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Die neue Welt · 1931-01-02 · Heft 172 (2.1.1931) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 172 (2.1.1931)
Date
1931-01-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 172 Dffi NEUE WECT Seite $ Innerhalb dieser Orientstaaten werden wir unseren freien und unabhängigen Staat erhalten. ' Jetzt steht der Zionismus vor einer großen Aufgabei die droße Opfer erheischt. Der Jischuw mufl vergrößert und verstärkt werden, damit er die Stürme, die über ihn in der nächsten Zeit hinweggehen werden überdauern kann. Wir müssen unsere Jugend zu starker Widerstansleistung erziehen, „Wer sind die Fälscher?" . In „Der najer weg" veröffentlicht Professor Brutzkus einen Aufsatz unter dem Titel „Wer ist der Fälscher?", worin er ebenfalls die Frage des Judenstaates aufwirft, indem er sich auf ein Dokument aus dem Jahre 1917 beruft. Brutzkus schreibt: „Wir Millionen russischer Juden müssen ein für allemal feststellen, daß die Erklärungen der englischen Minister falsch sind. (Es sei niemals ein Judenstaat versprochen worden. Anm. d. Red.) Im November 191? hat der damalige englische Gesandte in Petersburg, Sir John Buchanan uns russischen Juden just einen jüdischen Staat versprochen. Buchanan gab uns sogar den Text des Telegrammes wieder, das er von seiner Regierung in dieser Frage erhielt. In diesem Telegramm, das in den russischen Zeitungen veröffent licht wurde, in einigen sogar mit dem englischen Originaltext, wurde ausdrücklich erklärt, daß die englische Regierung den Juden helfen werde, „to establish a Jewish State in Palestin e. Der , Text wurde in offizieller Form einer Deputation der zionistischen Repräsentanten Petersburgs schriftlich übergeben, die aus den Herren Dr. Katzenelson, B. G o 1 d b e r g, J. R o s o w, M. A 1 e n i k o w und Dr. J. Brutzkus bestand. Das Telegramm war vom englischen Außenministerium abgesandt worden und könnte gewiß im Archiv gefunden werden, wenn man es finden wollte." Nachdem Brutzkus die Leiden der russischen Juden zufolge ihrer „englischen Einstellung" und ihres Glaubens an das englische Versprechen geschildert hat, kommt er zu dem Schluß: „Jetzt kommt Dr. S h i e 1 s und sagt uns zusammen mit den Tschekisten, daß wir Zionisten das jüdische Volk betrogen, ihm etwas vorgemacht hätten, was nicht existiert. Ein schweres Verbrechen wirft Herr Shiels uns Ziouisten vor. Wenn wir daran Schuld tragen, daß Tausende in den Kerkern Sowjetrußlands ihr Leben lassen, Millionen ihre letzte Hoffnung verlieren, in Verzweiflung verkommen oder Bolschewiken werden, so ist unser Verbrechen wirklich, nicht zu entschuldigen. Aber Worte befriedigen uns nicht. Dr. Shiels mag beweisen, wer getäuscht und. betrogen hat. Er soll die Archive öffnen und Einsicht nehmen lassen in das abgesandte Telegramm. Die Welt soll wisen, wer die Fälscher sind: Die Führer der Zionisten, der Gesandte Sir Buchanan oder die Beamten des Lord Pas'sf ie.ld." Volkerbund und Palästina* Ein neuer Berichterstatter für Palästina. — Auf der nächsten Sitzung des Völkerbundrates Bericht über Pa« *■ lästina, aber keine Debatte. Aus Genf wird gemeldet: D»r jugoslawische Außenminister Marincovic wurde an Stelle des f inni* sehen Außenministers P r o c o p e# der dem Völkerbunds« rat nicht mehr angehört, zum