Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 171 (26.12.1930)
- Date
- 1930-12-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nf. m DIE NEUE WELT Seffe 3 haltigste Museum dieser Art in Amerika und umfaßt unter anderem die berühmte B e n g u i a t - Sammlung. Die Bibliothek wurde vor 44 Jahren gleichzeitig mit der Gründung des Jüdisch-Theologischen Seminars angelegt Ihren Grundstock bildet die Büchersammlung des ersten Rektors des Seminars, Dr. Sabato M o r a i s. In späteren Jahren erfuhr sie eine wertvolle Bereicherung durch die Eingliederung der Sammlung des Richters Mayer Sulzberger, die 8000 zum Teil äußerst seltene Bücher und 600 Manuskripte umfaßte. Weit über das Niveau einer bloßen Institutsbibliothek aber wurde sie im Jahre 1923 gehoben, als die aus 3500 Büchern und 4000 Manuskripten bestehende Büchersammlung von Elkan N. A d 1 e r in die Bibliothek des Jüdisch-Theologischen Seminars eingebracht wurde. Ihr heutiger Bestand ist mit 84.000 Druckschriften aus dem Gebiete der jüdischen Geschichte, Philosophie und Kultur, darunter zahlreichen Inkunabeln aus dem 15. Jahrhundert, und etwa 6000 Manuskripten, von denen eingebracht. Man hält es nun für sicher, daß der Sejm auf schnellstem Wege das Gesetz verabschieden wird. Die jüdische Presse gibt der Genugtuung Ausdruck, daß diese das jüdische Gefühl beleidigenden gesetzlichen Beschränkungen, deren Abschaffung seit mehr als einem Jahrzehnt zur öffentlichen Diskussion steht, bald der Vergangenheit angehören werden. Es handelt sich bei diesen Beschränkungen um das Verbot des Bodenkaufes durch Juden in gewissen Distrikten, um das Verbot des Uebertrittes zur bzw. Wieder eintritt es in die jüdische Konfession und anderes mehr. Anträge des jüdischen Klubs im polnischen Sejm. Warschan, 20. Dezember. (J. T. A.) Der Jüdisch e Parlamentsklub im polnischen Sejm hat heute folgende drei Vorschläge eingebracht: 1. Das Gesetz über die Zwangssonntagsruhe soll so umgestaltet wer den, daß den jüdischen Ladenbesitzern und Gewerbeeinige bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen, größer und J treibenden, die an den Sabbattagen nicht arbeiten und reichhaltiger als die judaistischen Abteilungen der Universitätsbibliothek von- Oxford und der Bibliothek des Britischen Museums. Die Ritualaffäre in Karpothorußland, Prag, 21. Dezember. Der J. T. A. geht aus Kar« pathorußland die Meldung zu, daß der mit der Erhebung der Anklage gegen die Juden Liebermann und Steinberger wegen angeblichen Ritunlver brechens betraute Staatsanwalt gegen den Redakteur der halbamtlichen ungarischen Tageszeitung „Uj Közlöny", I-Iavas, die Anklage wegen Beeinflussung der Zeugen zu falschen Zeugenaussagen erhoben hat. Dies ist bereits der zweite Fall in diesem Prozeß, daß ein Entlastungszeuge, der die ganze Haltlosigkeit des Anklagegebäudes nachgewiesen hat, vom Staatsanwalstchaft hat in der jüdischen Oeffentlichkeit Pazuchanic wurde bereits vor einigen Wochen die Anklage. wegen Meineid erhoben. Pazuchanic hatte erklärt, daß im Gerichtsgebäude den Kindern mit Strafe gedroht wurde, wenn sie nicht gegen die Juden aussagen würden. Der ungarische Tagesschriftsteller Havas hatte sofort nach Beginn des Prozesses ausführliche Gespräche mit den beiden Kindern in seinem Blatte veröffentlicht, aus welohen klar hervorging, daß der „rituelle" Inhalt der Affäre eine reine Erfindung der kindlichen