Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 172 (2.1.1931)
- Date
- 1931-01-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Settel DIE NEUE WELT ff*, tri P TELEPHON U-22.3-59 ELZHAUS GEBRÜDER BRAININ WIEN I. BAUERNMARKT 2a besondere Kenntnis der Lage in England zutrauen kann, wollen nicht mehr mittun. Weizmann sandte an die eben tagende Jahreskonferenz der englischen Zionisten eine Botschaft, in welcher er von „Hoffnungen" spricht, welche er in die Verhandlungen mit der Arbeiterregierung setzt. Die Konferenz aber nahm eine Resolution an, in welcher die im Weißbuche gemachten Vorschläge ebenso wie die Verhandlungen mit der Regierung auf Basis des Weißbuches abgelehnt werden. * Während so dank der Tücke einer englischen Regierung, von der eine Wendung zur Ehrlichkeit in Fragen Palästinas nicht zu erwarten ist, und dank der Schwäche der zionistischen Führerschaft, in den zionistischen Reihen Schmerz, Zorn und. Verzagtheit immer weiter und tiefer greift, sind die arabischen Führer dabei, die Situation gründlich und radikal auszunützen. Nachstehende Meldungen aus Palästina charakterisieren die Lage. * Jerusalem, 24. Dezember, Die arabische Zeitung „AI Hayat" erklärt, daß die Araber durch die im Weißbuch vorgesehenen verfassungsmäßigen Einrichtungen nicht zufriedengestellt sind und ihren Kampf fortsetzen werden,, b i s ihre Forderungen in vollem Ausmaß erfüllt sind. Das Blatt sei in der Lage, mitzuteilen, daß die arabische Exekutive in ihrer Antwort auf das Weißbuch jede Kooperation zwischen Juden und Arabern ablehnen und erklären wird, daß nicht früher Friede zu erwarten sei, als bis die Regierung den Arabern nicht zumindest dieselben Rechte gewähren wird, wie •ie die arabische Bevölkerung im Irak und in Syrien besitzt. Die von Weizmann gegen das neue Weißbuch erhobenen Einwände seien unvereinbar mit seiner Annahme des Churchillsc^en Weißbuches. Die arabische , Exekutive .\ wird fordern, daß ein Gesetz erlassen werde, durch das die Uebertragung von Eigentum an Grund und Boden an Juden ohne Zustimmung des High Commissioners verboten werden soll. Sie wird weiters verlangen, daß die Einwanderung von Juden nach Palästina solange eingestellt rwerde, als noch ein , einziger., Araber, arbeitslos ist. * Jerusalem, 25. Dezember. In letzter Zeit; häufen sich Fälle von Besitzstörung und Landfriedenbruch durch Araber auf jüdischem Grund und Boden in Palästina. In ver-; schiedeneu Teilen des Landes ist es dadurch, daß Araber versuchten, jüdische Bauern an der Arbeit zu hindern oder selbst jüdischen Boden in Bearbeitung zu nehmen, vielfach zu Zusammenstößen zwischen Juden und Arabern gekommen. Bisher sind folgende derartige Fälle bekanntgeworden. In Kfar Jehoschua, auf einem Bodenkomplex in der Nähe von Nahallal, der der American Zion Commonwealth gehört, versuchten zehn Beduinen jüdische Siedler daran zu hindern, die Aecker umzupflügen. In der Nähe von G a n Schmuel im Distrikt Chedera wollten Araber aus einem zirkassischen Dorf der P. J. C. A. gehörige Parzellen in Bearbeitung nehmen. In H e r z 1 i a h, Distrikt Tel-Aviv, weigerte sich eine arabische Familie, in jüdischem Eigentum befindlichen Boden zu räumen. Auf dem Infiatgebiet bei Chedera, das auf Grund gerichtlicher Entscheidung den Juden zugesprochen worden ist, haben vier Araber ein Grundstück im Ausmaße von 35 Dunam besät. Die angegriffenen Juden haben in allen Fällen Widerstand geleistet, es kam zu tätlichen Auseinandersetzungen und Steinbombardements. Die Polizei war genötigt, in einigen Fällen Verhaftungen vprzunehmen. Diese Zusammenstöße müssen wegen ihrer Häufung Bedenken erregen. In maßgebenden jüdischen Kreis.en. neigt man der Ansicht zu, daß es sich hier um planmäßig zu dem Zwecke, die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Problem des Bodenmangels zu lenken, unter dem die Araber angeblich zu leiden haben, hervorgerufene Unruhen handelt. Inzwischen haben