden im Uebertretungsfalle vor Gericht gestellt werden. Der Unterrichtsminister hat an die Schulbehörden die Weisung erteilt, Studenten oder Schüler, die sich an öffentlichen Ver* Sammlungen antisemitischer Organisationen betei* ligten oder Mitglieder politischer Geheimorgani« sationen sind, aus den Schulen auszuschließen und dem Gericht zu übergeben. Gegen die sogenannten „Kulturpropagandiste n", welche unter dem Vorwand der Bekämpfung der Freimaurerei in den Schulen und unter der Bauernschaft antijüdische Verhetzung treiben, wird in Zukunft mit derselben Strenge wie gegen kommunistische Agitatoren vorgegangen werden. * An die Metropoliten und Erzbischöfe ist ein Zirkular ergangen, in dem die aktive Anteilnahme von Geistlichen an Vereinigungen, die Feindschaft, Haß und Gewaltanwendung gegenüber bestimmten Kategorien von Bürgern propagieren, als antichristlich, antisozial und antinational gebrandmarkt wird. Die Erzbischöfe werden aufgefordert, der Geistlichkeit die Abhaltung von Gottesdiensten für derartige politische Vereinigungen, die Vereidigung von Mitgliedern solcher Vereinigungen und die Vornahme von Fahnenweihen zu verbieten. Bei der Sichtung der in den verschiedenen terrori* stisch«antisemitischen Klubs und Zellen vorgefundenen Archive und Korrespondenzen wurden sensationelle Ent* deckungen gemacht. In Siebenbürgen wurden Pläne zur Bewaffnung der sogenannten „Bataillone des Kreuzes" gefunden, in dem palastartigen Parteihaus der Cuzistcn in Jassy wurden Korrespondenzen und Pläne beschlagnahmt, aus denen hervorgeht, das anfangs Februar ein Kongreß aller Antisemiten Rumäniens einberufen und die Führung der Bewegung in die Hände des General* Stabschefs der Organisation „Erzengel Michael", Corneliu Zelea Codreanu, gelegt werden sollte. Es war sogar die Beseitigung Cuzas für den Fall, daß er sich weigern sollte, die Parteileitung zu übergeben, in Erwägung gezogen. Es wurde einwandfrei festgestellt, daß die Pläne der Vereinig gungen „Eiserne Garde" und „Erzengel Michael" darauf abzielten, die bestehende Staatsform zu ändern und ein* zelne Politiker, die ihnen im Wege standen, zu b e s e i t u g*e n. In der Wohnung des Codreanu in Focsani wurde ein Henko ^//k^A&UlH^ - ist oft das Wasser daran schuld. Das harte Brunn«** und Leitung** wisset hemmt Waschwirkung und Schaumbildung des Waschmittel* ganz erheblich. Einige Handvoll Henko vor Bereitung der Lösung dem Wasser beigegeben, machen das härteste Wasser wundervoll weich und sichern angenehmes, wirucb*f& tlches Waschen. Jienkel's Haus-und Wäschesoda macht hartes l&asser weich f Manifest gefunden, dessen Inhalt darauf schließen läßt, daß eine ganze Reihe von terroristischen Atten« taten geplant war. In den Bukowinaer Filialen der Organisation „Erz* engel Michael" wurden größere Mengen von Explosivstoffen und Waffen gefunden. Aehn* liehe Funde sind auch in Siebenbürgen gemacht worden. Die Vermutung liegt nahe, daß der Bombenanschlag auf ein jüdisches Haus in Kandreny im Sommer v. J. von Mitgliedern der Vereinigung „Erzengel Michael" verübt wurde. Im Zusammenhang mit der Auffindung der kom* promittierenden Dokumente in den Parteilokalen der antisemitischen Organisationen und der Aufdeckung der Waffenlager in der Bukowina und