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Die neue Welt · 1930-12-26 · Heft 171 (26.12.1930) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 171 (26.12.1930)
Date
1930-12-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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DIE NEUE WELT Nf. in S 26«—■ S 36«*- S 45«"*- PH, MserstrnBe 123' IX, Atetrnfle 6 Ich will darum die Mischehe keineswegs nls etwas Wünschenswertes hingestellt haben. Im Gegenteil. Aber wenn ich vor einem solchen praktischen Fall stehe nnd der Männ, unt den es sich handelt, dem Judentum so wertvoll ist, so kann ich nnmöglich zögern, wie mein Urteil zu lauten hat. Das ist ja übrigens eines der großen Verdienste des Zionismus, daß er die Juden wieder heimbringt, gerade die besten Juden, die weggegangen sind. Das sagen Sie unseren Freunden, welche durch die Bosheit der „Mainzer Israeliten11 beunruhigt sind. Mich aber sollen Sie nicht nennen, weil ich in der Sache nicht intervenieren will. Dieser Brief ist vertraulich. Mit Zionsgruß Th. Herzl." Bekenntnis zum Judenstaat« Der oberste Rat der Warschauer Z i onisten erläßt folgenden Aufruf: „Nie war die Konzentrierung aller zionistischen Kräfte so notwendig wie in der jetzigen, schweren Stunde. Wir müssen jetzt unsere zionistische Organisation stark machen. Alle unsere Feinde müssen überzeugt werden, daß es keine Kraft gibt, welche den Willen des jüdischen Volkes brechen kann, seinen Willen, das jüdische N at i on'al h e i m aufzubauen, den Judenstaat in Palästina zu schaffen! ' „Wir rufen euch auf, Brüder, Zionismen» einzutreten in unsere Reihen, eure Kräfte mit den unseren zu ver». ehe«, für die Befreiung des jüdischen Volkes. Die Zio» nistische Organisation soll das , jüdische Leben in allen seinen Formen regeln und beeinflussen. Sie muß mit kon* zentrierter Kraft daran arbeiten, - das j ü d j 8 c h,e Land aufzubauen, den Judenstaat zu errichten!" SMe Auferstehung des Mosdiko. Von Dr. H. Rosenblum (London). Bei der Ergänzungswahl zum englischen Parlament-; inj judenreichen Londoner Viertel Whitechapel hat die engliscne Arbeiterpartei fast alle jüdischen Stimmen verloren. Das antizionistische Vorgehen der Labour-Regieruhg, insbesondere ihres Kolo- - nialminißters Lord Passfield (Sidney Webbs), , hat organisierten Widerstand der in ihrem Nationalgefühl verletztea jüdischen Wähler ' hervorgerufen. Die Lörfdaner Zeitung „Der / najer Weg" bringt folgenden Artikel: Für Passfield in London. . Ein Stück Lehre hat letztens Whitechapel, das Londoner jüdische Viertel, gegeben. Hier ereignete sich eine Kleinigkeit: die P o a 1 e Z i o n (in freundschaftlichem Bünd mit dem Hapoel Hazair) hat be- , Ffir die jüdische Bühne. Die Schauspielerin Regina P r a g e r erzählt, daß Goldfaden zu einem Zeitpunkt ins Lemberger Gimpl- Theater eintrat, als sie auf dem Weg war, vom jüdischen ins polnische Theater überzutreten. Goldfaden, der das nicht zulassen wollte, nahm sie sich vor. „Was heißt das, die jüdische Bühne verlassen 1 Du bist geboren worden, um eine jüdische Schauspielerin und nicht eine gojische zu sein. Dort bei den Gojim wirst du Rollen bekommen, die das Kreuzschlagen vorschreiben. Du wirst dich bekreuzigen müssen, hörst du?" Regina Prager, noch heute eine fromme jüdische Frau, erschrak und ließ ihr Vorhaben fallen. Der hungernde Goldfaden. Goldfadens Bruder Schema ja erzählt über die Zeit, da Goldfaden