die Araber ge&en die für die Juden günstige Gerichtsentscheidung über das Iüfiatland bei Chedera Berufung eingelegt. Im Hinblick auf diese Berufung hat die Polizei von Gbedera die Fortsetzung der Von den Juden auf den; Infiatböden begonnenen landwirtschaftlichen Arbeiten .n» t e r s a g t. Dagegen legt sie merkwürdigerweise der Fortführung der von den Arabern begonnenen Arbeiten keinerlei Hinderiiisse in den Weg, Wladimir Jabotinsky in Wien. Wie das Büro der Union der Zionisten-Revisionfcfen uns mitteilt, wird Herr Wladimir Jabotinsky in der Woche um den 15. Jänner in Wien im Großen Konzerthaassaal einen Vortrag halten. , Kartenvormerkungen; im Büro der Union, Wien, IL, Obere Donaustraße 101, Tel. R-47-2-34, täglich von 5 bis? Uhr, Sonntag von 11 bis 1 Uhr, '!, ' L Ilm den Nachfolger Weizmanns«, Die „Jüdische Rundschau'4 nennt Ussischkin, Brandeis und Ruthenberg. — Statt des Präsidenten- Systems ein Kollegium. Die Berliner „Jüdische Rundschau" behandelt in dem Leitartikel einer ihrer letzten Nummern die Frage, wer Weizmanns Nachfolger werden wird. Es ist vor allem bemerkenswert, daß das Blatt, welches Weizmann immer unbedingte Gefolgschaft leistete, das Organ der deutschen Zionisten, also der Getreuesten Weizmanns, dessen Verbleiben auf dem Präsidentenposten als ausgeschlossene Sache betrachtet. Das Blatt schreibt u. a.: Es bedarf keiner großen Prophetengabe, um vorauszusehen, daß im Mittelpunkt des XVII. Zionistenkongressee die Le i t u n gs f r.a g e stehen wird. Doktor Weidmann hat bekanntlich nach Erscheinen des Weißbuches demissioniert und auch im A. C. erklärt, er werde auf dem nächsten Kongreß nicht mehr kandidieren. Die weltpolitische Position des Zionismus ist zum größten Teil das Werk Dr. Weizmanns. Wie schwer diese Position zu verteidigen war, weiß vielleicht nur er allein. Da aber eine systematische Belehrung der zionistischen Massen unterblieben., war, ist. es nicht verwunderlich, daß für Mißerfolge vor allem .die Führung verantwortlich gemacht wird. Große Gruppen innerhalb der Zionistischen Organisation sind heute g egenWei z maan, darunter die?wichtigsten Länder, wie Polen, Amerika und Pa 1 ä s. ti na.F ü r Weizmann isind .wahrscheinlich nur dieA rb e;i te r.- : partei e n und e i n e Grr u p p e m i t te ie u r,o p äir scher All g e mei n er.„. Z.io n is t e n. Unter diesen Umständen . und . angesichts dieser parlamentarischen Situation können auch;die Freunde D.r. Weizjn'a n.n s. s ei n,e Kftn|j|ft.fch r; Jja-ib lyt b e f ü rw.orten.. Wenn aber WeizijQ<antf:'säreidefc'-vdanh. wird ■ das Nachfolgerproblem von so weittragender Bedeutung, daß. es gewiß den ganzeii Kongreß beherrschen wird. '; v Diq Frage-der Präsidentschaft kann natürlich nicht nach einseitigen Parteigesichtspuhkten entschieden werden. Der revisionistische Führer wird, selbst wenn er bei der Mehrheit'des Kongresses Sympathien ge- ' nießen sollte, zweifellos nicht zum Führer der Be wegung gewählt werden. Wäre man in der Wahl eines Führers vollständig frei, so würde sich zweifellos ein; Name in den Vordergrund schieben, der auch in man-; chen Zeitungen genannt worden ist: B rand eis. Die l Wahl von Brandeis zum Präsidenten der Jewish Agency hätte einen klaren politischen und innerzio-, nistischen Sinn. Er ist ein Man von großen persön-, liehen Qualitäten, hohem Ansehen und bedeutendem; Einfluß. Man hätte das Gefühl, daß die Führung in ver- '< antwortliche Hände gelegt wird. Es würde sich um einen mm mm Alt werden und Jung bleiben möchte jeder. So schwierig es scheint, es ist dennoch leicht erreichbar durch ständige, sorgsame Körperpflege. Ein hervorragendes Mittel dazu ist DIANA FR ANZEtR AN NT WEIN mit Menthol Massagen 'Einreibungen) mit Diana-Franzbranntwein erfüllen mit verjüngender Kraft. 