Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 174 (16.1.1931)
- Date
- 1931-01-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr.. 17i DIE NEUE WELT Seite 5 ijiniiiiiiiHiiiiiiinuiiiiiiiiiiiiiniiiiiiniiiimiiiiiiiiiiiiHiiiiiii i Verband demokratischer Zionisten | JJ* ■MMMMMMMBMMMBHMBM>allllia"llia*w § Mittwoch, 21. Jünner 1931, um 7,9 Uhr abends § jm H«rsl*Saal det Verbandthelms, II., Untere s S Augartenstraße 38 s I Versammlung! s Gegenstand: E | Nach der A.-C.-Sitzung — Vor | | den Kongreßwahlen | | Freie Aussprache! Gäste willkommen! S fiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiniiiiiiiiHiiiuiiiiHiiiiiiiiiniiiiuiiiiiiR verständlich. Welchen Zweck hat die Einberufung des „kleinen" Kongresses, wenn der große Kongreß, die oberste Instanz, in wenigen Wochen tagt? Die Einberufung hat auch Protest hervorgerufen. Der Vizepräsident des Aktionskomitees Richard Li cht he im, früher Mitglied der Zionistischen Exekutive und derzeit Vizepräsident der Weltunion der Zionisten*Revisionisten, richtet an die Eexkutive folgenden offenen Brief: An die Exekutive der Zionistischen Organ isa* t i o n, London. 1. Ich erhielt Ihre Mitteilung, daß das Aktions* komitee für den 14. Jänner nach London einberufen werden soll. Die angekündigte Begründung habe ich nicht erhalten, doch sind mir Ihre Argumente bekannt. Ich protestiere als Mitglied und Vizepräsident des Aktionskomitees gegen diese Einberufung, die ohne Befragung des AktionskomitecsPräsia diums erfolgt ist. 2. Ernsthafte, sachliche Gründe für die neuerliche Einberufung des Aktionskomitees sind nicht vorhanden. An der traurigen Finanzlage kann eine für drei Tage nach London einberufene Aktionskomitee* Sitzung nichts ändern. Wie es scheint, wollen Sie gegen die Liquidationsbeschlüsse der Finanz* kommission der Jewish Agency jetzt das zionistische Aktionskomitee zu Hilfe rufen. Aber S i e haben doch die Zionistische Organisation und ihre In* stanzen ihrer Rechte beraubt. S i e haben die politische und finanzielle Leitung auf die gemischte Agency übertragen. Auf diese Weise sind — von E i n z e 1 b e t r ä g e n bestimmter Personen abgesehen, mit deren Sympathie und mit deren H i 1 f'sb er eit schaf t Si e törichten Raubbau getrieben haben — zwar keine neuen Geldquellen erschlossen und keine gesünderen Finanzmethoden einge« führt worden, hingegen ist der Rest der Gelder durch die unwissenden Neulinge der Agency rasch verbraucht und es sind neue Schulden in noch nie da* gewesener Höhe aufgenommen worden. Dies alles geschah ohne Befragung des Aktionskomitees und sogar ohne Be* fragung des Keren*Hajessod*Direkto* r i u m s. Was kann das Aktionskomitee in dieser Lage helfen? Helfen kann angesichts des finanziellen und poli* tischen Zusammenbruchs, für den Sie verant* wortlich sind, nur der Kongreß, indem er die jetzige Leitung vollständig beseitigt und die von Ihnen zerstörte Organisation unter neuer Führung wieder auf* baut. Die finanzielle Notlage verlangt also nicht den Zusammentritt des Aktionskomitees, sondern beschleu* nigte Einberufung des Kongresses. 