Phantasie und Resultat eines auf die Kinder ausgeübten Druckes gewesen ist. Die Nachricht über die erwähnten Schritte der tSaatsanwaltschaft hat in der jüdischen Oeffentlichkeit große Erregung ausgelöst; man erwartet nunmehr ein entschiedenes Eingreifen des Justizministeriums, an dessen Spitze der tschechische Sozialdemokrat Dr. Meißner, ein Jude, steht. Ein Schlag gegen die jüdische Bevölkerung Litauens. Kowno, 20. Dezember. Die Regierung hat einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, wonach Ausländern und Staatenlosen verboten sein soll, in Litauen irgend ein Handwerk auszuüben. Das Gesetz ist direkt gegen das jüdische Element gerichtet. Tausende Juden, die infolge der Einbürgerungspraxis in Litauen als Ausländer oder Staatenlose registriert sind, werden, wenn das Gesetz zur Anwendung kommt, ohne jede Möglichkeit eines Unterhaltes bleiben. Die in Kowno erscheinende „Yd i sc he Stime" warnt die Regierung vor einem solchen Gesetz, das tausende Menschen vor die Wahl stellen würde, Selbstmord zu begehen oder betteln zu gehen. Die polnische Regierung unterbreitet dem Sejm einen Gesetzentwurf über Abschaffung der Beschränkungen gegen die Juden. Warschau, 20. Dezember. (J. T. A.) Der Abgeordnete Vlaclaw Wyszlicki, der auf der Regierungsliste des Sejm gewählt worden ist, teilt der Presse mit, daß die polnische Regierung von sich aus ein Gesetzpröjekt über Abschaffung der noch aus der Zarenzeit stammenden gesetzlichen Beschränkungen gegen die Juden eingebracht hat. Wie schön mitgeteilt, hat der jüdische Parlamentsklub in der vorigen Woche ein ähnliches Gesetzpröjekt mim....................mm..................... Sorgt für die Gesundheit eurer Familie durch den Qebrauoh von feinstem paiästiM. Olivenöl V Wl mV »Stiemen« erstkiaas'ger Qualität, zum Kochen, Braten, Backen und Salat, ausgiebig, nahihaft, leicht verdaulich, erfrischt und kräftigt Glieder und Nerven. Palästina Toiletteseif e 49^13Iii veredelt und verschönt den |l Vlalll Teint. „Carmel-Flowers" schäumt stark, ist mild, macht die Haut weich. In allen bester n Delikatessen-und Parfümeriegeschaften erlitt t Ich! Repräsentant für Oesterreich: S. RABINOWITSCH "" """<%. ]f : Telephon R*47-0*B0 i......IIMIMI.......MIHI................I.........ji ihre Geschäfte geschlossen halten, erlaubt werden soll, an den Sonntagen zu arbeiten und die Geschäfte offen zuhalten; 2. die von den Juden gegründeten Schulen mit hebräischer und jiddischer Unter richtssprache sollen Oeffentlichkeitsrecht erhalten, auch sollen ihnen Staatssubsidlen ge währt werden; 3. die Regierung soll eine Untersuchung der Wahlverstöße einleiten, die insbesondere zum Schaden der Liste 17 (Block zur Verteidigung der jüdi sehen Rechte) begangen wurden. In einer Reihe Wahlkreise wurde diese Liste von der Behörde annulliert, in anderen Wahlkreisen wurden Kandidaten und Wähler der Liste t? verfolgt und schikaniert. Ing. Rudolf Morvay Frätzi Morvay geb. Pollak Vermählte in Das judi'§die „Paradies0 Sowjeirußfand* Was der Herr Präsident erzählt. Moskau, 20. Dezember. Der Präsident des Zentral« exekutivkomitees der Sowjetunion, rM i c h a e 1 Italirtin, hat auf der in Moskau tafc&ldeii 'Xonfereitz;'.der!. p'r I»'' vaten jüdischen Kolönisationsgesell* Schäften (OZET) eine Ansprache gehalten, in der er die Entstehung eines jüdischen Bauernstandes als eine außerordentlich wichtige Erscheinung