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Die neue Welt · 1931-01-02 · Heft 172 (2.1.1931) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 172 (2.1.1931)
Date
1931-01-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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DIE NEUE WELT Seite 5 Gummistiefel Schuhe aller Art in größter Auswahl und feinster Ausführung zu Original Fabrikspreisen bei GEORG HELWING, H9GroßeSperlgasseNr.2 Telephon A-42-0-88 Mezzanin dieser Gruppe in der Leitungsfrage ist gewiß nicht voraus zu bestimmen. Was die Frage des Ersatzes des Präsidenten durch ein Kollegium betrifft, so sollte eine solche Lösung nicht mit Hinweis auf statutarische Bestimmungen der Erweiterten Jewdsh Agency von der Hand gewiesen werden. Sie ist vielleicht heute die einzig mögliche und für die Zionistische Organisation gesündeste. Die Juden und die tsdiedio* slowakische Volkszählung* Die ungarischen Assimilationsjuden mischen sich ein. — Zurückweisung durch die Zionistcn und die tschecho* slowakische Regierung. Wenn irgendwo in der Welt von jüdischer Seite ein Protest gegen die brutalen Verfolgungen der Juden in Ungarn erhoben wurde, erklärten die magyarischsassiraijatorisch eingestellten Führer der magya* rischen Juden sofort, daß sie die „Einmischung" in „interne" ungarische Angelegenheiten ablehnen. In ihrer Knechtseligkeit gegenüber der eigenen Regierung stellten sie sich auf den Standpunkt, daß die Juden alles hinnehmen und schweigen müssen. Sich treten lassen und schweigen ist ihr Patriotismus! Dafür mischen sie sich in die „internen" Angelegenheiten der Juden in anderen Staaten ein, wenn die Horthy*Gesellschaft es ihnen befiehlt. So haben sie jetzt die Volkszählung in der Slowakei zum Anlaß genommen, um von den dortigen Juden zu verlangen, sich als Magyaren und nicht als Juden zu bekennen, um den Glanz Magyariens zu er* höhen und der tschechischen Regierung Schwierigkeiten ZU bereiten. Ja, sie gehen so weit, den Völkerbund anzu* rufen, er möge ihnen bei diesem zweifelhaften Geschäft helfen. Budapest, 25. Dezember. Die Union u n g a r i* scher Juden hat sich in ihrer heutigen Sitzung unter Vorsitz des Hofrats Samuel Stern mit der Volk sab* Stimmung in der Tschechoslowakei befaßt und mit Stimmeneinhelligkeit eine Resolution angenommen, die besagt: Die Union lenkt die Aufmerksamkeit der ganzen Kultur weit auf die Mißbräuche, die in der Tschechoslowakei anläßlich der jüngsten Volkszählung gegenüber der jüdischen Bevölkerung, die auf Grund von Sprache, Kultur und Gefühlswelt sich zum Ungartum bekennt, begangen wurden. Durch be* nördlichen Druck sollten die Juden veranlaßt werden, ihre. Zugehörigkeit zum Ungartum zu v e r* leugnen. Die Union ungarischer Juden schließt sich der von der ungarischen Minderheit der Tschechoslowakei beim Völkerbund eingebrachten B c# schwerde an und erwartet von der Judenheit der ganzen Welt, daß sie die Sache der tschechoslowaki* sehen Glaubensbrüder sich zu eigen macht und ihren ganzen moralischen Einfluß aufbietet, damit das ihren Glaubensgenossen zugefügte Unrecht im Geiste der durch die ungarische Minderheit beim Völkerbunde ein* gereichten Beschwerde gutgemacht werde. # Prag, 26. Dezomber. (J., ,T. A.) Zu der von der Union ungarischer Juden gefaßten Resolution über die Vorgänge bei der Völkszählung in der Tschecho* Slowakei übergibt der Präsident des Jüdischen Na* 0 Nur diese Schwedenklinge macht Rasieren zum Vergnügen Die führende schwedische Weltmarke (£8 ift ein noi\}üftftd)e§ $otfotKMm-g£mHtcI negot üötitt« <mitut, 5K<WfcnIei>t>cn, #H<fcrftanBi)ät; mepn feutoS ftctcfi» tttinS an Dwffjvialjett imb SMtctirotucn mcrtöofl für $iu>i>cr. 2)a8 cinv'fl'C SBri>t in ljt)tficntfü)cr Skrpatfitttß. $it beu fluten ^titfoitbanMuttacit uwb Sädcrcten ctftättlttt). ©d)t bestem: <©tmon§Drot in ©efteiktt (Staumtflpacfimg). eimottSbrotfabrtfc Sütenstfagtatt 11 w $äfllin)er $ofloerfanb — @£port......