in Siebenbürgen wurde eine Anzahl weiterer Verhaftungen antisemitischer Führer vorgenommen. Der Justizminister hat an alle Gerichte ein Rundschreiben gesandt, in dem darauf aufmerksam gemacht wird, daß es an der Zeit sei, mit der bisherigen Praxis eines allzu milden Verfahrens gegen antisemitische Terroristen Schluß zu machen. Nach der Meinung der Zeitung „Dimineatza" ist diese Maßnahme darauf zurückzuführen, daß sich die Polizei wiederholt darüber beklagt hat, daß ihr Werk durch die Justizbehörden einfach zunichte gemacht wird. Die bisherige Aktion der Regierung hat den Beweis erbracht, daß die Terroristen beabsichtigten, ganz Ru* mänien zunächst durch eine Reihe von blutigen Attentaten und Pogromen in Unruhe zu versetzen, um auf den Ruinen der zusammengebrochenen Ordnung eine Diktatur mit Codreanu an der Spitze aufzurichten. Angesichts der umfassenden Sicherheitsmaßnahmen der rumänischen Re* gierung dürfte nunmehr mit einer Störung von Ruhe und Ordnung in nächster Zeit nicht zu rechnen sein. Thüringen verhindert die Einbürgerung jüdischer Ausländer in Preußen. Berlin, 17. Jänner. (J. T. A.) In einer kleinen Anfrage im Landtag hatte der Abg. Nuschkc (Staatspartei) darauf hingewiesen, daß trotz eines Landtagsbesdilusses, Ausländer nach ae-hnjäihrigem einwandfreien Aufenthalt an Deutschland einzubürgern, sich die Fälle häuften, in denen völlig einwandfreie Persönlichkeiten selbst nach einen Aufenthalt von zwanzig und mehr Jahren vergeblich auf die Einbürgerung warteten. Die zuständige preußische Stolle .habe den Bescheid erteilt, nach dem Staatsangehörigkeitsgesetz von 1913 hätten die Länder die Möglichkeit, Einbürgerungen zu widersprechen, über die der Reichsrat «u entscheiden habe. Von dieser Möglichkeit habe nur ein einzages Land Gebrauch gemacht, eine Entscheidung des Reichsrates habe aber noch nicht herbeigeführt werden können. Die Anfrage sprach die Vermutung aus, es handle sich hierbei um Thüringen, In der Antwort des preußischen Innenministeriums heißt es, die preußische Regierung trage nach wie vor dem Lnndtagsbeschluß Rechnung und auch der Reichsinnenministcr habe alle Landesregierungen ttm ein gleiches Vorgehen gebeten. Richtig sei, daß in den erwähnten Fällen nur Thüringen Einspruch erhoben habe. Die litauische Regierung raubt Inn senden Juden ihre Existenz. Kowno, 16. Jänner. (J. T. A.) Das Innenministerium hat an alle jüdischen öffentlichen Institu* tionen und P r i v a t u n t e r n e h m u n g e n die Aufs forderung gerichtet, die bei ihnen beschäftigten Personen, die nicht litauische Staatsbürger sind, zu ent* lassen. Nichtjüdische Institutionen und Unternehmer, die Juden nicht beschäftigen, haben eine solche Aufforderung n i c h t erhalten. In Litauen leben gegenwärtig über 9000 jüdische Ausländer und Staatenlose, die meist aus Rußland oder aus dem von Polen besetzten litauischen Gebiet stammen. Allen diesen hat nun die Regierung das Recht auf Arbeit und Erwerb entzogen, so daß ihnen der Hungertod droht. Zu protestieren ist ihnen verboten, die M i 1 i t ä r z e n s u r hat der Presse untersagt, ein Wort über diese Ver* Ordnung zu bringen. Juden niederschlagen — eine billige Sache. Frankfurt a. M., 18. Jänner. (J. T. A.) Ein Urteil, das hier wegen seiner