bezeichnete. Wenn man bedenkt, daß die Juden unter dem zaristischen Regime durch Zwang von Grund und Boden ferngehalten wurden, müsse die große Anpassungsfähigkeit, die sie nach der Revolution beim Uebergang zur Landarbeit in verschiedenen Teilen der Sowjetrepublik bewiesen haben, höchste Befriedigung auslösen. Die Juden haben die Krise, die vor vier Jahren ihre Existenz be* drohte, überwunden, die Massen der deklassierten Juden haben im Rahmen des Fünfjahrplans neue Betäti* gungsgebiete gefunden. Am Schlüsse seiner Ansprache gab Kalinin der Hoffnung Ausdruck, daß es den Juden gelingen werde, innerhalb der Sowjetunion eine eigene Republik zu schaffen. Hierfür käme in erster Reihe B i r o* Bidschan im fernen Sibirien in Betracht. Gleichzeitig aber sei es notwendig, die jüdischen Kolonien in der Krim, wo bereits große Fortschritte erzielt worden seien, zu erhalten und auszubauen. * Leider hat der allgewaltige Herr Präsident nicht die Macht, aus seinen heiteren Legenden Wahrheiten " zu machen. Wie es in der „Judenrepublik" BirosBidschan aussieht, haben wir schon geschildert. Um das Leben zu retten, müssen die Männer nach China flüchten und die jüdischen Frauen Prostitution betreiben. Wie die „höchste Befriedigung" beschaffen ist, mit welcher man das jüdische Siedlungswerk in der Krim und Ukraina be* trachtet, wie es um die „großen Fortschritte" in der Krim bestellt ist, lehrt folgende offizielle Meldung: Moskau, 19. Dezember. Die russische R e« gierung hat vor einiger Zeit eine Kommission zur Untersuchung der Lage der jüdischen Kolonisten in die Krim entsandt. J. Golde, der Vertreter von Ozet in dieser Untersuchungskommission, hat nach seiner Rückkehr nach Moskau einen ausführlichen Bericht über die Arbeiten der Kommission erstattet, aus dem hervor« geht, daß HundertevonjüdischenKolonUten aus der Krim und der Ukraine in die Städte abwandern. Dio Ursachen für diese Landflucht er» blickt Golde vor allem in der,diesjährigen Mißernte in der Krim, weiters in dem Mangelan Mitteln für Häuserbau und schließlich in den Zwangsmaß. nahmen zur Kollektivisierung. Die Lage der jüdischen Kolonisten in der Krim ist äußerst sc h wie» rig. Aus manchen Kolonien sind 70 Prozent der Siedler in ihre Heimatstädte zurückge* kehrt. Viele von ihnen haben versprochen, im Frühjahr Else Elster * ArturHell in dem f000/0igen Ton- und Sprechfitm mit Gesang and Tanz Die blonde Nachtigall Produktionsleitung! Alfred 2«Mer Reglet Johannes Meyer Haut« urtd täglich im UFA-TON-KINO II., TaborslraSe 8 / Telephon R*4f-2-41 wieder in die Kolonien zu kommen, falls sich die Ver« hältnissc gebessert haben sollten; nach der Ansicht der Kommission aber dürften die Rückwanderer, falls sie nur in ihren Heimatstädten irgend weiche Beschäftigung finden, nicht mehr aufs flache Land gehen. Eine ähnliche Landflucht hat in dem jüdischen Selbstverwaltungsrayon Neu»Zlatopol in der Ukraine eingesetzt. Obwohl dort die Ernte besser war als in der Krim, haben 38 Prozent der Siedler die Kolonien ver» lassen. Die Zwangssonniagsruhe in Palästina. London, 21. Dezember. Der neugewählte Abgeordnete von Whitechapel James Hall hat das vom High Commissioner für Palästina Sir John Chancellor erlassene Verbot der Sonntagsarbeit in den Steinbrüchen von Athlit 211m Gegenstand einer Anfrage im Unterhaus gemacht. Die Anfrage hatte folgenden Wortlaut: Ist dem UnterstaatssekretÜr für die Kolonien