Berichterstatter über Paläst in a bestimmt. Diese Meldung ist von zionistischer Seite freudig zu begrüßen. Marincovic und seine Regierung haben wiederholt ihr Wohlwollen gegenüber dem Zionismus /um Ausdruck gebracht. * Genf, 28. Dezember. Auf der soeben veröffent« lichten Tagesordnung der 62. Tagung des Volke r« bundsrates, die am 19. Jänner 1931 in Genf eröffnet wird, figuriert die Palästina«Frage nicht als spe« zieller Punkt. Dagegen ist die Erstattung eines Be« richtes der Mandatskommission über ihre letzte Tagung vorgesehen. Erst knapp vor Abschluß dieser Tagung war der Mandatskommission das Weiß« buch der englischen Regierung über ihre künftige Politik zugegangen, so daß die Kommission nicht mehr Gelegen« heit hatte, sich mit diesem Dokument gründlich zu be« fassen. Da bei den damaligen Beratungen auch kein Vera treter der britischen Regierung anwesend war, wurde die eingehende Beratung der Palästina*Frage für die nächste ordentliche Tagung der Mandatskom« missipn im Juni 1931 anberaumt. In dem von der Mandatskommission über ihre letzte Tagung vorbereiteten Bericht wird das Palästina»Problem nur an einer Stelle kurz berührt. Da jedoch nach dem beim Völkerbundsrat üblichen Vorgang der ständige Berichterstatter der Man« datskommission den vorbereiteten Bericht mit erklären* den Bemerkungen einleitet, ist es nicht ausge« schlössen, daß der jugoslawische Außenminister Marin* kovre, der bei-der nächsten Tagung des Völkerbundes zum'; erstenmal . als Berichterstatter der Mandatskommission fungieren wird, näher auf die Pas lästina*Frage eingehe«' wird. Es ist zu erwarten, daß in diesem Falle auch der britische Vertreter im (JUAN UARVEY WILLY RUTSCH *£vw <^ mit Olga Tschtthowa, Ofkar Karlweis, Heinz Rtthmann, Kurt Gerron, Fritz Kampers Eine Tonfilm-Operette der Erich-Pommer-Produktion der Ufa REGIEi WILHELM THIELE von Frans Sohulz und Paul Frank Musiki Werner R. Heymann APOLLO Telephon A-S3-S-50 Telephon A»33*B«60 APOLLO Völkerbundsrat einige Bemerkungen zur Palästina»Politik machen wird. Dagegen ist nicht damit zu rechnen, daß auf der nächsten Tagung des Völkerbundsrates eine D i s* kussion über den Inhalt des Weißbuches stattfinden wird. Das Schicksal der Juden in Sudarabien« Sie leben unter mittelalterlichen Ausnahmsgesetzen. — Zwangsbekehrung. — Auswanderungs verbot. Erst vor einigen Jahrzehnten wurde bekannt, daß in Jemen (Südarabien) viele tausende Juden leben, welche bereits im Altertum, nach der Zerstörung des jüdischen Reiches, dorthin gewandert sind. Von der übrigen Welt abgeschlossen, haben sie das Hebräische in reiner Form als Umgangssprache bis auf den heutigen Tag gewahrt. Sie haben sich trotz fürchterlichster Be« drückungen und Religionsverfolgungen seitens des dort herrschenden fanatischen Mohammedanismus erhalten. Als die Kunde vom Zionismus zu ihnen drang, waren von nun ab alle von einem Gedanken beseelt: Zurück nach Palästina! Es gelang auch, einige tausend der blutarmen, aber geschickten und genügsamen J e m e* n i t e n mit ihren Familien nach Palästina zu bringen, wo sie eines der wertvollsten Elemente des Aufbaues bilden. Das ganze jüdische Palästina ist darin einig, daß es eine der wichtigsten zionistischen Aufgaben ist, die Jemeniten ins Land zu bringen. Die Lösung dieser Aufgabe wird aber durch das Verhalten