endgültig Wohnsitz. \n New York nahm und hungerte. Zahlreiche Verehrer gingen bei ihm aus und ein. Goldfaden selbst spricht sich darüber aus; Die Tür öffnet sich. Ein Mann tritt ein. Mit ehrfürchtiger Scheu fragt er: „Wohnt hier Abraham Goldfaden?" „Ja", antworte ich. Er sieht mich an und bricht in Begeisterung aus. „Oh, Sie sind es selbst? Per Begründer des jüdischen Theaters", und fügt gleich hinzu: „Aber wie schlecht Sie aussehen! Wie alt! Wieviel Runzeln auf der Stirn! So also sieht unser Abraham Goldfaden ausJ" Daun steht der Mann auf und geht. Er hat seine Pflicht erfüllt. So pflegten es uiie zu üben. Keiner wollte wissent daß mau Geld braucht, um Nahrung zu kaufen. schlössen, eine Propagandaaktion für die Labour-Party zu unternehmen . . . Nicht mehr und nicht weniger. In Whitechapel gab es Ergänzungswahlen ins Parlament. Und die Luft war deshalb sehr heiß, heißer als in normalen Wahlzeiten. Denn bisher pflegte Whitechapel einen Labour-Mann ins Parlament zu wählen. Der jüdische Bezirk war bisher eine Art Herrschaftsdomäne für die Arbeiterpartei, ihr angestammter Besitz. Die hiesigen Juden, an die politischen Voraussetzungen Rußlands gewöhnt, waren der Ansicht, daß Recht und Gerechtigkeit vor allem bei den Sozialisten zu suchen sei. Keinerlei Einwendung konnte sie von dieser Ueberzeugung abbringen. So pflegten auch die anderen Parteien ihre Kandidaten hier, nur um ihre Existenz zu beweisen, aufzustellen. Jetzt hat sich die Lage ein wenig geändert. Die Labour-Regierung hat ihre Küche für einen Augenblick den Gästen gezeigt nud wsts man dort sah, war so, daß sich sogar dem Juden nus Pinsk der Magen umdrehte. Eine solche Aufregung, wie die, die das Judentum in Verbindung mit dem La'nmr-Verrat ergriffen hat, konnten wir schon lange ni ' ' konatatieren, Und das ist ja ganz verständlich: es w ■ »i die tiefsten jüdischen Gefühle attackiert und zudem noch von Leuten, die wir als unsere Freunde zu betrachten gewöhnt waren. Einen so raffinierten Ueberfall kann man schwerer verzeihen als einen einfachen, ungenierten, räuberischen Angriff. Da beschlossen die Juden, unter ihnen langjährige Labour-Anhänger, bei den Parlamentswahlen gegen die Labour-Partei zu stimmen. Es wäre sicherlich die größte Selbsterniedrigung gewesen, gerade jetzt seine Stimme dem Lord Passfield zu geben. Alle jüdischen Parteien., einigten, sich und bildeten ein A n t i - P a ßf ield-Komitee mit dem Zweck, an die jüdische Selbstwürde zu appellieren und zu verhindern, daß den Totengräbern unseres nationalen Ideals jüdische Stimmen I Union der Ztonlst. ^Revisionisten Oesterreichs j I Montag, den 2«. Otsambtt 1030, •/*? Uhr | s abends, im Cafe „Produkt nböraa", Ii., Tabor- § I straße 10 Vor dem ]7. Zlonlstenkonsrefi (Berich* über die revisionistische Parte fatssitzung in s Berlin) i Rodners Dr. David Bukspan | OHate willkommen | A«kliaMMl Die Montag-VeiSammlungen | MCniUligX linden im Cafe Produktenj ■■■»■■BMnM bo^e\ II., Taborstr 1 , statt 1 zufließen. Die Losung „Einen S c h e c k e 1 gegen Lord Pas6fie 1 d", . die man in Polen proklamierte, wurde. hier zur Losung „Stimm.e,t gegen Lord Pap6.fi eldl" . Unsere zionistischen Sozialisten erklärten daraufhin spontan, sie würden in dieses Komitee nicht eintreten. Das genügte ihnen aber nicht. Sie beschlossen, aktiv für den Labour-Kandidaten einzutreten und für Passfields Genossen eine umfassende Unterstützungsaktion