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Die neue Welt · 1931-01-16 · Heft 174 (16.1.1931) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 174 (16.1.1931)
Date
1931-01-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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N*. Tri DIE NEUE WELT Suilo? Srraus der zionistischen Bewegung an. Im Jahre 1912 gründete er in Jerusalem Suppenküchen sowie ein Htalth«Büro, das mit dem jüdischen Pasteur Institut und dem deutschen MalariaJnstitut zu einem Institut in Jerusalem vereinigt wurde. Während des Krieges, im Jahre 1915, entsandte er ein Lebensmittel schiff nach Palästina uiid brachte dadurch der hungern« den jüdischen Bevölkerung dieses Landes Hilfe. Er spendete altjährlich größere Summen für jüdische, zionisti sehe und allgemeine philanthropische Zwecke. Mehrere Male wurde er zum Ehrenpräsidenten der Zio* nistischen Organisation Amerikas gewählt. In den Jahren 1920 bis 1922 war er Präsident des American Jewish Congress. Vor einigen Jahren gründete er in Jerusalem das große „Gesund hei ts* Zentrum", welches Ab zweigungen in mehreren Orten Palästinas hat. Zur Er» haltung dieser Institution, die Angehörigen aller Konfes« sionen offensteht, spendete er eine große Geldsumme. 1929 ließ er für das Institut ein großes Gebäude in Jerusalem aufführen. Das Gesundheitszentrum trägt seinen und seiner Gattin, Lina Gutherz«Straus, Namen. Nathan Straus war Ehrenbürger der Stadt New York. Hohe Auszeichnung des Präsidenten des jugoslawi sehen Zionistenverbandes. Belgrad, 10. Jänner. König Alexander von Jugo* slawien hat dem populären Repräsentanten der jugo* slawischen Judenheit, Dr. David Alkalay, Rechts« anwalt in Belgrad und langjährigem Präsidenten des Jugoslawischen Zionistenverbandes, den neugeschaffenen Orden der „Jugoslawischen Krone" verliehen. Auszeichnung für Oberrabbiner Professor Ottolenghi. Rom, 10. Jänner. (J. T. A.) Die italienische Re gierung hat dem Oberrabbiner von Venedig, Professor Ottolenghi, den hohen Orden „Commendatore della Corona d'Italia" verliehen. Prof. Ottolenghi ist eine der repräsentativsten Persönlichkeiten des italieni sehen Judentums und hat eine Reihe grundlegender jüdisch-wissenschaftlicher Arbeiten veröffentlicht. Zionistenverfolgung in Sowjetrußland. Jerusalem, 10. Jänner. Berichten zufolge, die bei der Hilfsgesellschaft für russische Zionisten „Mögen" in Jerusalem eingetroffen sind, ist in den letzten Monaten die Zahl der Verhaftungen aus politischen Gründen in Sowjetrußland erheblich gestiegen. Zahlreiche Zionisten wurden eingekerkert. Die Behörden 'iraicTiten, deportierte politische Gegner des Sowjetregimes solange als möglich unter der Gewalt der G. P. U. zn halten. Zu diesem Zwecke bereitet die G. P. U. immer wieder neue Anklagen gegen jene Verbannten vor, die knapp vor der Rückkehr in ihre Heimat stehen. In den meisten Fällen führen diese Anklagen zu neuerlicher Verhaftung und Verurteilung» ■su weiterer Verbannung oder Zwangsaufenthalt in den Politsolatoren. Die in letzter Zeit so Verhafteten haben m der Regel schon 6 bis 8 Jahre Gefängnis oder Verbannung hinter sich. Anfang September wurden in Samarkand, in Aschgabat in Zentralasien und in Groß-Osüug in Nordrußland verbannte