*J tionalrats für die Tschechoslowakei Abg. Dr. Ludwig Singer der Jüdischen Tclegraphen*Agcntur nach* stehende Erklärung zur Veröffentlichung: „Die von der Union ungarischer Juden gefaßte Resolution ist ein Ausdruck der Assimilations* tendenz, dieinallerWeltdiejiidischcSeele verzerrt. Das Bekenntnis zur jüdischen Nation bedeutet niemals einen Verrat an einem anderen Volke, sondern ist nichts als ein Ausdruck der Treue zum jüdischen Volk und nationalen Stolzes. Die tsche* choslowakische Republik hat seit ihrer Errichtung den Juden die Anerkennung ihrer Nationalität, die ihnen in der alten Monarchie vorenthalten blieb, gc* währleistet. Diese Anerkennung wurde vor allem durch die persönliche Haltung des Präsidenten der Republik Professor Thomas G. Masaryk herbeigeführt. Anlaß* lieh der Volkszählung sind von jüdischer Seite in den östlichen Teilen der Republik keinerlei Proteste gegen eine Beeinflussung durch die Behörden erhoben worden. Die Resolution der Union ungarischer Juden stellt eine Ver* leumdung und einen Angriff auf die jüdische Ehre dar. Die Tendenz des ungarischen Protestes ist offenkundig. Die Union ungarischer Juden sollte begreifen, daß gerade das Verhalten der Magyaren gegenüber den Juden Ungarns den Grund dafür bildet, daß auch die dem ungarischen Kulturkreis zugehörigen Juden der Slowakei und Karpathorußlands sich in immer große* rer Zahl zum jüdischen Volke bekennen." * Prag, 27. Dezember. Das Organ des Außenministe* riums, „Prager Press e", schreibt zu der vom Verband der ungarischen Juden gefaßten Resolution zur Volks* Zählung in der Tschechoslowakei: „Aus dem Lande des Numerus clausus, der Pogrome und des klassischen Antisemitismus, in dem der Heeresminister Gömbös soeben die Juden aus dem Heldenkapitel ausgeschlossen hat, wird gerade gegen die Tschechoslowakei, die in der ganzen Welt den Ruf einer mehr als liberalen Toleranz gegen* über der Judenschaft genießt, der Vorwurf irgend einer Beeinflussung der Juden erhoben. Alle in der Resolu* tioh angeführten konkreten Tatsachen sind erlogen. Die Tschechoslowakei hat den Juden im Sinne ihrer eigenen Forderungen die Möglichkeit gegeben, sich frei zu ihrer Nationalität zu bekennen. Es wurde den Juden vollste Freiheit belassen, zu welcher Nation sie sich be* kennen wollen: zu ihrer eigenen oder zu ihrer Wirtsnation. Wir können nur hoffen, daß die „Union ungarischer Juden" im Namen eines engen Kreises und nicht etwa tatsächlich im Namen der Juden Ungarns spricht. Die tschechoslowakische Judenschaft wird noch Gelegenheit Im Soldatenlager* Eine Chanuka-Geschichte von M. K a t z (New York). Vorabend. Die Gassen des Militärlagers, das den ganzen Tag über von Soldaten und Zivilisten wimmelte, werden allmählich «iiier und ruhiger. Die Fenster der kleinen Holzbuden erhellen sich eines um das andere. Da und dort erklingen Melodien, Soldaten singen amerikanische Nationallieder. Die Nacht rückt an. Die Melodien werden leiser, die Fenster dunkel, die Gassen leer, still ringsum. Das Lager schläft. Nur Robbies kann nicht schlafen. Seine Gedanken tragen ihn weit fort vom Soldatenlager,, jenseits des Meeres, in sein Städtchen Lamischin. Er weiß nicht, weshalb er gerade heute von den Gedanken an sein litauisches Geburtsstädtchen und seine Familie nicht lasseu kann. Was die nur dort jetzt machen? Der Winter-ist wahrscheinlich in vollem Ornat, der F'rost ist groll. Haben sie ein Stück Holz, den Ofen zu wärmen? Ein Stück Brot, den Hunger zu stillen? Wer weiß, vielleicht sind sie alle niclrt mehr auf der Welt. Vater und Mutter — alte kranke Leute, haben sie es überdauern können? Der Krieg hat ja alles dort verniditet. Robbins erzittert. Er wälzt sich auf seinem Soldatenlager. Ein Stöhnen entringt sich seiner Brust. Er wickelt sich fester in die Decke und will einschlafen. Aber Vergehens. Lang, lang liegt Robbins auf dem Rücken, sieht ins Dunkel und Dinge der Heimat stehen vor ihm: heimische Gassen, Häuser, Cheder, Beth Midrasch, die Feiertage. Am liebsten hatte er Chanuka. „Kinder, nach Hause", ruft der Lehrer, indem er sich mit leuchtendem Gesicht erhebt, „Heute ist Chanuka, frei, eine ganze Woche hindurch, nur halbe Tage Unterricht!