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Die neue Welt · 1931-01-16 · Heft 174 (16.1.1931) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 174 (16.1.1931)
Date
1931-01-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Settel DIE NEUE WELT N* W SIEOM. KORNMEHL OROSIPLEISCHNAUIAU Zentrale IXM Betggmse 19, Tetephon 17«3-9V a. 16-9*34 Lieferant ' ü r Heilanstalten ^S^iJjyjfSI^il^^lilSJi^ unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr Kultusgemeinde Wien Autozustalliing kestttnlot IX. ■•fflgett« I* / XVIII«, Währlngarstr. 07 gang der Wahlen zur palästinensischen Nationalversammlung, der ja auch den Ausgang der Wahlen zum Kongreß* signalisiert, deutet darauf hin, dafl diese Exekutive ziemlich wenig Lust zur Offensive aufbringen dürfte. Die Kuliurmfcsion des Radios in Oesterreich* Die österreidiischen Radiohörer sind ein undankbares Volk. Als in der Silvosternadit vor zwei Jahren Leo S1 e z a k von der Staafeapernbühne aus sogenannte jüdische Witze erzählte, u. a. die Geschidite vom polnischen Juden, der seine vcnmcintlidi verlorengegangene Weste eines Tages unter seinem Hemd findet, ging ein Rauschen des Wohlgefallens durch den Aether und die Herzen der Zuhörerschaft. Dasselbe geschah in der Nadit vom 51. Dezember 1930 auf den 1. Jänner 1931, da ein „launiger Conferencier", Herr Erwin Engel, sich tüchtig ausjüdelte. Andererseits sind die österreichisdi-arischen Hörer öfters unzufrieden, ja, sie gehen manchmal so weit, gegen gewisse Sendungen zu protestieren, wie z. B. gegen die unerhörte Zumutung, Einsteins Darstellung der Not des jüdischen Volkes im Osten anzuhören.. Jüdisches Volk — ein Greuel, „jüdische" Lozelach — eine Wonne. Aber die Ravag ist sich ihrer kulturellen Mission bewußt. Ad Einstein entschuldigt sie sich und verspricht, fortan brav zu sein, d. h. die 100.000 Schilling, die ihr allmonatlich aus jüdischen Taschen zufließen, geschmackgerecht zu verwenden. Sie tat es auch, sie tat es prompt. Am Samstag, den 10. Jänner, beglückte sie ihre Abonnenten mit einem Sketsch, der sich „Karl Farkas dreht einen Tonfilm,fc nannte. Die Hörer erwarteten etwas von der Technik des Tönfilmwunders zu' erfahren, und zwar, wie bei Karl Farkas nicht anders möglich, mit einem Zusatz jenen Humors, für den er auf der Revuebühne, auf dem Brettl, in den Spalten einefi Montagsblattes verantwortlich zeichnet. Farkas, der Liebling und Dolmetsch der Franz- Josefs-Kai-Kommis, die bei dem Humor der letztens von uns charakterisierten Klabriaspartie stehengeblieben sind,' hat erst "kürzlich in einem Weihnachtsgedicht der Stimmung eines Israeliten unterm Weihnachtsbaum dichterischen Ausdruck verliehen* Es war in der „Wiener Allgemeinen Zeitung", einem konfessionell verwandten Blatt, sein „ernstes" Bekenntnis, die, Konfession des humoristischen Familienvaters Karl Parkas-;der den Heiligen Abend begeht. Dieses Bekenntnis dürfte ihn auch Rava.g-reif gemacht haben. Im tschechoslowakischen Bratdslava (Preßburg) vermittelt das Radio moderne hebräische Musik, ja, sogar im rassenschützerlischen Budapest läßt das Radio es sich nicht nehmen,'ein hebräisches Konzert des. ehemaligen Habima-Schäuspielers und jetzigen Berliner Staatsopernsängers Izo G o 11 a n d den Hörern zu vermitteln. Im österreichischen Wien ist das Verhältnis der Ravag zu ihren jüdischen Abonnenten ein offenkundiger Skandal. Statt eines schönen jüdischen Programms, das gewiß auch die nicht jüdischen Hörer begrüßen würden, sendet sie „Lozelach" von SIezak, Eng«! und Farkas. Der „Völkischer Beobachter'1 versucht die Reichs- Wehrkreise gegen Juden aufzuhetzen. München, 12. Jänner. Der „Völkische Beob* achter" versucht, Reichswehrkreise gegen die Juden