Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 175 (23.1.1931)
- Date
- 1931-01-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 17$ Neueröffnet! Restaurant arid I « II; Obere Donausir. 89 a drittes Haus vom Dianabad in der Richtung Salxtorbrüdce Diätkost genau nach anlL Verordnung Vegetarische u. Rohkost Alle Milchspeisen /4wcfi Pirogen, Knisch, Kartoffel* hrot und diverse andere östliche Spezialitäten Vegetarische Kost ist gesund/ schmackhaft und billig! Hauptspeisen von $—«50 aufw* Samstag Sonntag geschlossen*! geöffnet f von Rabbiner D. M. Nurok eine 13stündige Sitzung abgehalten. Professor Dr. Weizmann erklärte in der Kommission, der erste Teil der Verhandlungen zwischen Jewish Agency und der englischen Regierung sei nunmehr abgeschlossen. Die Führung der Verhandlungen dn ihrem zweiten Teil, der der Beratung der Immig rationsfra gen und der Frage der Einsetzung einer gesetzgebenden Körperschaft in Palästina gewidmet «ein werde, müsse er ablehnen. Die Kommission formulierte einen Antrag an das Plenum des Aktions-Komitees, den Termin des 17. Zionistenkongresses auf Maa 1931 zu .verschieben. Die Abstimmung über diesen Antrag wird dn der für Sonnabend, den 17. Jänner, einberufenen Plenarsitzung erfolgen. Di« Debatte würde vön, AV<Ha f £ f <e f'd eröffnet, J der sicK. mit,: Nachdruck für eine Verstärkung der Ansiedlung von Arbeitern in Palästina einsetzte und gegen 'j die Abhaltung des >Kongresse(&4lia ^Februar aussprach. . Simon Ma rks erklärte, es müsse mit der Lage, wie sie von Dr. Senator dargestellt worden sei, gerechnet werden. Es wäre nötig1, 'zahlreiche Sparmaßr nahmen zu treffen und in den nächsten Monaten alle Energien auf das A u f b r i n gen von Geldmitteln) zu konzentrieren. Daher sei auch er gegen die Abhaltung des Kongresses im Februar. Abg. G.rünbauin wies darauf hin, daß die gesamte zionistische Welt mit Spannung auf den Kongreß .warte und sehr enttäusch t w är.e, falls er verschoben werden sollte. Er glaube, daß das Zusammentreten des Kongresses sich auf die Geldaufbringungskampagne günstig auswirken werde. Es sei die Unklarheit der politischen Situation, die zu der jetzigen Geldknappheit geführt habe. Das Mitglied der Exekutive Harry Sacher wies auf die von Dr. Senator aufgezeigte ernste Lage hin, mit der das A. C. zu rechnen habe. Wenn das Aktions-Komitee eine neue Exekutive wünsche-, so könne eine solche auch ohne Kongreß jioch auf dieser Tagung eingesetzt werden. Dr. Hexter. verlas ein Telegramm der amerikanischen Zionisten, in dem die Verschiebung des Kongreßtermins und die Entsendung einer Delegation nach den Vereinigten Staaten gefordert wird. Auch Meer Groß mann und Dr. Nurok protestierten energisch gegen den Plan einer Verschiebung des Kongresses. Es sprachen noch Twersky, Naiditsch, Goldstein, Goldbloom, Szkolnik und Remez für die Verschiebung des Kongreßtermins, während Rabbi Berlin und Dr. Goldmann für die Abhaltung des Kongresses im Februar eintraten. Letzterer erklärte, die Abhaltung des Kongresses im Februar sei ein wichtiger Schritt zur Herbeiführung einer Besserung der finanziellen Lage. Kaplansky faßte noch einmal die Gründe, die für eine Verechiebuiig des Kongreßtermins sprechen, zusammen. Dr. S. Levin machte der Opposition den Vorwurf, sie habe das Vertrauen der Massen untergraben. Nach einer Reihe von persönlichen Erklärungen, wurde die