einzuleiten, Man ging von Haus zu Haus, hielt Brandreden in Versammlungen und Straßenmeetings, agitierte, „klärte auf", überzeugte. Kurz, Juden, stimmet für den Genossen Passfield! Und es kam soweit, daß ein Mitglied der Exekutive, K a p 1 a n s k y, als Redner auf einem großen jüdischen Wahlmeeting für den Labour-Kandidaten angekündigt war. Nur der kategorische Protest der ganzen jüdischen Öffentlichkeit und der Familienskandal, der im Schoß der zionistischen Exekutive ausbrach, hielten ihn davou ab. Interessant ist das Argument, dessen man sich bediente: man müsse zwischen Arbeiterregierung und Arbeiterpartei unterscheiden. Ein Argument auf Krücken, Seit wann müssen wir eine Partei unter-; stützen, die eine antisemitische Politik ihrer Regierung deckt? (Man denke an die antizionistische Haltung des Regierungsorgans, des sozialistischen „Daily Herald".) Seit wann unterscheiden wir zwischen dem Minister Plehwe und den tausenden Plehwes des „Vereins der wahren Russen?" Wer ist die Regierung Passfield? Ich und ihr oder die Labour-Party? Es ist begreiflich, daß1 unsere Linken durch das Weißbuch stark entmutigt sind. Es ist ihnen so und so nicht wohl. Sie erzählten, die Armen, immer wieder der jüdischen Welt von der Solidarität der Genosse n in der Internationale, von der poale» zionistischen Verknüpfung mit der Labour-Party (Mac Donald setzte sich bekanntlich nie an den Tisch ohne den Genossen Kaplansky!), von dem Einfluß, den sie bei den führenden Genossen haben. Bis die Masse die Wahrheit erkannte. Was jetzt tun? Anfangs taten unsere Linken ein bißchen mit im allgemeinen Proteststurm, bw sie schließlich zum „Klassenstandpunkt" zurückkehrten und das jüdische Volksideal in den Strom der „internationalen Solidarität" warfen. Genosse Passfield und Kaplansky dürfen nicht lange miteinander böse sein.; , Und au der zionistischen Peripherie, in Warschau und: in Kowno, dort spielt man die Rolle nationaler Helden. Mau proklamiert „politische Kampffonds", hält pathetische Reden, verfaßt Aufrufe mit heldenhaftem Pension «Austrfa' Kinderheim Vöslau OLdA RA0I8CM» llfi«rm«v«r»traS« 18 TaSephon Nr. 141 Pur Dauer» and Erholungsaufenthalt Jedei Unterricht im Hause, auch " achhüfe tur öffentliche Schulen besuchende Kinder Pädagogisch einwandfreie Leitung durch staatlich geprüfte LenreMn Erstklassige Verköstigung. Mütterliche Pflege. Mäßige Preise „Nieder" und „Es lebe", dort, einige tausend Kilometer weit von London, wird löwenhaft gekämpft, um ein wenig das Prestige zu retten. Die Zunge ist noch im Lauf, man weiß, wie man die Naivität der Massen exploitiereu kann. Man schnorrt mit der Büchse um Geld und Vertrauen •— wer weiß, welchem Passfield das zugute kommen wird. In Wien für Austerlitz. Der Whitechapel-Akt ist vielleicht die stärkste, aber keineswegs die einzige Deklarierung des poalezionistischen „Geistes". Was z. B. geschieht die ganze Zeit über in Wien? Die Poale Zion ist dort seit Jahren der Laufbursch des so?iaiistischen Täuflings Austerlitz. Ist es zulässig, daß eine zionistische Partei bedingungslos und unter allen Umständen die verbissen antizionistische Sozialdemokratie in Oesterreich, die judenfeindlichste aller sozialistischen Parteien Europas, die ob jeden jüdischen Mißerfolgs in Palästina Freudentänze aufführt, unterstützt? Darf eine zionistische Partei wegen irgend welcher sozialer Erwägungen das jUdische Volksinteresse zum Opfer