da* durch aufzuhetzen, daß er angebliche Ueberfälle auf Reichswehrsoldaten auf jüdische Ein» flüsse zurückführt. Er schreibt: „Hier wie in den täg* liehen Ueberfällen auf die Braunhemden zeigt sich der Wille der jüdisch «marxistischen Unterwelt, aus Deutschland einen Tummelplatz der Anarchie und des allgemeinen Bürgerkrieges zu machen. Möglich sind diese ständigen Ueberfälle aber nur in einem System, das Landesverrat zu seiner Hausmoral erhoben hat. Dieses System, das alle jüdischen A t* tacken Auf den deutschen;Geist bereitwilligst beschützt, ist letzten Endes der Alleinschuldige an den täglichen Todesopfern des Bolschewismus." Drohendes Schächtverbot in Bremen* Bremen, 12. Jänner. Das Stadt parlament von Bremen, die gesetzgebende Körperschaft des Staates Bremen, bereitet ein Schächtverbot vor. Ein nationalsozialistischer Abgeordneter hatte angefragt, wann es nun endlich eingeführt würde, und zur Verwunderung aller hat der sozialdemokratische Sachreferent hierauf erwidert, daß bald ein Bericht der Deputation erscheinen wird, der die Aufbebung'des Schächten« empfiehlt Da auch die nichtaatiseuiitische sozialdemokratische Partei anscheinend für das Schächtverbot stimmen wird und in diesem Parlament zurzeit dieantisemitischen Hitlerianer und Deutschnationalen die stärkste Gruppe sind, ist zu befürchten, daß die Vorlage zum SchKchtverbot angenommen wird. Dies wirkt auf weiteste Kreise um so befremdlicher, als von einem Schächtverbot ja nicht allein die lokale jüdische Gemeinde, sondern vor allem auch die Versorgung der Schiffe des Norddeutschen Lloyd mit Koscher-Fleisch, also das reisende jüdische Publikum Amerikas sehr schwer betroffen sein würde. In hiesigen Kreisen hält man es für im höchsten Grade verwunderlich, daß eine auf den Fremdenverkehr angewiesene Hafenstadt, wie Bremen, sich durch völkische Hetzer dazu verleiten läßt, ein wichtiges Reisepublikum von der Berührung mit ihr auszuschalten. _ Jüdisches Sterben. Das Münchener „Jüdische Echo" schreibt: Die Nr. 1 des Jahrgangs 1931 der „Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" bringt unter „Personalia" offizielle Aufzeichnungen über die Personenstands* bewegung der Israelitischen Kultusgemeinde München, die den jüdischen „Lebenswillen" in ein merkwürdiges Licht setzt. Da sind 7 Sterbefälle verzeichnet, keine Geburt und 5 Austritte aus dem Judentum. Dieses Ergebnis ist nicht etwa, wie man denken könnte, nur zufällig, wenn es sicher auch der Zufall besonders kraß gestaltet hat. Die Nr. 24 des Jahrgangs 1930 weist 4 Geburten auf, 4 Sterbefälle und 4 Austritte; die Nr. 23 keine Geburt, 7 Sterbefälle; Nr. 22 keine Geburt, 8 Sterbefälle; Nr. 21 1 Geburt, 13 Stcrbefälle, 2 Eintritte und 3 Austritte; Nr. 20 4 Ge* bürten, 10 Sterbefälle, 2 Austritte. Im Zeitraum eines Vierteljahres also ein Zugang von 11 und ein Verlust von 63 Seelen, davon allein 14 durch Austritt. Es steht un# bestreitbar schlimm um die Lebenskraft dieser Gemeinde und man wird sich doch ernsthaft fragen müssen, ob alles geschehen ist, diesen zweifellosen Krankheitserscheinung gen entgegenzutreten. Zahlenmäßiger Rückgang der Jüdischen Bevölkerung Württembergs. Stuttgart, 12. Jänner. Der Verband der israelitischen Gemeinden Württembergs veröffentlicht eine Statisti« sehe Uebersicht über das religiöse Leben in den jüdischen Gemeinden Württembergs, der u. a. zu ent* nehmen ist, daß unter den Juden Württembergs im Jahre 1927 104 Geburten, 165 Sterbefälle, 13 Austritte aus dem Judentum und ein Uebertritt zum Judentum zu verzeichnen waren. Im Jahre 1928 zählte man 83 G e* hurten, 149 Sterbefälle, 9 Austritte aus dem Juden* tum und 6 Uebertritte zum Judentum. Im Jahre 1929 zählte man 101 