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Er hat ein klassisches zionistisches Leben hanter sich, seine unbeugsame Energie ist auch heute noch eine der stärksten Kräfte' der zionistischen Aufbauarbeit, seine Gestalt ist insbesondere für das russische Judentum geradezu symbolJia.fi. Zweifellos genießt er sowohl in Palästina als auch in der Bewegung große Popularität; aber so geschätzt seine nationale Tatkraft, ist, so zweifelhaft ist seine politische Zulänglichkeit. Selbst Freunde Ussischkins werden nicht behaupten, daß er der geeignete Führer politischer Verhandlungen wäre. Dazu kommt, daß eine Wahl Ussischkins eine Verlegung des politischen Zentrums nach Jerusalem bedeuten würde, was zumindest sehr umstritten ist. Man wird also die Führung der Politik kaum Ussischkins Händen anvertrauen. Viel eher empfiehlt 6ich zur Führung der Politik Ha r r y Sach e r, dessen advokatorisch geschulte Klugheit sich mit großer" Kenntnis des englischen Lebens und der englischen Eigenart verbindet. Aber Saoher ist in Palästina im Gegensatz zu Ussischkin äußerst unpopulär, seine einschränkende Wirtschaftspolitik hat ihm weite Kreise und ganze Gruppen der. Bewegung zu Gegnern . gemacht. Auch ist nicht bekannt, ob er überhaupt auf die Führerschaft aspiriert. Der Kandidat, der heute bereits am stärksten und systematischesten lanciert wird, ist - R u t Iien b e r g. Man macht. geltend, daß e r in allen maß g e b enden -L a ge r n; Anh ä n.g.e r ha t. Er gilt als „starker", Mann, vermag mit der Waffe umzugehen, war im Krieg AnJiänder d e r. j-ü d i s c h e n Legion, und ist ,daher bei den Revisionisten beliebt. Zugleich .genießet Ruthenberg aber auch eine besondere V.ertratiensposition bei der diametral entgegengesetzten Gruppe, nämlich den amerikanischen Nicht zionisten (Felix Warbtirg), die den Revisionisten als national b esonders unzuverlässig gelten und eine Zeitläng sogar der Sympathien für Magnes verdächtigt waren. Auch die Brandeis-Gruppe steht in guten Beziehungen zu Ruthenberg und in manchen Kreisen der pa 1 äst i n e ns is ch en A rbeite r schalt ist dieser alte russische. Sozialrevolutionär sehr angesehen» Für die breiten Massen des Volkes ist Ruthenberg,' der Elektrifikator Palästinas, mit einem mystischen Glanz umgeben. Ruthenberg hat als Präsident des Waad Leumi auch den Jisehuw hinter sich. Man wird also bei objektiver Betrachtnug zugeben müssen, daß seine Kandidatur rein parlamentarisch gewisse Chancen hätte. Politisch freilich ist Ruthenberg ein unbeschriebene'« Blatt. Ob die Erfahrungen,, die er im ersten Ha lb jäh r 1930 in London sammeln konnte, ausreichen, um ihn den rechten Weg der Politik finden zu lassen, muß sich erst zeigen. Gerade dieses politische Debüt Riithenbe rgs sowie seine Haltung als Präsident des Waad Leumi haben ihn bereits zu einer umstrittene n Figur ' gemacht. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt," daß in manchen zionistischen Kreisen der Gedanke eines Kollegiums erörtert wird, etwa in der Art, wie es nach Wolf fsöhns Abgang 1911 eingesetzt worden.ist. Ob sich dieses System heute durchführen läßt, müßte erst untersucht werden, zumal ja durch die Erweiterte Jewish Agency gerade dem Präeidenten eine besondere Funktion zufällt. Der Präsident der Zionistischen Organisation ist auch Präsident de r Jewish Agency und man wird daher die Präsidentenfrage nicht ohne Berücksichtigung dieses Faktums lösen können.. Zu diesen Ausführungen der „Jüd. Rundschau" wäre einiges zu bemerken. Die Behauptung, daß Präsident Weizmann unbedingt und kampflos von seinem Posten scheiden wird, kann nicht als absolut zutreffend gewertet werden. Schon oft und in entscheidenden Phasen der Bewegung hat Präsident Weizmann'erklärt, nicht länger bleiben zu können und blieb. Unter den Gruppen, die immer und unter jeder Bedingung für Weizmann eintreten, ist eine nicht aufgezählt, obzwar ihre Existenz in der Einleitung des Artikels festgestellt wird. Es heißt dort: „Die jetzigen Teilnehmer sind fast4 ausschließlich zionistische Funktionäre, zum größten T eil hauptberufliche,. Die Entscheidung