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Die neue Welt · 1930-12-19 · Heft 170 (19.12.1930) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 170 (19.12.1930)
Date
1930-12-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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" Nf. TfÖ DIE NEUE WELT Sei te t * (im Fernen Osten ist der freie Handel noch geduldet). Ihrer Herkunft nach handelt es sich in der Hauptsache uffl litauische und ukrainische Juden, die in Biro- Bidschan keine entsprechende Beschäftigung finden konnten oder den Anforderungen der schweren Arbeit dort nicht gewachsen waren. Auch in den anderen Städten des Fernen Ostens haben sich jüdische Arbeiter niedergelassen. Mehrere jüdische Jugendliche werden in landwirtschaftlichen Schulen, andere als Schiffsmaschinisten ausgebildet. Jüdische Not auch in New York. New York, 10. Dezeinbar. Inifolge der in diesem Jahre besonders schlechten Theatersaison haben die Direktoren der neun jiddischen Theater New Yorks Verhandlungen mit den Theatergewerksdiafitcn eingeleitet, um die Zustimmung des Per-sornals zu einer Reduktion der Gage in au erlangen. Wöbrend die Schauspieler sieh zu Zugeständnissen bereit zeigten, ain-d die Verhandlungen an dorn Widerstand der Musikergewerkschaft gescheitert. Infolgedessen haben sich die Direktoren aller neun jiddischen Bühnen New Yorks genötigt gesellen, ihre Betriebe bis auf Weiteres zu schließen. Einstellung der Einwanderung nach Amerika. Washington, 10. Dezember. Die Immigrationskommission des Repräsentantenhauses hat mit acht gegen fünf Stimmen den Gesetzentwurf zur Einstellung der Einwanderung in die Vereinigten Staaten während der nächsten zwei Jahre angenommen. Eine Ausnahme ist nur zugunsten jener Frauen und minderjährigen Kinder legal zugelassener Ausländer vorgesehen, denen seitens der amerikanischen Konsulate ihrer Herkunftsländer bis spätestens 10. Dezember 1930, 12 Uhr mitternachts ein Visum erteilt wurde. Diese Frauen und Kinder sollen im Rahmen der Quote zur Einwanderung zugelassen werden. Die Immigrationskommission befaßt sich noch mit weiteren Amendements zu dem Gesetzentwurf, den sie nach endgültiger Textierung dem Kongreß vorlegen wird. In den Monaten Juli bis Oktober 1930 sind 2863 Juden in die Vereinigten Staaten eingewandert. Arbeitskonflikte in den jüdischen Kolonien« Jerusalem, 12. Dezember. Auch in diesem Jahre führen die jüdischen Arbeiter Klage darüber, daß bei der Orangenernte in den jüdischen Kolonien vorwiegend arabische Arbeiter beschäftigt werden. In der letzten Sitzung des Waad Leuini machte J. Suprasky Mitteilung von einem Beschluß der Pflanzer vom Petach Tikwah, eine größere Anzahl jüdischer Arbeiter während der die jährigen Orangenernte anzustellen, wenn die allgemeine jüdisdie Arbeiterorganisation einer Verminderung des Toglohnes von vier auf drei Schilling ziiistimimt Demgegenüber erklärten die Arbeitervertreter im Waad Loumi, daß die Pflanzer sdiooi früher eine L o h n r e d u k t i o n von nur einem halben Schilling vorgeschlagen haben und daß der nunmehrige Vorschlag zu einer noch geringeren Beschäftigung jüdischer Arbeiter führen müßte, da es jüdischen Arbeitern unmöglich sei, mit drei Schilling im Tag auszanke nimen, * Jerusalem, 13. Dezember. In Neß-Ziona fanden stürmische Demonstrationen arbeitsloser jüdischer Arbeiter statt. Uniter den Rufen: „Wir wollen Arbeit und Brot!'* durchzogen dde Arbeiter die Straßen der Siedlung. In mehreren Kolonistenhäusern wurden die Scheiben eingeschlagen. Erst als die Polizei Schreckschüsse in die Luift abgab, gelang es, die Demonstranten zu zerteilen. Ee wurden keinerlei Verhaftungen vorgenommen. Die hebräische Presse nimmt i Zentralsparkasse | miiiiiitiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiinitM I der Gemeinde Wien I luiiiiiiiiinniiiiHiiM^ r= | Wien /, Wipplingerstraße 8 | Fernruf: U-23~5-60 £• xs HB H 00 e= »s» ü 3 I! 3 Kreditverein der Anstalt* VII, Neubaugasse 7 Die Gemeinde Wien haftet mit ihrem gesamt enVermögen für alle Einlagen in der Anstalt „3BNTA", dir flott« Ruf senatlafel mit .Krimmer. kr»9«nundwgrmenfutter, schwarzbraun! od. beige, Garantie- RelBverschfuB S 24.80 fr Herren Strapazsocken, Meldegarn \ 1.10, <*».90 t Herren Modesocken mit und ohne Seideneffekt 2.00, 1.90 Qamen Florstrümpfe, gute Strapazqualität . .2.90, 1.90 WaschseldenstrUmpfe, erprobte Qualität, Ii» den neuesten' Modefarben............