Geburten, 152 Sterbefälle, 14 Austritte aus dem Judentum und '2 Uebertritte zum Judentum. Unter 65 Eheschließungen im Jahre 1927 waren 15 Misch* ehen; unter 77 Eheschließungen im Jahre 1928 waren 7 Mischehen; unter 72 Eheschließungen im Jahre 1929 waren 16 Mischehen. Nach den Mitteilungen des Amtsblattes der Evangelischen Landeskirche sind im Jahre 1928 zehn Kinder aus evangelisch*jüdischen Misch« ehen geboren worden, von denen sechs evangelisch getauft wurden. Die Zahl der Kinder aus solchen Misch* ehen betrug 1929 zwölf, von denen ebenfalls sechs gc# tauft worden sind. Unter den evangelischen Konfirman» den waren 1928 sechs Kinder aus evangelisch*jüdischen Mischehen, diese Zahl hat sich 1929 auf zwölf gesteigert. Das Gemeindeblatt der württembergischen israeliti» sehen Gemeinden schreibt: Wer sich mit der Statistik der" Juden in Deutschland beschäftigt, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß sich die deutsche Judenheit in einem fortschreitenden Auflösungsprozeß befindet. Zum Nachlassen der religiösen Energie und zum Wirtschaft* liehen Verfall kommt der zahlenmäßige Rückgang. Hier helfen alle schönen Redensarten nicht: Die Scheu vor der Ehe, die Geburtenbeschränkung, Mischehe und Abfall zehren am Lebensmark der Judenheit. Sein Bollwerk, der Mittelstand, ist ins Wanken geraten. Die wachsende Proletarisierung der jüdischen Massen raubt ihm die Festigkeit und Schlagkraft. Julius Brutzkus 60 Jahre. Am 25. Dezember v. J. vollendete der bekannte Führer der russischen Zionisten, Arzt und Gelehrter Dr. Julius Brutzkus sein 60. Lebensjahr. Er wurde in Polangen (Kurland) geboren, nach Beendigung seiner medizinischen Studien an der Moskauer Universität übersiedelte er nach Petersburg, wo ihm eine Professur für jüdische Wissenschaft verliehen wurde. Mit M. Winaver, L. Bramson u. a. redigierte er die angesehene jüdische Zeitschrift „Woschod". Später wurde Brutzkus von den zaristischen Behörden verfolgt und gezwungen, Petersburg zu verlassen. Er ging nach Turkestan und wirkte dort als Arzt an der Bekämpfung der Cholera mit. Dieser seiner Wirkungsperiode sind seine späteren wissenschaftlichen Arbeiten Uber Leben und Folklore der Bevölkerung in Turkestan zu verdanken. 1904 kehrte Brutzkus wieder nach Petersburg zurück und arbeitete dort an der zionistischen Monatsschrift „Jewreskaja Schisn" und an der zionistischen J die sich studienhalber in Wien aufhält, erteilt hebräischen und englischen Unteirtcht gegen mäßiges Honorar. Gefl. Zuschr. unter „Ausgezeichnete Kraft" an die Adm. dieses Blattes Union der Zionisten-Rsvlsionitten Oetttrraleht | Montag, den 19. Jannor 1931, '/,9 Uhr abends, | im Cale „Produktenbörse)", IL, Taborstraße 10 I I VERSAMMLUNG | | Bericht | | über die Aktionskomitee-Sitzung | i Freie Aussprache! Gäste willkommen 1 §j Die Montag-Versammlungen § finden im Cafe „Produkten- 1 börse«, IL, Taborstr. 10, statt I Achtung! ™ Wochenschrift „Raswjet" mit. Et wurde einer der anerkannten Führer des russischen Zionismus. Während der ganzen Kriegsdauer stand er als Arzt im Felde. Nach dem Kriege wurde er Vorsitzender des Zentralkomitees der russischen zionistischen Organisation (Merkas). 1920 wurde er von den Sowjetbehörden zusammen mit anderen Ziohisten auf einer illegalen zionistischen Konferenz in Moskau verhaftet und von der Tscheka zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. 