bekannt, dafl der High Commissioner für Palästina Instruktionen herausgegeben hat, wonach künftig an Sonntagen an dem Hafenbau von Haifa nicht gearbeitet werden soll? Welche Schritte gedenkt das Kolonialministerium angesichts der Tatsache zu unternehmen, daß durch diese Verfügung Mohammedaner und Juden gezwungen sein werden, an ihren Sabbaten zu arbeiten? UnterstaatssekretÜr Dr. Shiels erklärte, die Herausgabe derartiger Instruktionen in be2tig auf den Hafenbau von Haifa sei ihm bisher noch nicht „offiziell" mitgeteilt worden. Lord Paßf ield habe sich in dieser Angelegenheit mit dem High Commissioner in Verbindung gesetzt, nach dessen Antwort die Frage einer gründlichen Untersuchung zugeführt werden würde. — In derselben Sitzung des Unterhauses regte Major Elliot an, daß gleichzeitig mit den Vermessungsarbeiten für diet Haifa-Bagdad-Bahn Untersuchungen über die Möglichkeit der Anlage einer Atitosträne an Stelle der Bahn vorgenommen werden sollen. Dr. Shiels erwiderte,' daß die Anlage einer solchen Autostraße nicht in Erwägung gezogen werde und der für die Vermessungsarbeiten bewilligte Betrag nicht erhöbt werden könne. Am Rumänien« Blutrünstige Hetzreden im Parlament. Im Verlaufe der Aussprache im rumänischen Parlament über die Interpellation des jüdischen Deputierten Landau, betreffend die jüngsten antisemitischen Stüde n tenexzessc, ergriff auch der Führer der rumänischen Antisemiten, Professor Cuzas, das Wort. Als der Deputierte Landau in einem Zwischenruf darauf hinwies, daß ein Geschworenengericht bereits vor Jahren festgestellt hat, dafl ein Buch Cuzas nichts weiter als ein Plagiat sei, verstieg sich Cuza zu der Drohung: ,tSie werden Ihre Frechheit mit Ihrer Haut bezahlen!" Cuza verteidigte das Verhaltender Studenten während des Kongresses in Braila und sagte: „Der Kongreß richtete an mich ein Telegramm, in welchem es heißt, daß die gesamte Studehtenschaft von meinen Ideen durchdrungen ist. Die gesamte Bevölkerung verlangt, daß wir die Macht übernehmen!" Cuza sprach dann schmeichelhafte Worte für den König Carol und setzte dann seine antisemitischen Ausführungen fort. Auf die Frage des Deputierten Raleu, ob Gott Antisemit sei, erwiderte Cuza: „W enn Christus Gott ist, dann ist er ein Antisemit." Pfarrer Man verwahrte sich in einem Zwischenruf dagegen, duß Cuza im Namen des Christentums eine menschenfeindliche Lehre vertritt. Cuza rechtfertigte die antisemtischen Ausschreitungen am 10. September und sagte, es sei der Tag des Numerus clausus gewesen. Die Professoren Andrei und Ralea riefen dazwischen, das sei der Tag, an welchem der Cuza-Schüler Codreanu den Jassyer Präfekten M a n c i u ermordet hat. „Sie, Herr Cuza", rief Professor Andrei, „haben unwissende junge Leute verführt, Sie sind der moralische Urheber der Ermordung des Präfekten Manciul" (Bekanntlich wurde der Jassyer Präfekt Manciu vom Studenten Codreanu hinterrücks erschossen, weil er die jüdischen Studenten gegen Angriffe der Antisemiten verteidigt hat Codreanu wurde dann durch ein Geschworenengericht freigesprochen. Anm. d. Red.) Im Verlaufe seiner weiteren Rede nannte Cuza die nationalsozialistische Bewegung in Deutschland eine Freiheitsbewegung und huldigte in überschwenglichen Worten A d o 1 f H i 11 e r, der eine Revisjon der Friedensverträge verlangt. Den Völkerbund bezeichnete Cuza als eine jüdische Macht. „Der Völkerbund1', sagte