3. Der wahre Grund für die Einberufung des Aktionskomitees ist offenbar Ihr Wunsch, den Kongreß zu verschieben. Nachdem die Frage erst vor wenigen Wochen von einer eigens zu diesem Zwecke einbe* rufenen Sitzung des Aktionskomitees nach langen De* hatten endgültig entschieden. worden ist, haben Sie kein Recht, die Sache nochmals zur Dis* k u s s i o n zu stellen. Neue Argumente für die Ver* Schiebung existieren nicht. Daß die Amerikaner im Februar nicht sehr stark vertreten sein werden, war auf der letzten Sitzung bekannt. Trotzdem entschied sich das Aktionskomitee für den frühen Kongreß, weil die innere Situation im Zionismus eine Klärung erforderlich macht. Eine kleine ame* rikanische Delegation wird auch im Februar kommen. Daß die Verhandlungen mit der englischen Regierung bis Ende Februar kein günstiges Resultat bringen werden, ist klar. Die j etzigen Verhand* lungen sind zwecklos und sogar schäd* lieh. Auch dies spricht für schnelle Einberufung des Kongresses, damit eine neue Leitung neue politische Wege suchen kann. Wenn Sie gegen den klaren Willen des Aktionskomitees, wie er auf der letzten Sitzung deutlich zum Ausdruck kam, jetzt die Einberufung des Kongresses zu verhindern suchen, so kann dies nur als ein Versuch gedeutet werden, die notwendige Reinigung der Atmosphäre in der Zionistischen Organisation zu verhindern und die erforderlichen Entscheidungen zu verschleppen, um eine für Sie günstigere Zeit abzu* warten. Hochachtungsvoll R. Licht beim. Der Brief Lichtheims erfordert einige Erläuterungen. Die Bemerkung über den „törichten Raubbau", welcher mit der Hilfsbereitschaft einiger für den Palästina«Aufbau gewonnenen reichen Nichtzionisten getrieben wurde, be* zieht sich offenbar auf den Amerikaner Felix W a r b u r g und den Direktor der Deutschen Bank Wassermann, welche veranlaßt wurden, sehr große Beträge vorzu* strecken. Diese Beträge sollten aus dem Ergebnis der ge* meinschaftlichen Sammlung in Amerika für den Joint, d. h. für Hilfe für Osteuropa und Judenkolonisation in Rußland, und für den Palästina*Aufbaufonds (Keren Hajessod), zurückersattet werden. Die amerikanische Sammlung hat, wie wir in der letzten Nummer berichteten, gänzlich versagt. Die Verquickung von Palästina, Phil* anthropie und Sowjetrußland, das erste Produkt der durch Nichtzionisten erweiterten Jewish Agency, hat sich für beide Teile als unheilvoll erwiesen. Wie die im guten Glauben vorgestreckten Gelder Warburgs und Wasser* manns abgedeckt werden sollen, ist eine Frage, die schwerste Besorgnis hervorruft. Die Bemerkung von den „L i q u i d a t i o n s* beschlüssen" der Finanzkonimission der Jewish Agency bezieht sich darauf, daß diese Kommission ange* sichts der katastrophalen Finanzlage den gründlichen Abbau des Beamtenapparats und die Auflassung vieler Institutionen als einziges Mittel für die Sanierung erkannt hat. Die Sitzung dieser Kommission wurde vor drei Wochen in Berlin abgehalten. Unmittelbar nach Bekannt* werden der Ergebnisse dieser Tagung erfolgte die Ein* Berufung des Aktionskomitees. Direkte Schiffsverbindung Polen-Palästina. Warschau, 12. Jänner. (J. T. A.) Die schwedische Orientschiffahrtsgesellschaft hat eine neue Linie eröffnet, die von dem polnischen Hafen G d y n i a bei Danzig ausgeht und an die levantinische Küste führt. Dadurch ist eine direkte Schiffsverbindung von Polen nach Jaffa geschaffen worden. Das Ghetto von Tunis verschwindet. Paris, 10. Jänner. (J. T. A.) Der Stadtrat von Tunis hat beschlossen, die alte Judenstadt von Tunis, „Harah", die durch zahlreiche, aus dem Mittelalter stammende Synagogen berühmt ist, vollständig demolieren und an ihrer Stelle ein modernes Stadtviertel errichten zu lassen. Deutschland, Hauptabnehmer für Palästinaorangen auf dem Kontinent. Jerusalem, 8. Jänner. Bis Mitte Dezember sind aus Palästina 500.000 Kisten Orangen zum Export ge* kommen, davon