*■ Mit freudigem Gesang stürmt mau aus dem Cheder. Der weiße Schnee funkelt wie Diamanten. Die Kinderschar eilt zu den Rasen, wo der Schnee noch weißer ist, noch höher, noch weicher. Schneebälle sausen Uber die' Köpfe. Fröhliche Stimmen hallen durch das ganze Städtchen. Im Nu ist ein Schneemann da und die Kinder drehen sich im Kreis und singen um ihn herum. Und ebenso rasch erstehen neue, andere Schneemänner, damit ein Minjam voll sei, und in der Mitte stellt der erste, große, der Chasen. Die lusitgen Stimmen werden immer munterer, die kalten Gesichter beginnen voll Freude zu glänzen. Es dämmert schon. Der Vater kommt nach Hause aus dem Beth Midrasch. Er nimmt den Chauukaleuchter vom Bücherschrank, putzt ihn auf Glanz, stellt ihn ins Fenster der Gasse zu, steckt eine Kerze hinein, nimmt eine zweite in die Hand, zündet sie an und sagt feierlich: „Nun, Chanukakerzen anzünden!" Alle stellen sich um ihn herum, die Mutter in der Mitte, und der Vater beginnt mit halbgeschlossenen verträumten Augen den Segensspruch zu sagen: „Bariich atha . . ." Alle antworten mit lautem „Ainenw und singen mit. Dann sdiließt sich alles enger an den Vater, sieht ihm in die Augen und wartet klopfenden Herzens. Nach einer Weile klingen schon die Münzen in der Tasche, die Pfannkuchen und Gäusegramraeln stehen schon auf dem Tisch, es kommen Nachbarn herein, Bekannte, man spielt „Dame". Es ist lustig, lebhaft, und die Kleinen tun sich an einem Winkeltisch zusammen und spielen „Kopf oder Adler'*, mit de?» soeben bekommenen Chanuka-Geld. „Wann haben wir Chanuka?", fragte sich Robbins plötzlich, vom Phantasieren erwachend, „wann war Sukkoth? Vor fünf Wochen, vor sechs! Ja, ja, es geht auf Chanuka . . . Wart nur! Wo ist denn mein Kalender? . . ." ' Robbins schleicht sich leise vom Feldbett herunter, reibt ein Streichholz an, sucht in seinem Kasten , nach dem jüdisch-englischen Kalender, blättert, bis seine Augen auf einem bestimmten Datum haften bleiben. „Heut* ist Chanuka. Nicht umsonst hab' ich daran gedacht ..." Robbins wurde es wehmütig ums Herz. Noch einmal, wie einst in der Jugend zu Hause sein, ' bei Vater und Mutter, zu Chanuka-Zeiten! Noch einmal das Chanuka-Licht anzünden, bevor es ins Feld nach Frankreich geht! Am nächsten Morgen tat sich Robbins mit den anderen jüdischen Soldaten des Lagers zusammen, um die Erlaubnis für einen Chanuka-Abend im Lager zu erbitten. Den ganzen Tag über trafen sie die Vorbereitungen, brachten Tische und Bänke herbei, dekorierten die Wände mit amerikanischen und jüdischen Fahnen, stellten einen Chanuka-Leuchter auf, verschafften Musikinstrumente und Eßwaren. Alle fühlten sich feiertägig, besonders Robbins, als wäre es sein Fest und als wären die anderen seine Gäste. Er bat alle, Platz zu nehmen und stellie sich selbst vor dem Leuchter auf. „Kameraden", sprach Robbins, „ein Fest der Befreiung aller Unterdrückten und unserer Nation feiern wir heute, die wir morgen in den Kampf ziehen müssen. Der Augenblick gehört dem Gedenken der Makkabäer. Sie waren Helden. Die Weltgeschichte weiß von ihnen zu berichten. Chanuka ist ihr Fest und das unsere, das wir begehen in althergebrachter Weise." Schon während Robbins den Segensspruch sagte und das Licht zündete, brach aus den rohen Soldatenkehlen die alte vertraute „Moaus zur"- Melodie hervor und auf ihren Gesichtern malte sich die Erinnerung an die frühe Jugend und an das jüdische Städtchen mit der Familie, den Freunden und Verwand« ten. Sie hatten ihre Soldatenmützen aufgesetzt, als sie zu singen beganneu, und während die Instrumeute eine rauschende Musik machten, bildeten die Soldaten eine Runde und tanzten den jüdischen Tanz rings um den Chanuka-Leuchter. kange noch hörte man in den weiten leeren Gassen des Soldatenlagers die fröhlichen Stimmen der jüdischen Jungen durch die Nacht klingen, unter dem sternbeglänzten Himmel. Am nächsten Morgen ging's auf die e^r^äisoi|£|ö Schlachtfelder. Man weiß nicht, wer von ihnen noch einmal Chanuka feierte. . V**;^

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