Milde Aufsehen erregt, hat soeben ein Frankfurter Gericht gefällt. Angeklagt waren wegen schwerer Körperverletzung der Dekorateur Rudolf Bienmüller und der Mitarbeiter eines nationalsozialistischen Skandalblattes Wilhelm Wylinsky. Die Beiden (befanden sich eines AJbemds auf einer Bierreise in Daraengesellschaft. Auf dem Börne-Platz fielen sie unter den Rufen: „Das sind ja Juden, die müssen abgeschlachtet werden 1" über awei ruhig des Weges dahergehende Juden her. Bienmüller schlug einen derselben derartig ins Genick, daß er zu mnm Durchgerüttelt* Von Schalom Alechera, „Pst", rief ein Jude mit runden Ochsenäuglein dazwischen. Er war die ganze Zeit in einem Winkel beim Fenster rauchend dagesessen und hatte den Geschichten über Diebstähle, Räubereien und Expropriationen zugehört. „Ich werde euch etwas Schönes erzählen — auch von einem Diebstahl, der sich bei uns zutrug, im Beth Hamidrasch und am Versöhnungstage noch dazu. Hört nur her! Unser Städtchen Kaßriliwke —■ ich selbst bin aus Kaßriwilke — ist ein kleines armes Städtchen, Diebe gibt es nicht, man stiehlt nicht, es ist niemand und nichts da, bei dem man stehlen und das man stehlen könnte — und ohne das — ein Jude ist doch kein Dieb, das heißt ein Jude ist eigentlich schon ein Dieb, aber nicht ein solcher Dieb, der durch Fenster kriecht oder jemand mit dem Messer abschlachten geht. Hin- und herdrehen, jemandem den Kopf ver- und herunterdrehen, andrehen — das schon; aber doch nicht einem die Tasche leeren, um so dir nichts mir nichts erwischt und nachher von einem Kerl mit einem gelben Ding auf den Schultern forttransportiert zu werden. Das paßt für einen diebischen Iwan, aber nicht für einen Juden. Stellt euch vor, da geschieht bei uns in Kraft riliwke ein Diebstahl, und noch was für einer! Achtzehnhundert Rubel mit einem Schlagt Eines schönen Tages kommt zu uns ins Städtchen ein Gast einhergefahren, irgend ein Jude aus Litauen, genau am Vortage des Versöhnungsfestes zum Minchagebet, steigt wie gewöhnlich in einer Gastwirtschaft ab, legt den Ranzen hin und geht stracks in die Schul, ins alte Beth Hamidrasch. Dort angelangt, stößt er an die Diener mit den Geldtellern an. „Schalom Ale jenem!" „Alejchein SphalomJ" „Woher ist denn ein Jude?" „Aus Litauen/' „Wie heißt Ihr?" „Eurer Großmutter Sorge, wie ich heiße?" „Ihr seid doch in die Schul gekommen!" „Wohin denn sonst soll ich geh'n?" ,Jhr wollt gewiß bei uns beten?" »Was denn sonst, hab* ich die Wahl?" „So gebt etwas in den Teller!" „Gewiß, ich werde doch nicht umsonst beten!" Kurz, unser Gast nimmt drei Silberrubel und wirft sie in den Teller, außerdem wirft er in den Teller des Chasau einen Rubel, für den Raw gibt er einen Rubel, für die Talmud Thora einen, in den Almosenteller wirft er einen halben, nicht eingerechnet das Geld, das er den Bettlern, die bei der Tür stehen, gab. Bettler gibt es bei uns, nicht zu versündigen, so viele, daß man an sie das Rothschildschc Vermögen verteilen müßte. Es versteht sich von selbst, daß man einem so splendiden Gast sofort einen Ehrenplatz an der Ostwand anwies. Wo man einen gefunden hat, wenn doch alle besetzt sind? Das ist keine Frage! Wo nimmt man einen Platz her, wenn es eine Feierlichkeit gibt, eine Hochzeit oder eine Beschneidung? Alles