Generaldebatte geschlossen. Donnerstag, den 15. Jänner, fanden nur Kommissionssitzungen statt, * Am 17. Jänner trat das Plenum des Aktions-Komitees wieder zusammen. Rabbiner Dr. D. M. Nurok erstattete den Bericht der Politischen Kommission, der vom Aktionskomitee zur Kenntnis genommen wurde. Der Antrag der Politischen Kommission, den Termin de« 17. Zionistenkongresses zu verschieben, wurde mit 20 gegen 11 Stimmen angenommen. Die Zionistische Exekutive wurde beauftragt, dem Aktionskomitee einen Vorschlag über das genaue Dnimn. der Eröffnung des Kongresses Haarbreiten. Die Vertreter des Misrachi in der zionistischen Exekutive Lazarus Barth und Rabbi Berlirt haben nach Annahme des Antrages auf VerschiebUflg des Kongresses demissioniert. Der Vertreter der Radikalen Zionisten in der Politischen Kommission, Dr. Nahura Goldmann, gab die Erklärung ab, daß er bis zur nächsten Sitzung der Radikalen Exekutive, die beschlossen hat, ihren Vertreter aus der Kommission zurückzuziehen, falls das Aktions-Komitee eine Verschiebung des Kongrosses beschließen sollte, in der Kommission, verblgjben. werde. Die Radikale Exekutiye^wird huntoehr ihre endgültige Entscheidung treffen. Die Vollversammlung wurde am 18. Jänner fortgesetzt. Auf Grund des Berichtes der Finunzkommission wurde eine Reihe von Erspar ungsfnaßn ahmen, darunter die Einstellung des hebräischen ZentrnlorganS „Haolam", sowie die Entsendung einer Delegation nach Amerika zur Verstärkung der Palästina-Kampagne beschlossen. Tu einer großen Rede wandte sich Prof. Dr. Weizmann gegen die Methoden, deren sich die Opposition in ihrer K a mpagne gegen ihn bediene. Er erklärte sich zur Fortführung der Arbeit unter der Voraussetzung bereit, daß Garantien für die Einhaltung straffer Disziplin geschaffen werden und daß eine Reinigung der gegenwärtigen ungesunden Atmosphäre erfolgt. Sonntag abends kam die Frage des Kongreßtermins nochmals zur Sprache. Das Aktions-Komitec hat beschlossen, da>ß der 17. Zionistenkongreß spätestens am 15. Juni 1931 zusammentreten soll. Verfügung der Verhandlungen zwischen Jewish Agency und englische Regierung. London, 16. Jänner. (J. T. A.) Mit Rücksicht auf die Abreise des englischen Außenministers II enders o n, der in den Verhandlungen zwischen Jewish Agency und den Vertretern der englischen Regierung den Vorsitz geführt hat, zur Völkerbundtagung nach Genf, wurden die Verhandlungen bis zu seiner Rückkehr, die frühestens in einem Monat erfolgen wird, vertagt. Konferenz der südafrikanischen Zionisten. — Politische Forderungen. Kapstadt, 18. Jänner. (J. T. A.) In der Zeit vom 13.; bis 15. Jänner tagte in Kapstadt die Konferenz der südafrikanischen Zionisten. Die Konferenz faßte eine Reihe von politischen Resolutionen, in denen die Z u r ü c k z i e h u n g des Weißbuches, die Unterstellung der Verwaltung Palästinas, unter das briti* sehe Außenamt und die Einstellung der Ver< :.hä'.ftd W n gte.n ,^ y( is Q;5 e n; J e y/i s h A g enypy-» u n d der britischern; Regierung; bis zur Zurück« Ziehung, des Weißbuch es. gefordert wird. Die Konferenz billigte den Beschluß des Waad Leumi, sich an dem Legislative Council für Palästina nicht zu beteiligen. Demission Richard Lichtheims. Berlin, 16. Februar. Der Vizepräsident des Zionistischen Aktionskomitees Richard „ Lichtheim hat zum Zeichen des Protestes gegen die illegale Einberufung des