Zionisten, Sozialdemokraten und Sozialrepublikaner unter neuen Beschuldigungen verhaftet. Vor kurzem wurden drei Zionistinnen, Chaluzoth aus den landwirtschaftlichen Siedlungen der illegalen Hechaluzorganisation, in Krasnojarsk, wo sie sich kurze Zeit auf dem Wege nach Torokhensk, einem der berüchtigtsten Verbannungsorte, aufhielten, neuerlich verhaftet. Die Bitte einer der Verbannten, ihr mit Rücksicht auf ihre Körperschwäche leichtere Arbeit zuzuweisen, wurde mit dem Bemerken, sie möge froh sein, keine schwerere Arbeit erhalten zu haben, abgewiesen. Die Post für die Verbannten wird in der Regel lange zurückgehalten und oft überhaupt nicht ausgefolgt. Eine der verbannten Zionistinnen, die im Besitz einer Auswanderungserlaubnis nach Palästina war, wurde von den Beamten des Paßamtes, die erklärten, daß in Palästina schwere Hungersnot herrsche, vor der Auswanderung gewarnt. Die Znknnft der jiddischen Sprache in Sowjetrufiland. Moskau, 10. Jänner. Im Zusammenhang mit einem Bericht über die Frequenz der beiden jiddischen Bibliotheken in Moskau stellt die jiddischskommunistische Zeitung „Emess" der Zukunft der jiddischen Sprache in Sowjetrußland, zumindest in den großen Städten, eine ungünstige Prognose. In den Fabriken in Moskau gibt es 18.000 jüdische Arbeiter, die zum großen Teil erst vor kurzem aus den jüdischen Kleinstädten nach Moskau gekommen sind, zu den intelligentesten und fortgeschrittensten Arbeiter* l dementen des Landes gehören und eifrige Leser schön« geistiger Literatur und kritischer Abhandlungen sind. Doch bevorzugen sie russisch geschriebene Bücher, so daß die beiden jiddischen Bibliotheken in Moskau, die jüdische Zentralbibliothek und die jiddische Bibliothek des kommunistischen Klubs, kaum mehr als 200 regelmäßige Benutzer aufweisen. „Emess" schlägt vor, die beiden Bibliotheken aus technischen Gründen zusammenzulegen. Bei dieser Gelegenheit sollen die Bücherbestände durchgesehen und abgegriffene Bände durch neue ersetzt werden. In Moskauer jüdischen Kreisen wird daran ge> zweifelt, daß derartige Maßnahmen geeignet sind, die Inanspruchnahme der jiddischen Bibliotheken zu steigern. Es ist eine allgemeine und nicht nur auf die jiddischen Bibliotheken beschränkte Erscheinung, daß die Biblio* theken der nationalen Minderheiten in Moskau wenig benützt werden. Moskau besitzt eine Fülle solcher Bibliotheken« die aber mehr musealen Charakter haben und von den breiten Massen der Spezialisten und Stu* denten für praktische Zwecke kaum benützt werden. Die Massen in Moskau, einschließlich der nationalen Minder« heiten, sprechen russisch und lesen auch in dieser Sprache. Kommunisten haben das Grab des Baal Schern geschändet. Riga, 10. Jänner. (J. T. A.) Personen, die aus Sowjetrußland in Riga eingetroffen sind, berichten, daß im Zuge der in letzter Zeit mit erneuter Vehemenz in Sowjetrußland aufgenommenen antireligiösen Kampagne die Grabstätten des Baal Schern in Meszihibozh und des Rabbi Nachmnn aus Brazlaw in Uman von Kommunisten verwüstet wurden. Eine zionistische Aktion in der nördlichsten jüdischen Gemeinde der Welt. Trondjhem, 11. Jänner. (J. T. A.) Auf Einladung der zionistischen Ortsgruppe in Trondjhem, der Stadt, die die «nördlicihste jüdische Gemeinde der Welt