Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 173 (9.1.1931)
- Date
- 1931-01-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE VEÜF WELT Nr.!7S / P TELEPHON U-22-3-B9 ELZHAUS GEBRÜDER BRAININ WIEN I. B\ÜERNMARKT 2 a haltssät*« in einzelnen Fällen ungebührlich hoch sind. (Sie fließen ja nicht aus rentablen Geschäften oder Steuern, sondern aus freiwilligen Beiträgen eines armen Volkes!) Sie besagen aber im Grunde nichts, geben keinen Ueberblick. Was ist's mit den Hunderten von Beamten in der Diaspora? Was ist's mit Reisespesen, Daten und Remunerationen? Was ist's mit den Beamten der anderen zionistischen Institutionen,, welche vom Keren Hajessod ausgehalten oder subventioniert werden? Wie ist es mit den Banken bestellt? Ist die Zahl der Beamten entsprechend oder zu hoch? Sind die vielen für die Organisation . typisch gewordenen „Reisen" dringend notwendig? Das sind Fragen, zit deren Beantwortung andere berufen sind. Charakteristisch ist die Reaktion der pal äs tili ensi»chen Presse auf diese Veröffentlichungen: Jerusalem, 31. Dezember. (J. T. A.) Der sozialistische „Davar" schreibt: „Was ist es mit dem alten Kongreßbeschluß, welcher für Mitglieder der Exekutive ein Maximum von 60 Pfund festgesetzt hat? In diesen harten Zeiten muß man mit drastischen Mitteln vorgehen. Wir hoffen, daß alle zionistischen Organisationen und auch die Banken endlich die Zahl und die Gehälter ihrer Beamten veröffentlichenwerden!" Der bürgerliche „Haaretz" bezeichnet in Anbetracht der Krisis die Gehälter der Direktoren und der Mitglieder der Exekutive für übertrieben hoch. Der revisionistische „Doar Hajom" bringt die Ziffern ohne Kommentar, weist nur ironisch auf das Wörtchen, „nur", welches den Gehältern der Mitglieder, der Exekutive vorgesetzt ist, hin. * Berlin, 2. Jänner. Wie aus informierter Quelle berichtet wird, hat die hier unter dem Vorsitze des Direktors der Deutschen Bank, Wassermann, abgehaltene Sitzung des Finanzausschusses der Jewish Agency beschlossen, eine radikale .Einschränkung der Personalwirtschaft bei : den zionistischen V Institutionen zu fordern. Alleiv-überflüssigeri Beamten sollen' Entlassen,: die Gehälter der .verbleibenden:tspfojct .um ein. Drittel gekürzt werden. Y '■',':'' ^';:'y/':^': -:':-y:-- ^'-:'1-' Ist da§ noch Ziom§mu§? „Wir Juden sind ein Volk!" Diesen Satz hat Theodor Herzl vor sein Judenstaats-Programm gesetzt. In der Erkenntnis, daß die Idee von dem Wiederaufbau des jüdischen Landes und der Wiederaufrichtung des jüdischen Staates jeden Sinn verliert, wenn den Juden das Gefühl der n a t i onalenVerbundenheit fehlt. Zionist kann nur ein Nationaljude sein. Zionismus ohne jüdischnationale Solidarität ist krüppelhaft, unsinnig. Darum hat Theodor Herzl auf die Tagesordnung der Zionistischen Kongresse ein Hauptreferat gesetzt: „D i e Lage der Juden in allen Ländern". Die Wichtigkeit dieses Referats kam auch in der Person des Referenten zum Ausdruck. Max Nordau, der Größte neben Herzl, hielt jedesmal diese das jüdische Volk umspannende, erschütternde Umschau. Der Sinn dieses Referats war die Erziehung zur Anteilnahme am Schicksal aller jüdischen Brüder, zur Bereitschaft, allen jüdischen Brüdern nach Kräften zu helfen, zur Hoffnung, auf den Beistand der jüdischen Brüder