wurden 305.000 Kisten (Vorjahr 257.000) direkt nach England verschifft, 78.000 Kisten (Vorjahr 30.000) gingen über Port Said, während 115.000 Kisten (Vorjahr 67.000) nach dem europäischen Kontinent ver* schifft wurden. Der größte Teil der nach dem Kontinent verschifften Kisten war für Deutschland bestimmt. Der englische Vertragsbruch vor dem amerikanischen Repräsentantenhaus. Washington, 10. Jänner. (J. T. A.) Das jüdische Mitglied des amerikanischen Repräsentantenhauses, Dick stein, hat im Kongroß der Vereinigten Staaten die Frage der englischen Paläistina-Politik zur Sprache gebracht und eine diplomatische Intervention der Vereinigten Staaten wegen der Herausgabe des Pailästina- Weißbuchcs, dessen Inihalt einen Ver t r a u e ns b r u c h gegenüber den Juden darstelle, gefordert. In längerer Rede legte Dicksteiu dar, daß gegenüber.der von der englischen Regierung geplanten Palästina- Pplitik eine klare Präzisierumg des amerikanischen Standpunktes notwendig sei. Es sei Pflicht der Vereinigten, Staaten, alle ihr zur Verfügung stehenden Machtmittel anzuwenden, um eine Acnderung der augenblicklicihen Situation herbeizuführen. Infolge des Hinauszöigcrns eines offiziellen Protestes der Vereinigten Staaten gegen die durch die Haltung der englischen Regierung geschaffene Lage sei bereits viel Uniheil geschehen. Der Protest Amerikas gegen das ■Weißbuch müsse in unzweideutiger Weise erfoilgeu, damit England zu einer richtigen Erkenntnis der Sachlage gelange und seine Pflicht tue. Der amerikanische Kongreß dürfe dem Bruch des von Präsident Wilson nach der Veröffentlkihung der Balfour-Deklaiation gegebenen feierlichen Versprechens gegenüber nicht gleichgültig bleiben. Der Redner erinnerte sogar an die Leistungen der jüdischen Legion im Weltkriege, in deren Reihen auch zahlreiche amerikanische Juden gekämpft und bei der Eroberung Palästina durch die Alliierten mitgewirkt haben. Palästina sei das einzige Land, das heute noch für jüdische Einwanderung in Betracht komme, das einzige Land, wo die Juden leben können, ohne daß ihnen Verfolgung droht. Die Ausführungen Dicksteink wurden vom amerikanischen Kongreß mit großem Beifall und lebhaften Zustimmungskundgebungen aufgenommen. Mohammed Ali wird in der Omar-Moschee beigesetzt. London, 13. Jänner. „News Chronicle" meldet, d*ß die Leiche des vor kurzem verstorbenen indisch*raoham* medanischen Führers Maulana Mohammed Ali nach Jerusalem überführt werden wird, um in der Omar* Moschee an der Seite des Propheten des Islam beigesetzt EXPORT¬ FORDERUNG durch den offiziellen 0«*f«rr«khltchen Pavillon auf der Int. Prager Frühjahrsmesse Auskflnfte durch die Ehrenamtliche Ver- Moa uummiaoi tretungr der Prager Messe,Wien II, Untere .-29. Marz 1831 AagartcnstraCe 25 (Tel. A-46-2-13) zu werden. Die Bestattung in der Omar*Moschee gilt als die höchste Ehre, die einem Mohammedaner zuteil werden kann. Der Vorschlag zur Ueberführung der Leiche Mohammed Alis wurde den Angehörigen des Verstorbenen vom Großmufti von Jerusalem tclegraphisch unterbreitet. Der Sarg mit der Leiche des verstorbenen mohammedanischen Führers wird in Port Said von einer tausendköpfigen Eskorte übernommen und in feierlicher Prozession nach Jerusalem gebracht werden. * Wie die Jüdische Tclegraphen*Agentur erfährt, hat der High Commissioner von Palästina, Sir John Chan« c e 11 o r, aus London die Weisung erhalten, die Vorbe* rcitungen zum Begräbnis Mohammed Alis einer strengen Ueberwachung zu unterziehen und