bringen? In welcher nationalen Befreiungsbewegung wäre eine solche Schande möglich? Für den Bund in Polen. Und in Polen! Was bedeutet der freundschaftliche l1 riedensbund zwischen Poale Zion und Bund bei den Sejmwahlen? Jeder weiß, daß in Polen ein Kampf stattfindet zwischen Mehrheitsvolk und jüdischer Minderheit. Nicht die jüdische Bourgeoisie in Polen verliert ihre wirtschaftlichen Stützpunkte, sondern der Jude schlechtwegs, die ganze jüdische Bevölkerung. Wenn der Bund selbständig in die Sejmwahlen geht, so hat das seinen Grund. Er muß unter allen Umständen den Zionismus bekämpfen. Aber wie kommt die Poale Zion in die antizionistische Bundfront? Und ' noch dazu, wenn diese Front keinerlei Aussicht auf Erfolg hat? Seit wann ist es einer zionistischen Partei gestattet, moralisch und organisationeil gegen die vitalsten jüdischen Volksinteressen aufzutreten und der zionistischen Liste Stimmen zu entreißen? Das sind alles Themen, die wie auf Verabredung hin von der jüdischen Presse totgeschwiegen' werdfctt;,- Man vermeidet es, an diese Wunde zu rühren. Ist doch unsere Linke, das verzärtelte Schoßkind, der Hauptfaktor beim Aufbau unserer Heimstätte. Das ist eine falsche und schädliche Einstellung. Das Schweigen ermutigt nur dieses Treiben. Will der Zionismus die Verantwortung für diese Entwicklung tragen? Ist ihm das lehrreiche. Beispiel des poalezionistischen Muttersöhnchens, des Haschomer Hazair (derweitausgrößere Teil des Haschomer Hazair ist jüngst zu den Kommunisten übergetreten. Anni. d. Red.), nicht genug? Heute stehe» wir vor dem Schauspiel Whitechapel. Was erwartet uns morgen?' Der alte Moschko hat sein altes Gewand abgetan. Er tanzt schon wieder den Sklaventanz vor dem Herrn. Sein Gesicht strotzt von Ergebenheit und Unterwürfigkeit. Im Knopfloch trägt er den Magen David. : ' . 1 Die grollte jüdische Bibliothek. Das neue Heim des Jüdisch-Theologischen Seininari für Amerika, dessen Präsident Dr. Cyrus Adler ist, ein im Zentrum von New York gelegener Komplex <von drei mächtigen Gebäuden, wurde dieser Tage seiner Bestimmung übergeben. Das mittlere der drei Häuser, das von einem hohen Turm überragt wird, ist zur Aufnahme der Bibliothek des Jüdisch-Theologischen Seminars bestimmt, die die größte judaistische Büchersammlung der Welt darstellt. Durch die Unterbringung der Bibliothek in einem entsprechenden Gebäude wirdihre Freigabe für die öffentliche Benützung ermöglicht werden. Das Bibliotheksgebäude ist dem Andenken Jakob H. Schiffs gewidmet, dessen Familie durch große Spenden zur Errichtung' des Hauses beigetragen hat Während der mächtige Turm in seinem Innern durchwegs mit Regalen ausgestattet wurde, die die Aufstellung von 200.000:Bänden ermöglichen, enthalten die anderen Teile des Gebäudes neben zahlreichen Räumen für Verwaltungs- und bibliothekstechnische Zwecke einen großen Lesesaal, einen Manuskriptsaal und einen Ausstellungssaal. Im Erdgeschoß wurde ein Museum für jüdische Kultgegenstände eingerichtet. Es ist das reich- | VORNEHME FAM1L1ENPENSIQN j 1 vormais Dr. GRÜNBERG AM SEMMEPING g HOCHSTRASSB Nr. 43 <Bfl rlOTIL PANHANS) f 1 Pension von S 12.- aufw Kaffeehaus Und Tanz* I g geiegenheit im Hause Besitzer: CCK9TIIN Tel I | Semmering Nr. 11 fHaftende» Warmu. Kalt. I I wasser in ledern Zimmer | fllllllllllllllllllllllllllllllllllllllilllllillllllllllllllllillllllliH

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