beherbergt, fand daselbst eine Vortragistournee von Rabbiner Julius S a m u e 1 in Oslo statt. Der Redner behandelte vor einem Piuiblikuim von etwa 150 Personen das Thema „Orthodoxie und Zionismu s". Daran schloß eich eine Schäkel-Aktion, die recht erfreuliche Resultate zeitigte. In einem weiteren Vortrag am darauffolgenden Abend behandelte der Referent <lie Frage: „Verknüpft der Zionismus Nation, Kultur u ntl Re 1 i gi 0 n?" An da» Referat «cfiloli sku eine recht interessante Diskussion. Als äußerer Erfolg der beiden Veranstaltungen der zionistischen Ortsgruppe uniter der Leitung ihres Vorsitzenden,.. Herrn John Jacobson, ist ein beachtlicher Abschluß der Schekel- Aktion zu bezeichnen. Darüber hinaus dienten die Versaanmlunigsaibende einer überaus starken Belebung der zionistischen Energien Die jüdische Immigration nach Frankreich durch neue Verordnungen gefährdet. Paris, 10. Jänner. Die französische Regierung bereitet neue Verordnungen über Einwände ru n g, Niederlassung und Arbeitsberechtigung in Frankreich vor, durch die fast alle Juden, die innerhalb der letzten fünf Jahre in l1 Vankreicl' ,,: '' '"'■'■' schwer betroffen werden würden. Die Einführung der neuen Bestimmungen, die im Hinblick uul die im u.i)ie des Monats Dezember auf das Dreifache gestiegene Arbeitslosenziffcr notwendig erscheinen, ist auf das Drängen der Radikalen Partei, die im allgemeinen den Ausländern freundlich gegenübersteht, zurückzuführen. Nach den neuen Verordnungen sollen Ausländer, die weniger als fünf Jahre in Frankreich ansässig sind, keine Arbeitserlaubnis erhalte«, Ausländern, die. im Besitz einer Arbeitserlaubnis sind, soll der Uebergang zu einem neuen Beruf nicht erlaubt werden, die Grenzen Frankreichs sollen für alle Ausländer, mit Ausnahme von, Touristen, gesperrt, ausländische Personen, die nicht im Besitz einer Aufenthaltsbewilligung sind oder eine solche auf illegalem Wege erlangt haben, ausgewiesen werden. Sollten diese Verordnungen in Kraft treten, so würde hiedurch nicht nur jede weitere jüdische Einwanderung nach Frankreich, wohin in letzter Zeit wöchentlich etwa tausend Juden aus Polen gekommen sind, unterbunden werden, sondern es wäre auch ein großer Teil der ausländischen Juden in Frankreich gezwungen, das Land wieder zu verlassen. Die ungarische Regierung verbietet die Bildung von israelitischen Status-quo-Gemeinden. Budapest, 12. Jänner. Das ungarische Judentum ist bekanntlich in zweierlei Gemeinden und Ge« meindeverbänden organisiert: n e o 1 o g e und Ortho« doxe. Seit einigen Jahren ist eine Bewegung im Gange, sogenannte Status*quo*Gemeinden zu gründen. s 1 ~r m f=\ F=k FRÜHLINGSFAHRT NACH ZION 9. IV.— 30. IV- 1931 GESELLSCHAFTSREISE MIT DEN„SITMAR"-DAMPFERN„AUSONIA" UND „ITALIA" Genua — Neapel — Syrakus — Alexandrien — Calro—Tel-Awlw— Jerusalem — Haifa—Tlberles — Damaskus—Baalbek— Beyrout— Zypern — Konstantinopel —Athen Gesamtpreis von S 1384.