rechnen zu können. Das Referat war die Proklamation der nationalen Verbundenheit aller Juden als Grundidee des Zionismus. * Sofort nach Beendigung des Weltkrieges war es erste Sorge der Zionisten aller Länder, die gestörten politischen Verbindungen wieder herzustellen. Den Zionisten galt es als heilige Pflicht, nach Kräften dafür zu sorgen, daß bei der Neuordnung der staatlichen Verhältnisse die bürgerlichen und nationalen Rechte der Juden gewahrt würden. Zionistische Führer aus allen Ländern traten zu Konferenzen zusammen, intervenierten bei den Siegermächten, kümmerten sich um den Judenpunkt in den Friedensverträgen und schufen schließlich ein bleibendes Instrument für den Schutz der bürgerlichen und nationalen Rechte der Juden in allen Staaten, das Pariser „Komitee der jüdischen Delegationen". Unter der Leitung von Leo Motzkin und Nahum Sokolow hat dieses Pariser Komitee danach gestrebt, jüdischen Einfluß und jüdische Kräfte zu konzentrieren und den bedrängten Juden aller Welt dienstbar zu machen. Das alles geschah ohne langes Nachdenken und langwieriges Verhandeln. Mit einer Selbstverständlichkeit, die das Resultat der Herzischen Erziehung war, der Erziehung zum Gedanken: „Wir Juden sind ein Volk." Die zionistische Aera nach dem Kriege hat in diesen Dingen umwälzend gewirkt. Das alte Nordau- Referat über das Schicksal aller Juden ist von der Tagesordnung der Kongresse verschwunden. Das Pariser Komitee der jüdischen Delegation wurde ergi in seiner Bedeutung verkleinert, dann restlos ausgetilgt. .Nicht Zufäll ist das, sondern die traurige Frucht einer trattrigen Entwicklung, der Entwicklung vom nationalen, vollen Herzl-Zionismus zu einer Tendenz, die in Geldsammlungen, dem technischen Aufbau jüdischer "Kolonien und kultureller Kleinarbeit das Um und Auf erblickt, die um des Geldes willen dett nationalen Lebensinhalt preisgibt. Es entstand ein verkleinerter 4,verbilligter,, Zionismus, def nicht mehr um den jüdischen Menschen kämpft, sondern sidi nur an seine Geldtasche heranschleicht. Die Proklaraierung der jüdischen Einheit sn a t i o>i; Hrgeft den halb oder grtnz; assimilierten reichen Juden am meisten, also weg mit ihr! Um die amerikanischen Nichtzionisten für die Unterstützung der praktischen Palästina-Arbeit zu gewinnen, beteuerte Wcizmaun in einer offiziellen Aussprache: „Der Zionismus nimmt keinen Einfluß auf das nationale, politische Leben der Juden in den Ländern." Damit war die Bewegung weg vom nationalen, politischen Zionismus gekennzeichnet. : ■ '.'*••, Wie verheerend diese .Entwicklung auf die Denkart vieler Zionisten gewirkt hat, beweist ein Vorkommnis in diesen Tagen, Der Notschrei der wirtschaftlich und politisch unsäglich leidenden Judenschaft Polens hat in den Vereinigten Staaten Widerhall geweckt. Das seinerzeit von Lewis Marshall gegründete ,, A m e ivi c ä n Jewish Committee" ist an den p ö Ln ischen Botschafter in Washington herangetreten und hat ihn, unter Berufung auf frühere Versprechungen der polnischen Regierung, aufgefordert, seine Regierung an ihre Pflicht, f^r. die; verzweifelnde polnische Judenschaft etwas zu - tun, zu erinnern. Der polnische Botschafter verstand es, daß die amerikanische Judenschaft, ihren Einfluß zugunsten der jüdischeil Brüder in