der jemenitischen Regierung ungeheuer er* schwert.:. Der Beherrscher Jemens betrachtet die. Juden als seine Sklaven und will sie nicht herausgeben. Der Jerusalemer Korrespondent des „Berliner Tage* blatt't schreibtin dieser 5 Sache:1,,Wie die arabische Presse .berichtet, hat, der Imam Jechiah, der Be« herrscher des Jemen, ein Gesetz erlassen, das den jüdi* sehen Einwohnern seines Landes die Auswanderung n a. e h' P a 1 ä s t i n a v e r b i e t e t. Jeder' jemenitische Jude, der vorübergehend das Land verläßt, muß eine höhe' Geldsumme depo* nieren. Bei einer Auswanderung nach Palästina verfällt diese Summe, außerdem wird das gesamte zurück* gelassene bewegliche und unbewegliche Eigentum vom Staat konfisziert. Die Härte dieser Bestimmungen tritt noch mehr in . Erscheinung, wenn man die trostlose Lage der jüdischen Bevölkerung im Jemen betrachtet. Die, jüdi* sehen Gemeinden existierten schon in vorislamiti« scher Zeit, und trotzdem ist diese ungefähr 50.000 Seelen zählende Bevölkerung den mittelalterlichsten Unterdrückungen ausgesetzt. Ganz abgesehen , davon, daß e keine bürgerlichen Rechte hat, existiert z. B. .das qnerhörte Gesetz, daß sämtliche minderjährigen üdischen Waisenkinder „Diener", d. h. Sklaven, des Imam werden und zum mohammedanischen Glauben übertreten müssen. Im Gegensatz zur arabischen Bevölkerung sind die jemenitischen Juden zumeist ge* lernte;.iund sehr geschickte Handwerker, während ein anderer beträchtlicher Teil sich mit Landwirt* schaft beschäftigt.;. Nicht nur der a r a b i s c h * z i o n i s t i s c h e Ge* gensatz, sondern insbesondere diese Tatsache ist für das neue Gesetz maßgebend gewesen. Die Reise vom inneren Jemen bis nach Aden beträgt zwanzig Tage und ist' infolge der häufigen Raubüberfälle und Ermordung von; Reisenden außerordentlich gefahrvoll. Dennoch sind seit dem Kriege ungefähr 2000 jemenitische Juden auf diesem Wege nach Palästina ausgewandert, da ihre Unterdrückung unerträglich wurde. Es wäre sicher* l i c h a ri g e b r a c h t, wenn eine Völkerbunds* k ö mm i s s i o n das Los der jemenitischen Juden einmal studieren würde. Delegierten tag der englischen Zionisten. London, 29. Dezember. Samstag, den 27. Dezember, begann hier die 31. Jahresversammlung der zionistis c h/e 4 .Föderation England es. Die Eröf f nungsei'fzung stand im Zeichen der soeben eingetroffenen Nachricht vom Tode des Präsidenten der' Föderation» -«o.rd M e 1 c h e 11 s. Der Versammlung lagen B«« grüßungstelegraninie Lloyd Georges und des kanadischen Premierministers Bennett vor. Prof, Weizmann richtete an die Tagung eine Botschaft, worin er d'qv Hoffnung Ausdrück gab, daß * das Ergebnis der Verhandlungen mit der britischen Regierung der Jewish Agency die Möglichkeit geben werde, ihre Arbeit in Palästina fortzusetzen. Die Konferenz gestaltete sich zu einem großen Protest gegen die von der Labour-Regierung im Weißbuch niedergelegten Richtlinien ihrer Palästina-Politik. Zum Schluß wurde eine Resolution angenommen, worin d i c im We iß b u c h gemachten Vorschläge ebenso w i e Verhandlungen mit der Regierung auf Basis des W ei ß b u cli es a b1 g e 1 c h n t w c r d c n. Professor Einstein bei den amerikanischen Zionisten. New York, 28. Dezember. (J. T. A.) Die diesjährige Chanuka- Feier der New Yorker Zionisten wurde