1921 gelang es ihm, die Freiheit zu erlangen und nach Litauen zu kommen. In Litauen war Dr. Julius Brutzkus eine Zeitlang Minister für jüdische Angelegenheiten. Nach der Abschaffung der jüdischen Autonomie in Litauen übersiedelte er nach Berlin, wo er heute noch lebt und auf verschiedenen zionistischen und allgemein jüdischen Gebieten tätig ist. Er gehört dem Zentralkomitee der Organisation der Zionisten- Revisionisten an und ist in den Verbänden „Ort", „Emlgdirect", in letzter Zeit besonders in dem Verband für Gesundheitsschutz der Juden, „Ose", tätig. Dr. Julius Brutzkus hat grundlegende Arbeiten über die Geschichte der Chasaren veröffentlicht, er schrieb u. a. eine „Geschichte der Juden in Kurland" und eine „Bibliographie der russischen Literatur". Dr* Carlebadi -— Oberrabbiner von Wien? Drei Jahre sind seit dem Tode Chajes' ver* strichen. Die wirklich schwere Frage, den Posten dieses einzigartigen jüdischen Führers zu besetzen, ist bis heute nicht gelöst. Die jüdische Oeffentlichkeit hat das begreif* licV gefunden. Nun verlautet, daß der Vorstand der Wiener Judengemeinde, mit Herrn Dr. Carlebach, Rabbiner in Hamburg*Altona, in Verbindung getreten ist und daran denkt, ihn zum Nachfolger von Chajes zu machen. Ueber diesen Bewerber wird uns berichtet: Von Herrn Dr. Carlebach weiß man, daß er in der trennungs* orthodoxen „Agudah" organisiert ist oder ihr sehr nahe steht. Weiters ist er als streitbarer Gegner des Zio* n i s m u s bekannt. In beiden Eigenschaften hat er oft die Gelegenheit wahrgenommen, feindliche Stellung gegen Chajes zu nehmen. Während des Krieges und in den Nachkriegs jähren hat er als antizionistischer Propagandist gewirkt. j Daß unter den heute im jüdischen Wien herrschen* den Verhältnissen die Ernennung eines ausgesprochenen Feindes des Zionismus zum Nachfolger von Ghajes den Beginn heftiger Auseinandersetzungen und Kämpfe be* deuten würde, ist klar. Wer die Haltung der „Wahrheit", des Organes der „Union", also der stärksten Gruppe im Gemeindevorstand, verfolgt, gewinnt allerdings den Ein* druck, daß bei dieser Gruppe der Kampf gegen den Zionismus und das jüdische Aufbauwerk in Palästina ge* wünscht wird; Falls die Kandidatur Herrn Dr. Garlebachs ernsthaft in Erwägung gezogen wird, ist es an der zionisti« sehen Fraktion im Gemeindevorstande, rechtzeitig Stellung zu nehmen und die jüdische Oeffentlichkeit aufzuklären. Nathan Straus gestorben. Im Alter von 83 Jahren starb am Montag, den 11. Jänner, in New York Herr Nathan S t r a u s, der große jüdische Philanthrop und Menschenfreund. In der ameri* kanischen Judenheit ist die Trauer um Nathan Straus, auf den sie stolz war, groß. Nicht nur'in Amerika, son* dem in der ganzen Welt hatte der Verstorbene, dessen menschenfreundlichem Wirken die Abwendung von viel Unglück zu verdanken ist, und dessen Kinderschutz* anstalten und Anstalten für Milch#Pasteurisierung, die er in zahlreichen Ländern gegründet hat, Tausenden von Kindern das Leben gerettet haben, einen großen Namen. Nathan Straus wurde im Jahre 1848 in Ottersberg (Rheinpfalz) geboren, 1854 wanderten seine Eltern mit ihm aus Deutschland nach den Vereinigten Staaten aus. Im Jahre 1872 trat er in die Importfirma seines Vaters L. Straus & Sons ein und wurde dann Teilhaber des New Yorker Warenhauses R. H. Macy & Co., sowie des Brook* lyner Warenhauses Abraham & Straus. In der demo» kratischen Partei New Yorks spielte er von je eine führende Rolle. 1898 wurde er Präsident des New Yorker „Board o f Health'*. Von dieser Zeit «n be* gann seine weltumfassende gesundheitliche und phiUn* thropiache Tätigkeit. Er schuf insbesondere nicht nur in den Vereinigten Staaten , die er 1911 bei dem Berliner Internationalen Kongreß zum Schutze der Kinder und 1912 beim Tuberkulose*Kongreß in Rom offiziell .vertreten bat, sondern auch in zahlreichen europäischen Ländern Ste« tiouen zur Verteilung von pasteurisierter Milch. Noch vor dem Weltkriege schloß sich Nethen v

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