Polen gelten lassen will, Und antwortete höflich und ausführlich. Er war nichts weniger als. entrüstet . über die „Einmischung". Entrüstet waren jüdische Politiker in Polen, die noch dazu die Bezeichnung „Zionisten" tragen. •T3er.;^r"aside^t;;'''',i5e.ri': Ziöni&ljschen Organisation in Galizien i^un^^räsidehtV;des jüdischen •ParlanienfskpHbs in Folek* Dr/Osia#|Th o n, schrieb 'i$:,;il^k#tt^ Artikel gegen die „Einmischung*' und "erklärte dort wörtlich: ' '• ■ „Wir wollen die Differenzen mit unserer Regierung im Lande selbst austragen, es weckt bei was peinliche Gefühle, wenn Juden in Uebersee mit polnischen Diplomaten über die Sache der Juden in Polen konferieren. Schließlich leben wir nicht' mehr im zaris c h e n R u ß 1 a n d, wir sind polnische Landesbürger und stehen nicht unter Kurate 1 der Juden im Aus lande, mögen diese vauch die besten Absichten mit uns haben. Wir führen selbst unseren Kampf.' .... Auf diesen, vom nationalen und zionistischen Standpunkt einfach unbegreiflichen Vorstoß gegen die jüdische Solidarität, gegen die. zionistische Grundidee von der nationalen Verbundenheit der Juden aller Lander, reagiert die New Yorker Tageszeitung „Der Tog" wie folgt: „Als ungarische Juden vor Jahren ihrem Unwillen darüber Ausdruck gaben, daß .ausländische' Juden für die Verwirklichung ihrer Gleichberechtigung eintreten, ging ein Sturm der Entrüstung durch die Wetterharte Menschen fürchten keinen Regen, keinen Sturm, keine Anstrengung, denn sie verwenden ständig zur Pflege und zur Stählung ihres Körpers den vielfach bewährten DIANA FRANZBRANNTWEIN mit Msnthol Kräftigt durch tägliche Einreibungen (Massagen) Muskeln und Sehnen, erhöht Elastizität und Ausdauer, erfüllt mit verjüngender Frische. Ebenso wertvoll zur Mund- und Haarpflege In jedem besseren Geschäfte erhältlich Verlangen Sie ausdrücklich „DIANA" und nehmen Sie nur „DIANA"! Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen jüdische Öe f f e n 11 i ch k e i t der ganfcen Welt; man sah in der Haltung der ungarischen Juden eine Verleugnung des Prinzips der jüdischen Solidarität. Jetzt aber erklärt der Zionist Dr. Thon: »Ihr ausländischen Juden dürft euch nicht in unsere Angelegenheiten einmischen!' Die amerikanischen Juden waren w i 11 k o m m e n, als sie gegen Grausamkeiten protestierten, als ihre Führer nach Versailles gingen, um die jüdischen Minderheitenrechte durchzusetzen. Heute aber, wo es darum geht, daß die polnische Regierung ihre den Juden gegebenen Versprechungen erfüllt, sagt man den amerikanischjüdischen Führern: Das ist nicht eure Sache! Eine sonderbare Logik! Aber diese Meinung ist die der Führer und nicht die des Volkes. Es ist und bleibt die Pflicht der1 verantwortlichen jüdischen öffentlichen Meinung Amerikas, die Sachlage zu klären, damit wir amerikanischen Juden wissen, wo einzugreifen nottut." * Die amerikanische Antwort ist richtig und würdig. Die Handlungsweise Dr. Thons, welche den zionistischen Grundsätzen Hohn spricht, muß jeden Zionisten mit Beschämung erfüllen. Und mit Besorgnis! Denn das ist nicht der Fehltritt eines einzelnen. Es ist die Konsequenz der Entwicklung, welche vom Herzischen Zionismus, zum kleinen, billigen, entnationalisierten Zionismus geführt bat. Hinter dem scheinbaren Stolze