A. C. durch die Exekutive sein Amt niedergelegt. Er begründet seinen Rücktritt in einer Zuschrift an die zionistische Presse, in' der es u. a. heifit: „Denn ein Handstreich ist diese plötzliche Einberufung des A. C., dessen Sitzung natür- lieh — mitten im Winter und zehn Wochen nach der letzten Tagung — schwach besucht sein wird. Die Beamten und die beamteten Vertreter der linken Parteien, die gegen den * - Kongreß sind, werden freilich alle zur Stelle sein." i „Mit solchen Praktiken wi rd die Zionisti- . sehe Organisation freilich z u gründe g e r i c h t e t werden. Die Beschlüsse des A. C., die Institution des Kongresses werden zur Farce. Unabhängig denkenden Menschen kann es nicht mehr zugemutet werden, Ehrenämter in einer so geleiteten Orga- .. nisation zu bekleiden. Ich habe zum Zeichen des Protestes gegen diese illegale, ohne Befragung 1 des A, C.-Präsidiums erfolgte Einberufung mein Amt als Vizepräsident des A. C. niedergelegt. Mögen die in London versammelten Herren den Kongreß ad -s calendas gvaecas vertagen. Dann werden sie bald ganz unter sich sein und kein „Freibeuter" wird sie mehr stören. Nur di'e Zionistische Organisation wird verschwinden." Wie die Maschine den Dampf so braucht der Körper ständige rationelle Pflege. Aber ständig, denn sonst kann die erwünschte Wirkung nicht erzielt werden. f R ANZBR AN NT WEIN mit Menthol ist das g e e i g n e t s t e Mittel zur rationellen Körperpflege, und deshalb soll jeder DIANA-Franzbranntwein ständig benutzen. UBERALL ERHÄLTLICH! Der König spricht.«» Antisemitische Bemerkungen des Königs. — Der Herr Präfekt befiehlt, daß alles nicht wahr ist. — Der Ministerpräsident spricht von Mißverständnissen. — Im ganzen eine mysteriöse Sache. In der Vorwoche geriet die rumänische Judenscliaft in nicht geringe Aufregung. Die „Czernow i t z e r Dcutsc he Tagespost" brachte einen vom König Carol diktierten Artikel, vom „Weltpressedienst Hannover-Kirchrode" zur Verfügung gestellt. In diesem Artikel heißt es wörtlich: „Was die Frage der ungarischen und jüdiso Iren Minderheiten und ihre Beschwerden betrifft, so wäre es m. E. viel besser, die ungarische Minderheit in Rumänien würde ihre Aufmerksamkeit nach Bukarest richten, statt stündig nach Budapest zu schielen. Die Zeit wird aber wohl schon eine Aenderung in dieser Haltung herbeiführen. Es gibt bei uns zwei Arten von Juden, die spanischen oder Sephardim, die seit zwei Jahrhunderten im Lande sitzen und erhebliches Interesse am Staate zeigen, und die galizischen Juden aus Rußland und Polen, meist Hotelbesitzer. Wucherer oder Pfandlciher auf de m Lande. Von den letzteren rührt all die U nr u h e her. Die Rumänen sind an sich nicht antisemitisch, es sei denn, sie werden, wie bei den letzten Zwischenfällen, durch jüdische Propaganda aufgehetzt. Unglücklicherweise versuchen die Juden gern, die Schuld an ihren Mißgeschicken dem rumänischen Volke in die Schuhe zu schieben. Dies haben die 1930er von der ausländischen Presse so stark übertriebenen Zwischenfälle deutlich erwiesen." Der Artikel erregte, wie gesagt, starkes, und bei den Juden unliebsames Aufsehen. Die Behörde, welcher jetzt Aufregung unerwünscht ist. griff ein und in der „Czernowitzer Deutschen Tagespost" erschien folgende „Feststellung": „In der Sonntagsnumnier veröffentlichten wir als Leitartikel einen Aufsatz, der uns von der Presseagentur „Weltpressedienst", Hannover-Kirchenrode, zugesandt wurde. Wir stehen mit dieser Agentur b ereits seit vier Jahren in Verbindung und hatten bisher noch nie Grund, an ihrer G e wi s s e nhaftigkeit zu zweifeln, um so mehr als wir aus dieser Quelle auch Aufsätze vom Ministerpräsidenten Minorescu und vom Londoner rumänischen Gesandten Titulescu hatten, deren Richtigkeit niemand bezweifelte. Bei den hiesigen behördlichen Stellen sind nun Zweifel über die Echtheit des Aufsatzes entstanden und der Bezirksprafekt Neamtu erklärt uns, daß der.Artikel falsch sei. Auf sein Ersuchen hin sehen wir uns deswegen zu folgender uns v o n i h m übermittelten Berichtigung ver-; anlaßt:-. $,Die „Czernowitzer Deutsche T^eisp^st/',,be- . dauert, daß sie sich, in Irrtum, hat führenlassen und einen Leitartikel in der Nummer von" Sonntag, den 11. Jänner d. J.; von einer fremden Agentur herrührend, vcrlautbart hat, ohne daß diese Agentur, die Quelle, die ihr die Information gegeben hat, angeführt hätte und daß die Redaktion nach eingeleiteten Recherchen festgestellt hat, daß diese Informationen vollkommen falsch sind." Man kann sich leicht vorstellen, daß diese „Richtigstellung" geringe Begeisterung auslöste. Die Zeitung handelte, das sagt sie ja in der Erklärung selbst, auf B efehl des Herrn Präfekten. Verschiedene führende jüdische Persönlichkeiten, darunter der Senator Doktor Mayer Ebner, wandten sich an den Ministorpräsidenten um Aufklärung. Sie erfolgte, und zwar in dieser Form: „Einige Zeitungen aus Deutschland, welche vorgeben, vom Preßbüro Hannover-Kirchrode informiert worden zu sein, haben den Inhalt eines Interviews, das von Sr. Majestät König Carol einem amerikanischen Journalisten gewährt wurde, publiziert. Die Czernowitzer Blätter reproduzierten nach den Zeitungen Deutschlands den Inhalt dieser Aeußerung, welche lebhafte Kommentare hervorgerufen hat. Das Ministerratspräsidium, welches von dieser Publikation Kenntnis erlangt hat, autorisiert uns, die Lokalpresse zu informieren, daß das von Sr. Majestät dem König gewährte Interview weit davon entfernt ist, wahrheitsgetreu wiedergegeben zu sein. Es ist bedauerlich, daß die mißverständliche Wiedergabe auch in die rumänische Presse gedrungen ist. Für das Ministerialdirektorat: Generalsekretär A. Crudu." Von einer vollständigen Ableugnung ist keine Rede mehr. Das Interview hat stattgefunden. Der König hat von den Juden gesprochen. Was er gesagt, wird in der „Berichtigung" nicht zitiert. Und das wäre doch so naheliegend. Immerhin, eine mysteriöse Angelegenheit! Aufsehenerregende Verhaftung des Antisemitcni üb reis Codreanu. Bukarest, 15. Jänner. (J. T. A.) Der Präsident der antisemitischen Liga „Erzengel Michae 1", Corneliu Zelea Codreanu, wurde in Focsani von Agenten der politischen Polizei verhaftet. Codreanu hat vor einU gen Jahren in Jassy den Präfekten Manciu, der jüdische Studenten gegen tätliche Angriffe seitens ihrer antisemU tischen Kollegen schützte, ermordet, er wurde dann vom Jassy er Schwurgericht freigesprochen und wird seither von der antisemitischen Studentenschaft als ihr Held und Idol verehrt. Er war der Arrangeur fast aller Gewalttaten der antisemitischen Studenten in den letzten Jahren, u. a. auch der ungeheuerlichen Ausschreitungen in Großwardein und K1 a u s e n b u r g, die mit der Zerstörung der Synagogen und zahlreicher jüdischer Ge<