unter Teilnahme von ungefähr 15.000 Personen in Madison Square Garden abgehalten. Unter den Festgästen befand sich auch Professor Albert Einst e i n, der bei seinem Erscheinen auf dem Podium mit stürmischen Ovationen begrüßt wurde. Einstein hielt eine kurze Ansprache, in der er erklärte, die- Juden müßten in dieser Stunde, da sie in feierlicher Weise der Makkabüer gedenken, auch dessen eingedenk sein, daß Zeiten kommen und gehen, das jüdische Vo 1 k aber bestehen.bleiben müsse. Der Präsident der Zionistischen Organisation von Amerika, Robert Szold, gab einen kurzen Ueberblick über die gegenwärtige politische Lage im Zionismus. Der Rest .des Abends wurde durch künstlerische Darbietungen von Kantor Joseph Rosenblatt, der berühmten jiddischen, Sängerin Mally Picon und des Filmdarstellers Rudy Vallce ausc'efülli. , . Professor Einstein ist in Pasade na, wo er in den nächsten Monaten am Mount-Wrilson-Observatoriurh umfangreiche wissenschaftliche Forschungsarbeiten durchzuführen gedenkt, eingetroffen. Noch vor seiner Landung wurde, Professor, Einstein von Pressevertretern; über seine Stellungnahme zu-gewissen jpolitschen Problemen befragt. Unter, anderem wurde an ihn die Frage gerichtet, wie er seine i n te r na ti o na le Ei ns te 1lung.mdt seinem Eintreten für die Errichtung einer n a t ioual-jüdischen Heimstätte, in Palästina vereinbaren könne. Professor Einstein erwiderte: Tntezr- »nationalismus bedeutet nicht die Aufgabe jeder Individualität. Es besteht kein Grund dafür, daß irgend eine Nation oder irgend ein Stamm seine Traditionen .nicht bewahren sollte. Warum sollten daher gerade/die Juden ihre Vergangenheit verleugnen? Warum so.ll^n'toe. nicht einen Fleck Erde ihr eigen :nenne:n dürfen? , B| Die Aktivitas und der A. H. V. des Z.A.V. I „Bar-Koohba" gratulieren herzlichst . ihrem'. A.H. dipl. Kaufmann JonaS EttingsT und Frau EttinQGT zu ihre/Vermähjung. Für die Aktivitas: Jehearel Rathaus FürdenA.H.y.: Dr. Israel Waldmarin ■!». Jüdische Einwanderung nach Kanada. Montreal, 26. Dezember. (J. T. A.) Im laufe der letzten fünf Monate sind 1925 Juden nach Kanada eingewandert. Von diesen haben sich 845 Immigranten in Quebec, 708 in Ontario, 228 in Manitoba, 61 in Saskatcljewan, 37 in Alberta, 17'in Nova Scotia, 9 in New Brunswick, 18 in British Columbia niedergelassen. VI. Reichskonferenz des Verbandes ostjüdischer Organisationen in Deutschland. Berlin, 27. Dezember. (J. T. A.) Sonntag den 4. und Montag den 5. Jänner 1931 findet in Hannover (Hofbräuhaus, Hinüberstraße 8) die VI. Reichskohferenz des Verbandes ostjüdischer Organisationen in Deutsehland statt. Für die Konferenz wurde folgende Tages-, prdnung festgesetzt: I. Sonntag, 10 Uhr: 1. Eröffnung und Begrüßung (Samuel Haarpuder), 2.. Wahl des Konferenzpräsidiunis und Perraanenzausschusses, 3. Rechenschaftsbericht. Einleitendes Referat (Benziön Fett). II. Sonntag, 15 Uhr: 4. Generaldebatte. III. Montag, 10 Uljr: 5. Unsere wirtschaftliche Lage und das Genossenschaftswesen.- (Referenten:5 Dr. Israel Taubes, Dr. David Büschel), 6. Organisation und Presse (Josef Hol-, länder), 7. Jugend- und Kulturarbeit (Dr. Alexander Roseufeld). IV. Montag, 15 Uhr: 8. Diskussion,'9: Bericht des Permanenzausschusses, 10. Entlastung . und Neuwahl.'

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