— aufwärts Auskünfter QITMAEM' Wien Kärntnerring 18 ||Wl I IVI#niI> (Ecke Schwarzenbergplatz) Vor einiger Zeit wurde im Kultusministerium ein Gesuch um Genehmigung der Gründung einer israelitischen Status »quo «Glaubensgemeinde in Budu« p e s t eingereicht. Nun ist an den hauptstädtischen Magistrat der Bescheid des Kultusministeriums herabgc« langt, der die Genehmigung verweigert. In der Motivierung des ministeriellen Bescheides ist folgendes zu lesen: Da die Pester israelitische Kongreßgemeindc und die ßudapester isr. orthodoxe Gemeinde durch den Unterhalt gemeinnütziger Institutionen, darunter hauptsächlich ausgezeichnet eingerichteter Schule n und Wohltätigkeitsanstalten, eine segens« reiche und patriotische Sendung erfüllen, und es mithin nicht bloß ein konfessionelles, sondern auch ein kom« munales und sogar Landesinteresse ist, daß diese Glau* bensgemeinden nicht durch Absondern ngsbestre« b u n g e n in ihrer materiellen Leistungsfähigkeit und Entwicklung gehemmt werden, mache ich mir den Vor« schlag des Verwaltungsausschusses zu eigen, der die Abweisung des Gesuches um Gründung einer israeliti* sehen Status«quo«Gemeinde beantragt. Die Gewissens« f r e i h e i t und die freie Rcligionsübung wünsche ich nicht im mindesten einzuengen, doch stelle ich einer* seits fest, daß die auf dem Gebiete der Hauptstadt bereits bestehenden Institutionen und Gotteshäuser der Glau* bensgemeinden zur Befriedigung der religiösen Bedürfe nisse aller Schattierungen Gelegenheit bieten, anderer« seits aber es nicht als Hemmung der freien Religions« Übung betrachte/t werden kann, wenn einer kleinen Gruppe nicht die Möglichkeit geboten wird, überflüssiger« weise eine neue Religionsgemeinde ins Leben zu rufen und dadurch den Fortbestand bereits bestehender Reli>- gionsgemeinden im Konkurrenzwege zu gefährden. Die Wahlen zur jüdischen Naitionalvercammliing* Imposanter Erfolg der Zionisten-Revisionisten. Jerusalem, 12. Jänner. Nach Ablehnung der von den Sephardim und den Revisionisten eingebrachten Verschiebungsanträge durch den Waad Lcumi haben Montag, den 5. Jänner die Wahlen zur jüdischen Nationalversamm« hing in Palästinn (Assefath Hanichwarim) stattgefunden. Die Wahlen hatten folgendes Ergebnis: Arbeiterpartei 31, R e v i s i 0« nisten 16, Sephardim 6, M i s r a c h i 5, Allgemeine Zionisten 4, Yemeni« t.en 3, Linke und rechte' Poale Zion 3, Proletarische Liste (Kom* munisten) 0, Frauen 2 Mandate. (Ge* samtzahl der Mandate 70). Die Wahlen in die legitime Vertretungskörperschaft der palästinensischen Judenheit, in die Assefath Hanichwarim, aus der heraus der geschäftsführendc Nationalrat Waad Leümi gewählt wird, gingen in einer schweren Zeit vor sich. . Eine leidenschaftliche Agitation bildete das Vorspiel. Die ungeklärte politische Ein« Stellung zu den verschiedentlichsten Problemen Pa« lästinas, die die gegenwärtige Situation des Zionismus im allgemeinen kennzeichnet, sollte nun festumrissenen Pro* grammen weichen. Der aktive Teil der palästinensischen Judenl -it, der an den Wahlen teilnahm, hat dieser Hoffnung 1'. Ahnung getragen. In der Tat haben die Wahlen eine klare Scheidung der Kräfteverhältnisse herauskristallisiert. Die politischen Verhältnisse des Jischuw waren bisnun natur« gemäß nicht zu übersehen, da die wechselnde Schichtung der Bevölkerung in einem Einwanderungsland, das über«- dies von mannigfachen Konstellationen der Emigrations« länder beeinflußt ist, eine stabile politische Gruppierung nicht zuließ. Hebräisches Konzert 1. F^ruar Große* Konzerthaussaal

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