• . 4.90, 3.90> Damen Rippsstrümpfe, Maccogarn . . . . ^.90, 1,99 KlrüderstrUmpfe, strapazfähig, Meleagarn, Größe 3 1.10. 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Im Zu/sammeniliang mit den in Neß-Ziona stattgefundenen Demonstrationen gegen jüdische Kolonisten wurden 16 jüdische Arbeiter, dawunter 2wei Sekretäre der Arbeiterorganisation, v e r h a f t e t. Zwölf von ihnen wurden ins Gefängnis von Hamich gebracht. Da« Sekretariat der Arbeiterorganisation von Neß-Ziona gibt in einer Resolution seinem. Bedauern darüber Ausdruck, daß die Arbeitslosen ihre ZuNuclit zur Gewali genommen (haben, und fordert alle Arbeiter auf, strengste Disziplin zu wahren. Die Kolonisten von Cih ed e ra bemühen sich, eine friedliche Lösung der Arbeiitslosenfrage hei'beizufilhren. Es wird eine Liste der Pflanzer, die in der Lage sind, Arbeit zu vergeben, angelegt. In Petach Tikwaih haben Verlhandlungen jawisdien den Kolonisten und einer vereinigten Delegation des Waad Leumi und der Jewish Agency stattgefunden. Die Kolonisten beharren auf ihrer Forderung einer Ermäßigung des Taglobnea für jüdische Anbeiter von vier auf drei Schilling. Das britische Mandat in Gefahr, _ i . * nicht der Zionismus I Eine Aeußerung des Justizministers a. D. Justin Qodard. Der Pariser Korrespondent des „Neuen Wiener Journals" berichtet über eine längere Unterredung mit dem Justizminister a. D. Justin G o d a r d über Palästina und die verräterische Haltung der englischen Regierung gegenüber dem Zionismus. Godard, welcher die derzeitige englische Palästina*Politik für treulos und unsinnig hält, tagt zum Schlüsse; „Die mächtigen, feudalen Araber waren die Eroberer, sie verkauften um schwere Gelder den Grund und Boden, den ihre Ahnen durch Raub sich angeeignet hatten. Und wie sah dieser Grund und Boden aus? Durch Jahrzehnte und Jahr* hunderte unbebaut, war er von wandernden Ziegen* und Schafherden niedergetrampelt, von Gestrüpp überwuchert, von Malaria verbreitenden Morästen durchsetzt. An wenigen Orten nur vermochten Araber diesem dürren Boden eine Ernte abzuzwingen, Araber, die mit primitiven Mitteln zu Hungerlöhnen sich um den kargen Ertrag mühten. Ich habe diesen Boden gesehen, »achdom er In jüdische, Hände übergegangen war. Mit fast übermenschlicher Arbeit, zu der die Araber nicht das geringste beitrugen, begannen die jüdischen Kolonisten den Boden urbar zu machen. Und das Er* gebnis brachte nicht ihnen allein Gewinn: der allge*- meine Aufschwung kam auch dem arabischen Landarbeiter zugute, dessen Lebenshaltung sich in wenigen Jahren ganz bedeutend besserte. Den* noch gelangt die britische Regierung zu der Ansicht, der jüdische Grundbesitz dtfrfe sich nicht weiter aus* breiten, denn damit wäre der arabische Besitz be* nachteilige. In Palästina gibt es noch weite Ländereien, die, unbebaut, unfruchtbar, der Urbarmachung harren. Sie können kolonisiert werden, ohne daß irgend jemandes Rechte Einbuße erleiden. Palästina ernährt heute eine Million Menschen, kann aber gerade dreimal soviel erhalten. Will Großbritannien tatsächlich, daß die Bevölkerung des Landes gedeihe, so mag es auch den Arabern helfen, keinesfalls darf es die Kolonisierungsarbeit der Juden hemmen, die zur Hebung des Wohlstandes im ganzen Lande: so erfolg* reich beitrug. Es besteht gar k ein. Q r u od, 4 i o Einwanderung, geregelt von det Balfaur* Deklaration, einzudämmen. So wie die Dinge heute stehen, dürfte die Palästina« Politik der britischen Regierung an einem Widerstand scheitern: am Zionismus, der mit unermüdlicher Arbeit ein Werk in Palästina vollbringt, das groß und bedeutend ist und an keinen Hemmungen raohr scheitern kann,

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