sitzt schon um den Tisch herum, da gibt es plötzlich Lärm. Was ist los? Der Stadtreiche ist da! Man zwängt sich so lange ein, bis ein Platz für ihn da ist. Einzwängen ist eine jüdische Sache. Wenn niemand zwängt, zwängt der Jude sich selbst . . ." Der Jude mit den runden Augen läßt eine Pause eintreten, um nachzusehen, welche Wirkung sein Witz auf die Zuhörer geübt hat, und fährt fort: „Kurz, unser Gast hat zu oberst Platz genommen ,und sich beim Diener einen Ständer erbeten. An diesen gelehnt, bei Kol Nidrei mit Gebetmantel und Kittel bekleidet, steht er da und betet. Betet und betet, die ganze Zeit auf den Füßen, nicht für einen Augenblick setzt er sich, von Hinlegen schon gar nicht zu sprechen. Er verläßt den Ständer nicht für einen Moment, dieser Litwak, höchstens dann, wenn man das Achtzehngebet sagt oder den Boden berühren muß. Trotz des ganztägigen Fastens auf den Füßen stehen bleiben und sich nicht für einen Augenblick hinsetzen, das kann nur ein Litwak! Erst nach dem letzten Schofarton, beim gewöhnlichen Marewgebet, da Chaim Choneh, der Lehrer, seine Stimme hören ließ (das Marewgebet überträgt man Chaim Choneh, dem Lehrer, schon seit urdenklieben Zeiten), bricht plötzlich ein Geschrei los: „Gewalt, Gewaltl" Was ist geschehen? Der Gast liegt ohnmächtig am Boden! Man schüttet Wasser auf ihn, man rüttelt ihn — er ist immer noch ohnmächtig. Eine schöne Geschichte! Er hat bei sich, dieser Litwah, achtzehnhundert Rubel gehabt. Er hat gefürchtet, sagt er, sie im Gasthof zurückzulassen. Keine Kleinigkeit, achtzehnhundert Rubel! Wem kann man eine solche Summe Geldes in einer fremden Stadt anvertrauen? Sic bei sich in der Tasche zu verwahren am Versöhnungstage, das ist auch kein Plan; da hat er sich, sagt er, besonnen, und hat sie unbemerkt in den Ständer gesteckt. Was so ein Litwak nicht alles imstande ist! Jetzt versteht ihr wohl schon, warum er nicht vom Ständer, weichen wollte? Aber während des Achtzehngebetes oder des zu Boden Fallens muß jemand das Geld flink gestibizt haben. Kurz, er lärmt, er weint, daß die Welt sich von unterst zu oberst kehrt. Was soll er anfangen? Es ist, sagt er, fremdes Geld, nicht das seine, er ist nur Bureaubote, ein armer Teufel, mit einer Menge von Kindern. Es bleibt nichts anderes übrig, er muß sich ins Wasser stürzen oder sich erhängen, hier in der Schul vor aller Augen. ' Dies hörend, waren alle wie gelähmt. Man hatte vergessen, daß ein Fasttag war, und daß es höchste Zeit sei, nach Hause zu gehen und etwas zu essen. Welch eine Schande! Wir schämten uns vor dem Gast und vor uns selber. Ein solcher Diebstähl — achtzehn« hundert Rubel, Und wo? Im Beth Hamidraschl Im alten Kaßriliwker Beth Hamidrasch! Und wann? Am Versöhnungstage! So etwas hat es auf der Welt nicht gegeben. „Sperrt die Tür zu!" Das war ein Befehl unseres Raw. Wir haben unseren eigenen Raw, Reb Josefl, heißt er. Ein wahrhaftiger und frommer Jude, wenn auch nicht gerade übertrieben klug, aber ausdauernd, ein Mensch ohne Galle. Er hat manchmal Einfälle, auf die ihr nie gekommen wäret, wenn ihr auch achtzehn Köpfe auf euch hättet. Nachdem die Tür des Beth Hamicjrascb versperrt worden war, sagte Reb Josefl, der Raw,

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