alle Maßnahmen zur Aufrcchterhaltung von Ruhe und Ordnung zu treffen. Die Sparmaßnahmen der Eexekutive der Jewish Agency. London, 12. Jänner. Infolge der schwierigen Finanzlage der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation hat sich die Exekutive der Jewish Agency genötigt gesehen, zehn Beamte ihres Londoner Hauptbüros zu entlassen. Ferner wurde aus Er* sparungsrücksichten die Veröffentlichung der Preß« r e v u e, in der bisher alle auf Zionismus und Palästina Bezug habenden Artikel der arabischen und jüdischen Presse veröffentlicht wurden, vorübergehend eingestellt. In einer gleichzeitig versandten Mitteilung gibt die Exekutive bekannt, daß die Revue wieder erscheinen wird, sobald sich die finanziellen Verhältnisse gebessert haben. Wer wird Präsident des Waad Leumi? London, 10. Jänner. In Londoner zionistischen Kreisen wird die Frage, wer zum Präsidenten des neuen Waad Leumi gewählt werden wird, lebhaft er* örtert. Es heißt, daß Ruthenberg endgültig die neuerliche Uebernahme dieses Amtes abgelehnt hat. Ussischkin, der eine Zeitlang als Anwärter genannt wurde, kommt nach dem Ergebnis der Wahlen zur Assefath Haniwcharim nicht mehr in Frage. Palästinensische Arbeiterführer sind der Meinung, daß an die . Stelle des bisherigen Einzelvor* sitzenden ein mehrgliedriges Präsidium treten wird. Sensationen der Zionistischen Exekutive* * . Es ist nicht zu leugnen,.daß es dn der zionistischen Welt allerlei wichtige Dinge gibt. Der Kampf gegen das Weißbuch, die katastrophale finanzielle Lage des Apparats zum Aufbau Palästinas, die sogenannten Verhandlungen der Jewiieh Agency mit der englischen Regierung, die Krage des 17. Zionistenkongresses sind etliche, anscheinend sogar für einen Regierungszionisten nicht unwichtige Angelegenheiten. Aber maßgebende zionistische Kreise haben andere Sorgen. So will die „Sensation" nicht verstummen, um die längst widerlegte Klageführung W e i z m a n n s, daß der Revisionistenführer Meir Großmann den Inhalte des Passfieldschen Weißbuches vorzeitig der Qef fentlichkeit übergeben und so eine eventuelle »V e rb esserung" unmöglich gemacht hätte. Die zionistische Exekutive, die viel früher in Kenntnis und im Besitz des Weißbuchs war, bevor Herr Großmann von dessen Existenz auch nur erfuhr, beschwert sich also darüber, daß der Kampf gegen dieses Weißbuch in letzter Minute vor dessen Veröffentlichung noch in die Welt gesetzt werden konnte. Es ist eine unwiderlegbare Tatsache, daß im Zeitpunkt, da Großmann informiert wurde und informieren konnte, das Weißbuch ein bereits irreparables Dokument darstellte, daß alle maßgebenden englischen Organe der Oeffentlichkeit in Kenntnis seines Inhalts waren und daß die Exekutive ein schweres Versäumnis beging, indem sie tagelang nichts unternahm. Der Ruf „Haltet den Dieb" ist ja immer ein Zeichen des Schuldbewußtseins. Die Exekutive, so lauten die letzten Nachnichten aus dem Sensationsgebiet, will mit den Revisionisten vor dem Kongreßgericht rechten. Wenn das wahr sein sollte und nicht nur ein Ablenkungsmanöver im Wahlkampf zum Kongreß, so wird dies eine lustige Geschichte werden. Die Revisionisten, so heißt es, wollen Zeugen rufen lassen, die die Dinge gewiß aus eigener Anschauung kennen, nämlich die Herren Passfield, Henderson und Baron Rothschild; die Exekutive will mit Dokumenten aufrücken. Die Zionisteu können beruhigt sein. Die Exekutive wird kaum vor das Kongreßgericht gehen — nach beendeiem Wahlkampf zum Kongreß, Der Aus-