des Satzes von Dr. Thon: „W i r führen selbst unseren Kampf!" steckt wenig Stolz gegenüber der polnischen Regierung. Was Dr. Thon getan hat, ist nicht nur unzionistisdi und unedel, es ist, vom jüdischpolnischen Standpunkt betrachtet, unklug und gefährlich. Wenn in Hinkunft irgendwo die Juden in höchster Not aufschreien und in der großen Welt um Beistand flehen werden, dann braucht ihr nur auf das Wort des Zionisten Dr. Thon hinzuweisen lind könnte mit diesem Hinweise die „Einmischung" ablehnen. r. st, Sieg der zionistischem Bukarest, 2. Jänner. In Bukarest wurde der 17. Landeskongreß der,. Zionisten Altrumäniens abge« halten. Auf dem Kongreß waren die Allgemeinen Zio* nisten durch 32, die a d i k al e n ebenfalls durch 32, die R e vi sto ri i^l e"n-:'. durch : 12 Delegierte 'vertreten. Hiezu karhen noch: die in Altrumänien ansässigen Mit* glieder des Großen Aktionskomitees und der Zionistischen Exekutive, von denen sich 16 den Allgemeinen Zioriisten und 10 den Radikalen "anschlössen. Mehrere hundert Gäste aus . dem In* und Ausland wohnten den Beratungen des Kongresses' bei. Der Präsident der, rumänischen Landesorgani'sation, Adolf B e.rn h jjird, gab eine historische Uebersichf 'über die. Entwicklung der zionistischen Bewegung in Rumänien, Landesrabbiner Senator . Dr. J. Niemiro wer sprach Worte des Gedenkens für die seit'dem letzten Kongreß verstorbenen hervorragenden Zioriisten innerhalb .und außerhalb. Rumäniens, Dr. Bauer begrüßte den Kongreß im Namen der Zionisten Jugoslawiens, Dr. Mayer Ebner im Namen der Bukowinaer Zionisten, Adolf Schwartz im Namen der, Bukarester jüdischen Gemeinde und Selma Marguerite Margulies im Namen der rumänischen WIZO. An König Carol wurde ein Huldigungstelegramm gesandt. Nach mehrtägigen Beratungen nahm der Kongreß eine Reihe von Resolutionen an, in denen gegen die Politik der Zionistischen Exeku* tive in London Protest erhoben und der kommende Zionistenkongreß aufgefordert wird, gegen Weizmanns Politik Stellung zu nehmen. Weiters wird die Auf« nähme nationaler Landespolitik in das Programm der Zionistischen Organisation Rumäniens gefordert. Die Frage der Wahl einer neuen Exekutive wurde in der ungemein stürmisch verlaufenen Schlußsitzung bo# handelt. Die Bildung der neuen Exekutive, an deren Spitze Dr. Sami Stern stehen wird, hat die radikal zioni* stisch eingestellte Gruppe „Renasterea" übernommen. Die Revisionisten Amerikas gegen Verhandlungen mit der englischen Regierung, New York, 3. Jänner. (J. T. A.) Die Revisionistische Organisation Amerikas hat In New York eine Konferenz abgehalten, auf der eine Reihe von politischen Resolutionen angenommen wurde, in denen das Weißbuch als „Resultat der ungeschidrten Politik und feigeh Haltung Dr. WeAzanaun« und der Zionistischen Exekutive" bezeichnet und die Forderung aufgestellt wird, daß die Zionistische Weltorganisation vor Zurückziehungdes Weiß b u che «keinerlei Verhandlungen anit der britischen Regierung führe. Ferner wird die AibhaJtung des Zdonistenkongresses zum festgesetzten Februartermin verlangt. Der Exekutive der Union der amerikanischen Revisionisten wurde der Auftrag erteilt, ihre Vertreter aus den Komitees' der Z d o ri i s t i s cih en Orga n isation von ' Amerika z u r ü ck z u z i o ii v ».<